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Buchhandel

 

Eine Buchhandlung in der Frühen Neuzeit sah völlig anders aus als heute: Vielfach gab es noch kein festes Ladengeschäft, in dem man in Ruhe unter den Neuerscheinungen stöbern konnte. Im 16. Jahrhundert begannen sich aber auch erste Ladengewölbe in der Nähe der städtischen Rathäuser, Kirchen und Universitäten zu etablieren.

Bis zum 16. Jahrhundert arbeitete der Verleger vor allem auf Bestellung für eine wohlhabende Schicht. Humanismus und Reformation verursachten einen starken Aufschwung des Buchmarktes, und zogen eine Flut verschiedener Schriften nach sich , die das Buch zu einer Massenware werden ließen. Hierdurch wurde der Verleger dazu gezwungen, unternehmerisch tätig zu werden. Er musste sich um Auflagen und Distribution kümmern und anders kalkulieren. Im Gegensatz zu den frühen Buchhändler, die meist aus wenig gebildeten Gesellschaftsgruppen stammten, kamen die Drucker und Verleger nun häufiger aus gelehrten Kreisen, hatten studiert und standen meist mit Gelehrten in engem Kontakt.


Abb. 1


Abb. 2-4



Zu Beginn der Massenproduktion von Büchern schickte der Drucker und/oder Verleger (oft sind diese nicht eindeutig zu trennen) einen Buchhändler - im zeitgenössischen Sprachgebrauch Buchführer - aus, der die Bücher verkaufen sollte. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts findet man selbständige Buchführer, die oft von den Buchbindern angegriffen wurden, da diese das Recht des Handels für sich beanspruchten. Aber auch die Druckerverleger selbst vertrieben ihre Bücher. Sie reisten häufig zu den Messen, um dort ihre eigenen und in zunehmenden Maße auch fremde Bücher im Großhandel abzusetzen. Die Buchführer betrieben meist Kleinhandel vor Kirchen oder dem Rathaus. Sie hatten bereits häufig einen festen Geschäftsitz und verkauften keine anderen Warenexistierte Als mobiler Händler ging der Hausierer oder Kolporteurauf Wanderschaft und verkaufte neben Büchern und Flugschriften noch andere Waren. Sein sozialer Status lag deutlich unter dem der anderen Buchhändler.

Im Laufe des 16. Jahrhunderts differenzierte sich der Buchhandel: Der Hausierer verlor stark an Bedeutung, da sich der Buchhandel auf die Messen im Frühjahr und im Herbst konzentrierte. Buchdrucker gehörten lange Zeit zu den angesehenen Berufen, da sie eine gewisse Bildung mitbrachten und da das Gewerbe als gewinnbringend eingeschätzt wurde. Die Buchführer wurden sehr oft gar nicht mehr erwähnt.

Viele Druckerverleger produzierten hauptsächlich für den lokalen und regionalen Bedarf, z. B. für die Belieferung eines Hofes, einer Universität oder einer Kanzlei. Oft waren sie privilegiert und mit einem Monopol ausgestattet. Die Buchbinder waren meist in Zünften organisierte Kleingewerbetreibende, die verbriefte Rechte besaßen und lange Zeit die alleinigen Anbieter gebundener Bücher auf Märkten und Messen waren Aufgrund ihrer privilegierten Stellung kam es häufig zu Streitigkeiten mit anderen Gewerben des Buchhandels. Als letzte Gruppe seien noch die sog. "Auchbuchhändler" erwähnt; meist Geistliche, Studenten, Kupferstecher oder auch Kaufleute, die Bücher als Teilangebot eines breiten Warensortiments verkauften.

Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde der zünftisch organisierte Buchhändler immer mehr mit Konkurrenz von "außen" konfrontiert. Dies war besonders in Frankreich der Fall, wo die Buchhändler nach der Vertreibung der Hugenotten, die häufig im Buchhandel tätig waren, heftige Konkurrenz aus dem Ausland erlebten. Die zur gleichen Zeit in Frankreich feststellbaren allgemeinen Zentralisierungstendenzen lassen sich auch auf dem Gebiet des Buchhandels beobachten: Colbert ließ zahlreiche Verlage in der Provinz schließen und vergab fast nur noch den in der Communauté des libraires et des imprimeures de Paris organisierten Buchhändlern und Druckern Privilegien.


Abb. 5

Durch die Aufklärung kam Bewegung in den Buchmarkt: Eine rasch anwachsende Leserschaft verlangte nach immer mehr Lesestoff, so dass es zu einen regelrechten Boom in zahlreichen Zentren des Buchhandels kam. Um den Bedürfnissen gerecht zu werden, wurden viele neue Verlage und Buchhandlungen gegründet, so dass ein heftiger Konkurrenz- und Preiskampf ausbrach. Außerdem wurde der Buchhändler vor neue Aufgaben gestellt und entwickelte sich schließlich zu einem wichtigen Vermittler zwischen der schreibenden und lesenden Welt und zum Träger geistiger Reformen. Es entstand eine enge Verbindung zwischen Literatur und Buchhandlung, zudem waren zahlreiche Buchhändler auch als einflussreiche Schriftsteller tätig: Im deutschsprachigen Raum z. B. Friedrich Nicolai, Johann Jakob Bode, Friedrich Justin Bertuch oder Joachim Heinrich Campe.

An einen Buchhändler wurden hohe Erwartungen gestellt: Er musste gebildet und sehr belesen sein, in der Regel Latein beherrschen und studiert haben. Bevor er eigenständig tätig werden konnte, musste er eine fünf- bis sechsjährige Lehrzeit absolvieren und einige Jahre als Handlungsdiener gearbeitet haben.

Die Buchhandlung selbst entwickelte sich zu einem wichtigen Zentrum des geistigen Austausches. Man informierte sich dort nicht nur über Neuerscheinungen und kaufte Bücher, sondern führte anregende Gespräche über politische, philosophische oder literarische Themen. Die Buchhandlungen mussten sich daher von der Größe her anpassen und standen in enger Verbindung mit den entstehenden Lesegesellschaften.


Abb. 6

Der Buchhändler entwickelte sich in der Frühen Neuzeit von einem wenig gebildeten Kaufmann zu einem studierten Förderer der Kultur. Als ein Beispiel dafür sei der französische Buchhändler und Verleger Charles Joseph Panckouke genannt, dem es gelang, auf dem Pressemarkt ein Monopol zu errichten, sich mit der Buchpolizei gut zu stellen und gleichzeitig das Projekt der Encyclopédie zu fördern.

Wie sah die frühneuzeitliche Buchhandlung aus? Vielfach handelte es sich lediglich um kleinere Buden, in denen Neuerscheinungen und alte Auflagen verkauft wurden. Außerhalb des Ladens befestigte man Titelblätter oder schrieb Neuerscheinungen an. Im Laden selbst befanden sich hohe Regale, in denen einzelne Bücher standen. Meist lagen in den Regalen jedoch Ballen an Papier, denn bis zum 18. Jahrhundert war es in Deutschland üblich, Bücher in einzelnen Bögen zu verkaufen. In vielen Fällen befand sich auch ein Buchbinder im Laden, der die soeben gekauften Bögen sofort binden konnte. Lange Zeit hüteten nämlich die Buchbinder eifrig ihr alleiniges Recht, Bücher zu binden. In Frankreich verkaufte man bereits im 17. Jahrhundert vermehrt gebundene Bücher. Dort kam es auch häufig vor, dass in den Buchhandlungen weitere Waren, wie zum Beispiel Tinte, Federn oder Papier (Abb. 3) verkauft wurden.

[Beatrice Hermanns] 

Literatur:

Barber, Giles / Fabian, Bernhard (Hg.): Buch und Buchhandel in Europa im 18. Jahrhundert (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens; 4), Hamburg 1981

Berkvens-Stevelinck, Christiane: L'édition et le commerce du livre français en Europe, in: Histoire de l'édition francaise, Bd. II: Le livre triomphant 1660-1830, hg. v. Henri-Jean Martin / Roger Chartier, Paris 1984, 305-315

Gier, Helmut / Janota, Johannes: Augsburger Buchdruck und Verlagswesen, Wiesbaden 1997

Kapp, Friedrich / Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels, 4 Bde., 1886-1913

Künast, Hans-Jörg: "Getruckt zu Augspurg". Buchdruck und Buchhandel in Augspurg zwischen 1468 und 1555, Tübingen 1997

Martin, Henri-Jean: A la veille de la Révolution: crise et réorganisation de la librairie, in: Histoire de l'édition francaise, Bd. II: Le livre triomphant 1660-1830, hg. v. Henri-Jean Martin / Roger Chartier, Paris 1984, 516-525

Schmidt, Rudolf: Deutsche Buchhändler, deutsche Buchdrucker, Hildesheim (ND) 1997

Widmann, Hans: Der deutsche Buchhandel in Urkunden und Quellen, 1965

Wittmann, Reinhard: Geschichte des deutschen Buchhandels, 2. Auflage München 1999

 

Empfohlene Zitierweise

Schulz, Matthias/Hermanns, Beatrice: Buchhandel. Aus: Medien und Kommunikation in der Frühen Neuzeit, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/6pzgw/

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Erstellt: 10.03.2006

Zuletzt geändert: 10.03.2006


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