Kriegssammlung

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Bestandsübersicht Kriegssammlung

Sammlungskonzept

Die Bayerische Staatsbibliothek begründete 1914 eine der größten Kriegssammlungen im deutschsprachigen Raum. Sie wurde unter der Signatur H.un.app. (Historia universalis appendix) angelegt und gemäß einem klar definierten Erwerbungsprofil aufgebaut (Kriegssammlung H.un.app). Der damalige Leiter der Weltkriegssammlung Otto Glauning definierte das Ziel folgendermaßen:

Alles irgendwie erreichbare Material über den Weltkrieg, das zur Beantwortung aller mit dem Weltkrieg im Zusammenhang stehenden Fragen der Wissenschaft und des praktischen Lebens dienen kann, (sollte zusammengetragen werden).

Quelle: Otto Glauning: Die Kriegssammlung der Bayerischen Staatsbibliothek. Bericht über die Tätigkeit bis Ende 1918, in: Zentralblatt für Bibliothekswesen 36 (1919), S. 158-166; hier: S. 158.

Neben gedrucktem Schrifttum wurde auch ‚nicht bibliotheksfähiges‘ Material wie Maueranschläge, Postkarten, Brotmarken und ähnliches gesammelt und katalogisiert. Inhaltlich umfasst die Sammlung neben monographischer Literatur (darunter auch viele Akteneditionen) und Kriegserinnerungen große Mengen an zeitgenössischer Grauer Literatur. Darunter fallen Reden, Aufrufe, Pamphlete und amtliches Schrifttum wie Verordnungs-, Gesetzes-, Verwaltungs- und Amtsblätter. Aber auch Kriegszeitungen einzelner Industrieunternehmen oder verschiedener sozialer Gruppen wie Soldaten / Offiziere, Kriegsgefangene, Studenten und Professoren sind enthalten. Die Signatur ‚H.un.app‘ wurde an der Bayerischen Staatsbibliothek bis 1935 / 1936 vergeben. Man setzte die Sammlung jedoch bis 1981 unter dem Namen Kriegssammlung 1914-1918 fort.


Abb. 1: Schematische Darstellung der Struktur der Kriegssammlung

Heutiger Bestand

Zwar ist aufgrund von Kriegsverlusten aus den 1940er Jahren die gesamte Kriegssammlung nur unvollständig erhalten, doch sind immer noch rund 37.000 Katalogeinträge vorhanden. Die Zahl der Einzelbände liegt deutlich darüber, da Zeitschriften und mehrbändige Werke im Rahmen der Konversion oft nur mit einer Gesamtaufnahme verzeichnet wurden. Das Münchner Sammelprofil unterschied sich von den Profilen anderer großer Kriegssammlungen unter anderem dadurch, dass auch Publikationen aus der Revolutionszeit bis Januar 1920 in die Münchner Kriegssammlung aufgenommen wurden. Zudem wurde die Kriegssammlung H.un.app. bis 1935 / 1936 sowie in ihr angelegte Reihen und Periodika sogar weit darüber hinaus weitergeführt. Daher sind auch zu den Friedensverhandlungen, der Kriegsschulddebatte, den sozialen Folgen des Krieges oder zur literarischen Verarbeitung des Kriegserlebnisses (Memoiren-Literatur) umfangreiche Materialien enthalten. Die noch vorhandenen Titel der Kriegssammlung H.un.app. sind lückenlos im Spezialkatalog Erster Weltkrieg und Novemberrevolution sowie im Online-Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek nachgewiesen.

Einen Überblick über die Kriegssammlung der Bayerischen Staatsbibliothek gibt auch das Verzeichnis der „Kriegssammlungen in Deutschland 1914-1918“.

Alte Schlagwörter

Die gesamte Kriegssammlung wurde in einem speziellen Zettelkatalog beschlagwortet. Es handelt sich dabei um eine eher grobe Beschlagwortung: Neben Oberschlagwörtern wie „Weltkrieg“, „Weltkrieg 1914-“, „Weltkrieg 1914-18“, „Weltkrieg 1914-19“ ist meistens nur ein weiteres Unterschlagwort vergeben worden.

Teilweise sind diese alten Schlagwörter wiederum selbst von historischem Quellenwert. So finden sich unter ihnen z.B. heute nicht mehr gebräuchliche oder auch wertende Begriffe wie „Deutschtum“, „Durchhalten“, „Englische Heuchelei“, „Heldentaten“, „Heldentod“, „Fluchtabenteuer“ oder „Farbige Hilfsvölker“. Zudem versuchte man zeitweise – wohl aus nationalistischen Gründen – Fremdwörter zu vermeiden und stattdessen durch deutsche Begriffe auszudrücken: „Geschlechtsleben“ statt „Sexualität“ oder „Gesundheitspflege“ statt „Hygiene“. Zu den am häufigsten vergebenen Unterschlagwörtern zählen unter anderem die Begriffe „Erzählungen“ und „Erlebnisse“, aber auch Länderschlagwörter wie Deutschland, England usw. wurden oft vergeben, was sich auch an den 100 am meisten vergebenen alten Schlagwörtern (PDF, 48 KB) zeigt (Stand Juli 2015).

Im Spezialkatalog findet sich die alte Beschlagwortung beim Einzeltreffer in der Rubrik ‚Altes Schlagwort‘. Sukzessive werden sowohl alle Titel der Kriegssammlung außerhalb der Signaturgruppe ‚H.un.app.‘ als auch die alte Beschlagwortung in den Spezialkatalog eingearbeitet und auf dieser Grundlage zusätzlich um eine moderne normierte Beschlagwortung ergänzt. Daneben steht der alte Zettelkatalog auch als Mikrofichekatalog („Schlagwortkatalog 1911-1981 mit Sonderkatalogen“) für die Nutzung zur Verfügung. Er befindet sich bei der Information im Allgemeinen Lesesaal und kann dort direkt an einem Lesegerät genutzt werden.


Abb. 2: Karteikarte (handschriftlich)

 


Abb. 3: Schlagwort-Zettelkatalog der Kriegssammlung



Erstellt: 14.11.2015

Zuletzt geändert: 13.12.2015

Sammlungszeiträume

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