Sebastian Friedrich Zobell

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Sebastian Friedrich Zobell

(auch Zobel)

(*Kassel 11.10.1617 – †Regensburg 12.1.1671)

Geheimer Rat in Hessen-Kassel und seit 1662 Komitialgesandter in Regensburg.

Unterzeichnete für Hessen-Kassel die Rheinbundverträge vom 14. und 15. August 1658.

 


Sebastian Friedrich Zobell, Kupferstich
von Matthias van Somer. HAB Wolfenbüttel

Sebastian Friedrich Zobel war der Sohn Johann Zobells, eines renommierten Bremer Diplomaten im Dienste Hessen-Kassels und Dänemarks, sowie dessen Frau Juliane, einer Tochter des Kasseler Kammermeisters Johann Heugel. Geboren in Kassel, verbrachte Sebastian Friedrich einen Teil seiner Jugend in Bremen, wo sein Vater, nachdem er seinen Dienst in Kassel quittiert hatte, im November 1625 zum Bürgermeister gewählt worden war. Hier besuchte er die Schule bis sein Vater ihn 1628 für drei Jahre nach Paris mitnahm. Von 1635 bis 1641 studierte er in Kassel und anschließend in Straßburg Rechtswissenschaften.

 

Nach seinem Studium trat er 1645 in den Dienst der Landgräfin Amalie Elisabeth, der Mutter des noch minderjährigen Wilhelm VI. von Hessen-Kassel. Als Legationssekretär sammelte er während der Verhandlungen zum Westfälischen Frieden seine ersten diplomatischen Erfahrungen. Im Anschluss daran war er für ein Jahr Gesandter in Paris, wo er unter anderem versuchte, die für Hessen-Kassel ausstehenden französischen Subsidienzahlungen einzufordern. Im Rahmen diplomatischer Missionen wurde er 1649 nach Münster und 1651 nach Wien entsandt. Am 1. Mai 1653 heiratete Zobell seine Frau Sabine Christine Antrecht, Tochter eines Kasseler Regierungsrats. Im gleichen Jahr vertrat er Hessen-Kassel in Frankfurt im Rahmen einer Kommission zur Klärung der strittigen hessischen Erbrechtsfragen sowie auf dem Regensburger Reichstag.

Spätestens seit 1655 war Zobell ebenso wie Johann Caspar von Dörnberg (1616-1680) und Regner Badenhausen im Auftrag von Hessen-Kassel, das bereits der Hildesheimer Allianz angehörte, an Bündnisverhandlungen mit verschiedenen Fürsten beteiligt. Die Verhandlungen wurden parallel zu den Vorbereitungen zur Kaiserwahl intensiviert und führten zwei Wochen nach der Krönung am 1. August 1658 schließlich zum Erfolg. Am 15.8.1658 wurde der auf den 14. datierte Rheinbundvertrag von den meisten Vertragsparteien unterzeichnet. Die Kasseler Unterhändler Zobell und Badenhausen zögerten jedoch, weil sie angeblich noch auf die Ermächtigung ihres Dienstherrn warteten. Erst am nächsten Tag in Mainz, wo der gleichfalls um einen Tag vordatierte französische Beitrittsvertrag zur Unterschrift vorlag, gaben die hessischen Delegierten den Grund für ihr Zögern preis: Hessen-Kassel verlangte für den Vollzug der Verträge, dass Frankreich die noch ausstehenden Subsidienzahlungen aus früheren Bündnissen leistete. Einschließlich der angefallenen Zinsen handelte es sich um die stattliche Summe von 1.169.434 Livres (lt. Joachim, S. 494 ca. 400.000 Reichstaler). Erst nach tagelangem Streit erklärten sich die französischen Unterhändler Gramont und Lionne bereit, eine Zahlungsverpflichtung zu unterschreiben. In der Zeit vom 21. bis 25. August firmierten Zobell und Badenhausen schließlich die verschiedenen Ausfertigungen des Rheinbundvertrags und des französischen Beitritts in Mainz, Wiesbaden (?) und Frankfurt.

Nach weiteren bedeutenden diplomatischen Missionen wurde Zobel von 1662 bis 1669 als Komitialgesandter für Hessen-Kassel nach Regensburg delegiert, wohin er seine Familie mitnahm; dort starb auch seine Frau, mit der er sechs Kinder hatte, am 23. Mai 1664. Er selbst starb knapp sieben Jahre später in Kassel.

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur:

Strieder, Friedrich Wilhelm: Grundlage zu einer hessischen Gelehrten- und Schriftstellergeschichte: seit der Reformation bis auf gegenwärtige Zeiten, Bd. 15, Kassel 1806, S. 14-16.

Vehse, Eduard: Geschichte der deutschen Höfe seit der Reformation, Bd. 27.4, Abteilung, Teil 5: Geschichte der Höfe der Häuser Bayer, Württemberg, Baden und Hessen, Hamburg 1853, S. 93.

Joachim, Erich: Die Entwickelung des Rheinbundes vom Jahre 1658. Acht Jahre reichsständischer Politik. 1651-1658, Leipzig 1886.

Bippen, Wilhelm von: Zobel, Johann, in: Allgemeine deutsche Biographie (ADB), Bd. 45, Leipzig 1900, S. 383-385.

Schmidt, Ludwig: Christian Schmidt und seine Ahnen. Zusammengestellt aus Anlass der 100 Wiederkehr seines Geburtstags [7. Oktober 1828], Heilbronn 1928, S. 68-70.

Deutsches Biographisches Archiv (DBA) Bd. 1, Fichenr. 1417, S. 213.

 

Empfohlene Zitierweise

Peter Seelmann: Sebastian Friedrich Zobell. Aus: Der Erste Rheinbund (1658), in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/1ey/

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Erstellt: 06.08.2008

Zuletzt geändert: 20.03.2013


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