Aufsätze

Karola Fings

In der Zentrale des Terrors

Disziplinierung und Verfolgung von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen durch die Kölner Staatspolizeistelle

In Zelle 1 im Keller des EL-DE-Hauses, das von 1935 bis 1945 Sitz der Staatspolizeistelle Köln war, findet sich folgende, auf Russisch geschriebene Inschrift:

„Hier hat wegen Flucht gesessen
Lena Suchanzowa
aus dem Gebiet Poltawa,
Bezirk Dikanka,
Dorf Gluchowo.
Ich sitze schon seit dem 6.9.44,
bis zum 15. in der Stadt Brühl, dann
wurde ich nach Köln gebracht, vom 15.11.44.“ [1]

Darunter ist in gleicher Handschrift ergänzt: „bis 16., 17., 18.,“.Dann verliert sich die Spur von Lena Suchanzowa. Die hier in Umrissen erkennbare Verfolgungsgeschichte dürfte typisch für die vielen ausländischen Gefangenen sein, die in den vierziger Jahren in den Zellen des ELDE-Hauses eingekerkert worden sind. Flucht oder ein anderes tatsächlich oder vermeintlich deviantes Verhalten führten zur Festnahme durch die Ortspolizeibehörde und zur Überstellung in die Kölner Zentrale des Terrors.

Die Zuständigkeit der im April 1933 eingerichteten Staatspolizeistelle erstreckte sich zunächst auf den Regierungsbezirk Köln, bis ihr im Juli 1942 auch der Regierungsbezirk Aachen und die annektierten Kreise Eupen und Malmedy unterstellt wurden. [2] Die aufgelöste Stapostelle Aachen wurde nun als Außendienststelle geführt, ergänzt um mehrere Grenzpolizeikommissariate und Grenzpolizeiposten im Westen. Bereits im April 1938 war in Bonn am Kreuzbergweg 5 eine für Stadt und Kreis Bonn sowie Euskirchen zuständige Außendienststelle errichtet worden. Für die Rheinprovinz übernahm im September 1939 die Staatspolizeileitstelle Düsseldorf gegenüber der Berliner Zentrale die Leitungsfunktion.

Mit Beginn des „Ausländereinsatzes“ in der deutschen Kriegswirtschaft, der angesichts der Arbeitsmarktlage als notwendig, aus sicherheitspolitischen Gründen jedoch als problematisch angesehen wurde, übernahm die Gestapo nicht von ungefähr eine Schlüsselfunktion bei der Kontrolle und Disziplinierung der Ausländer. Zum einen waren der Kontrollanspruch und die Sanktionsmöglichkeiten der Gestapo mit Kriegsbeginn nochmals deutlich radikalisiert worden. „Jeder Versuch“, so der Chef der Sicherheitspolizei am 3. September 1939 an alle Staatspolizei(leit)stellen, „die Geschlossenheit und den Kampfwillen des deutschen Volkes zu zersetzen, ist rücksichtslos zu unterdrücken.“ [3] Zum anderen hatte Heinrich Himmler als „Chef der Deutschen Polizei“ mit der reichsweiten Verzahnung von Gestapo und Kriminalpolizei zur Sicherheitspolizei (Juni 1936) und deren einheitlicher Führung im Reichssicherheitshauptamt (September 1939) einen der justiziellen Kontrolle weitgehend entzogenen Apparat etablieren können. Als „Hüter der Heimatfront“ verfolgten die Stapostellen den „inneren Feind“, wozu bald auch die Angehörigen jener Nationalitäten zählten, die von nicht wenigen Gestapo-Angehörigen bereits an den militärischen Fronten bekämpft worden waren. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den osteuropäischen Arbeitskräften, die nach der rassistischen Kategorisierung der Nationalsozialisten als „minderwertig“ und politisch als Gefahr angesehen wurden.

Von zentraler Bedeutung für die breite Durchsetzung des Sicherheitskonzeptes war schließlich, dass der Handlungsrahmen der Gestapo nicht im Verborgenen blieb, sondern ein hohes Maß an Öffentlichkeit erreichte. Die am „Ausländereinsatz“ beteiligten Personen in Behörden und Betrieben waren mit den einschlägigen Regularien vertraut. Schon mit den sogenannten „Polenerlassen“ vom März 1940 war die Einleitung „schärfster staatspolizeilicher Maßnahmen“ bei renitentem Verhalten gegenüber deutschen Vorgesetzten in den Betrieben oder bei „unsittlichem Verhalten“ gegenüber der deutschen Bevölkerung festgelegt worden. [4]

In den Bestimmungen über den „Russeneinsatz“ stand der sicherheitspolizeiliche Aspekt noch deutlicher im Vordergrund. In einem Runderlass vom 20. Februar 1942 betonte Heinrich Himmler, der Einsatz der Arbeitskräfte aus „altsowjetischem Gebiet“ berge „größere Gefahren in sich als jeder andere Ausländereinsatz“. [5] Mit dem Masseneinsatz von „Ostarbeitern“ waren daher von Beginn an noch schärfere diskriminierende Vorschriften verbunden, als sie bereits für polnische Arbeitskräfte eingeführt worden waren. In den Stapoleitstellen wurden eigene Referate für den „Russeneinsatz“ gebildet, es wurde aber auch die Zusammenarbeit zwischen Gestapo und Betrieb verfestigt. Dazu gehörte, dass die Gestapo die Unterkünfte der Betriebe auf Sicherheitsbelange überprüfte und sich die Ahndung jeglicher Disziplinlosigkeiten vorbehielt. Damit einher ging aber auch der Ausbau von Vorfeldorganisationen der Gestapo in den Betrieben: Der Werkschutz wurde von Gestapobeamten angeleitet, und jeder Betrieb, der „Ostarbeiter“ beschäftigte, hatte einen politischen Abwehrbeauftragten zu ernennen. [6] In den „Ostarbeitererlassen“ war ebenfalls festgelegt worden, dass Kriminal- und Schutzpolizei sowjetische Zwangsarbeiter/innen bei Delikten an die Gestapo und nicht an die Justiz zu übergeben hatten. [7]

Keine Untersuchung über Zwangsarbeit kommt daher daran vorbei, die besondere Funktion und vor allem die Praxis der Gestapo gegenüber ausländischen Arbeitskräften zu betrachten. Die Geschichte der Kölner Staatspolizeistelle, die für die in diesem Band behandelte Region zuständig war, ist erst in Ansätzen erforscht. Manfred Huiskes schrieb bereits 1983 einen heute noch wichtigen Überblick, wobei er sich größtenteils auf die wenigen im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf überlieferten Gestapoakten stützen musste. [8] Die inzwischen erweiterten Kenntnisse fasste Severin Roeseling, der ein Forschungsprojekt über die Kölner Gestapo im NS-Dokumentationszentrum durchführte, im letzten Jahr zusammen. [9] Vor allem für die letzten beiden Kriegsjahre ist die 1989 erschienene Arbeit von Bernd-A. Rusinek über Terror, Illegalität und Widerstand in Köln von Bedeutung, weil sie ausführlich die gegen „Ostarbeiterbanden“ gebildeten Gestapo-Sonderkommandos behandelt. [10] Dagegen liegt der Schwerpunkt der jüngst auf Deutsch erschienenen Publikation von Eric A. Johnson auf den antijüdischen Aktivitäten. [11] Die Geschichte der Außendienststellen Aachen und Bonn ist bislang nur bruchstückhaft erforscht. [12]

Da die Ergebnisse eines im NS-Dokumentationszentrum begonnenen Forschungsprojektes über Zwangsarbeit erst im Frühjahr 2003 vorliegen werden, können hier lediglich einige Aspekte angerissen werden. [13] Insgesamt ist die Quellenlage sehr disparat. Neben den schon erwähnten Akten der Kölner Stapostelle im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf finden sich dort Sondergerichtsakten, denen vereinzelt Hinweise entnommen werden können, sowie einige Akten der ehemaligen Kriminalpolizeileitstelle Köln, die Zwangsarbeiterbetreffe auch für die Region aufweisen. [14] Zeitgenössische Prozessakten, vor allem aber die Nachkriegsüberlieferung der Justiz sowie Entschädigungs- und Spruchkammerakten müssen noch systematisch für das Thema ausgewertet werden. Unterlagen, die nach 1945 für den Internationalen Suchdienst zusammengetragen wurden und im Kölner Stadtarchiv überliefert sind, enthalten ebenfalls etliche Polizei- oder Gestapo-Betreffe. [15]

Eine wichtige Quellengruppe sind die Wandinschriften aus den Jahren 1943 bis 1945, die in den ehemaligen Zellen des EL-DE-Hauses erhalten sind. Die rund 1.800 Inschriften oder Zeichnungen stammen überwiegend von Ausländerinnen und Ausländern; allein ein Drittel von ihnen ist auf Kyrillisch verfasst. [16] Im NS-Dokumentationszentrum selbst ist seit 1990 ein großer Bestand von persönlichen Unterlagen ehemaliger Zwangsarbeiter/innen angelegt worden. Dieser Bestand ist umso wichtiger, als von städtischer Seite oder von Betrieben so gut wie keine personenbezogenen Quellen aus der NS-Zeit, etwa Melde- oder Versicherungsunterlagen, überliefert sind. Briefe und Berichte, Interviews und persönliche Papiere sowie eine umfangreiche Sammlung von Fotografien konnten vor allem dank des städtischen Besuchsprogramms für ehemalige Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zusammengetragen werden. [17]

Alle erwähnten Quellen werden im NS-Dokumentationszentrum sukzessive in einer Datenbank über Zwangsarbeit in Köln erfasst. Diese Datenbank umfasst zur Zeit rund 17.000 Einträge zu Personen und rund 400 Einträge zu Lagerstandorten, Arbeitsplätzen oder Wohnungen von ausländischen Arbeiter/innen. Zwar ist damit erst ein Bruchteil der in Köln eingesetzt gewesenen Zwangsarbeiter/innen identifiziert, aber die Datenbank bietet schon jetzt eine hervorragende Ausgangsbasis für Forschungen – auch für das Thema Gestapo und Zwangsarbeit. [18]

Am 1. September 1941 lebten im Regierungsbezirk Köln rund 1,6 Millionen Menschen, darunter rund 25.500 „Ausländische Arbeiter“ und 9.400 „Reichsangehörige Juden“. Etwa zur gleichen Zeit bestand das Personal der Kölner Stapo aus 110 Personen. [19] Während das Gestapo- Personal weiter reduziert wurde, stieg die Anzahl der Ausländerinnen und Ausländer stetig an und erreichte im Herbst 1944 ihren Höhepunkt. Rückblickend schrieb am 9. November 1944 der damalige Stapostellenleiter Dr. Max Hoffmann : „Durch das Hereinholen Millionen ausländischer Arbeiter aus den besetzten Gebieten haben sich der Staatspolizei neue Aufgaben zu den allgemeinen hinzugesellt.“ [20] Diese Verschiebung des Tätigkeitsprofils in der Kölner Stapo entsprach der reichsweiten Entwicklung. [21]


Abb. 1

Folgt man einer anderen Statistik aus dem gleichen Zeitraum, so war im Bezirk des Gauarbeitsamtes Köln-Aachen etwa an jedem siebten Arbeitsplatz ein Ausländer oder eine Ausländerin beschäftigt. [22] Allein das Zahlenverhältnis zeigt, dass auch die Kölner Gestapo mit dem eigenen Personal ihrem Kontrollanspruch nicht genügen konnte und, wie jüngere Forschungsergebnisse nahelegen, wesentlich auf die Mitarbeit anderer Institutionen und die Zuarbeit von Einzelpersonen angewiesen war. [23]Die Kooperation von Kriminalpolizei und Ortspolizeibehörden, [24] von Betrieben und Justizbehörden sowie von Spitzeln unter den Zwangsarbeiter/innen mit der Gestapo gehört daher ebenfalls in diesen Kontext. Außerdem ist zu fragen, in welchen Fällen die Gestapo aktiv wurde und über welche Sanktionsmittel gegen Zwangsarbeiter/innen sie verfügte. Drei Problembereichen des „Ausländereinsatzes“ widmete die Gestapo besondere Aufmerksamkeit: dem rassistisch begründeten Gebot der Trennung von der „Volksgemeinschaft“, der Einhaltung der Arbeitsdisziplin und der Unterdrückung und Verfolgung politischen Widerstandes. Gegen „verbotenen Umgang mit Ausländern und Kriegsgefangenen“, seit Ende 1940 ein Massendelikt im Deutschen Reich, ging die Gestapo mit abgestuften Maßnahmen vor. Freundschaftliche Kontakte etwa wurden durch Verwarnungen und ähnlich niedrigschwellige Sanktionen unterbunden. [25] Massiv sanktioniert wurden dagegen Liebesbeziehungen. Während Beziehungen Deutscher mit den vom Status besser gestellten „Zivilarbeitern“ etwa aus den Niederlanden oder Skandinavien keinesfalls immer zu schweren Strafen führen mussten und in der Regel von der Justiz geahndet wurden, [26] waren Franzosen, Polen und „Ostarbeiter“ bei Beziehungen zu deutschen Frauen der Gestapo zu übergeben. Deutsche Frauen waren bei verbotenen Sexualbeziehungen mit einer Einweisung in ein Konzentrationslager bedroht, wogegen deutsche Männer damit nur rechnen mussten, wenn sie als Vorgesetzte oder Lagerführer eine Beziehung eingegangen waren oder die Frau schwanger geworden war. [27] Für Polen und „Ostarbeiter“ kam die Auslieferung an die Gestapo einem Todesurteil gleich.

Eine Quantifizierung solcher Fälle ist für den Bereich der Stapostelle Köln bislang nicht möglich. Anhand mehrerer bekannter Einzelfälle wird jedoch deutlich, dass dieses „Delikt“ konsequent verfolgt wurde. Im Oktober 1943 meldete etwa ein Spitzel der Stapo, eine Frau S. aus Merzenich bei Düren unterhalte Beziehungen zu einem polnischen Arbeiter. Der Vorgang wurde an das Referat IV D „zur weiteren Veranlassung“ übergeben. [28] Das Referat IV D gehörte zu der „Abteilung III: Ausländer und Abwehr“ der Kölner Gestapo und befasste sich u.a. mit „fremdländischen Arbeitskräften“, „fremdländischen Widerstandsbewegungen“ und „Arbeitsvertragsbruch“. [29] Der Verbleib von Frau S. ist ebenso wenig geklärt wie die Frage, was mit dem 20jährigen Warschauer Michael P. geschah, der im November 1944 wegen „intimem Verkehr mit einer Deutschen“ in Düren festgenommen wurde. [30] Hinrichtungen aufgrund „verbotenen Umgangs“ wurden, sofern nicht staatspolizeiliche Bedenken vorhanden waren, zur Abschreckung oft am Wohnort der Betroffenen vorgenommen.

Bereits seit 1941 nahm die Verfolgung von „Arbeitsverweigerung“ einen immer größeren Anteil der Alltagsarbeit in der Stapostelle Köln ein. Bei den insgesamt 2.090 Verhaftungen, die die Stapo im August 1943 anordnete, war 1.713 mal „Arbeitsverweigerung“ als Haftgrund angegeben. Darunter befanden sich 1.660 Ausländer (97 %): 884 „Ostarbeiter“, 222 Belgier, 219 Franzosen, 173 Niederländer, 123 Polen und 29 Angehörige sonstiger Nationen. [31] Unter „Arbeitsverweigerung“ wurden „Bummelantentum“, Sabotage, zu lange Fehlzeiten oder auch Flucht von der Arbeitsstelle („Arbeitsvertragsbruch“) gefasst.

Die in den vierziger Jahren meist überbelegten zehn Arrestzellen des „Hausgefängnisses“ im EL-DE-Haus [32] waren ohnehin nur für die kurzfristige Unterbringung der Festgenommenen gedacht. Die Gestapo verschaffte sich daher mehrere zusätzliche Hafteinrichtungen. Seit Anfang 1942 nutzte sie Räume der Arbeitsanstalt Brauweiler dauerhaft als Haftstätte. [33] Auf dem Gelände der Kölner Messe wurde im Bereich des heutigen Tanzbrunnens im September 1942 ein Barackenlager als Polizeihilfsgefängnis errichtet. [34] 1944 beschlagnahmte die Gestapo einen Gebäudeflügel des Justizgefängnisses Klingelpütz sowie einen Flügel im Zuchthaus Rheinbach, Anfang 1945 verlegte man Häftlinge wegen der näherrückenden Front in das Zuchthaus Siegburg. [35] Alle diese Haftstätten dienten zunächst der Bearbeitung der „Fälle“: Akten wurden angelegt und Verhöre – oft unter Folter – durchgeführt, bis schließlich entschieden war, was mit den Festgenommenen geschehen sollte. Dies konnte Entlassung, Übergabe an die Justiz, Einweisung in ein „Arbeitserziehungslager“, Deportation in ein Konzentrationslager oder „Sonderbehandlung“, also Ermordung, bedeuten.

Bei Verstößen gegen die „Arbeitsdisziplin“ nutzte die Kölner Stapo seit 1941 die Möglichkeit, aus diesem Grund Verhaftete für eine begrenzte Zeit in eines der „Arbeitserziehungslager“ (AEL) einzuweisen. Mit dem Ziel, sowohl Arbeitskräfte für bestimmte Bauvorhaben zu rekrutieren als auch Delinquenten wirksam zu disziplinieren, unterhielt die Stapo Köln seit Juni 1941 am Flughafen Essen-Mülheim ein AEL, das vornehmlich für „vertragsbrüchige Westarbeiter“ vorgesehen war und dessen Gründung auf die Initiative des Höheren SS- und Polizeiführers West zurückging. [36]

Aufgrund der langen Transportwege nach Essen-Mülheim wurden die auf Kölner Stadtgebiet errichteten Lager für die in Köln und Umgebung Verhafteten in sehr viel größerem Umfang genutzt. Seit April 1943 lieferte die Kölner Stapo männliche, größtenteils ausländische Häftlinge jeweils für einen befristeten Zeitraum in ein in der Kölner Messe gelegenes Außenlager des KZ-Buchenwald ein. Die Eingelieferten unterlagen den gleichen Lebens- und Arbeitsbedingungen wie die KZ-Häftlinge, konnten aber nach einigen Wochen wieder entlassen werden. Nach dem Abzug des Außenlagers betrieb die Gestapo dieses sowie das am Tanzbrunnen gelegene Polizeihilfsgefängnis als AEL weiter, bis das Lager im Oktober 1944 ausgebombt wurde und nach Köln-Müngersdorf verlegt werden musste. [37] Zeitweilig unterstand dem AEL in der Kölner Messe ein etwa 100 Personen fassendes Lager in Bad Godesberg, das aufgrund einer Vereinbarung zwischen Gestapo und Stadtverwaltung eingerichtet worden war. [38]

Vor allem die Lager in der Kölner Messe waren in der Region bald berüchtigt. Mehrere tausend Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter haben diese Lager durchlaufen. Unter ihnen befand sich etwa Grigorij P. aus Weißrussland, der aus Ahrweiler nach Efferen geflohen war, dort im Sommer 1943 von einem Polizisten verhaftet und der Gestapo übergeben wurde. Nach einigen Wochen im Lager wurde er vom Arbeitsamt zu einem Kohlenhändler nach Efferen geschickt. [39] Auch der aus Brühl geflohene Russe St. verbrachte dreißig Tage in Gestapohaft. [40]


Abb. 2

Auf AEL-Haft griff die Gestapo aber nicht nur bei „Arbeitsverweigerung“ zurück, sondern auch zur Bestrafung bei kleineren Delikten. So wurde gegen den 24jährigen Stanislaus R. im Januar 1945 eine achtwöchige AEL-Haft angeordnet, nachdem er in Brühl mit der Beschuldigung festgenommen worden war, gemeinsam mit einem polnischen Kriegsgefangenen der Zuckerfabrik Brühl etwa 12 Pfund Zucker entwendet zu haben. [41] Dagegen wurden kleinere Delikte westlicher „Zivilarbeiter“ weiter von der Kriminalpolizei verfolgt und von der Justiz geahndet. [42]

Neben den Lagern in der Kölner Messe unterhielt die Gestapo in Kooperation mit größeren Firmen spätestens seit 1944 mehrere betriebliche „Arbeitserziehungslager“. In Köln gab es bei den „Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken AG“ und bei der Firma „Glanzstoff- Courtaulds GmbH“ solche Haftstätten. [43] Die übrigen unter KölnerAufsicht stehenden AEL in der Region sind noch relativ unerforscht. [44] Offensichtlich hat es auch auf dem Werksgelände der „Union Rheinische Braunkohlen Kraftstoff Aktiengesellschaft“ in Wesseling ein AEL gegeben. [45].Mehrfach wird in Quellen im Zusammenhang mit der Firma der Begriff „Lager Wesseling“ oder „Wesseling Südlager II“ verwendet. [46]

Die Gestapo-Haft war freilich für viele nur eine Vorstufe zur „Schutzhaft“, der Deportation in ein Konzentrationslager. Ab Februar 1944 waren nach einem Befehl Heinrich Himmlers alle wiederergriffenen flüchtigen „Ostarbeiterinnen und Ostarbeiter“ sofort in ein Konzentrationslager zu überführen. Die Kölner Gestapo ordnete daraufhin an, Frauen in das Polizeihilfsgefängnis Deutz und Männer in das Außenlager von Buchenwald einzuliefern. [47] Von dort gingen, vor allem gegen Kriegsende, mehrfach große Transporte mit meist ausländischen Gestapohäftlingen nach Buchenwald, aber auch in andere Konzentrationslager ab. [48]

Für die Deportationen der Zwangsarbeiter/innen war zu dieser Zeit nicht mehr nur die Gestapo, sondern auch die Kriminalpolizei verantwortlich. Nach einem Erlass des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD vom 4. Dezember 1944 wurde die Kriminalpolizei zur „selbständigen Ahndung von Delikten der kleineren und mittleren Kriminalität, die von polnischen und sowjetrussischen Zivilarbeitern begangen worden sind“, ermächtigt. [49] Seit Dezember 1937 konnte die Kriminalpolizei bestimmte Personengruppen in „Vorbeugungshaft“ nehmen und in ein Konzentrationslager deportieren lassen. [50] Diese Praxis war auf immer größere Bevölkerungskreise ausgeweitet worden. Zahlreiche Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen sind wegen geringfügiger Vergehen noch in den letzten Kriegswochen in Konzentrationslager deportiert worden. Alexis M. etwa, in Frechen wegen Fahrraddiebstahls festgenommen, wurde als „gemeingefährlicher Vorbeugungshäftling“ in Köln inhaftiert. [51] Während M. einer Deportation durch Flucht entgehen konnte, wurden vier Zwangsarbeiter der Firma Deutsche Norton aus Wesseling und zwei Zwangsarbeiter aus dem Eisenwerk Brühl noch im Februar 1945 nach Buchenwald deportiert. [52] Drei weitere sowjetische Zwangsarbeiter aus Wesseling waren von der Union-Kraftstoff AG wegen Diebstahls an die Kölner Polizei ausgeliefert worden und sollten ebenfalls nach Buchenwald deportiert werden. Ob diese Deportation tatsächlich erfolgte, ist aus den Akten jedoch nicht ersichtlich. [53]

Hunger und Heimweh, Arbeitsterror und miserable Lebensbedingungen, Erniedrigungen und Gewalt zwangen fast alle Zwangsarbeiter/innen zu mehr oder weniger deviantem Verhalten, was wiederum vom polizeilichen Apparat vor allem angesichts der Frontnähe 1944 umso brutaler bekämpft wurde. Im zerbombten Köln hielten sich 1944 vermutlich hunderte illegalisierte Ausländer/innen auf, die ihr Überleben durch Diebstähle sicherten und notfalls auch mit Waffengewalt verteidigten. Daneben gab es aktive Widerstandsgruppen unter Zwangsarbeiter/innen, die auch über Köln hinaus Verbindungen aufgebaut hatten. Gegen diese politisch immer weniger kontrollierbare Situation ging die Gestapo mit einer Großoffensive gegen „politische, sowjetische und französische Widerstandsgruppen“ vor. In diesem Zusammenhang waren bis Herbst 1944 mindestens 550 Festnahmen erfolgt. [54] Nur Wenige wurden mangels Beweisen wieder entlassen. Dieses Glück hatte der Franzose Joannes G., den die Gestapo am 14. November 1944 unter dem Vorwurf festnahm, gemeinsam mit dem Personalchef der Union-Kraftstoff in Wesseling Vorbereitungen für das Absetzen aus dem Deutschen Reich über die Schweizer Grenze getroffen zu haben. [55] Die meisten der polnischen, sowjetischen und französischen Zwangsarbeiter/innen aus Köln und dem Umland wurden im EL-DE-Haus, aber vor allem in Brauweiler von mehreren Sonderkommandos der Stapo verhört, gefoltert und entweder deportiert oder ermordet. [56]


Abb. 3

Diese Eskalation der Gewalt blieb der Öffentlichkeit nicht verborgen. Schießereien auf den Straßen Kölns und die tödlichen Schüsse auf prominente Gestapo-Angehörige, etwa den oben erwähnten Leiter Max Hoffmann, beantwortete die Gestapo mit öffentlichen und nicht öffentlichen, jedoch kaum mehr geheim gehaltenen Massenhinrichtungen. Den Auftakt machte die berüchtigte Erhängung von 11 Zwangsarbeitern in Ehrenfeld am 25. Oktober 1944. [57] Schauplatz von Hinrichtungen war jedoch in erster Linie der Innenhof des EL-DE-Hauses. Die „Sonderbehandlung ausländischer Arbeiter“ nahm die Kölner Stapo, gestützt auf einen Freibrief des Inspekteurs der Sipo und des SD in Düsseldorf, nach eigenem Ermessen vor. [58] Am 24. Januar 1945 hatte er nach Köln telegraphiert: „Die gegenwärtige Gesamtlage wird Elemente unter den ausländischen Arbeitern und auch ehemalige deutsche Kommunisten veranlassen, sich umstürzlerisch zu betätigen. Größte Aufmerksamkeit ist daher geboten. (...) Es ist in allen sich zeigenden Fällen sofort und brutal zuzuschlagen. Die Betreffenden sind zu vernichten, ohne im formellen Weg vorher bei RSHA [= Reichssicherheitshauptamt] Sonderbehandlung zu beantragen.“ [59]. Ebenfalls im Januar 1945 erweiterte sich angesichts der erheblich zerstörten Infrastruktur der Ermessenspielraum der Außendienststellen, Außenposten und Kommandos erheblich. Alle anfallenden Fälle konnten selbständig abschließend bearbeitet werden, Haftraum wurde selbst beschafft und Festgenommene sollten nur noch dann nach Köln überstellt werden, „wenn eine Spezialbehandlung durch hiesige Fachkräfte notwendig ist“. [60]

Die Anzahl der „Sonderbehandlungen“, die die Angehörigen der Kölner Stapostelle persönlich vornahmen, erreichte bei Kriegsende ein exorbitant hohes Maß. 437 anonym auf dem Westfriedhof zwischen August 1944 und Februar 1945 bestattete Leichen sind vermutlich alle Opfer der Gestapo. [61] Die meisten von ihnen waren, wie aus den Bestattungsbüchern hervorgeht, ausländischer Nationalität. [62] Unter ihnen befindet sich möglicherweise auch die Leiche der eingangs zitierten Lena Suchanzowa.

Das Panorama der Gestapo-Aktivitäten ist damit nur knapp umrissen. [63] Es kann davon ausgegangen werden, dass ein hoher Anteil der Zwangsarbeiter/innen von (staats)polizeilichen Massnahmen betroffen war. Statistische Auswertungen noch vorhandener Melderegister könnten hier zu genaueren Einschätzungen führen. [64] Unscharf bleiben bislang vor allem die Akteure, die sich an dem weitläufigen Netz aus Kontrolle und Repression aktiv beteiligten. Die Frage, wie sich die Zusammenarbeit zwischen der Zentrale des Terrors und der Peripherie gestaltete, lässt sich für Köln möglicherweise nur von den Rändern aus aufhellen.

Anmerkungen

  • [1]

    Manfred Huiskes, Die Wandinschriften des Kölner Gestapo-Gefängnisses im EL-DE-Haus 1943-1945 (= Mitteilungen aus dem Stadtarchiv Köln, Heft 70), Köln/Wien 1983, S. 156, Inschrift Nr. 553.

  • [2]

    Horst Romeyk, Verwaltungsund Behördengeschichte der Rheinprovinz 1914-1945, Düsseldorf 1985, S. 272, verweist auf einen Erlass des Chefs der Sipo und des SD vom 27.5.1942 und datiert die Unterstellung auf den 1.7.1942; Huiskes, Wandinschriften, S. 26, nennt den Januar 1943.

  • [3]

    Bundesarchiv Berlin (BA), R 58/243, Bl. 202-204.

  • [4]

    Zu den Erlassen ausführlich Ulrich Herbert, Fremdarbeiter. Politik und Praxis des „Ausländer- Einsatzes“ in der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches, Bonn 2. Auflg., 1986, S. 74-82.

  • [5]

    Vgl. Ebd., S. 154-157. Zitat nach dem Erlass an die Dienststellen der Sipo und des SD vom 20.2.1942, nach: BA, RD 19/3, Bl. 91.

  • [6]

    Dieser Prozess war mit der im Oktober 1943 erfolgten Unterstellung des Werkschutzes unter die Gestapo abgeschlossen, vgl. Klaus Drobisch, Der Werkschutz – betriebliches Terrororgan im faschistischen Deutschland, in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte, 1965, Nr. 6, S. 215-247, hier S. 220.

  • [7]

    Diese Bestimmung wurde Ende 1942 auch auf polnische Arbeitskräfte ausgeweitet, vgl. Herbert, Fremdarbeiter, S. 245.

  • [8]

    Huiskes, Wandinschriften, S. 9-75.

  • [9]

    Severin Roeseling, Konkurrenz, Arbeitsteilung, Kollegialität – Zum Verhältnis von Polizei und Gestapo in Köln, in: Harald Buhlan / Werner Jung, (Hg.): Wessen Freund und wessen Helfer? Die Kölner Polizei im Nationalsozialismus, Köln 2000, S. 198-229.

  • [10]

    Bernd-A. Rusinek, Gesellschaft in der Katastrophe. Terror, Illegalität, Widerstand – Köln 1944/45, Essen 1989.

  • [11]

    Eric A. Johnson, Der nationalsozialistische Terror. Gestapo, Juden und gewöhnliche Deutsche, Berlin 2001.

  • [12]

    Vorträge von Erhard Stang, Geschichtswerkstatt Bonn, und Marc Engels, Aachen, auf einer Tagung im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln über „Gestapo und Zwangsarbeit“, 29. Juni 2001.

  • [13]

    Zu dem Forschungsprojekt vgl. den Beitrag in Informationen zur modernen Stadtgeschichte, 2001, Heft 2.

  • [14]

    Bestände RW 34, NW 174 und BR 2034 VH I.

  • [15]

    Historisches Archiv der Stadt Köln, Acc. 606.

  • [16]

    Huiskes, Wandinschriften, S. 70, 72.

  • [17]

    Zum Besuchsprogramm vgl. Karola Fings, Begegnungen am Tatort. Besuchsprogramme mit ehemaligen ZwangsarbeiterInnen, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen. Ein Leitfaden, hg. von der Hans-Böckler- Stiftung in Zusammenarbeit mit Deutscher Städtetag, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., Projektgruppe Messelager, Düsseldorf 1998.

  • [18]

    Eine Version der Lager-Datenbank ist über http://museenkoeln.de/ns-dok_neu/ zugänglich.

  • [19]

    Am 1.8.1941; 16 von ihnen waren Ersatzkräfte, vgl. BA, R 58/856, Bl. 117R, 118.

  • [20]

    HStAD, RW 34/2, Bl. 10, zit. nach Huiskes, Wandinschriften, S. 31.

  • [21]

    Vgl. Gerhard Paul / Alexander Primavesi, Die Verfolgung der ‘Fremdvölkischen’.Das Beispiel der Staatspolizeistelle Dortmund, in: Gerhard Paul /Klaus-Michael Mallmann (Hg.), Die Gestapo. Mythos und Realität, Darmstadt 1996, S. 388-401, hier S. 389f.

  • [22]

    Am 30. Juni 1944 wurden auf der Basis der Arbeitsbuchkartei 588.616 deutsche und 112.701 ausländische Arbeiter und Angestellte gezählt, vgl. Der Arbeitseinsatz im Großdeutschen Reich, Nr. 11/12 vom 30. Dezember 1944, S. 4.

  • [23]

    Vgl. etwa Paul/Mallmann, Gestapo. Mythos und Realität, und Dies. (Hg.), Die Gestapo im Zweiten Weltkrieg. „Heimatfront“ und besetztes Europa, Darmstadt 2000.

  • [24]

    Die Landes-, Kreis- und Ortspolizeibehörden waren verpflichtet, Anweisungen der Gestapo zu folgen und ihre Arbeit durch polizeiliche Maßnahmen zu unterstützen, vgl. Roeseling, Konkurrenz, S. 209, 213.

  • [25]

    Dies mag der Grund dafür gewesen sein, warum der Pole Franz C. im Dezember 1943 wegen „verbotenen Umgangs mit Reichsdeutschen“ zunächst festgenommen, dann aber wieder zu seiner Arbeitsstelle in Pulheim entlassen wurde, vgl. HAStK, Acc. 606/8, Bl. 76.

  • [26]

    Einen guten Überblick über die Kategorisierung ausländischer Arbeiter/innen gibt Mark Spoerer, Zwangsarbeit unter dem Hakenkreuz. Ausländische Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge im Deutschen Reich und im besetzten Europa 1939-1945, Stuttgart/München 2001, S. 89-115.

  • [27]

    Vgl. Herbert, Fremdarbeiter, S. 79-81 und S. 156 sowie Spoerer, Zwangsarbeit, S. 200-205. Ausführlich zu „GVVerbrechen“ Annette Schäfer, Zwangsarbeiter und NSRassenpolitik. Russische und polnische Arbeitskräfte in Württemberg 1939-1945, Stuttgart 2000, S. 131ff.

  • [28]

    HStAD, RW 34/2, Bl. 90, Vermerk vom 9.10.1943.

  • [29]

    Vgl. den Geschäftsverteilungsplan in Huiskes, Wandinschriften, S. 27-29, hier S. 28.

  • [30]

    HStAD, RW 34/8, Bl. 47, Lagebericht vom 27.11.1944.

  • [31]

    Huiskes, Wandinschriften, S. 31.

  • [32]

    Zur Situation in den Zellen vgl. Ebd., S. 53-69.

  • [33]

    Vgl. Hermann Daners, „Ab nach Brauweiler ...!“. Nutzung der Abtei Brauweiler als Arbeitsanstalt, Gestapogefängnis, Landeskrankenhaus ..., Pulheim 1996, S. 190-252.

  • [34]

    Vgl. Karola Fings, Messelager Köln. Ein KZ-Außenlager im Zentrum der Stadt, Köln 1996, S. 78-83.

  • [35]

    Huiskes, Wandinschriften, S. 36f.

  • [36]

    Vgl. Gabriele Lotfi, KZ der Gestapo. Arbeitserziehungslager im Dritten Reich, Stuttgart/ München 2000, S. 111-114.

  • [37]

    Fings, Messelager, S. 78-83 und 145-148; Lotfi, KZ der Gestapo, S. 279-292. Die Nutzung von Lagern des SSWirtschafts- und Verwaltungshauptamtes durch Stapostellen war durchaus üblich. So nutzte die Stapoleitstelle München das KZ Dachau als Hafteinrichtung, vgl. Andreas Heusler, Prävention durch Terror. Die Gestapo und die Kontrolle der ausländischen Zwangsarbeiter am Beispiel Münchens, in: Paul/Mallmann, „Heimatfront“, S. 222-236, hier S. 230; die Stapostelle Dortmund ließ Hinrichtungen im AEL Hunswinkel durchführen, vgl. Paul/ Primavesi, Verfolgung, S. 395.

  • [38]

    Vgl. Werkstatt-Bericht „Gestapo und Zwangsarbeit“ von Erhard Stang (Bonn), am 29. Juni 2001 im NS-Dokumentationszentrum. Herr Stang bereitet eine Publikation zu diesem AEL vor. Akten zu dem Lager befinden sich im Stadtarchiv Bonn.

  • [39]

    NS-Dokumentationszentrum (NS-Dok.), Brief Grigorij P., 3.2.2001.

  • [40]

    Ebd., Brief N. F. St., Juli 1999.

  • [41]

    HStAD, BR 2034 VH I/1328.

  • [42]

    Zahlreiche Beispiele für die Region in HAStK, Acc. 606/8: Jakobus F., 17.4.1944 erfasst wegen Wirtschaftsvergehen, Verbleib Frechen; Gysbertus R., 18.2.1944 erfasst wegen Diebstahl, Verbleib Brühl; Sebastian L., 24.3.1943 festgenommen wegen Diebstahl in Wesseling, Verbleib Haftanstalt Bonn. Alle folgenden mit Verbleib Wesseling: Josef B., 19.4.1943 festgenommen wegen Einbruchs; Leon B., 5.6.1944 Verfahren wegen Urkundenfälschung und Wirtschaftsvergehen; Mohammed L., 23.6.1944 wegen Kriegswirtschaftsvergehen (KWV) erkennungsdienstlich behandelt; Seid O., 12.6.1944 wegen KWV festgenommen; Adolf V., 26.1.1944 wegen Verdacht des Betrugs und Urkundenfälschung erkennungsdienstlich behandelt.

  • [43]

    Vgl. HAStK, Acc. 606/2, Bl. 72, Meldung 19. Polizei-Revier Köln, 20.6.1949 (Westwaggon) und Huiskes, Wandinschriften, S. 36 (Glanzstoff).

  • [44]

    Vgl. Werkstatt-Bericht „Gestapo und Zwangsarbeit“ von Ursula Reuter (Köln), am 29. Juni 2001 im NS-Dokumentationszentrum.

  • [45]

    Huiskes, Wandinschriften, S. 36

  • [46]

    Vgl. etwa HStAD, BR 2034 VH I/1299, 1300, 1301. Der Fall des Niederländers Mathys K., am 29.6.1943 wegen schwerer Urkundenfälschung zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und am 9.8.1943 aus dem Lager Wesseling entflohen, deutet darauf hin, dass das Wesselinger Lager eine ähnliche Funktion wie das Polizeihilfsgefängnis in der Messe gehabt haben könnte. Vgl. HAStK, Acc. 606/8, Bl. 53.

  • [47]

    HStAD, RW 34/29, Bl. 2.

  • [48]

    So am 15.1. rund 260 und am 26.1.1945 rund 120 Häftlinge, vgl. BA, R 58/3523, Stapo Köln an KL Buchenwald, 7.2.1945.

  • [49]

    Erlass in HStAD, BR 2034 VH I/1284.

  • [50]

    Zur „Vorbeugungshaft“ vgl. Patrick Wagner, Volksgemeinschaft ohne Verbrecher. Konzeptionen und Praxis der Kriminalpolizei in der Zeit der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus, Hamburg 1996, S. 254-298 und zu Köln Thomas Roth, Die Kölner Kriminalpolizei: Organisation, Personal und „Verbrechensbekämpfung“ eines lokalen Kripo- Apparates 1933-1945, in: Buhlan/Jung, Wessen Freund, S. 299-369, hier S. 326- 331.

  • [51]

    HStAD, BR 2034 VH I/1287.

  • [52]

    Ebd., BR 2034 VH I/1311-1314 und VH I/1290-129

  • [53]

    Ebd., BR 2034 VH I/1299-1301.

  • [54]

    Ebd., RW 34/2, Bl. 4, Bericht 9.11.1944.

  • [55]

    Nach einem Bericht der Stapo vom 20.11.1944 sollen sie miteinander vereinbart haben, mehrere Franzosen aus dem Betrieb zu einem Verlagerungsort der Firma an die Schweizer Grenze abzuordnen, von wo aus sie in die Schweiz überlaufen wollten. Dem Personalchef soll im Gegenzug ein Leumundszeugnis versprochen worden sein. Vgl. Ebd., RW 34/8, Bl. 38.

  • [56]

    vgl. Daners, Ab nach Brauweiler, S. 202-252.

  • [57]

    Dazu sowie zu der am 10.11.1944 erfolgten Erhängung von „Edelweißpiraten“ ausführlich Rusinek, Gesellschaft in der Katastrophe.

  • [58]

    Zur Entwicklung der „Sonderbehandlung“ vgl. Gerhard Wysocki, Lizenz zum Töten. Die „Sonderbehandlungs“- Praxis der Stapo-Stelle Braunschweig, in: Paul/Mallmann, „Heimatfront“, S. 237-254.

  • [59]

    HStAD, RW 34/3, zit. Nach Huiskes, Wandinschriften, S. 38.

  • [60]

    HStAD, RW 34/3, Befehl vom 16.1.1945, zit. Nach Ebd., S. 36.

  • [61]

    Dabei ist zu bedenken, dass dort bei weitem nicht alle Gestapo-Opfer beigesetzt wurden.

  • [62]

    Vgl. die Tabelle in Ebd., S. 39-42. Zum Vergleich: In München soll die Anzahl der ermordeten Ostarbeiter und Polen bei 36 gelegen haben, vgl. Heusler, Prävention, S. 231. Die Stapo Dortmund soll in den letzten Kriegswochen rund 300 Menschen ermordet haben, vgl. Paul/Primavesi, Verfolgung, S. 400.

  • [63]

    Ungeklärt ist etwa die Rolle der Kölner Stapo bei der Selektion von sowjetischen Kriegsgefangenen zur Ermordung in Konzentrationslagern gemäß dem Befehl vom 21.7.1941. Vgl. dazu Reinhard Otto, Die Gestapo und die sowjetischen Kriegsgefangenen. Das Beispiel der Stapo-Stelle Nürnberg- Fürth, in: Paul/Mallmann, Gestapo, S. 201-221.

  • [64]

    Vgl. Werkstatt-Bericht „Gestapo und Zwangsarbeit“ von Ursula Froitzheim (Wesseling), am 29. Juni 2001 im NS-Dokumentationszentrum sowie die Berichte von Albert Eßer (Bergisch Gladbach) und Manfred van Rey (Bonn) auf dem Kolloquium „Zwangsarbeit“ (Veranstalter: Rheinisches Institut für Geschichte und Gedächtnis und NS-Dokumentationszentrum),

    8.12.2000.

Empfohlene Zitierweise

Fings, Karola: In der Zentrale des Terrors. Disziplinierung und Verfolgung von Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen durch die Kölner Staatspolizeistelle, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/v9z28/

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Erstellt: 18.10.2006

Zuletzt geändert: 31.10.2006


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