Reformatorische Bewegungen

  / historicum.net / Themen / Reformation / Reformatorische Bewegungen

Thema 3: Reformatorische Bewegungen und Reformationen

 

Zum Thema

Obwohl nicht nur die reformations- sondern auch die orts- und landesgeschichtliche Forschung viel Mühe darauf verwandt hat, der gesellschaftlichen und politischen Resonanz nachzuforschen, welche die neuen reformatorischen Theologien in ihrem jeweiligen Untersuchungsgebiet gefunden haben, existiert bis heute weder für das Ursprungsland der Reformation, das Reich, noch für die Schweizer Eidgenossenschaft oder gar Europa eine systematische Zusammenschau der reformatorischen Bewegungen und Reformationen. In diesem Teil des Portals soll – in chronologischer Aufschlüsselung - ein nach Ländern und Regionen geschiedenes Daten- und Faktengerüst bereit gestellt werden. Auf die Tatsache, daß unser Wissen trotz aller Forschungsanstrengungen immer noch lückenhaft ist, sei ausdrücklich hingewiesen.

Inhalte

Der Präsentation des Reformationsverlaufs im Reich nicht – wie sonst üblich – die herrschaftliche Gliederung des Reiches in weltliche und geistliche hochadelige Herrschaftsträger sowie Städte zugrunde zu legen, wie sie in der Reichsmatrikel (1) von 1521 festgehalten wurde, bedarf der Begründung. Doch die Vorstellung, daß mit der Verabschiedung der Matrikel zugleich allgemein verbindlich festgelegt worden wäre, wer zu den Reichsständen (2) zählte und wer nicht, führt für die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts in die Irre.

Gerade die Religionsfrage bot dem Teil der Herrschaftsträger, dessen politische Situation prekär geworden war, den städtischen Magistraten und dem niederen Adel, die Möglichkeit, ihre eigene unabhängige Stellung innerhalb des politischen Kosmos zu demonstrieren. Ihr Beharren auf einer vom Landes- bzw. Stadtherrn divergierenden Haltung in der Religionsfrage gewährt damit zugleich Einblicke, inwieweit es den in der Reichsmatrikel als Reichsstände ausgewiesenen Herrschaftsträgern bereits gelungen war, ihre innerterritoriale Machtstellung Wirklichkeit werden zu lassen – oder eben nicht.

Die Schweizerische Eidgenossenschaft, deren Zugehörigkeit zum Reich sich seit der Zeit um 1500 beschleunigt lockerte, stellt den zweiten großen Gravitationskern dar, von dem aus die reformatorischen Lehren nach Europa ausstrahlten.

Reformatorische Bewegungen und Reformationen mündeten jedoch nicht überall in eine reformatorische Neugestaltung der Kirche ein, sei es, weil der Stadt- oder Landesherr sie wirksam zu unterbinden verstand, sei es, weil die städtischen Ratsgremien den reformatorischen Bewegungen entschieden entgegenwirkten oder ihre reformatorische Haltung revidierten. Gleichsam unter umgekehrten Vorzeichen steht das Scheitern Mary Tudors (reg. 1553-1559) in ihrem Bemühen, England zu rekatholisieren - gescheiterte (Gegen-) Reformationen.

 

(1) Auf dem Wormser Reichstag von 1521 wurde in der sog. Reichsmatrikel, die im Kern bis 1806 in Kraft blieb, ein Schlüssel festgelegt, der bestimmte, wer in welcher Höhe zu den militärischen und finanziellen Lasten des Reiches beizutragen hatte.

(2) Als Reichsstände bezeichnet man die Herrschaftsträger des Reiches, die nur den Kaiser als ihren Oberherrn anerkannten.

 

Empfohlene Zitierweise

Thema 3: Reformatorische Bewegungen und Reformationen. Aus: Reformation, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/8p/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 10.05.2006

Zuletzt geändert: 13.06.2006


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail