1a-Quelle

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Anonymus, Ein Christenlicher// zug/ wider den// Türcken, o.O. o.J.

 

Provenienz: Bayerische Staatsbibliothek München: P.o.germ. 232 (3)


Quelle Abb. 1-27



























 

 

 

Die vorliegende Flugschrift „Ein Christlicher zug/ wider den Türcken“ stammt von einem anonymen kaisertreuen Zimmermann (zumindest gibt sich der Autor als solcher aus) und wurde in der Zeit nach der Belagerung Wiens 1529 verfaßt (siehe dazu Seite 21 der Quelle an den Kaiser).

Schon aus dem Zusatz unter dem Titel auf dem Titelblatt wird die Intention des Autors deutlich, die ihm zum Verfassen dieser Flugschrift/dieses Gedichtes veranlaßt haben:

„Hierin findt man ein new gedicht // Zu einem Krieg ists zugericht // Darin man hört wie from und wol // Ein jeder Landtsknecht sich hal= // ten sol.“

Die Flugschrift selbst ist neben dem Titelblatt (Seite 1) in drei Teile gegliedert. (1) In der Einleitung geht der Autor auf seine Motive ein, die ihn zum Verfassen des Gedichtes veranlasst haben, während (2) der Hauptteil der Flugschrift das Gedicht mit dem Titel „Trummenschläger“(=Trommelschläger) ist. „Trummenschläger“ machten auf Marktplätzen durch das Schlagen ihrer Trommeln darauf aufmerksam, dass Landsknechte für einen Krieg gesucht wurden.

In dem Gedicht versucht der Autor durch das Verwenden bestimmter Namen dem Leser seine Meinung über die notwendigen Charaktereigenschaften von Landsknechten nahe zu bringen. Den Abschluss dieser Flugschrift bildet ein (3) neunstrophiges Lied, dessen Melodie an ein damals bekanntes Lied („Dom Fräwlin ausz Britannia“ = „Das Fräulein aus Britannien“) angelehnt ist.

 

1 Einleitung (Seite 2)

In seiner Einleitung kritisiert der Autor, den religiösen und moralischen Verfall der christlichen Gesellschaft, welcher in seinen Augen von Ungehorsam, Untreue, Völlerei, Gotteslästerung und anderen Lastern geprägt ist. Daher kommt er zu dem Schluss, dass die Türken eine von Gott geschickte Strafe für die Verfehlungen der Christenheit sind.

Um aber einen erfolgreichen Krieg gegen die Türken zu führen, appelliert er an den Leser, nicht nur den rechten Glauben an Gott wieder zu finden, sondern sich auch in den Dienst des Kaisers zu stellen und in den Krieg zu ziehen.

In der Hoffnung diesen Wandel herbeizuführen, sah sich der Autor veranlasst diese Flugschrift zu verfassen und bittet die Leser gegebenenfalls sein Gedicht  zur Erreichung dieses Zieles zu verbessern.

 

2 Hauptteil (Seite 3-24; Aii-Ciiii verso)

Das als „Trummenschla[e]ger“ betitelte Gedicht handelt über die Anwerbung von Landsknechten für einen bevorstehenden Krieg gegen die Türken in Ungarn. Darüber hinaus kommen in den Dialogen all jene Punkte zum Ausdruck, die der Autor bereits in der Einleitung kritisiert bzw. gefordert hatte. Vor allem durch die Wahl der Namen und deren Aussagen versucht der Autor auf seine Leser einzuwirken.

Glaub beispielsweise bedauert, dass der Glaube bei den Landsknechten verpönt ist und ermahnt, dass nur mit dem festen Glauben der Feldzug gegen die Türken glücklich verlaufen würde (Seite 4). Auch die Namen sechs weiterer Personen, die sich in die Listen einschreiben, sind sehr eng an Tugenden angelehnt, die ein Landsknecht haben sollte, damit der Feldzug erfolgreich verlaufen würde. Zu diesen zählen für den Autor neben dem Glauben, auch die Liebe, die Treue, das Herz (=Ehre), die Gottesfurcht, der Gehorsam und die Beharrlichkeit (Seite 5 ff.).

Neben diesen Personen kommen in dem Gedicht außerdem mehrere Personen militärischen Rangs vor, die bei der Anwerbung und Musterung von Landsknechten dabei waren.

Neben dem (obersten) Hauptmann (u.a. Seite S. 4, 9 f.,...), der für die Anwerbung der Landsknechte zuständig war, gab es außerdem noch den Trummenschlaeger (S. 13), den Schreiber (S. 4, 14, 16 ff.) (trägt die Freiwilligen in Listen ein) und den Musterherr (Seite 14, 15) (mustert die sich eintragenden Landsknechte).

Aber auch der Kaiser durfte in dem Gedicht nicht fehlen, der wie auch der oberste Hauptmann von den ehrenhaften Landsknechten begeistert ist (S. 11, 21)

Ein weiterer zentraler Punkt des Gedichts ist der „Artickel Brieff (=Artikelsbrief)“ des Kaisers, der auf dem Musterungsplatz verlesen wurde und in welchem auf die Vorschriften für die angeworbenen Landsknechte eingegangen wurde (Seite 17 unten ff.). In dem Gedicht werden diese Vorschriften von einem Landsknecht mit der Kasernierung in einem Kloster verglichen (Hans Wildt Seite 19), da Alkoholkonsum oder Glücksspiele sanktioniert werden und die Landsknechte durch einen mitkommenden Prediger wieder auf die „rechte ban“ gebracht werden sollten. Doch die Notwendigkeit dieser Vorschriften wurde mit den schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit begründet (Hauptmann, Seite 19).

 

3 Lied (Seite 24-26; Ciiii verso, ohne Foliierung)

Das Lied, dass dann den Abschluss dieser Flugschrift bildet, hat vom Autor keinen eigenen Titel erhalten, ist jedoch an die Melodie des Liedes „Das Fräulein aus Britannien“ angelehnt. In dem Lied steht Kaiser Karl V. im Mittelpunkt, aber auch die Landsknechte, die sich in den Dienst des Kaisers gestellt hatten, werden von dem Autor entsprechend gewürdigt.

1.Strophe

Und aber wölln wirs heben an/ zu lob der Rö // mischen Kron/ ein newes Lied zu singen/ vo[n] // dem Keiser Karolo/ von seiner herlichen Maiestet/ // wie er wider den Türcken/ ein Zug vor handen hat. (...)

9. Strophe

Der uns das Lied hat gsungen/ von newen ge= //sungen hat/ nicht lang hat er sich bsun{n]en/ an einem // abent spat/ Den frommen Landtsknech= // ten ist er hold/sie seind nicht zu // bezalen/ vor Silber und // rotes Golt. // ENDE

 

Almer, Gottinger 



Erstellt: 11.05.2006

Zuletzt geändert: 11.05.2006


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