Quelle 1

Quelle 1: Verurteilung des Jan Hus (Auszug)

 

Auf der 15. Session des Konzils von Konstanz wurde am 6. Juli 1415 die folgende Verurteilung des Jan Hus beschlossen und der Verurteilte danach der weltlichen Rechtsprechung überlassen, die ihn trotz eines Geleitbriefs König Sigmunds zum Tode verurteilte.

Es wird hier die deutsche, der neuen Rechtschreibung angepasste Übersetzung der ursprünglich auf Latein verfassten Quelle zur Verfügung gestellt.

(…) Daher gibt diese heilige Synode [...] bekannt, dass Johannes Hus Häretiker gewesen ist (und weiter ist); sie verordnet, dass er gerichtet und verurteilt werden muss und verurteilt ihn hiermit als Häretiker; seine besagte Berufung verwirft sie als schimpflich, Ärgernis erregend und als Ausdruck der Geringschätzung für die Jurisdiktion der Kirche; sie gibt weiter bekannt, dass eben dieser Johannes Hus sowohl durch seine öffentlichen Predigten als auch durch die Schriften, die er veröffentlicht hat, das christliche Volk, vor allem im Königreich Böhmen, verführt hat und dass er für dieses christliche Volk kein wahrhafter Prediger des Evangeliums Christi gewesen ist im Sinne der heiligen Lehrer, sondern vielmehr ein Verführer. Weil aber diese heilige Synode durch alles, was sie gesehen und gehört hat, zu der Erkenntnis gelangt ist, dass der gleiche Johannes Hus ein derart hartnäckiger und unverbesserlicher Irrlehrer ist, dass er nicht den Wunsch hat, in den Schoß unserer heiligen Mutter Kirche zurück zu kehren oder die Häresien und Irrtümer abzuschwören, die er in aller Öffentlichkeit verteidigt und gepredigt hat – erklärt und verfügt dieses heilige Konzil von Konstanz, dass derselbe Johannes Hus seines Priesteramtes und aller anderen Weihegrade, die er empfangen hat, entkleidet werden und verlustig gehen soll; es beauftragt seine Väter in Christus, den Erzbischof von Mailand [u.a.] den vorgeschriebenen Regeln entsprechend und in Gegenwart der heiligen Synode nach den Erfordernissen des Rechts die besagte Degradierung vorzunehmen. Da die Kirche Gottes nun nichts mehr mit ihm zu tun hat, überlässt die heilig Synode von Konstanz Johannes Hus der weltlichen Rechtsprechung und verfügt, dass er einem weltlichen Gerichtshof überlassen werden soll.

zitiert nach:

Gill, Joseph, Konstanz und Basel-Florenz (= Geschichte der ökumenischen Konzilien; Band IX), Mainz 1967, S. 374-375.

 

Veronika Drescher 

Empfohlene Zitierweise

Drescher, Veronika: Jan Hus - Biographie Quelle 1, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/2vb/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 06.06.2012

Zuletzt geändert: 06.06.2012

Index


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail