Jan Hus - Biographie

2.a Jan Hus – Biographie

 

Jan (Johannes) Hus wurde um 1371 [1] in Husinec in eine einfache Familie geboren. Ab 1386 studierte er an der Prager Universität, wo er 1396 den akademischen Grad eines Magisters erhielt, ungefähr zwei Jahre später das Studium der Theologie begann und 1400 zum Priester geweiht wurde. Ab 1402 predigte er in der Prager Bethlehemskapelle vor den Prager Bürgern in tschechischer Sprache. Gleichzeitig mit dem Studium der Theologie begann er, sich auch mit den Ideen John Wyclifs auseinander zu setzten, was durch die enge Verbindung, die zwischen den Universitäten in Oxford und Prag bestand und in England Studienplätze für böhmische Studenten reserviert waren, vereinfacht wurde. Um 1390 kamen die ersten Abschriften von Wyclifs Werken nach Prag [2] und auch Hieronymus von Prag ein Freund und späterer Anhänger Hus', der auch dessen Schicksal teilte, brachte bei seiner Rückkehr aus Oxford, einige Abschriften des englischen Kirchenreformers mit. Hus stellte sich in den folgenden Auseinandersetzungen um die Lehren Wyclifs auf die Seite des englischen Theologen und sprach sich gegen die Verurteilung von 45 Wyclif-Artikeln durch die deutschen Magister der Prager Universität aus.

In weiterer Folge wurden diese Diskussionen, die zu Verbrennungen der Bücher Wyclifs, der Ächtung Hus' und seiner Verurteilung durch die Kurie führten, nicht mehr nur als theologischer Streit geführt, sondern auf eine nationale Ebene gehoben. Die Unterstützung, welche Hus durch König Wenzel IV. von Böhmen genoss, ging so weit, dass der König 1409 durch das Kuttenberger Dekret der böhmischen Nation der Universität drei Stimmen, den anderen drei aber nur eine zuerkannte, woraufhin die deutsche Nation auszog und die Artistenfakultät in Leipzig gründete. Zusätzlich zum Kurialprozess, der 1410 gegen Hus eingeleitet wurde und der Exkommunikation, die man über ihn verhängte, da er einer Bestellung an die Kurie nicht nachkam, verlor er 1412 auch noch die Unterstützung durch König Wenzel IV., weil er sich vehement gegen den vom König unterstützten Kreuzzugsablass von Johannes (XXIII.) stellte.

Als der Papst auch noch den Bann über ihn verhängte, heftige Unruhen in der Stadt ausbrachen und sogar die Bethlehemskapelle angegriffen wurde, musste Hus Prag verlassen und zog sich auf die Burg Kozí in Südböhmen zurück. Dort verfasste er in den nächsten zwei Jahren seine Hauptwerke (unter anderem „De ecclesia“ und „De sex erroribus“). 1414 wurde er auf das Konzil von Konstanz geladen und machte sich auch, mit einem Geleitbrief König Sigmunds ausgestattet, dorthin auf den Weg. Schon während der Anreise predigte er in mehreren deutschen Städten und dann auch in Konstanz. Trotz des Versprechens freien Geleits durch den Kaiser wurde Hus nach dem ersten Verhör durch das Konzil gefangen genommen. Als er in drei Verhören den Widerruf seiner Ansichten ablehnte und stattdessen die Widerlegung seiner Lehren durch das Konzil verlangte, wurde er am 6. Juli 1415 als Häretiker verurteilt, am Scheiterhaufen verbrannt und seine Asche in den Rhein gestreut. [3]

Quellen

  1. Verurteilung des Jan Hus (Auszug)

  2. Augenzeugenbericht der Verbrennung durch Petrus Mladoniowitz (Auszug)

  3. Verurteilung und Verbrennung des Jan Hus (kolorierte Holzschnitte in der Chronik des Ulrich von Richental)

  4. Degradierung des Jan Hus (Schwarz-Weiß-Druck in der Chronik des Ulrich von Richental)

 

Veronika Drescher 

Anmerkungen

  • [1]

    Um 1370: Eberhard, Winfried, Hus, in: Lexikon für Theologie und Kirche. Fünfter Band, Freiburg (u.a.) 1996, Sp. 340-343, hier speziell, Sp.340.

  • [2]

    Vgl. Mladoniowitz, Peter von, Hus in Konstanz (= Slavische Geschichtsschreiber III hg. von Günther Stökl) übersetzt, eingeleitet und erklärt von Josef Bujnoch, Graz / Wien / Köln 1963, S. 16.

  • [3]

    Vgl. Eberhard, Winfried, Hus, in: Lexikon für Theologie und Kirche. Fünfter Band, Freiburg (u.a.) 1996, Sp. 340-343. Sowie Macek, J., Hus, Johannes, in: Lexikon des Mittelalters V, München / Zürich 1991, Sp. 230-231. Sowie: Polívka, M., H. v. Prag, in: Lexikon des Mittelalters V, München / Zürich 1991, Sp. 5.

Empfohlene Zitierweise

Drescher, Veronika: Jan Hus - Biographie, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/2ur/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 30.05.2012

Zuletzt geändert: 06.06.2012

Index


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail