Hussitenkriege

2.c Nachfolge Jan Hus' – Hussitenkriege

 

Nach den Verbrennungen Jan Hus‘ und Hieronymus von Prags formierten sich ihre Anhänger in Böhmen zu einer Bewegung, die abwertend als Hussiten bezeichnet wurde, die sich selbst aber nie als solche bezeichnete. Der Laienkelch oder das Abendmahl unter beiderlei Gestalt, vom Konstanzer Konzil 1415 verboten, wurde 1417 in einer Deklaration von der Anhängern Hus‘ angenommen und der Kelch entwickelte sich zum Symbol der Reformbewegung. 1419 begann König Wenzel IV. von Böhmen, unter päpstlichem und königlichem Druck, hussitische Priester und Räte zu beseitigen, was in Massenwahlfahrten, vor allem zum Berg Tabor und einem blutigen Aufstand in der Prager Neustadt gipfelte, der mit dem ersten Prager Fenstersturz endete.

Nach dem Tod König Wenzels IV. (August 1419) begann sein Bruder König Sigmund seine Regierung mit einem von Papst Martin V. proklamierten Kreuzzug gegen die Hussiten, der zu seiner Krönung zum böhmischen König auf dem Hradschin führte. Trotzdem schaffte er es nicht, die Stadt Prag einzunehmen, da sich die verschiedenen hussitischen Gruppierungen (als die wichtigsten sind die Taboriten und Utraquisten zu nennen), die sich in der Zwischenzeit gebildet hatten, im Angesicht der drohenden Gefahr auf das Programm der vier Prager Artikel einigen konnten und sich kurzzeitig gegen das königliche Herr zusammen schlossen. Diese vier Artikel: Predigtfreiheit, Laienkelch, Armut der Geistlichen sowie Bestrafung der Todsünden wurden 1421 auf dem Landtag von Tschaslau zum Landesgesetz erhoben. Nach einer Niederlage im Jänner 1421 auf dem Berg Vítkov erklärte sich König Sigmund bereit mit den Hussiten Verhandlungen auf Basis der vier Prager Artikel aufzunehmen. Diese wurden von Rom strikt abgelehnt, da die Forderungen als ketzerisch angesehen wurden.

In den folgenden Jahren scheiterten aber noch vier weitere Kreuzzugsheere an der militärischen Überlegenheit und religiösen Motivation der Hussiten. Die radikaleren Taboriten griffen in der zweiten Hälfte der 1420er Jahre auch ihre Nachbarländer an und wollten so gewaltsam die Anerkennung ihrer Lehren durchsetzen, während die gemäßigteren Utraquisten nach wie vor auf Verhandlungen mit König und Papst setzten. Nach der Niederlage des letzten Kreuzzugsheeres 1431 war man auf dem Konzil von Basel bereit zu Verhandlungen und so schlossen die Utraquisten, nachdem sie 1434 die Taboriten, die sich gegen eine Einigung stellten, vernichtend geschlagen hatten, in den Basler (auch Prager) Kompaktaten Frieden mit Kaiser und Papst. Somit wurden der Laienkelch und der Utraquismus als zweite Konfession 1436 für Böhmen endgültig anerkannt. [1]

Quellen

5. Die Vier Prager Artikel (Auszug)

6. Die Basler (Prager) Kompaktate (Auszug)

 

Veronika Drescher 

Anmerkungen

  • [1]

    Vgl. Eberhard, Winfried, Hussiten, in: Lexikon für Theologie und Kirche. Fünfter Band, Freiburg (u.a.) 1996, Sp. 341-343. sowie Macek, J., Hussiten, Johannes, in: Lexikon des Mittelalters V, München / Zürich 1991, Sp. 232-234.

Empfohlene Zitierweise

Drescher, Veronika: Hussitenkriege, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/2uv/

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Erstellt: 04.06.2012

Zuletzt geändert: 06.06.2012

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