Das Wiener Konkordat Quelle

1.a.1 Wiener Konkordat: 17. Februar 1448 (Auszüge)

 

Mit Befürwortung der meisten Kurfürsten schloss Friedrich III. am 17. Februar 1448 im Namen der Deutschen Nation mit Nikolaus V. und der Kurie, vertreten durch den Kardinallegaten Johannes Carvajal, das sogenannte „Wiener Konkordat“. Am 19. März vom Papst als päpstliches Privileg bestätigt, bewahrte es bis zum Ende des Reiches 1803/06 seine reichsrechtliche Gültigkeit. Die vorliegenden Auszüge sind Übersetzungen des lateinischen Originals.

Der Papst sichert sich das Recht, Benefizien von Personen und Offizialen zu vergeben, welche nicht mehr als zwei Tagesreisen von der päpstlichen Kurie entfernt sterben.

Unser hochheiliger Herr Papst Nikolaus V. wird bezüglich der Zuteilung von Kirchen und sonstigen Pfründen die Reservation des geschriebenen Rechts und die Konstitutionen Execrabilis und Ad regimen unter nachfolgender Maßgabe anwenden:

[...] wenn sie [die zuvor umfangreich definierten Personen] an Orten, die von dieser Kurie nicht mehr als 2 übliche Tagereisen entfernt sind, etwa sterben oder künftig aus diesem Leben scheiden sollten; Vakanzen gleicherweise von allen Kurialen, die sich wegen Pilgerschaft, Krankheit, Genesung oder sonstigem Grund irgendwohin begeben, wenn diese Kurialen, bevor sie zu genannter Kurie zurückkehren, in Orten nicht weiter entfernt als zwei Tagesreisen von dieser Kurie, wie gesagt, (sofern nur ihr eigener Wohnsitz nicht dort ist) schon verstorben sind oder künftig aus unserer Mitte hinweggerafft werden und durch solchen Tod Vakanzen entstanden sind oder künftig entstehen. [...]

Neubesetzungen in Metropolitan- und Kathedralkirchen sind dem Papst in jedwedem Fall mitzuteilen. In bestimmten Fällen ist es diesem erlaubt, selbst Personen zu ernennen.

Ferner: In den Metropolitan- und Kathedralkirchen, auch wenn sie dem Apostolischen Stuhl nicht unmittelbar unterstehen, sollen kanonische Wahlen stattfinden, die dem Apostolischen Stuhl gemeldet werden sollen, diese [...] möge [...] der Papst bestätigen, es sei denn, er glaubt aus einem rechtlichen und offenbaren Grund und auf Anraten der Brüder Kardinäle die Provision einer würdigeren und brauchbareren Person zuwenden zu sollen. [...]

Der Papst kann in allen übrigen vakanten Benefizien – hohe Würden an Kathedral- und Kollegiatskirchen ausgenommen – in den „päpstlichen“ Monaten Personen seiner Wahl ernennen.

Hinsichtlich der übrigen vakanten Dignitäten und sonstigen Pfründen, weltlichen und regulierten, wird über die schon genannten Reservationen hinaus [...] Unser hochheiliger Herr durch keinerlei sonstige Reservation, huldvolle Inaussichtstellung oder irgendwelche Verfügung mit irgendwelchem Wortlaut [...] Schwierigkeiten machen, sofern – falls sie in den Monaten Februar, April, Juni, August, Oktober oder Dezember vakant werden, frei verfügt wird durch die, denen Kollation, Provision, Präsentation, Wahl oder sonstige Disposition zusteht. [...] Sooft jedoch in den Monaten Januar, März, Mai, Juli, September oder November, die eigens der Disposition des Apostolischen Stuhls vorbehalten sind, eine Pfründe vakant wird und nicht innerhalb von drei Monaten nach dem Tag des Bekanntwerdens der Vakanz an dem Ort der Pfründe klar ist, daß von der Apostolischen Autorität jemand dort eingesetzt wurde – von da ab, jedoch nicht früher, soll der Ortsbischof oder ein anderer, dem die Entscheidung darüber zusteht, frei darüber verfügen. […]

Hinsichtlich der Annatenzahlungen sind an Kathedralkirchen und Männerklöstern, ab dem Tag der Vakanz berechnete Taxen (Servitien), zu zahlen. Bei zu hoher Belastung wird die Aussicht auf Neutaxierung zugestanden.

[...] von allen derzeit und künftig bekannten Kathedralkirchen und Männerklöstern sollen für die Erträge des ersten Jahres (vom Tag der Vakanz an) die in den Büchern der Apostolischen Kammer festgelegten Geldbeträge gezahlt werden, die allgemeine Servitien heißen. Wenn sie aber exzessiv hoch taxiert wurden, sollen sie erneut gerecht taxiert werden; und Vorsorge soll getroffen werden besonders in Notstandsgebieten entsprechend der Lage, Zeit und Gegend, daß keine zu große Belastung eintritt; dafür wird unser hochheiliger Herr den Antragstellern Kommissare für das Gebiet stellen, die sorgfältig untersuchen und neu taxieren sollen. […] Hinsichtlich der übrigen Dignitäten, Personate, Ämter und Benefizien, der weltlichen und regulierten, die kraft des Apostolischen Stuhles übertragen oder providiert werden [...] sollen die Annaten oder die mittleren Erträge nach der gewöhnlichen Taxe vom Beginn der Inbesitznahme innerhalb eines Jahres gezahlt werden; und solche Schuld geht nicht auf den Nachfolger im Benefizium über. Von Benefizien aber, die einen Wert von 24 Kammergulden nicht übersteigen, soll nichts gezahlt werden. [...]

Zitiert nach:

Weinrich, Lorenz (Hg.), Quellen zur Verfassungsgeschichte des Römisch-deutschen Reiches im Spätmittelalter (1250-1500), Darmstadt 1983, (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Bd. 33.) S. 499-507.

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Moritz Lenglachner 

Empfohlene Zitierweise

Lenglachner, Moritz: Das Wiener Konkordat Quelle, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/2vo/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 05.06.2012

Zuletzt geändert: 12.06.2012


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