Suchmaschinen

Suchmaschinen

 

bearbeitet von Peter Miesbauer 

 

Die folgenden Zeilen sind als Erfahrungsberichte anzusehen, nicht als wissenschaftlich fundierter Vergleich der verschiedenen Suchmaschinen und Portale, da für ein solches Ansinnen sowohl die Kapazität als auch zum Teil das entsprechende Fachwissen fehlt. Nichtsdestotrotz ergibt sich im Überblick ein mir nicht uninteressant erscheinendes Bild der Möglichkeiten, die das Internet dem historisch interessierten Online-Suchenden zur Zeit bietet.

Suchmaschinen

Die üblichen Suchmaschinen im Internet sind schnell (meist deutlich unter einer Sekunde) und recht einfach zu bedienen. Die angezeigten Ergebnisse unterscheiden sich aber je nach gewählter Plattform und Detailliertheit des Suchbegriffs in Relevanz und Aktualität. Suchmaschinen arbeiten vorwiegend indexbasiert, das heißt sie durchforsten automatisch (mittels sogenannter Webcrawler) angelegte Datenbanken, in denen Daten zu unzähligen Webseiten gespeichert sind und die ständig aktualisiert werden (so umfassten diese bei Google im Jahr 2008 bereits über eine Billion URLs).

Die Reihung der Ergebnisse erfolgt nach einem komplizierten Schlüssel, der, zumindest bei Google, einer unter Verschluss gehaltenen Geheimformel gleicht, die dazu dienen soll, gezielten Manipulationen zur Verbesserung der eigenen Position von Seiten der Webseitenbetreiber vorzubeugen. Grundsätzlich jedoch spielt die möglichst hohe Zahl der Verlinkungen einer Seite auf anderen Homepages dabei eine tragende Rolle.

Leider ist bei keiner der vorgestellten Suchmaschinen eine Trunkierung möglich, das Ersetzen von Wortteilen durch ein Sternchen, also zum Beispiel „Reform*“, um damit gleichzeitig zu Ergebnissen für „Reformation“, „Reformierte“, „Reformationsarchitektur“ etc. zu kommen. Dafür kann man den Asterisk als Ersatz für ein ganzes Wort nutzen, die Suche nach „Martin Luther *“ bringt also sowohl Ergebnisse zum deutschen Reformator, als auch zu Dr. Martin Luther King.

Der zur Zeit (Anfang 2012) unbestrittene Marktführer im Segment der Suchmaschinen ist Google. Der Seitenaufbau ist einfach und übersichtlich, die Anzeige der Ergebnisse erfolgt ebenso übersichtlich. Als besonderes Feature gibt es die Möglichkeit, sich die Ergebnisse in einer Schnellansicht anzeigen zu lassen, ohne dem entsprechenden Link gleich zu folgen. Eine Kategoriensuche wie 2003 wird nicht mehr angeboten.

Google Österreich (http://www.google.at) bietet im Moment (15. Februar 2012) zum Suchbegriff „Reformation“ 28,5 Millionen Treffer an (am 24. 1. 2012: 28,4 Mio.), den ersten Listenplatz nimmt der entsprechende Artikel auf der deutschsprachigen Wikipedia ein, gefolgt von drei weiteren Wikipedia-Artikeln, zwei Begriffserklärungen aus anderen Online-Lexika, zwei Artikel über die Geschichte der Reformation, einer privaten Homepage und einer Webseite eines Gymnasiums.

Zum Vergleich: Google Deutschland (http://www.google.de) bietet beim selben Suchbegriff auf einmal nur etwa 4,3 Millionen Ergebnisse (24.1. etwa 28,5 Mio.). Die Reihung der Treffer auf der ersten angezeigten Seite blieb sowohl bei .at als auch .de jeweils dieselbe, bei Google.de ebenfalls mit der Wikipedia-Seite zur Reformation an erster Stelle, danach jedoch eine Webseite der Universität Duisburg-Essen, eine private Homepage und an vierter Stelle die passende Themenseite von Historicum.net.

Google USA (http://www.google.com) zeigt am 15.2. 28,4 Millionen Treffer (hier am 24.1. nur etwa 6,5 Mio.), wobei der Eintrag zur „protestant reformation“ der englischsprachigen Wikipedia auch hier beide Male an erster Stelle zu finden war.

Wieso sich zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich viele Suchergebnisse finden ließen, lässt sich nicht nachvollziehen, wirft aber ein Bild auf die Unsicherheit, die statistische Auswertungen des Internets bieten (und weniger auf die vermeintliche Wandelbarkeit desselben).

Eine meines Erachtens recht nützliche Option bei Google sind die nicht sofort ersichtlichen Zusatzfunktionen wie Taschenrechner, Einheitenrechner und Übersetzer sowie die erweiterten Schlüsselbegriffe. Letzteres bedeutet unter anderem, dass der Benutzer bei der Suche nach „Reformation filetype:pdf“ nur entsprechend passende Dokumente angezeigt bekommt. Für eine Liste dieser Schlüsselbegriffe siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Google#Erweiterte_Benutzung (15.2.2012).

Neben seiner „klassischen“ Suchmaschine bietet Google unter anderem noch zwei spezialisierte Produkte an, zum einen seit 2004 Google books (siehe dazu mehr hier), das der Volltextsuche in Büchern dient, zum anderen ebenfalls seit 2004 (bzw. 2006 für die deutsche Tochterseite) Google scholar, welches der allgemeinen Literaturrecherche in wissenschaftlichen Dokumenten im Internet dient. Die Google Buchsuche möchte bis 2015 15 Millionen Bücher gescannt haben, einerseits (relativ unumstritten) durch Verlags- & Bibliothekskooperationen, andererseits aber durch oftmals unautorisierte Scans ohne Erlaubnis der Urheber, was zu zahlreichen Kontroversen führt. Die Qualität und Nutzerfreundlichkeit beider Anwendungen variiert stark, vor allem, weil manche auf den ersten Blick recht brauchbare Treffer sich später aufgrund von geschützten Inhalten nicht vollständig anzeigen lassen.

Nach Google ist yahoo die Nummer Zwei der Suchmaschinen. Da hier jedoch die Suche ebenfalls auf den Google-Datenbanken basiert, variieren die Ergebnisse nicht besonders. Ähnliches gilt sowohl für web.de als auch für aolsearch, die beide entweder auf Google basieren oder von Google bereitgestellt werden. Keine der drei erwähnten Seiten bietet eine Kategoriensuche an.

An dritter Stelle bei den Online-Suchmaschinen steht bing (wird seit 2009 von Microsoft bereitgestellt, es existieren auch lokalisierte Varianten). Auch hier findet sich bei der Suche nach „Reformation“ an erster Stelle der Wikipedia-Artikel hierzu, Historicum.net erreicht die sechste Stelle. Eine Kategoriensuche gibt es nicht.

Metasuchmaschinen

Metasuchmaschinen senden ihre Suchanfragen jeweils gleich an mehrere unterschiedliche Suchmaschinen weiter und filtern dann die einlangenden Ergebnisse. Doppel- und Mehrfachtreffer werden so vermieden und die Reihung erfolgt nach einem einheitlichen Schema. Sie sind deshalb deutlich, aber in den heutigen Zeiten besserer Netzanbindungen vernachlässigbar langsamer als normale Suchmaschinen. Vor allem die meist vorhandenen einzelnen Funktionen zur unterschiedlichen Zusammenführung der Ergebnisse und Möglichkeiten zur Veränderung der Bewertungsreihenfolge sind beachtlich und versprechen bei entsprechender Einarbeitung (regelmäßiges Ausprobieren reicht) gute und relevante Suchergebnisse.

metager

URL: http://www.metager.de

wird von der Universität Hannover und dem Regionalen Rechnerzentrum Niedersachsen betrieben und erlaubt in beispielhafter Weise, oben erwähnte Vorteile zu nutzen. Die verwandten Suchmaschinen umfassen Dutzende allgemein bekannte, deutschsprachige und internationale wie Yahoo oder Bing, sowie wissenschaftliche und Spezialsuchmaschinen für bestimmte Bereiche, wobei man in der Suchmaske von vornherein wählen kann, welche bei der Suche inkludiert sein sollen und welche nicht. Darüber hinaus stehen unter anderem Sonderfähigkeiten wie eine höhere Bewertung wissenschaftlicher Ergebnisse oder von Dokumenten optional zur Verfügung (wobei unklar bleibt, wie „Wissenschaftlichkeit“ hier überprüft wird). Der Aufbau der Seite ist relativ einfach, jedoch meines Erachtens ein wenig planlos und für den heutigen Web-Geschmack fast schon wieder zu plump (Z. B. die Farbwahl der Informationsleiste am linken Bildschirmrand: hellblau auf gelb).

Alternativ gibt es seit 2005 metager2

URL: http://www.metager2.de

von denselben Betreibern, wobei hier die verschiedenen Auswahlmöglichkeiten des ursprünglichen Projekts zugunsten einer einfacheren Präsentation weggelassen wurden. Allgemein scheint Datensicherheit ebenfalls groß geschrieben zu werden, laut eigener Aussage werden keine IP-Adressen gespeichert.

metacrawler

URL: http://www.metacrawler.de

ist ebenfalls etwas simpler im Aufbau, bietet so gut wie keine Suchoptionen und durchforstet zur Ergebnisfindung Google, Yahoo, die Wikipedia und ein halbes Dutzend weiterer Suchmaschinen.

ixquick

URL: http://www.ixquick.com

bietet auch nicht ganz so viele Optionen wie MetaGer, dafür wirbt man auch hier mit Diskretion und Datensicherheit und bietet weit mehr Hilfestellung bei der Suche und mehr Informationen über sich selbst.

dogpile

URL: http://www.dogpile.com

ist eine englischsprachige Metasuchmaschine, die augenscheinlich die großen Drei der Suchmaschinen (Google, Yahoo und Bing) durchsucht.

answers.com

URL: http://www.answers.com

bietet hingegen einen anderen Ansatz, und zwar die direkte Beantwortung von vom Benutzer gestellter Fragen durch eine entsprechende Metasuche in diversen Online-Enzyklopädien wie der Encyclopaedia Britannica, Wörterbüchern und der Wikipedia. Auf den ersten Blick wirkt die Seite etwas unseriös, da die hauptsächliche Nutzung auf Fragen allgemeinen Interesses und deren direkte Beantwortung durch andere User zu liegen scheint, wenn man jedoch bei den Suchoptionen „reference topics“ wählt, erhält man recht ordentlich aufgelistet einen umfassenden Überblick der entsprechenden Artikel in den durchsuchten Online-Lexika, komplett verlinkt und bebildert. Die Seite gibt es zwar auch auf Deutsch, aber dort scheint die Referenzsuche nicht möglich zu sein. In allen Sprachversionen wird eine Kategoriensuche angeboten (Z. B.: „History, Politics & Society“ – „History“ – „European History“ – „Reformation History“ mit 7300 Einträgen).

Suchstrategien – Ergebnisse

Welche der vorgestellten Homepages ist nun die „richtige“, um zu möglichst guten Ergebnissen bei der Online-Recherche zu kommen? Zuallererst sollte der Benutzer sich darüber im Klaren werden, wonach er eigentlich in den Weiten des Internets sucht. Ist es Überblickswissen zu einem bislang nur mäßig vertrauten Thema, so bieten einfache allgemeine Portale wie Answers.com oder die ersten paar Treffer einer jeden Suchmaschine vermutlich genügend passende Antworten, wobei ziemlich sicher die entsprechenden Wikipedia-Einträge ganz oben auf allen Listen stehen werden. Zu den einfachen Suchmaschinen ist dabei noch zu sagen, dass ein zum Browser installierter Skript- und/oder Werbeblocker die Relevanz der angezeigten Ergebnisse in beträchtlichem Maße erhöht.

Die Unterschiede zwischen „normalen“ und Metasuchmaschinen sind bei verbreiteten Themen wohl vernachlässigbar, ist man jedoch eher weniger bekannten oder eindeutigen Personen, Dingen oder Begriffen auf der Spur, plädiere ich aus Erfahrung für letztere, da sie einfach ein viel weiteres Spektrum abdecken und in ihren Auswahlmöglichkeiten Fehltreffer leichter zu eliminieren sind, was die Nutzungsfreundlichkeit ungemein erhöht.

Sucht man jedoch nach Fachinformationen, so ist der Einstieg über die entsprechenden Fachportale der deutlich bessere Weg. Vor allem, wenn man gezielt nach Dokumenten, Quellen, Bildern, Rezensionen oder multimedialen Inhalten zu einem Thema forscht, bieten sich diese aufgrund der verbreiteten Kommentare zu den angezeigten Treffern geradezu an. Zwar mag ein entsprechend versierter Nutzer bei Ausschöpfung aller Möglichkeiten auch mit Google & Konkurrenz zu gleichwertigen Ergebnissen gelangen, allein schon wegen der erleichterten Zitierbarkeit und der deutlich besseren Archivfunktion der Fachportale möchte ich diesen aber eindeutig den Vorzug geben.

Empfohlene Zitierweise

Miesbauer, Peter: Suchmaschinen, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/2u5/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 09.05.2012

Zuletzt geändert: 31.07.2012


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