c) Musik

2c. Musik

 

"Ein feste Burg ist unser Gott" - Das Lied

 

„Ein feste Burg ist unser Gott“ ist nicht einfach irgendein Lied, sondern schlechthin das Lied der deutschen Protestanten. Heinrich Heine etwa vergleicht dessen Bedeutung für die Reformation mit der Bedeutung der Marseillaise für den französischen Nationalismus, wenn er schreibt: „Ein Schlachtlied war jener trotzige Gesang, womit er [Luther] und seine Begleiter in Worms einzogen. Der alte Dom zitterte bey diesen neuen Klängen, und die Raben erschraken in ihren obscuren Thurmnestern. Jenes Lied, die Marseiller Hymne der Reformazion, hat bis auf unsere Tage seine begeisternde Kraft bewahrt…“ [1]

Der Text von „Ein feste Burg ist unser Gott“ stammt eindeutig von Martin Luther. Die Frage, welche der von Luther gestalteten Liedtexte auch von ihm selbst vertont wurden, ist schwierig zu beantworten und ein Brennpunkt der Forschung in diesem Bereich. Nur für zwei Lieder Luthers gilt auch seine Urheberschaft der Melodie als gesichert. [2] Häufig wird Johann Walter der Ältere, Hofkapellmeister der Kurfürsten von Sachsen (bis 1547), als Komponist des Liedes genannt. Jedoch geht die neuere Forschung davon aus, dass auch die Melodie von „Ein feste Burg ist unser Gott“ aus Luthers Feder stammt. [3] Luthers musikhistorische Bedeutung sollte insgesamt nicht unterschätzt werden. Er kann zwar nicht, wie häufig fälschlicherweise angenommen wurde, als Vater des deutschen Kirchenliedes betrachtet werden, ebenso wenig nicht uneingeschränkt als jener des evangelischen Kirchenliedes. Jedoch war er es, der als erstes den Gedanken hatte, Psalmen (wie etwa hier den Psalm Nr. 46) in Liedform zu übertragen – somit kann Luther sehr wohl uneingeschränkt als Erfinder des Psalmenliedes gelten. [4]

Über Motive, Zeit und Ort der Entstehung dieses Liedes gibt es vielerlei Vermutungen, jedoch keine historischen Belege. In den Quellen kann das Lied zurückverfolgt werden bis 1529, wahrscheinlich wurde es erstmals im Klug’schen Wittenberger Gesangsbuch von 1529 gedruckt. Jedoch gibt es einige schwache Anzeichen dafür, dass das Lied zuerst im Einzeldruck erschienen ist – sehr üblich für die Zeit, da Lieder im Sinne eines agitatorischen Traktats wie „reformatorische Flugschriften“ den gemeinen Mann erreichen und beeinflussen sollten. Dies gilt jedoch nicht als gesichert.

Bezeichnend ist, dass sich sogar um die Entstehung des Liedes „Mythen“ ranken, der genaue Verlauf der Entstehung kann jedoch nicht rekonstruiert werden. So gibt es z.B. die Auffassung, das Lied gehe zurück auf ein Gebet, das Luther auf dem Reichstag zu Worms 1521 gebetet haben soll und eine auffallende Verwandtschaft zu dem Lied über Psalm 46 aufweist. Eine andere Version ist jene der Entstehung des Liedes auf der Wartburg (Mai 1521-März 1522). Ferner wurde seine Entstehung mit dem Aufenthalt Luthers auf der Coburg sowie mit dem Türkeneinfall von 1529 in Verbindung gebracht. In der neueren Forschung wird als Entstehungszeitpunkt meist der Herbst 1527 angenommen. [5]

 

Bearbeitungen und musikgeschichtliche Rezeption

 

Im Folgenden findet sich eine Zusammenstellung [6] von Werken, die entweder textlich, inhaltlich oder musikalisch Bearbeitungen von „Ein feste Burg“ darstellen. Am häufigsten findet man hier, neben verschiedenen Chorsätzen, die Form der Choralbearbeitungen (vokale oder instrumentale Bearbeitungen von Choralmelodien). Dazu zählen Choralvorspiele (die dazu dienten, die Gemeinde auf den Choral vorzubereiten), sowie Choralkantaten, Choralvariationen, Choralfantasien, Choralpartiten, Choralfugen und Choralricercars, die sich verschiedener Gestaltungstechniken bei der Bearbeitung der Choralmelodie bedienen.

Zudem ist anzumerken, dass die musikgeschichtliche Rezeption des Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“ häufig von politischen Ereignissen inspiriert war. Beispielhaft seien hier etwa die 5. Symphonie, „Reformationssymphonie“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die 1836, im Jubiläumsjahr der Schlacht bei Lützen und Gustav Adolfs Tod entstand, oder der Kaisermarsch von Richard Wagner (1871), indem Wagner mit mehrmaligem pompösen Zitat des Hauptmotivs von "Ein feste Burg" den Stolz darüber bekräftigt, dass das neue, 1870 entstandene deutsche Reich im Kern ein protestantisches Reich sein sollte, genannt. Insgesamt wäre dieser äußerst interessanten Frage, wie und mit welcher politischen Konnotation das Lied innerhalb von größeren musikalischen Werken eingesetzt wird, jedoch noch genauer nachzugehen.

 

 

 

Chorsätze

 

Caspar Othmayr 1515-1553

Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“

 

Heinrich Schütz (Henricus Sagittarius) (1585-1672)

„Ein feste Burg ist unser Gott“, Chorsatz, SWV 143

 

Johann Crüger (1598-1663)

„Ein feste Burg ist unser Gott“, Chorsatz

 

Arnold Ludwig Mendelssohn (1855-1933)

„Ein feste Burg“ für 8-stimmigen gemischten Chor, op. 87

 

Herrmann Grabner (1886 Graz – 1969 Bozen)

„Ein feste Burg“, Kantate für gemischten Chor und Pos.-Chor

 

 

 

Orchesterwerke

 

Daniel Gottlob Türk (1750-1813)

„Ein feste Burg“ für Chor und Orchester, 1796

 

Otto Nicolai 1810-1849

Ouverture (f. Orchester) über "Ein feste Burg"

 

Joseph Joachim Raff (1822-1882)

Ouvertüre (f. Orchester) über "Ein feste Burg ist unser Gott", op. 127, 1865

 

Carl Reinecke (1824-1910)

Variationen über den Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" f. Orchester????

 

Paul Friedrich Ernst Gerhardt (1867-1946)

Fantasie »Ein feste Burg« (nach op. 15) für großes Orchester, op. 31

 

 

 

Choralvorspiele/Choralbearbeitungen

Stephan Machu (geb. zw. 1480 u. 1490; gest. 1541)

Choralbearbeitung „Ein feste Burg ist unser Gott“

Johann (Hans) Kugelmann (ca. 1495-1542)

„Ein feste Burg ist unser Gott“, Choralbearbeitung f. Orgel

Michael Praetorius (Schultze) (1571-1621)

Ein feste Burg ist unser Gott. Choralfantasie für Orgel

Franz Tunder (1614-1667)

Choralkantate „Ein feste Burg“

Johann Pachelbel (1653-1706)

Orgelchoral „Ein feste Burg ist unser Gott“

Johann Nikolaus Hanff (1665-1711/12)

Choralbearbeitung für Orgel „Ein feste Burg ist unser Gott“

Johann Gottfried Walther (1684-1748)

Choralbearbeitung „Ein feste Burg ist unser Gott“

Johann Sebastian Bach (1685-1750)

Kantate „Ein feste Burg“, BWV 80, 1739

Daniel Magnus Gronau (ca. 1690-1747)

„Ein feste Burg“, Choralpartita für Orgel

Johann Friedrich Doles (1715-1797)

8-stimmige Motette „Ein feste Burg“ (Choralbearbeitung)

Heinrich Carl Breidenstein (1796-1876)

Variationen über „Ein feste Burg“ für Orgel, um 1855

Adolph Friedrich Hesse (1809-1863)

„Ein feste Burg ist unser Gott“, Choralbearbeitung für Orgel

John Knowles Pain (1839- 1906)

Ein feste Burg ist unser Gott. Fantasie für Orgel, op. 13    

Wilhelm Kienzl (1857-1941)

Choralvorspiel f. Orgel, „Ein feste Burg ist unser Gott“, op. 77,4

Emil Weidenhagen (1862-?)

Fest-Musik über "Ein feste Burg" für Orgel, op. 34

Max Reger (1873-1916)

Große Choralphantasien für Orgel über „Ein feste Burg“ (op. 27), 1898

Paul Friedrich Ernst Gerhardt (1867-1946)

Fantasie »Ein feste Burg« für Orgel, op. 15, auch m. Blasorch.,

Max Gebhard (1896-?)

Orgelmusik: Choralvorspiel über „Ein feste Burg“ m. Bl., op. 24

Paul Müller (1898-?)

Choraltoccata über »Ein feste Burg« op. 54, Nr. 1 m. 2 Trp. u. 2 Pos. (1953),

Willy Burckhardt (1900-1955)

Fantasie und Choral für Orgel „Ein feste Burg“, op. 58, 1939

Wolfgang Stockmeier (1931-?)

Choralvorspiel „Ein feste Burg ist unser Gott;“

Hermann Reutter (1900-?)

Fantasia apocalyptica (über »Ein feste Burg« u. »O Haupt voll Blut u. Wunden«), op. 7;

 

Zitate innerhalb anderer musikalischer Werke

 

Friedrich Wilhelm Berner (1780-1827)

Bibelkantate, 1816

 

Giacomo Meyerbeer (1791-1864)

Die Hugenotten, Oper, 1836

 

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)

Reformationssymphonie, 1830

 

August Bungert

Auf der Wartburg, Sinfonische Dichtung

 

Otto Nicolai

Festouvertüre mit Chor über « Eine feste Burg », op. 32, 1843

 

Richard Wagner (1813-1883)

Kaisermarsch, 1871

 

Ludwig Meinardus (1827-1896)

Luther in Worms, Oratorium

 

Emil Büchner

Festmarsch, 1883

 

Heinrich Zöllner

Bei Sedan, Oper, UA 1895 (Leipzig)

 

Claude Debussy (1862-1918)

En blanc et noir, 1915

 

 

Zur außermusikalischen Rezeption des Liedes "Ein feste Burg ist unser Gott"

 

Ein Blick auf die Geschichte der Rezeption dieses Liedes – sowohl im religiösen als auch politischen Bereich – zeigt, wie sehr dieses Lied mit dem Mythos „Reformation“ und dem Mythos „Luther“ zusammenhängt und in der Geschichte immer wieder dazu instrumentalisiert wurde, diesen Mythos wachzurufen und zu bekräftigen. Dabei lässt sich feststellen, dass dieses Lied – in ähnlicher Weise, wie die Person Luthers selbst – im Laufe der Zeit seit seiner Entstehung in sehr unterschiedlichen Kontexten – auch in politischer Hinsicht – Anwendung fand.

 

1517-1555

 

Offensichtlich erfreute sich das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ gleich in den ersten Jahren nach seiner Entstehungszeit einer großen Beliebtheit und eines breiten Bekanntheitsgrades. Hartmann Grisar schreibt etwa: „Bei der Kampfstimmung, die in den Tagen der ersten Verbreitung des Trutzliedes auf neugläubiger Seite herrschte, gewann dasselbe alsbald freudige Aufnahme und weite Verbreitung in diesen Kreisen. Es wurde binnen kurzem das eigentliche Reformationslied.“ [7] Vor allem auch bei der Einführung des neuen Glaubens in bisher altgläubigen Orten spielte das Lied offenbar eine wichtige Rolle. In Schweinfurt in Franken 1532 etwa sollen Gemeindemitglieder plötzlich in der Kirche gegen den Willen des Pfarrers das Lied angestimmt und viele nachgezogen haben. [8] Auch existieren Belege dafür, dass in Magdeburg (1524) und in Lübeck (1529) sich Bürger vor den Rathäusern versammelten und lautstark vor ihren zögerlichen Stadtvätern die Durchführung der Reformation verlangten. Auch sie gaben ihrer einmütigen Entschlossenheit Nachdruck, indem sie auf der Strasse reformatorische Lieder anstimmten. [9]

Musik insgesamt spielte bei der Verbreitung des neuen Glaubens eine höchst bedeutende Rolle. So schreibt Christoph Wetzel etwa: „Wohl mehr als die reformatorischen Bücher und Flugschriften, mehr als die evangelischen Predigten haben die evangelischen Strophenlieder, wo immer sie gesungen und gesagt wurden, die christliche Botschaft in die Häuser und Herzen der Bürger, Handwerker und Bauern getragen….“ [10]

Die Popularität dieses Liedes zeigt auch die Übertragung dieses Liedes in verschiedene deutsche Dialekte (z.B. niederdeutsches Platt: Ein faste Borg is unser Gott, mit em könnt wi uns wehren) sowie die Darstellung des Inhalts dieses Liedes auf Holzschnitten.

Wie wichtig und bedeutend das Lied für die evangelische Bewegung bereits zur Zeit der Reformation bis 1555 war, zeigt auch die weite Verbreitung außerhalb des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. So etwa existiert aus dem Jahr 1536 eine dänische Bearbeitung. Ferner gibt es aus dieser Zeit bereits zahlreiche lateinische Übersetzungen sowie italienische (Forte rocca è il nostro Dio) und französische (C’est un rempart que notre Dieu) Bearbeitungen.

 

1555-1800

 

Neben seiner Bedeutung als Liturgischer Gemeindegesang der Protestanten fand das Lied auch bei den in diesem Zeitraum aufkommenden Reformationsfesten, d.h. Veranstaltungen zum Gedenken der grundlegenden Ereignisse im Zusammenhang mit der Reformation und der Person Martin Luthers, Verwendung. In dieser Zeit ging es vor allem um die Demonstration von Macht und Einheit des protestantischen Lagers.

Gleichwie die Aufklärung einen Wendepunkt im Verständnis der Reformation markiert, [11] ist auch ein Wandel in der Bedeutung des Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott“ erkennbar. Sehr oft wurde das Lied in einem aufklärerischen Sinne nicht mehr als „zeitgemäß“ betrachtet und verlor so etwas von seiner Popularität. Ferner gab es auch Versuche, einige Passagen des Liedes umzudichten und es so dem „Zeitgeist“ entsprechender zu gestalten.

 

1800-1870

 

In diese Zeit fällt die Verbindung des Gedenkens an die Reformation mit dem aufkeimenden Nationalgefühl und freiheitlichen Bestrebungen. Die Gedenkveranstaltungen wurden zu politischen Massenveranstaltungen, bei denen das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ nicht fehlen durfte. Es wurde gewissermaßen ‚wiederbelebt’ und gleichzeitig mit einer nationalistischen Konnotation versehen. Als Beispiel sei hier das Wartburgfest am 18. Oktober 1918 erwähnt, über das Franz Schnabel in seiner „Geschichte des 19. Jahrhunderts“ schrieb: „So trafen dann am festgesetzten Tage 468 Burschen in Eisenach zusammen… Unter Heilrufen zogen sie ein, in ihren altdeutschen Röcken; dreitägiger Burgfrieden wurden gelobt, man fühlte sich ganz in der geliebten Ritterzeit. Im Herbstmorgen bewegte sich der ‚heilige Zug’ zur Wartburg hinan, voran das ragende Burschenschwert, in der Mitte die Jenaer Burschenfahne. Im Rittersaal folgte das Gebet und das Lutherlied…[12]

Wie gezeigt, gibt es auch zahlreiche Beispiele für musikalische Werke, in denen das Lied – mit einer nationalistischen Konnotation versehen – musikalisch zitiert wurde. Ferner gibt es für diese Zeit ein Ereignis, an dem sich exemplarisch sehr schön die Verbindung dieser auditiven Form der Erinnerung mit visuellen Formen der Erinnerung, die im 19. Jahrhundert weit verbreitet waren, namentlich der Gruppe der Denkmäler, zeigen lässt. Eine zeitgenössische Quelle berichtet über den Einsatz dieses Liedes bei der Feier der Enthüllung des Lutherdenkmals zu Worms im Jahre 1868 (Abbildung). Auch der bühnenartige, burggleiche Aufbau dieses Denkmals (1859-1868) ist dem Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ nachempfunden. [13] Die Aufschrift „Ein feste Burg ist unser Gott“ prangt auch auf zahlreichen protestantischen Gotteshäusern, die im 19. Jahrhundert zu „Reformations-„ und „Luthergedenkstätten“ ausgebaut wurden, so zum Beispiel auf der Kirche zu Eisenach (Abbildung) und der Schlosskirche zu Wittenberg (Abbildung 1, Abbildung 2).

 

 

1870-1960

 

Das erste wichtige Ereignis in diesem Zeitraum, das Lutherjubiläum 1883, stellt den Höhepunkt der Symbiose von Reformation und Nation dar. Bis zum Ende des Dritten Reiches 1945 lässt sich insgesamt weiterhin eine starke nationalistische Vereinnahmung des Lutherbildes, des Gedenkens an die Reformation und der Rezeption des Liedes „Eine feste Burg“ beobachten.

Dieses Lied bot sich besonders in Kriegszeiten auch für die Verwendung mit politischer Konnotation an, mit seinem etwas kämpferischen, martialischen Ton, vor allem aber mit seiner Schlusszeile: „Das Reich muß uns doch bleiben.“ Auch die Rede vom „altbösen Feind“ – ursprünglich natürlich die Alte Kirche und der Papst – lässt Spielraum für weitere, andere Interpretationen – im Kriegsfall kann damit z.B. auch der politische Feind bezeichnet werden. Nicht zuletzt aus diesen Gründen wurde im Krieg von 1870/71, vor allem dann aber im Ersten Weltkrieg, das Lied als eine Art Kampfgesang verwendet. [14] Die Reformationsfestausgabe der „Liller Kriegszeitung“ vom 30.10.1917 etwa, trägt als Kopfzeile das Bild von zwischen zerplatzten Granaten vorwärts stürmenden deutschen Soldaten, mit der Bildunterschrift: „Und wenn die Welt voll Teufel wär.“ (Übrigens war diese Zeitung nicht nur für protestantische, sondern auch für katholische Soldaten bestimmt und wurde überall am Kriegsschauplatz gelesen.) Auch findet sich darin ein Gedicht, das in diesem Zusammenhang sehr interessant ist. Dass jedoch auch katholische Truppen im Krieg dieses Lied gesungen hätten und dass ‚Ein feste Burg’ somit als gemeinsames Kriegslied und gemeinsamer Kampfgesang zu gelten hätte, kann nicht als wahr angenommen werden. [15]

In den Jahren nach 1933 wurde das Lied „Ein feste Burg“ zum Erkennungslied der Deutschen Christen. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches und dem Ende des Nationalismus ließ man auch ab vom Gedenken an die Reformation und an Luther [16] – auch das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“, nun in gewisser Hinsicht sehr eng mit der Geschichte des Dritten Reiches verbunden, wurde nicht mehr gesungen und geriet eher in Vergessenheit.

 

 

Literaturhinweise:

 

Brecht, Martin: Zum Verständnis von Luthers Lied „Ein feste Burg“, in: Archiv für Reformationsgeschichte 70/1979, S. 106-121.

Dienst, Karl: „Luther in Worms“. Historie als Libretto, in: JHKGV 39/1988, S. 29-67.

Dienst, Karl: Die „Marseiller Hymne der Reformazion...“, in: Luther 59/1988, Heft 1, S. 29-44.

Düfel, Hans: Das Lutherjubiläum 1883, in: ZKG 95/1984, Heft 1, S. 1-94.

Grisar, Hartmann: Martin Luthers Trutzlied „Eine feste Burg“ in Vergangenheit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1922.

 

Jenny, Markus: Luthers geistliche Lieder und Kirchengesänge. Vollständige Neuedition in Ergänzung zu Band 35 der Weimarer Ausgabe, Köln 1985.

Mager, Inger: Martin Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ und Psalm 46, in:

JLH 30/1986, S. 87-96.

Maron, Gottfried: Luther 1917. Beobachtungen zur Literatur des 400. Reformationsjubiläums, in: ZKG 93/1982, S. 1-46.

Schlißke, Otto: Handbuch der Lutherlieder, Göttingen 1948.

Weber, Édith: Le théme „Ein feste Burg“ dans la littérature musicale, in: Positions

luthériennes 25/1977, S. 81-97.

 

Moisi, Stephanie 

 

 

Anmerkungen

  • [1]

    Vgl. Heinrich Heine: Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland. Historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke, hg. von Manfred Windfuhr, Band 8/1, Hamburg 1981, S. 41f.

  • [2]

    Vgl. Markus Jenny: Luthers geistliche Lieder und Kirchengesänge. Vollständige Neuedition in Ergänzung zu Band 35 der Weimarer Ausgabe, Köln 1985, S. 14.

  • [3]

    Vgl. ebd., S. 100.

  • [4]

    Vgl. ebd., S. 13.

  • [5]

    Vgl. dazu Martin Brecht: Zum Verständnis von Luthers Lied „Ein feste Burg“, in: Archiv für Reformationsgeschichte 70/1979, S. 106-121, hier S. 106.

  • [6]

    Da die Recherche dieser Bearbeitungen nicht systematisch stattfinden kann und sich daher als ziemlich schwierig erweist, erhebt diese Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll nur einen kleinen Eindruck von der Vielfalt der Verwendung des Chorals (Text oder Melodie) in der Musik bis in die Gegenwart vermitteln.

  • [7]

    Vgl. Hartmann Grisar: Martin Luthers Trutzlied „Eine feste Burg“ in Vergangenheit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1922, S. 19.

  • [8]

    Vgl. ebd.

  • [9]

    Vgl. Christoph Wetzel: Zur Ursache des Vorranges der Musik vor anderen Künsten während und nach der Reformation, in: Glaube und Macht. Sachsen im Europa der Reformationszeit. 2. Sächsische Landesausstellung Torgau, Schloß Hartenfels 2004, hrsg. von Harald Marx und Cecilie Hollberg für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Dresden 2004, S. 271-278, hier S. 274f.

  • [10]

    Vgl. ebd.

  • [11]

    Vgl. Gérald Chaix, Die Reformation, in: Deutsche Erinnerungsorte, hgg. von Etienne François und Hagen Schulze, Bd. II, Muenchen 2001, S. 9-29.

  • [12]

    Vgl. Franz Schnabel, Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert. Die vormärzliche Zeit, Freiburg 1904, S. 53f; zitiert nach Hans Düfel: Das Lutherjubiläum 1883, in: ZKG 95/1984, Heft 1, S. 1-94, hier S. 13.

  • [13]

    Vgl. ebd., S. 18.

  • [14]

    Vgl. dazu Grisar (wie Anm. 1), S. 19ff

  • [15]

    Vgl. ebd., S. 35f.

  • [16]

    Vgl. ebd., S. 23

Empfohlene Zitierweise

Musik. Aus: Reformation, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/11azak/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 19.07.2007

Zuletzt geändert: 08.01.2009


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