I. Höfische Musik

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I. Höfische Musik - Michael Trinks

3. Mäzene - Ludwig XIV. und Ludwig XV. als Förderer der Kunst


Abb. 1

Die meisten französischen Könige taten sich seit jeher als Mäzene und Förderer der Künste hervor, und auch Ludwig XIV. und Ludwig XV. stehen dieser Tradition in nichts nach.

Eine in Frankreich neuartige Form des Mäzenatentums war das Akademie-Wesen, das nach dem Vorbild der wissenschaftlichen Akademien Italiens entstand. Es beruht darauf, dass für einen bestimmten Bereich - wie in diesem Fall die Musik - eine Vereinigung, oder Gesellschaft von Gelehrten mit einem Präsidenten an ihrer Spitze vom König eingesetzt wurde. Diese besaßen begehrte königliche Privilegien und hatten im Gegenzug bestimmte Aufgaben zu erfüllen sowie ihr Ressort zu "überwachen", wofür sie finanziell ausreichend unterstützt wurden.


Abb. 2

Damit hatte der König die Möglichkeit, wie in diesem Fall, die Künste offiziell und umfassend zu fördern - aber eben auch zu kontrollieren.

Den Grundstein in Frankreich legte Ludwig XIII. mit der Gründung der "Académie française" im Jahre 1635 durch Kardinal Richelieu (1585-1642).

Unter Ludwig XIV. entstanden nun nach eben diesem Vorbild Akademien für die verschiedensten Bereiche, wie beispielsweise Architektur, Malerei, Bildhauerei - und eben auch für die Musik, oder besser die Oper.

Die Initiatoren der "Académie de l´opéra" waren der Dichter Pierre Perrin und der Komponist Robert Cambert, die sich jahrelang für die Gründung einer solchen stark gemacht haben.

1659 ließen die beiden in Issy bei Paris auf dem Gut eines reichen Kunstliebhabers eine Pastorale aufführen, deren Musik nicht erhalten ist, welche aber, dem Programm nach, die erste in Frankreich dargestellte französische Komödie mit Musik gewesen ist. Zehn Jahre später erlangte Perrin von Ludwig XIV. das Privileg Opern aufzuführen. Dies war der Anfang der sogenannten königlichen Musikakademie, die nach verschiedenen Umwandlungen noch heute als Pariser Oper besteht.


Abb. 3

Ziel dieser 1671 gegründeten Opernakademie war nun die Findung und Entwicklung einer französischen "Nationaloper" und eines französischen Nationalstils. Den endgültigen Ausschlag für die Gründung gab Perrins und Camberts gemeinsames Werk "Pomone", ebenfalls eine Pastorale ("opéra en répresentation en musique" in fünf Akten), die mit der neu aufgegriffenen "Hirtenthematik" genau den Geschmack des Königs und des Publikums dieser Zeit getroffen hat.

Jedoch bereits ein Jahr darauf schaffte es Jean Baptiste Lully (1632-1687), der Hofkomponist (compositeur de cabinet) Ludwigs XIV., sich den Vorsitz in der Akademie durch ein Spiel von Intrigen anzueignen und dadurch die musikalische Entwicklung und den musikalischen Geschmack bis zu seinem Tode maßgeblich zu beeinflussen.

Die Opernakademie wurde nun wirklich zur entscheidenden Instanz auf dem Weg zu einer originär "französischen" Musik.

Jedoch trat Ludwig XIV. an seinem Hof auch direkt als Mäzen auf, beispielsweise indem er nur die besten Musiker beschäftigte - und davon eine Vielzahl - die sich in einem Wettstreit qualifizieren mussten. Diese wurden dann nach Möglichkeit gefördert - sowohl finanziell, als auch "sozial", also durch die Einführung in die Gesellschaft am Hof, durch Ehrenbezeichnungen oder den Besuch von Konzerten durch den König.

Entscheidend für die Auswahl war - natürlich neben dem Können - der persönliche Musikgeschmack des Königs, bzw. seiner Berater, aber auch seiner Mätressen.

Dabei spielte Madame de Pompadour unter Ludwig XV. eine entscheidende Rolle, denn auch er hat es mit dem Auswahlverfahren so gehalten wie sein Vorgänger.

Auch Ludwig XV. behielt die Akademien bei und löste die große Anzahl von Orchestern, Tanz- und Gesangsensembles seines Urgroßvaters nicht auf, sondern führte sie weiter und gab viel Geld für die Unterhaltung dieser musikalischen Gruppen aus, auch wenn seine Interessen weniger der Musik, als vielmehr der Architektur und Malerei galten.

Wenn er auch weniger der Musik zugeneigt war, so war er doch sehr am Theater interessiert, und da die meisten Theaterstücke zu der Zeit nicht ohne Musik auskamen, erfolgte die Förderung der Musik also teils indirekt.

Dagegen war Madame de Pompadour eine ausgesprochene Freundin der schönen Künste und besonders der Musik. Nachdem sie den Titel der "offiziellen Mätresse" des Königs hatte, verfolgte sie kein anderes Ziel, als "ihren" König zu unterhalten, ihn zu zerstreuen und keine Langeweile aufkommen zu lassen.

Dies ließ sie sich einiges kosten - sowohl Geld, als auch Zeit und große Anstrengungen.

Ludwig XV. liebte weniger als sein Urgroßvater Ludwig XIV. die offiziellen und großen Unterhaltungen und Madame de Pompadour kam diesem Wunsch durch ihre Veranstaltungen in den sogenannten "Pétits Appartements", ihren Privatgemächern, nach. Hier wurde gesungen, musiziert, Theater gespielt und gelesen.

Da das Theater beim König am besten ankam, hatte die Pompadour die Idee, ihr "Théâtre des pétits cabinets" zu eröffnen, einem zu Beginn improvisierten, später dann immer professionellerem Theater in Versailles. Zu diesem Zweck wurde die "Escalier des Ambassadeurs" umgebaut und am 17.01.1747 mit Molières "Tartuffe" offiziell eingeweiht.

Im Theater wurden neben "Klassikern" wie Molière und Lully hauptsächlich zeitgenössische und weniger bekannte Künstler aufgeführt, die von Madame de Pompadour und Ludwig XV. gefördert wurden, wie beispielsweise die Schriftsteller Roy, Fuzelier, Moncrif, oder die Komponisten Mondonville, Lagarde, Rebel und Francoeur.

Dagegen blieben dem Hofkomponisten Rameau eher die offiziellen Anlässe vorbehalten, wogegen er in diesem kleinen Rahmen kaum Werke aufführte. Das könnte daran gelegen haben, dass er den Geschmack der Madame de Pompadour nicht wirklich traf, da sie für das dortige Programm zuständig war und bestimmte, wer gespielt wurde und wer nicht.

Aber nicht nur der König und Madame de Pompadour förderten junge Talente, oder "Neuentdeckungen", die der Vorstellung eines französischen Stils entsprachen, sondern auch unter den Adligen und reichen Bürgern traten einige als Mäzene hervor, wie beispielsweise der reiche und mächtige Steuerpächter La Pouplinière, der Jean-Philippe Rameau (1683-1764) quasi entdeckte, ihn unterstützte und ihm zu einer Stellung beim König verhalf.

 

Empfohlene Zitierweise

Trinks, Michael: 3. Mäzene - Ludwig XIV. und Ludwig XV. als Förderer der Kunst. Aus: Madame de Pompadour - Höfische Musik, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/5sze6/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 13.03.2006

Zuletzt geändert: 13.03.2006


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