I. Höfische Musik

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I. Höfische Musik - Michael Trinks

2. Musikrichtungen im 17. und 18. Jahrhundert

War im Mittelalter und bis in die Zeit der Renaissance eine Stileinheit in der abendländischen Musik zu erkennen - natürlich mit regionalen Unterschieden und Ausprägungen - so kann man im Barock in den einzelnen Ländern und Staaten den Versuch erkennen, einen eigenen Nationalgedanken in der Musik auszudrücken, einen eigenen Nationalstil zu entwickeln. Dies geschah nicht nur in Frankreich und auch nicht nur imBereich der Musik.

Die Folge dieser "Spaltung" war, dass sich besonders die italienische Musik - nicht ohne starken Widerstand - die Gunst des Publikums außerhalb Italiens zu sichern versuchte, und dass sich durch diesen Widerstand die besonderen Charaktere der Tonkunst jedes Landes noch tiefer und schärfer ausprägten.


Abb. 1

Die zeitgenössische Musik unter Ludwig XV. und Madame de Pompadour kann nicht ohne einen Rückblick auf die Zeit Ludwigs XIV. betrachtet werden, da durch dessen Musikgeschmack zu einem großen Teil die Grundlagen eines eigenständigen, charakteristischen, französischen Nationalstils gelegt wurden. Dies geschah durch die persönliche Auswahl der Musiker durch den König genauso wie durch sein häufiges korrigierendes Eingreifen in den Entstehungsprozess der Musik, da Ludwig XIV. selbst über ein ausgeprägtes Musikverständnis verfügte (er spielte Gitarre, Violine und sang Opernarien).

Besonders die italienische und die französische Musik traten im 17. und 18. Jahrhundert in einen engen Wettstreit miteinander, was in dem sogenannten Buffonistenstreit im Jahre 1752 in Paris gipfelte. Dabei ging es vereinfacht gesagt um die Frage, welches die "wahre Oper" sei, die "opera buffa" der Italiener, oder die "opéra tragique" der Franzosen.

Frankreich trat im Bereich der Musik aber auch in Konkurrenz zu Deutschland. Während Johann Sebastian Bach (1685-1750) die bereits seit fast zwei Jahrhunderten gängige musikalische Form des Kontrapunktes (nach Giovanni Perluigi da Palestrina (1525-1594)) mit großem Erfolg zu einem erneuten Höhepunkt brachte, komponierte Jean-Philippe Rameau (1683-1764) in Frankreich zum ersten Mal mit der Umkehrung der Akkorde, einer Rückkehr also zu den natürlichen Harmonien, was zu einem neuen Klangerlebnis wurde. Diese "neue" Methode legte er in seiner ausführlichen Harmonielehre ("Traité de l´harmonie réduite à ses principes naturels") dar, die ihm über die Grenzen Frankreichs Ruhm und Nachahmer bescherte und somit zum Wegbereiter der Klassik wurde.


Abb. 2

Eine genauere Übersicht über die einzelnen musikalischen Gattungen in dieser Zeit in Frankreich findet man in den Punkten 4.) Die Musik unter Ludwig XIV. und 5.) Die Musik unter Ludwig XV.

Insgesamt vollzog sich also im 17. und 18. Jahrhundert unter Ludwig XIV. und Ludwig XV. ein rasanter Wandel in der Musik in Frankreich von der Barockmusik über die Musik des Rokoko bis hin zur klassischen Musik, die auf ihre Art nun wieder in den einzelnen europäischen Ländern fortgeführt wurde.

 

Empfohlene Zitierweise

Trinks, Michael: 2. Musikrichtungen im 17. und 18. Jahrhundert. Aus: Madame de Pompadour - Höfische Musik, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/5sze7/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 10.01.2006

Zuletzt geändert: 10.01.2006


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