Der 7jährige Krieg

  / historicum.net / Themen / Pompadour und ihre Zeit / Krieg und Politik / Der 7jährige Krieg

Der Siebenjährige Krieg - von Michael A. Bloch

5. Fazit

5.1 Warum scheiterte die Allianz?

Es gelang weder Österreich noch Frankreich, die angestrebten Ziele durchzusetzen. Aber warum nicht? Beide Mächte verfügten über eine ausreichende militärische Stärke. Ebenso war der Finanzrahmen weitaus höher als der Preußens.

In der Forschung wird viel über diesen Punkt spekuliert, und selbst Zeitgenossen fiel es schwer zu glauben, dass sich Preußen gegen diese Übermacht wehren, sie sogar noch besiegen konnte. Friedrich selber meinte, dass er entweder nur mit großem Glück heil aus der Sache herausgekommen sei oder dass die gegnerische Seite an den militärischen Anforderungen, sprich ihrer eigenen Inkompetenz, gescheitert sei („Welch ungeheuren Fehlern verdanken wir unsere Rettung!“). Und in der Tat lassen sich für beide Möglichkeiten Anhaltspunkte finden. Das „Mirakel des Hauses Brandenburg“ ist als „Glücksmoment“ anzufügen, da just zu der Zeit, als Friedrichs Kräfte am Ende waren, die Koalition zwischen Rußland und Österreich wegen des Todes der Zarin zerbrach. Aber auch die mangelnde Kompetenz der Allianz führte zum Scheitern. Kaunitz selber sagte in seinem Vortrag vom 24. Januar 1767, dass sowohl politisch und finanziell als auch militärisch die besten Voraussetzungen bestanden hätten, um den Krieg zu gewinnen. Ergo bleibt als Ursache nur noch das Unvermögen des Militärs als mögliche Ursache des Scheiterns. Auch hier lassen sich viele Hinweise auf persönliches Versagen, Einfallslosigkeit der Heeresleitung und dergleichen finden. Aber auch die vielen verschiedenen Motivationen der Bündnispartner führten dazu, dass teilweise die Kräfte nicht koordiniert wurden.

5.2 Versuch einer Analyse

Um das komplette Ausmaß des Scheiterns analysieren zu können ist es wichtig, vorher zu wissen, welche Ziele jede Kriegspartei ursprünglich anstrebte. Den Vergleich dieser Ziele mit dem „Ist-Zustand“ nach dem Krieg ergibt dann folgerichtig das Ausmaß des Scheiterns im Fall der Koalition und den Erfolg im Fall Preußens.

Frankreich versuchte mit diesem Krieg mehrere Ziele auf einmal zu verwirklichen. Primär griff Frankreich wegen des Bündnisses mit Österreich in den Konflikt ein. Aber man wollte gleichzeitig den Konflikt nutzen, um gegen England vorzugehen, sich die österreichischen Niederlande zu sichern und die Reichsverfassung vor dem preußischen Friedensbruch zu schützen.

Frankreich war sich seiner Unterlegenheit gegen England in den amerikanischen Kolonien durchaus bewusst. Deshalb war es wichtig, Hannover besetzen und halten zu können, um so einen Trumpf in der Hand zu haben und diesen evtl. gegen verlorene Besitzungen in den Kolonien eintauschen zu können.

Die Kriegsziele Österreichs lagen klar auf der Hand. Preußen hatte das für Österreich strategisch überaus wichtige Schlesien seit längerem besetzt. Maria Theresia wollte Schlesien wieder zurück haben. Außerdem sollte Preußen in die Grenzen vom Stand nach dem Westfälischen Frieden gebracht werden. Die persönliche Abneigung Maria Theresias gegenüber Friedrich mag wohl auch eine Rolle in ihrer Politik gegen den Preußenkönig gespielt haben.

Rußland fällt aus dem Schema der klaren Kriegsziele etwas hinaus. Friedrich unterstellte der Zarin sogar, dass sie lediglich von Österreich geleitet werden würde und keine eigene Motivation habe. Ein wichtiges Element der russischen Außenpolitik war die Westexpansion. Insofern war es Rußland nur recht, auf der Seite der Koalition die Position Preußens zu schwächen.

England hatte hingegen auf dem Kontinent keine großen Ambitionen. Lediglich der Schutz des Kurfürstentums Hannover stand hier im Vordergrund. Vielmehr war die Verminderung der Bedrohung der englischen Kolonien in Amerika durch Frankreich primäres Ziel der Außenpolitik.

5.3 Ergebnis

Vergleicht man nun diese Kriegsziele mit dem „Ist“-Zustand nach dem Frieden von Hubertusburg und dem Frieden von Versailles, so zeichnet sich ein deutliches Bild ab. Die großen Ambitionen Frankreichs wurden nicht verwirklicht. Frankreich war nach dem Krieg finanziell am Ende und hat sich bis zur Restauration auch nie wieder richtig erholt. Die amerikanischen Kolonien gingen verloren; Hannover, das man als Pfand für einen etwaigen Verlust der Kolonien haben wollte, ebenfalls. Die Niederlande gingen ebenfalls nicht an Frankreich. Für Frankreich war der Siebenjährige Krieg ein absolutes Desaster und kann durchaus als ein wesentlicher Wegbereiter der Revolution von 1789 gesehen werden.

England hingegen konnte sich auf dem Kontinent behaupten und gewann in den Kolonien sogar deutlich noch an Besitz hinzu. Insofern ist England neben Preußen einer der Profiteure des Krieges.

Für Friedrich bedeutete der Sieg eine Konsolidierung seiner Macht. Preußen verstärkte seine Großmachtambitionen und ging gestärkt als ernstzunehmende europäische Großmacht aus diesem Krieg hervor.

Der Siebenjährige Krieg war einer der letzten großen Kriege des Ancien Régime. Für Frankreich läutete er den Beginn eines neuen Zeitalters ein. Ebenso hat sich die Kriegsführung deutlich im Vergleich zu den Kriegen in der ersten Hälfte der Frühen Neuzeit geändert. Wo beispielsweise im Dreißigjährigen Krieg die Bevölkerung „lediglich“ durch durchziehende Heere und marodierende Söldner in Mitleidenschaft gezogen worden war, wurde sie im Siebenjährigen Krieg intensiver in Anspruch genommen, beispielsweise durch Okkupation von Gebieten durch fremde Heere und der entsprechenden Stationierung von Soldaten für einen längeren Zeitraum.

 

Empfohlene Zitierweise

Bloch, Michael: 5. Fazit. Aus: Madame de Pompadour - Der Siebenjährige Krieg, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/60ze1/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail