Der 7jährige Krieg

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Der Siebenjährige Krieg - von Michael A. Bloch

4. Der Friede von Hubertusburg

4.1 Die Vorverhandlungen

Zu Beginn des Jahres 1763 waren die Kriegsgegner endlich soweit ermüdet, dass sie am 15. Februar den Frieden von Hubertusburg schlossen, der den kontinentalen Krieg beenden sollte. Interessanterweise wurden die Verhandlungen nicht von hochtitulierten Staatsmännern geführt, sondern, wie der Zeitzeuge Johann Wilhelm von Archenholz schreibt, von "drei wegen ihrer Klugheit und Tätigkeit bekannten Männern, die mehr mit Verdiensten als mit Titeln prangten." Genauer gesagt, wurden der österreichische Hofrat Collenbach, der preußische geheime Sekretär Graf von Hertzberg und der sächsische geheime Rat Fritsch mit den Friedensverhandlungen beauftragt. Allesamt waren sie mit sehr hohen Vollmachten ausgestattet.

Durch sächsische Vorverhandlungen in Berlin sah es Kaunitz als günstig an, sich im Vorfeld der Verhandlungen nicht direkt an Friedrich mit Verhandlungsangeboten zu richten, sondern dies über die sächsischen Unterhändler machen zu lassen. Der sächsische Geheimrat Paul von Fleming überbrachte dann auch an den preußischen König eine Note, die weitestgehend von Kaunitz vorformuliert worden war. In dieser Note sollte Friedrich klar gemacht werden, dass Österreich durchaus auch zu Verhandlungen bereit sei. Friedrich seinerseits signalisierte nun ebenfalls seine Bereitschaft zu einem Frieden, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass Österreich gänzlich auf Schlesien verzichten solle. Nun war der Weg frei, um offiziell über einen Frieden verhandeln zu können. Collenbach wurde nun beauftragt, die österreichischen Interessen zu vertreten.


Abb. 1

Um den Friedensschluss schnell voran zu treiben, zeigten sich die Mächte überaus kooperationsbereit. So wurde beispielsweise von allen auf Kriegsentschädigungen verzichtet. Lediglich um einen Punkt gab es Streit zwischen Preußen und Österreich, nämlich um die Festung Glatz, die für Österreich strategisch und militärisch wichtig war. Maria Theresia wollte sie unbedingt behalten, ließ sogar prüfen, ob es lohnenswert wäre, andere Gebiete dafür abzutreten. Man bot Preußen sogar die Übernahme eines Teiles der schlesischen Schulden an und den Verzicht der Kaiserin auf den Titel "Duchesse Souveraine de Silésie", nur damit Preußen die Festung abgab. Würde Preußen nicht auf diese Angebote eingehen, so war Collenberg bevollmächtigt, die Sprengung der Festung anzudrohen. Dies dann aber sollte das letzte Druckmittel sein.

Die Festung wurde nicht eingerissen, sondern in dem Zustand, in dem sie war, mit sämtlichem militärischem Inventar, an Preußen übergeben. Man einigte sich stattdessen auf Gebieten des Handels, und Österreich schlug vor, dem Frieden einen Handelsvertrag nachzureichen.

4.2 Die Ergebnisse

Friedrich hingegen verlor Sachsen, aus dem er kurz vor Friedensschluss noch so viel Kriegskontributionen wie möglich hatte herauspressen wollen. Aber, und das ist für die weitere Betrachtung wichtig, der preußische Staat war nach dem Frieden noch genau so groß wie vorher und hatte, nach Archenholz, Frieden geschlossen "ohne von all seinen Staaten ein Dorf zu verlieren." Und das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse des Friedens von Hubertusburg: geographisch hatte sich an der Situation vor dem Frieden nichts verändert. Man einigte sich auf die territorialen Besitzverhältnisse von 1756. Österreich musste nun endgültig seine schlesischen Pläne begraben. Deshalb bedeutet dieser Frieden für Preußen, auch ohne den faktischen Zuwachs von neuem Land, einen großen Gewinn. Zum dritten Mal wurden ihm in einem Frieden die schlesischen Gebiete garantiert. Nun konnte sie ihm niemand mehr wegnehmen.

Eine indirekte Folge des Friedens war das Auflösen des Preußisch-Englischen Bündnisses. Friedrich war aufs Äußerste verärgert über das Verhalten seines Bündnispartners. Diese Verärgerung resultiert aus der Einstellung der englischen Subsidienzahlungen just in dem Moment, als England seine Kriegsziele erreicht hatte, aber auch genau in dem Moment, als Friedrich das Geld dringend benötigt hätte. Ein weiterer Grund war der Friede von Paris zwischen England und Frankreich. Laut Vertrag sollten die Franzosen die besetzten preußischen Gebiete sofort räumen. Allerdings war in dem Vertrag nicht geregelt, an wen diese Gebiete fallen. Darüber hinaus wurde Friedrich nicht über die Friedensverhandlungen und diese Punkte im Besonderen in Kenntnis gesetzt. Friedrich selber besetzte nun wiederum die fraglichen Gebiete, um seinen Anspruch darauf geltend zu machen. Für ihn war das Verhalten Englands ein Affront und Schlag ins Gesicht. Die Folge war, dass auch die preußisch-englischen Beziehungen auf den Stand von 1756 zurückfielen.

 

Empfohlene Zitierweise

Bloch, Michael: 4. Der Friede von Hubertusburg. Aus: Madame de Pompadour - Der Siebenjährige Krieg, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/60ze3/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006


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