Der 7jährige Krieg

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Der Siebenjährige Krieg - von Michael A. Bloch

3. Die Rolle der Madame de Pompadour im Siebenjährigen Krieg

Zu Beginn des Jahres 1756 haben Frankreich und Österreich ein Defensivabkommen, den Vertrag von Versailles, getroffen, das beiderseitige Hilfe im Kriegsfall und Verzicht auf Ansprüche über Gebiete beinhaltete. Im Vorfeld dieses Abkommens fand während der kompletten zweiten Hälfte des Jahres 1755 eine rege Kommunikation zwischen den beiden Staaten statt. Der erste Kontakt Österreichs mit Frankreich bezüglich dieses Abkommens wurde interessanterweise nicht über die offiziellen diplomatischen Wege geschlossen. Kaunitz, der österreichische Kanzler, wollte sich direkt an den König wenden, ohne Umwege über seinen Außenminister Rouillé, dem Kaunitz nicht viel zutraute. Da er mit dem König nicht direkt in Kontakt treten konnte, suchte er nach einer anderen Möglichkeit und fand sie in der Person der Marquise de Pompadour, die hier als inoffizielles Bindeglied zwischen Frankreich und Österreich fungierte. Kaunitz hätte sich aber nie an sie gewandt, wenn er nicht davon überzeugt gewesen wäre, dass sie auch fachlich dazu fähig war, dem König das Bündnisangebot vorzubringen, das von Starnhemberg unterbreitet worden war. Kaunitz selber sagt über sie, dass "man von ihr keine schlechten Dienste zu erwarten" hätte, wenn sie sich in der Außenpolitik betätige.

Dieses Urteil von Kaunitz war sicherlich nicht falsch und unterstreicht die Tatsache, dass die Mätresse des Königs im Gefüge der französischen Politik und auch im Siebenjährigen Krieg eine durchaus wichtige Rolle spielte. Durch ihre direkte Nähe zum König war sie in der Lage, einzelne Personen am Hof direkt zu fördern und diese in ihre und des Königs Gunst zu stellen. Dieses System von Günstlingen verschaffte der Madame de Pompadour Zugang zu Informationen und ließ sie an Entscheidungen teilhaben, wie sie es sonst wohl nicht gekonnt hätte. Das ging teilweise sogar so weit, dass Minister ihre Angelegenheiten erst mit ihr besprachen und diskutierten, bevor sie sie dem König vortrugen. Madame de Pompadour hatte bei Ludwig XV. ein gewichtiges Wort, und nicht selten entschied dieser, den Vorschlägen seiner Mätresse bezüglich der Besetzung eines Postens zu folgen.

Auch die für den Siebenjährigen Krieg wichtigen Personen wie Bernis und später Choiseul verdankten ihr den Aufstieg. Nicht umsonst war sie beispielsweise in Verhandlungen im Vorfeld des oben genannten Versailler Vertrages von 1756 ständig involviert. Allerdings bedingt das eine das andere. Bernis war sehr gut mit der Marquise befreundet, weswegen er mit den Verhandlungen mit Österreich betraut wurde. Dadurch, dass er nun "der Macher" der Verhandlungen war, konnte die Pompadour wiederum Einfluss auf die Verhandlungen nehmen. Ein enger Kreis von Geben und Nehmen also zeichnet sich hier ab. Damit hatte Bernis bereits einen Fuß in der Tür zu höheren Ämtern, die auch nicht lange auf sich warten ließen.

Interessanterweise waren auch viele Generäle und sonstige Persönlichkeiten "protégés" der Madame de Pompadour, so dass sich ein konkretes Bild bezüglich ihres Einflusses auf den Siebenjährigen Krieg ergibt.

 

Empfohlene Zitierweise

Bloch, Michael: 3. Die Rolle der Madame de Pompadour im Siebenjährigen Krieg. Aus: Madame de Pompadour - Der Siebenjährige Krieg, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/60zdz/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006


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