Der 7jährige Krieg

  / historicum.net / Themen / Pompadour und ihre Zeit / Krieg und Politik / Der 7jährige Krieg

Der Siebenjährige Krieg - von Michael A. Bloch

2. Der Kriegsverlauf

2.1 Phase 1: Frankreich im Aufwind

Am 29. August 1756 marschierte Preußen in Sachsen ein und eröffnete den Siebenjährigen Krieg, der auch dritter schlesischer Krieg genannt wird. Der französisch-österreichische Defensivvertrag wurde jetzt wirksam, und Frankreich griff mit Hilfstruppen in den Konflikt ein. Die Motivation Frankreichs ist nicht alleine durch den Vertrag mit Österreich zu begründen. Vielmehr war auch der Wunsch nach einem Schlag gegen England in Hannover wichtig. Viele in Frankreich hatten große Bedenken wegen eines Landkrieges auf dem Kontinent, und dem König wurde oft nahegelegt, einen solchen Krieg mit allen Mitteln zu verhindern. Aber jetzt hat sich die politische Situation geändert. Frankreich hatte keine Wahl mehr, ob ein Landkrieg geführt werden sollte oder nicht. Ergo, zu der Überzeugung gelangte man in Frankreich, konnte man dann wenigstens das Beste für Frankreich aus dieser Situation machen und Hannover mit der geringsten Anstrengung im Zuge des unvermeidlichen Krieges einnehmen.

Das Defensivbündnis zwischen Frankreich und Österreich wurde im Mai 1757 zu einem Offensivabkommen erweitert. Frankreich ging mit diesem Vertrag enorme Verpflichtungen ein, ohne dabei wirklich etwas von Österreich zurückzubekommen. Im Gegenteil, Frankreich konnte keinesfalls die finanziellen Verpflichtungen tragen. Dies stürzte das Land im weiteren Verlauf des Krieges in eine enorme Finanzkrise, von der sich Frankreich bis zur Restauration kaum erholen konnte.

Gegen Ende des Jahres 1757 zog der Krieg weitere Kreise. Am 22. September trat Schweden in den Krieg mit Preußen ein, wie es hieß, um den Westfälischen Frieden zu garantieren. Allerdings ging es Frankreich nicht um eine militärische Unterstützung durch die Schweden. Vielmehr sollten mit dem Eingreifen Schwedens auf der Seite der Koalition die konfessionellen Spannungen aus dem Konflikt herausgenommen werden.

Erstes Ziel Frankreichs war das Kurfürstentum Hannover. Somit wurde England in den Krieg auf dem Kontinent hineingezogen. Am 26. Juli 1757 gelang Frankreich mit einem Sieg in der Schlacht bei Hastenbeck gegen Cumberland die Besetzung Hannovers. In der darauf folgenden Konvention von Zeven schloss Frankreich einen Waffenstillstand mit Cumberland, der allerdings sehr lückenhaft und unvollständig war.

2.2 Phase 2: Frankreich lässt den Kontinent hinter sich


Abb. 1

Frankreich triumphierte, hatte es doch im Herbst 1757 sämtliche militärischen Ziele für dieses Jahr erreicht. Doch das Blatt wendete sich mit der Schlacht bei Roßbach. Unter dem Kommando von Soubise, einem Günstling der Madame de Pompadour, erlitt eine zweite Armee Frankreichs eine militärisch zwar unbedeutende Niederlage. Aber die Konsequenzen für Frankreich waren erheblich. England nutzte den Sieg Preußens, um aus dem schwammig formulierten Waffenstillstand in Hannover auszusteigen und die französischen Truppen in einer Winteroffensive aus dem Herzogtum zu werfen.

Der Sieg Friedrichs bei Roßbach stärkte seine Position enorm. In England entstand eine wahre Friedrich-Euphorie. Aber auch in Frankreich war dieser Sieg Wasser auf die Mühlen der Gegner einer Koalition mit Österreich.

Die französische Armee wurde in der Folge bis über den Rhein zurückgedrängt. Militärisches Operieren war für Frankreich kaum noch möglich, da alle verfügbaren Truppen, auch das Hilfscorps für Maria Theresia, abgezogen wurden, um den Rückzug zu sichern. Abgesehen davon konzentrierte sich Frankreich nun auf seine Kämpfe gegen England in Nordamerika und zog sich dementsprechend weitestgehend aus dem europäischen Kriegsschauplatz zurück. Maria Theresia erkannte die Schwäche der Franzosen und war sich bewusst, dass sie keine militärische Hilfe mehr erwarten konnte. Ergo beschränkte sie sich auf Geldforderungen. Aber genau das trieb Frankreich weiter ins Verderben. Frankreich hatte sich mit den bereits vor dem Krieg gemachten Angeboten weit übernommen. Jetzt aber endete die französische Finanzpolitik im Desaster.

2.3 Das "Mirakel des Hauses Brandenburg"

Ab 1759 geriet Friedrich in die Defensive, insbesondere durch seine katastrophale Niederlage bei der Schlacht bei Kunersdorf. Die österreichischen und russischen Armeen hatten sich vereinigt und rieben das preußische Heer beinahe vollständig auf. In der Folge kam es zur Plünderung Berlins.


Abb. 2

Ab 1760 ließ sich eine allgemeine Erschöpfung bei den Kriegsgegnern nachweisen. Frankreich geriet in den Kolonien in die Defensive und konnte sich den Krieg eigentlich nicht weiter leisten. Ebenso stieg die österreichische Staatsschuld um fast das dreifache. Nach den Siegen Englands in den Kolonien wurden die Subsidienzahlungen an Preußen eingestellt. Für England war der Krieg damit de facto beendet, da man sämtliche Kriegsziele erreicht hatte. Das Ausbleiben der Zahlungen brachte Preußen in eine prekäre Situation. Allerdings passierte jetzt etwas, das als das "Mirakel des Hauses Brandenburg" in die Geschichte eingegangen ist. Die russische Zarin Katharina stirbt. Ihr Nachfolger wird der preußenfreundliche Zar Peter III., der sofort einen Waffenstillstand mit Preußen vereinbart. Am 5. Mai 1762 kommt es zwischen Preußen und Rußland zum Frieden von St. Petersburg Damit steigt Rußland aus der österreichischen Allianz und somit auch aus dem Krieg aus. Allerdings wird Peter III. nur zwei Monate später ermordet. Seine Gemahlin, Katharina II., die das Attentat nicht verhindern konnte, übernimmt den Thron.

Frankreich ist nach den Siegen Englands in den Kolonien am Ende und beendet den Krieg am 10. Februar 1763 mit dem Frieden von Paris zwischen England und Frankreich. Damit steht Österreich nun alleine da und muss nun, da es auch nicht mehr in der Lage war, weitere Aktionen gegen Friedrich zu unternehmen, Verhandlungen einleiten.

Das Ergebnis dieser Verhandlungen ist der Friede von Hubertusburg, der am 15. Februar 1763 geschlossen wurde.

Kartendarstellungen von weiteren Schlachten:

Landshut


Abb. 3

Minden


Abb. 4

Liegnitz


Abb. 5

Torgau


Abb. 6

 

 

Empfohlene Zitierweise

Bloch, Michael: 2. Der Kriegsverlauf. Aus: Madame de Pompadour - Der Siebenjährige Krieg, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/60ze2/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail