Der 7jährige Krieg

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Der Siebenjährige Krieg - von Michael A. Bloch

1. Am Vorabend des Krieges

Als Siebenjähriger Krieg, oder auch dritter Schlesischer Krieg, wird der Konflikt zwischen Frankreich, England, Österreich, Russland und Preußen in den Jahren zwischen 1756 und 1763 bezeichnet.

1.1 Diplomatische Zusammenhänge und Bündnisse

"Renversement des alliances", Umkehrung der Allianzen, beschreibt die Politik, die dazu führte, dass sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts herum das traditionelle Bündnissystem wandelte und so die Mächtekonstellation herbeiführte, die den Siebenjährigen Krieg bestimmte.


Abb. 1

Kaunitz, der österreichische Kanzler, hatte bereits seit längerem versucht, ein Bündnis zwischen Frankreich und der Habsburger Monarchie zu etablieren. Allerdings war er zunächst gescheitert. Erst als sich der Konflikt zwischen Frankreich und England in den amerikanischen Kolonien zuspitzte und sich ein Krieg abzeichnete, kam auf Initiative Kaunitz' eine Annäherung zustande. England suchte Verbündete für einen potentiellen Krieg gegen Frankreich und forderte Österreich dazu auf, seine Truppen in den Niederlanden zu verstärken. Da Österreich damit den Festlandkrieg gegen Frankreich für England hatte übernehmen sollen, lehnte Kaunitz die Forderungen der Engländer ab. Stattdessen wandte er sich seinen früheren Plänen zu, nämlich ein Bündnis mit Frankreich anzustreben. Am 16. August 1755 wurde das Bündnis zwischen England und Österreich nominell aufgelöst.

Als der Weg endgültig frei war für ein österreichisch-französisches Bündnis, wurde der österreichische Gesandte in Paris, Starhemberg, damit beauftragt, Frankreich ein Bündnisangebot zu machen. Frankreich möge das Herzogtum Parma abtreten, dafür einen Teil der Niederlande erhalten und Österreich finanziell in einem Krieg gegen Preußen unterstützen. Frankreich hatte aber insbesondere beim zweiten Punkt einige Bedenken, da immer noch ein Vertrag mit Preußen bestand (Aachener Friede), den Frankreich nicht brechen wollte.

Der Konflikt mit England verschärfte sich weiter. Frankreich stellte England ein Ultimatum und forderte die Auslieferung gekaperter französischer Schiffe. Sollte England dieser Forderung nicht nachkommen, würde Frankreich dies als Kriegserklärung betrachten. Frankreich nahm diese Verschärfung des Konfliktes auch zum Anlass, Österreich ein konkreteres Angebot eines Bündnisses zukommen zu lassen.


Abb. 2

Einen entscheidenden Impuls bekamen die französisch-österreichischen Verhandlungen durch den Abschluss der Westminsterkonvention vom 16. Januar 1756 zwischen Preußen und England. Friedrich II. kannte die russischen Angriffspläne gegen Preußen und war sich auch bewusst, dass erst Geldzahlungen aus England durch einen englisch-russischen Subsidienvertrag Russland die Möglichkeiten zu einem Angriff ermöglichen würden. Dem wollte er zuvorkommen. Eine Sache bedachte er damit aber nicht, dass er mit diesem Vertrag seine Bündnispartner, die Franzosen, direkt in die Hände der Österreicher treiben würde. Dass der Partner Preußen mit einem Kriegsgegner einen Subsidienvertrag schloss, wurde in Versailles wie ein Schlag ins Gesicht empfunden und verstärkte den Wunsch, das Bündnis mit Preußen aufzubrechen.

Ende März 1756 schloss Frankreich mit Österreich einen Defensivvertrag, der Zahlungen im Falle eines österreichisch-preußischen Krieges vorsah. Allerdings wollte man es nicht nur bei diesem Vertrag belassen. Der "große" Vertrag sollte dann am 1. Mai 1756 folgen: im Versailler Vertrag sicherte Frankreich Österreich im Falle eines Angriffs durch Dritte ein Kontingent von 24000 Mann zu. Ebenso sollten sämtliche Besitzungen garantiert werden. Allerdings war in diesem Vertrag der englisch-französische Konflikt explizit ausgenommen.

Diese diplomatische Revolution, wie das Renversement des alliances auch genannt wird, führte dazu, dass Preußen im Jahr 1756 die Kontinentalmächte gegen sich hatte. Das traditionelle Bündnissystem wurde gesprengt und Friedrich geriet unter Zugzwang. Er musste also etwas unternehmen, um aus dieser Lage herauszukommen und seine Position zu stärken. Da er von den russischen und österreichischen Angriffsplänen wusste, entschied er sich für einen Präventivschlag und marschierte am 29. August im strategisch wichtigen Kurfürstentum Sachsen ein. Soweit der Auslöser des Krieges.

1.2 Die historische Ursache des Krieges

Die Ursache der österreichischen Aggression gegen Preußen ist aber in den beiden schlesischen Kriegen zu suchen, die in den 1740er Jahren die Beziehungen zwischen dem habsburgischen mit dem brandenburgischen Haus geprägt haben. Um dies kurz zusammenzufassen: Nach dem Tod Kaiser Karls VI. erhob Preußen Anspruch auf Schlesien und die Grafschaft Glatz. Diese Ansprüche machte er militärisch (Einfall in Schlesien) und später (im Frieden von Berlin 1742) auch politisch geltend. Der zweite schlesische Krieg wurde von Preußen initiiert, da durch die Erfolge der Österreicher im Erbfolgekrieg die schlesischen Besitzungen bedroht waren. Auch hier ging Friedrich im Frieden von Dresden (1745) als Sieger hervor und behielt seine schlesischen Besitzungen.

Der Verlust Schlesiens allerdings missfiel Österreich aufs Äußerste, und in den Jahren zwischen dem zweiten Schlesischen Krieg und dem Siebenjährigen Krieg ließ Maria Theresia nichts unversucht, um die verlorenen Besitzungen zurückzuholen. Jetzt aber sah Österreich eine Möglichkeit, sich Schlesien wieder zurückzuholen und suchte Bündnispartner für dieses Vorhaben, die in Frankreich und Russland gefunden wurden.

 

Empfohlene Zitierweise

Bloch, Michael: 1. Am Vorabend des Krieges. Aus: Madame de Pompadour - Der Siebenjährige Krieg, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/60/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 30.08.2006


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