Biographien

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François-Marie Arouet (Voltaire)

 

Der Dichter, Philosoph, Historiker und Freidenker erblickte vermutlich am 21. November 1694 in der Pariser Pfarrgemeinde Saint-André das Licht der Welt. Er selbst behauptete in späteren Jahren gern, bereits am 20. Februar 1694 auf dem Landsitz seiner Familie in Châtenay, ein paar Kilometer außerhalb von Paris, geboren worden zu sein.

Die Abschrift seines Taufscheins vom 22. November 1694 weist den Knaben als François-Marie Arouet aus. Den Künstlernamen Voltaire - ein Anagramm seines Geburtsnamens - legte er sich erst etwa 24 Jahre später zu. Sein Vater François Arouet war ein bürgerlicher, wohl situierter Jurist und Finanzbeamter. Doch der ehrgeizige Sohn der Arouets wollte seine bürgerliche Abstammung nicht akzeptieren. Kurzerhand dichtete er seiner adeligen Mutter, die den Mädchennamen Marie Catherine Daumart de Mauléon trug, mehrere adelige Liebhaber an, die er reihum seiner Vaterschaft bezichtigte.

Da die Familie zur oberen Schicht des Bürgertums gehörte, kam Voltaire - aufgewachsen im politischen und geistigen Zentrum Frankreichs - Paris - schon früh mit der gehobenen Bourgeoisie, Juristen, Professoren und Adeligen in Kontakt. Auch in der Ausbildung sorgte der Vater dafür, dass sein Sohn zusammen mit den Söhnen der führenden Familien des Landes erzogen wurde. Nach dem Tod der Mutter schickte ihn sein Vater auf das humanistische Jesuitenkolleg Louis-le-Grand, einem Internat nicht weit des heimatlichen Elternhauses. Hier bekam Voltaire den Gegensatz zwischen Bürgertum und Adel deutlich zu spüren. Während die hochgeborenen Schulkameraden, wie der spätere Herzog von Richelieu, meist Einzelzimmer besaßen, quälte sich Voltaire mit drei Zimmergefährten. Mit siebzehn Jahren war Voltaires Ausbildung abgeschlossen. Gelehrt in humanistischem Gedankengut sowie im Schreiben von Aufsätzen und Gedichten verließ er die Schule.

Für den Vater war die weitere Laufbahn des Sohnes klar: Jurist oder höherer Beamter. Doch im Gegensatz zu seinem älteren Bruder, Armand, äußerte François-Marie den Wunsch Schriftsteller zu werden. Ein Beruf, der weder Reichtum noch gesellschaftliche Anerkennung versprach. Vorerst fügte sich Voltaire allerdings dem Wunsch seines Vaters und begann 1711 ein Studium der Rechte, das er nie beenden sollte. Denn viel mehr als den Rechtsvorlesungen galt sein Interesse den intellektuellen Diskussionszirkeln von Edelleuten, Schriftstellern und Adeligen, die in den Adelspalästen des Pariser Bezirks oder in Cafés stattfanden. Eines hatten die Teilnehmer dieser Kreise bei aller Unterschiedlichkeit gemeinsam: Die Lust am Philosophieren und vor allem die Kritik an einer Zeit, die von dem absolutesten aller französischen Könige, Ludwig XIV., dominiert wurde. Nicht zu Unrecht galten die Teilnehmer der Diskussionen als Freidenker und Verächter der Kirche sowie der Monarchie.

Davon inspiriert verfasste der Student François-Marie Arouet satirische Gedichte und Verserzählungen über die Schwächen seiner Zeitgenossen. Daneben beschäftigte er sich bereits mit seinem ersten großen Werk über den sagenhaften König Ödipus, welches er 1718 fertiggestellte. Oedipus sollte den fast 24-Jährigen beim Pariser Publikum bekannt machen - nun erstmals unter dem Namen "Voltaire". Einen großen Teil des Dramas hatte er während einer elfmonatigen Gefangenschaft in der Bastille verfasst. Der Grund hierfür war eine - ihm zugeschriebene - Satire über den Nachfolger Ludwigs XIV., den Herzog Philipp von Orléans, der an Stelle des minderjährigen Ludwigs XV. die Regierungsgeschäfte übernommen hatte.

In der Bastille entstanden auch die ersten Teile der Henriade, einem Epos über Heinrich IV. Dieses 1723 fertig gestellte und wegen der Zensur zunächst unter Pseudonym erschienene Werk, gilt als Voltaires erstes markantes Bekenntnis zum Geist des Friedens und der Toleranz. Mit ihm erlangte er erstmals europäischen Ruhm.

Die Beziehung Voltaires zum königlichen Hof war zwiespältig. Auf der eine Seite haderte der Schriftsteller mit der königlichen Zensur, auf der anderen begann er eine Karriere als Hofdichter. Schon im Alter von 30 Jahren zählte er zu den bestverdienendsten Literaten von Paris. 1726 endete dieses wohlwollende Verhältnis jedoch abrupt. Grund war ein persönlicher Zwist mit dem Chevalier de Rohan, Sohn einer der führenden Adelsfamilien Frankreichs. Nach einem erneuten Aufenthalt in der Bastille entschloss sich Voltaire Paris in Richtung England zu verlassen. Drei Jahre blieb er dort. In dieser Zeit setzte er sich unter anderem intensiv mit der Philosophie John Lockes auseinander und beschäftigte sich mit politischem System und öffentlichem Leben.

Literarisches Ergebnis dieser Reise waren die Philosophischen Briefe. Die Schrift fasste erstmals die Vorstellungen der Aufklärung über Gewissensfreiheit, religiöse Toleranz und politische Gleichheit zusammen. Obwohl die Briefe in Frankreich anonym veröffentlicht wurden, wurde 1734 erneut ein Haftbefehl gegen Voltaire erlassen. Er floh nach Lothringen, wo er bis 1744 auf Schloss Cirey, nahe der Landesgrenze, bei seiner Geliebten der Marquise Du Châtelet-Lomont lebte und arbeitete. Hierbei entstanden unter anderem die Werke Prinzipien der Newtonschen Philosophie (1738) und Das Zeitalter Ludwigs XIV. (herausgegeben 1751).

Dem Einfluss von Emilie Du Châtelet verdankte Voltaire, dass die Behören ihre Verfolgung vorübergehend einstellten. Der Einfluss von Madame de Pompadour verhalf dem geistigen Unruhestifter 1745 zu einem kurzzeitigen Arrangement mit dem Hof. Galt er doch als der von ihr am höchsten geschätzte Literat. So wurde Voltaire 1745 zum Hofhistoriographen ernannt und ein Jahr später Mitglied der Académie française. Die Freundschaft mit Madame de Pompadour hielt trotz zeitweiliger Entfremdung bis zum Tod der Mätresse im Jahre 1764.

Bereits ein paar Jahre zuvor starb Voltaires Geliebte Émilie du Châtelet - vermutlich an Kindbettfieber. Auf Schloss Cirey konnte ihn nun nichts mehr halten und so gab er dem Drängen Friedrichs des Großen nach und begab sich 1750 nach Potsdam. Aufgrund persönlicher Differenzen mit dem König verließ er Preußen nach drei Jahren wieder. Doch auch in Paris legte man auf die unbequeme Gesellschaft des einstigen Hofhistoriographen keinen Wert mehr, und so ließ sich Voltaire 1758 in der Stadtrepublik Genf an der französisch-schweizerischen Grenze nieder. Er kaufte unter anderem das Gut Ferney. Bis zu seinem Tode im Jahre 1778 entstanden in Ferney mehr als 400 Veröffentlichungen. Voltaire korrespondierte mit fast allen bedeutenden Persönlichkeiten Europas, vor allem aber griff er mit seinen Schriften in das politische und gesellschaftlichen Leben Frankreichs ein. Sein Vorgehen gegen die Missstände in der Justiz machten ihn auch bei Teilen der Bevölkerung Frankreichs bekannt, die weder lesen noch schreiben konnten.

Seinen Kampf gegen Fanatismus und Aberglauben, deren unheilvolle Folgen er in der katholischen Kirche repräsentiert sah, welche sich der weltlichen Macht zur Durchsetzung ihrer Interessen bediente, setzte er von Ferney aus unermüdlich fort. Voltaires Lexikonartikel in der Enzyklopädie Diderots und D'Alemberts waren Ausdruck dieses Kampfes. Eine Zusammenfassung seines Denkens bot schließlich das 1764 erschienene Philosophische Wörterbuch (1764). Als kranker Mann kehrte Voltaire im Februar 1778 zur vielumjubelten Uraufführung seiner Tragödie Irène in seine Heimatstadt Paris zurück, wo er kurz darauf am 30. Mai 1778 verstarb.

Voltaires umfangreiches Werk umfasst zahlreiche seinerzeit übliche Gattungen (Versepen, Tragödien, Komödien) aber auch philosophische, essayistische und populärwissenschaftliche Publikationen. Seine Tragödien verbinden die klassizistische Form mit einem aufklärerischen Inhalt: Zaire (1732), Mahomet (1742, dt. von Goethe, 1802). Mit seinen philosophischen Kurzromanen dagegen schuf er eine zeitlose Form der erzählenden Prosa. Und dies, obwohl er das Erzählen solcher Geschichten für eine eher nebensächliche Beschäftigung hielt. 1759 erschien sein wohl berühmtester Roman Candide oder Der Optimismus (1759) - eine Verballhornung der Leipnizschen These von der "besten aller Welten". Weitere Romane waren Zadig (1747) und Das Naturkind (1767). Zusätzlich zu seinen Werken zur praktisch-politischen Philosophie versuchte sich Voltaire erfolgreich als Historiker. Aufgrund der Werke Die Zeiten Ludwigs XIV., und Geschichte des russischen Reiches unter der Regierung Peters des Großen, wird Voltaire in der Literatur als einer der ersten Kulturhistoriker bezeichnet. Seine weitestgehend kritische Methode wird als wegweisend für die moderne Geschichtsschreibung angesehen.

Voltaire glaubte an ein Reich der Vernunft, in dem die Philosophen den ersten Rang einnehmen würden. Er kämpfte zeitlebens gegen Dogmatismus und den Herrschaftsanspruch der Religion. Er gilt neben Montesquieu, Diderot und Rousseau als einflussreichster Autor der französischen Aufklärung. Neben seinen Werken sind auch über 20 000 Briefe überliefert, die seine herausragende Stellung im geistigen Leben Europas illustrieren.

 

Empfohlene Zitierweise

Voltaire (François-Marie Arouet). Aus: Madame de Pompadour, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/5jzd7/

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Erstellt: 17.01.2006

Zuletzt geändert: 17.01.2006


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