Biographien

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Madame Geoffrin

 

Kindheit

Madame Geoffrin war eine der berühmtesten und zudem die erste bürgerliche Salonière im Paris des 18. Jahrhunderts. Sie wurde am 2. Juni 1699 als Marie-Thérèse Rodet in Paris geboren. Ihr Vater, Pierre Rodet, war Kammerdiener der Gemahlin des Dauphin am Hofe Ludwig XIV. Die Mutter, geborene Chemineau, war Tochter eines bürgerlichen Bankiers.

Bereits mit sieben Jahren Vollwaise, wuchs Marie-Thérèse Geoffrin bei ihrer Großmutter, Mme Chemineau, auf. Sie erzog Marie-Thérèse eher traditionell mit der für die Zeit typischen Einschränkungen für Mädchen. Auf diese Weise lernte sie zwar lesen, konnte jedoch Zeit ihres Lebens nur sehr schlecht schreiben. Wie Madame Geoffrin allerdings später einmal selbst sagte, habe sie von ihrer Großmutter gelernt, sich mit Hilfe ihres Verstandes eine eigene Meinung zu bilden.

Heirat und Familienleben

Als Marie-Thérèse Geoffrin 14 Jahre alt war, fiel sie bei einem Kirchenbesuch dem bereits 48jährigen François Geoffrin auf. Er war Verwalter der renommierten königlichen Glasmanufaktur, Copagnie Saint-Gobin, und Leutnant-Oberst der Bürgerlichen Miliz von Paris. Die beiden heirateten bald darauf am 19. Juli 1713 und zogen in ein vornehmes Stadtpalais in der Rue Saint-Honoré.

Mme Geoffrin war nun ein Mitglied der neuen, zunehmend einflussreicheren Bourgeoisie. Im Jahre 1715 bekam sie eine Tochter und zwei Jahre später einen Sohn, der jedoch mit zehn Jahren starb. Fünfzehn Jahre lang lebte Mme Geoffrin das Leben einer Ehefrau und Mutter mit einem schlichten bürgerlichen Lebensstil.

Die Gründung ihres Salons

Dies änderte sich 1730 als sie zunächst aus Gründen der Höflichkeit ihre neue Nachbarin Mme de Tencin (1685-1749) besuchte. Diese führte in ihrem Haus einen von Intellektuellen, wie Fontenelle, Marivaux, Montesquieu oder Voltaire besuchten Salon. Auf diese Weise kam Mme Geoffrin mit der intellektuellen Elite Frankreichs in Berührung und war sofort von diesen Persönlichkeiten fasziniert. Sie schloss schnell Freundschaft mit Mme Tencin und war ein häufiger Gast in ihrem Salon.

Seit dieser Zeit empfing Marie-Thérèse Geoffrin auch selbst diverse bekannte Gäste in ihrem Haus. Obwohl ihr Mann daran wenig Interesse zeigte, unterstützte er sie. Ihren eigenen Salon eröffnete Mme Geoffrin offiziell aber erst nach dem Tod von Mme de Tencin im Jahr 1749.

Wie diese vorher, empfing Mme Geoffrin ihre Gäste auf bestimmte Tage verteilt: Immer montags kamen Maler zu Gast - so zum Beispiel van Loo, La Tour, Boucher oder Hubert Robert. Mittwochs waren dann die Schriftsteller, Philosophen und Gelehrten an der Reihe - wie d´Holbach, Helvétius, Grimm, Fontenelle, Diderot, Marmontel, Marivaux oder Montesquieu. Außerdem empfing sie Leute hohen Adels und ausländische Gäste von Rang, unter anderen Abbé Galiani (italienischer Nationalökonom und Diplomat), Horace Walpole (englischer Schriftsteller), den schwedischen Kronprinzen, den späteren König Gustav III., Fürstin Louise von Anhalt-Dessau oder den Kronprinzen Stanislaus August Poniatowski, den späteren polnischen König. Auch Madame de Pompadour gehörte vor ihrer Zeit am französischen Königshof zu ihren Gästen.

Man kann Mme Geoffrin nicht als eine überaus gebildete Frau bezeichnen, doch ihre Gäste schätzten ihren schlichten, herzlichen Empfang und ihre Qualitäten als Gastgeberin. Außerdem verfügte sie über einen guten Menschenverstand. Sie war wohl vor allen Dingen eine gute Zuhörerin, die nicht über Dinge sprach, die sie nicht verstand. Dennoch hielt sie oftmals zu erhitzte Gemüter in einer Diskussion durch beherztes Eingreifen zur Mäßigung an und war so auch eine gute Diskussionsleiterin.

Mme Geoffrin als Mäzenin und ihr steigendes Ansehen

Daneben muss jedoch besonders ihre großzügige Hilfsbereitschaft und ihr Mäzenatentum hervorgehoben werden, welches sie nie zur Steigerung ihres eigenen Ansehens benutzte. So beglich sie die Schulden des Prinzen Stanislaus August Poniatowski und holte ihn somit aus dem Gefängnis. Sie unterstützte Maler durch Bilderkäufe oder andere ihrer Gäste mit großzügigen finanziellen Mitteln. Ganz besonders setzte sie sich für eine bestimmte Gruppe ihrer Gäste ein - nämlich die Enzyklopädisten. Als ein finanzieller Engpass 1759 die Publikation zu verhindern drohte, half sie ihnen, mit einer Summe von 300 000 Francs.

Ihr Ansehen dehnte sich über die Grenzen von Paris und Frankreich aus. Der französische Schriftsteller Sainte-Beuve meinte zu ihrem Salon, dass er "der bestorganisierteste, der bestgeführteste ihrer Zeit war, geradezu eine Institution des 18. Jahrhunderts". Reisende der Zeit glaubten, Paris nur unzureichend gesehen zu haben, wenn sie Mme Geoffrin nicht kannten.

Am Ende ihres Lebens unternahm sie selbst eine Reise. Im Jahre 1766 folgte sie einer Einladung des polnischen Königs nach Warschau, der ihre mütterliche Aufnahme in Paris nie vergessen hatte. Auf dem Weg dorthin machte sie einen Abstecher zum Hofe der Königin Maria Theresia. Sehr bemerkenswert ist auch der von der russischen Zarin Katharina der Großen selbst initiierte Briefkontakt mit der bürgerlichen Mme Geoffrin. In Folge hatte sie sehr viele osteuropäische Besucher in ihrem Salon, sodass sie auch die "Zarin von Paris" genannt wurde.

Ab 1774 verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand. Sie hatte mehrere Schlaganfälle und musste ihren Salon schließlich im November 1776 schließen. Sie starb am 6. Oktober 1777. Ihr letztes Lebensjahr verbrachte sie im Bett liegend, während ihre Tochter streng darüber wachte, wer sie besuchen durfte. Insbesondere ehemalige Gäste mit einer antiklerikalen Einstellung wurde der Zutritt verwehrt. Obwohl Mme Geoffrin diese schätzte und immer zu sich eingeladen hatte, blieb sie doch ihr ganzes Leben hindurch religiös und wollte in gutem Einvernehmen mit der Kirche sterben.

Literatur:

Anne Commire (Hg.): Woman in World History. A Biographical Encyclopedia, Bd. 6, Detroit 2000, 159-164.

Joseph F.Michaud: Biographie Universelle ancienne et moderne, Bd. 16, Paris 1998 (Nouvelle édition), 203-205.

François Moureau: Dictionnaire des lettres françaises. Le XVIIIe siècle, Bd. 4, Paris 1995, 531-533.

Verena von Heyden-Rynsch: Europäische Salons. Höhepunkte einer versunkenen weiblichen Kultur, München 1992, 73-77.

Patrick E. Charvet (Hg.): A literary history of France. The Eighteenth century: 1715-1789, Bd. 3, London 1970, 41-55.

 

Empfohlene Zitierweise

Geoffrin, Marie-Thérèse. Aus: Madame de Pompadour, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/5jzcz/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 17.03.2006

Zuletzt geändert: 17.03.2006


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