Biographien

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François Boucher

 

Der Familienhintergrund und die beginnende Ausbildung

François Boucher, Maler, Zeichner, Kupferstecher und Dekorationskünstler, war einer der Hauptmeister des französischen Rokoko. Er wurde am 29. September 1703 in bescheidenen Verhältnissen in Paris geboren. Sein Vater, Nicolas Boucher, war ein Stickmusterzeichner und Kupferstecher und gehörte nicht zum Kreis der angesehenen Akademiekünstler sondern zu den zünftisch organisierten Malern. Sein Sohn, François Boucher, nutzte jedoch die Chancen, die ein talentierter Künstler zu dieser Zeit hatte, indem er durch seine Begabung sozial aufstieg.

Im Alter von 14-17 Jahren lernte François Boucher wohl zunächst bei seinem Vater das Handwerk des Malers und Kupferstechers. Anschließend nahm ihn der Maler François Lemoine, ein Mitglied der Pariser Akademie, aufgrund eines vielversprechenden Gemäldes in die Lehre. Bei ihm blieb Boucher aber nur ein paar Monate, um bereits 1720 in die Werkstatt des Kupferstechers Laurent Cars einzutreten. Dort fertigte er eine Zeit lang Kopfleisten für Druckschriften, ferner Originalentwürfe für Kupferstiche und einige Radierungen nach dem Maler Watteau an. Dies vermutlich auch aus dem einfachen Grund, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Der Beginn seines Aufstiegs

Am 28. August 1723 gewann Boucher den Prix de Rome der Académie Royale. Das zweijährige Romstipendium, das normalerweise mit diesem Preis verbunden gewesen wäre, wurde ihm wegen Günstlingswirtschaft vorenthalten. Da ein Romaufenthalt für einen damaligen Künstler aber von entscheidender Bedeutung war, erarbeitete er sich das Geld dafür selbst. 1727 konnte er schließlich nach Italien reisen und studierte dort vor allen Dingen barocke Künstler. Als er 1731 wieder in Paris ankam, nahm er seine Tätigkeit als Kupferstecher, Radierer und Buchillustrator wieder auf. So schuf er 1734/35 Zeichnungen und Radierungen für eine sechsbändige Molière-Ausgabe.

Im Jahre 1734 wurde Boucher als Mitglied in die Pariser Akademie aufgenommen und 1739 zu deren Professor ernannt. In den folgenden Jahren waren es besonders seine Vielseitigkeit und sein Arbeitseifer, die ihn auszeichneten. Ab 1735 führte er regelmäßig Aufträge für das Königshaus aus. Des Weiteren war er ab 1734 an der Teppichmanufaktur in Beauvais tätig und seit 1755 Inspektor der Pariser Gobelinmanufaktur. Er arbeitete mehrmals als Kostüm- und Bühnenbildner für das Theater und schuf Entwürfe zu Porzellanarbeiten. Außerdem stellte er zahlreiche Gemälde im Salon aus und fertigte eine sehr große Anzahl von Zeichnungen an. Besonders lukrativ für ihn waren Zeichnungen und kleinere Gemälde mit verschiedenen Themen, die er für private Sammler ausführte. Mit der Zeit hatte er sich besonders unter wohlhabenden Bürgern und "Modedamen" einen festen Kundenkreis aufgebaut.

Seine Karriere am Königshof Ludwigs XV.

Trotzdem blieb der Königshof das wichtigste Zentrum für ihn, besonders als 1745 Madame de Pompadour seine bekannteste und treueste Gönnerin wurde. Bis zu ihrem Tod 1764 blieb sie eine begeisterte Bewunderin seiner Arbeiten. Er dekorierte eine Vielzahl ihrer Räume, porträtierte sie selbst einige Male und gab ihr sogar Unterricht im Stechen und Zeichnen. Boucher erlangte nun alle wichtigen Ehrungen und Auszeichnungen: 1752 erhielt er eine Wohnung im Louvre, und 1765 wurde er zum Premier Peintre du Roi (Erster Maler des Königs) und zum Direktor der Akademie ernannt. Obwohl er seit den 60er Jahren über Augenprobleme und nachlassende Kräfte klagte, malte er bis zu seinem Tod am 30. Mai 1770 weiter.

Trotz seines Erfolges scheint Boucher ein einfacher Mensch geblieben zu sein, dem seine Familie und seine Herkunft wichtig waren. So spielte er nie den Mann von Welt oder den Intellektuellen, der er nicht war. Er ist überliefert als ein Mann, der sich seinen Ruhm ohne Intrigen und Günstlingswirtschaft ehrlich erarbeitet hat.

Die Wirkung seines künstlerischen Werkes

Wie kein anderer seines Jahrhunderts prägte er den Stil sowohl der Bildenden als auch der Dekorativen Kunst. Mit seinen Darstellungen sentimentaler Pastoralen, pittoresker Parklandschaften, graziöser weiblicher Gestalten oder gefälliger, oft auch erotischer Szenen aus einer Welt des Genusses, bediente er den Geschmack der verfeinerten Hofgesellschaft und reicher Bürger. Seine Gemälde voll Heiterkeit, Eleganz und Anmut passen in ein Zeitalter, in den man Luxus offen auslebte. Besonders bei der aufgeklärten zeitgenössischen Bürgerschicht (zum Beispiel Diderot) traf Boucher aber auch auf Kritik. Sie warfen ihm eine Entartung der Sitten, einen Mangel an Natürlichkeit zugunsten einer gekünstelten Feinheit oder die fehlende Wahrhaftigkeit in seinen Gemälden vor.

Boucher scheint besonders die effektvolle Gesamtwirkung seiner Werke wichtig gewesen zu sein. So muss man sich seine Arbeiten auch immer in ihrem räumlichen, nach dem damaligen Geschmack gestalteten dekorativen Zusammenhang denken. François Boucher gehörte zu den produktivsten und vielseitigsten Malern des 18. Jahrhunderts und prägte den Stil der Zeit unter Louis XV. am nachdrücklichsten.

 

Literatur:

Ulrich Thieme / Felix Becker: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart, Bd. 4, Leipzig François Boucher1910, 428-432.

Georges Brunel: Boucher, New York 1986.

John P. O´Neill (Hg.): The Metropolitan Museum of art New York: François Boucher 1703-1770, New York 1986, 15-38.

Harald Olbrich (Hg.): Lexikon der Kunst, Bd. 1, Leipzig 1987, 625.

Günter Meißner (u.a. Hg.): Allgemeines Künstlerlexikon, Bd. 13, München 1996, 289-292.

Jane Turner (Hg.): The Dictionary of Art, Bd. 4, New York 1996, 511-519.

 

Empfohlene Zitierweise

Boucher, François. Aus: Madame de Pompadour, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/5jzcw/

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Erstellt: 17.01.2006

Zuletzt geändert: 17.01.2006


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