20. Jahrhundert

Max Weber ( 1864-1920 )

 

"Das Schicksal einer Kulturepoche, die vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, ist es, wissen zu müssen, dass wir den Sinn des Weltgeschehens nicht aus dem noch so vervollkommnendem Ergebnis einer Durchforstung ablesen können, sondern ihn selbst zu schaffen imstande sein müssen, da ,Weltanschauungen' niemals Produkt fortschreitenden Entwicklungsgewinns sein können."

Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1968, S. 154.

 

Stimmen der Forschung

"Weber bietet eine seltene Verknüpfung von überwältigender empirischer Fülle und disziplinierter analytischer Durchdringung, von Empirie, Analyse und Reflexion. Eine spezifische Mischung von Nüchternheit und Leidenschaft ist kennzeichnend für sein Werk. Und vor allem: Im Medium seines Werkes, mit seinen Fragestellungen und Kategorien kann man Grundfragen unserer Wissenschaft und unserer Zeit thematisieren - vom Problem des Praxisbezugs der Wissenschaft über die Auseinandersetzung mit den Phänomenen des modernen Interventionsstaats und der Bürokratisierung bis hin zu aktuellen Debatten über die Grundlagen der westlichen Modernisierung als Fortschritt, Verlust und Gefahr."

Jürgen Kocka in: ders. (Hg.): Max Weber, der Historiker, Göttingen 1986, S. 7.

 

"Zu Recht gilt Max Weber als ein Begründer der Kultursoziologie und zugleich als ihr Meister. Sein ganzes Werk ist durchzogen von dem Bemühen, das Ineinandergreifen von Interessen und Ideen zu analysieren, in der Religionssoziologie nicht anders als in Wirtschaft und Gesellschaft. Seine Soziologie rückt immer zwei Probleme in den Vordergrund: die Interessen, ihre Formierung, die Konflikte zwischen ihnen, und die Ideen, die Wertvorstellungen, auf die sich das Handeln der einzelnen und der Kollektive bezieht und durch die Institutionen begründet und legitimiert werden."

M. Rainer Lepsius: Interessen und Ideen. Die Zurechnungsproblematik bei Max Weber, in: ders.: Interessen, Ideen und Institutionen, Opladen 1990, S. 31.

 

"Mit seiner berühmten 'Protestantismusthese' behauptete Weber nicht, daß der moderne Kapitalismus allein aus der protestantischen Religiosität entstanden sei, arbeitete aber die 'innerweltliche Askese' als spezifisch puritanische Form religiöser Angstbewältigung und als wesentliche Triebkraft zum heilssichernden wirtschaftlichen Erfolg heraus. [.] Auf dem Fundament seiner Studien zur antiken Wirtschafts- und Sozialgeschichte legte er eine zweite Wurzel des universellen Rationalisierungsprozesses frei, der seine - durch die Ablehnung universeller Sinnentwürfe gebrochene, gleichwohl aber latent vorhandene universalgeschichtliche Entwicklungsperspektive ebenso wie seine Gegenwartsprognose bestimmt: die zweckrationale Vergesellschaftung des Bürgertums in der okzidentalen Stadt. [.] Methodisch bediente sich Weber dabei des von ihm entwickelten Instruments des 'Idealtypus', der eine Vielzahl empirisch erfaßter Einzelphänomene durch 'einseitige Steigerung' wesentliche Aspekte zu einem Gesamtbild der zu erfassenden Wirklichkeit steigert (etwa der für Weber besonders bedeutsamen 'Bürokratie')."

Wolfgang Hardtwig: Über das Studium der Geschichte, München 1990, S. 84f.

 

"W.s Forschungen waren im universalhistorischen Vergleich ausgerichtet auf die gesamte Moderne, d. h. unsere von Europa ausstrahlende christlich-kapitalistisch rechtsstaatliche Kultur. In dieser Perspektive untersuchte er in seinen beiden zentralen, vielfach miteinander verschränkten Werken, [.], den Legitimitätswandel politischer Herrschaft, die Veränderungsformen sozial-ökonomischer Ungleichheit und die religiös-kulturelle Umprägung individueller und kollektiver Lebensformen. W. hat damit wichtige Impulse für die interdisziplinär verfahrenden historischen Kulturwissenschaften gegeben, die in der Geschichtswissenschaft zuerst von O. Hintze aufgegriffen worden sind."

Gangolf Hübinger in: Rüdiger vom Bruch/Rainer A. Müller (Hg.): Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1991, S. 336.

 

"A fundamental problem confronts us at the outset: in what sense is it proper to speak of Max Weber as a historian? His undergraduate and graduate studies were principally in law, while his university appointments were in the faculty of , National Economy'. [...] On the other hand, he believed, as much as any orthodox historian, that present-day phenomena should be understood in terms of their previous history. [...] To use Weber's own words, he saw himself as a historian in the , broad' if not in the , narrow' sense."

Peter Ghosh in: Kelly Boyd (Ed.): Encyclopedia of Historians and Historical Writing, Vol. II, London/Chicago 1999, S. 1286.

 

"Weber beschrieb die gesamte Entwicklung der westlichen Kultur als einen intellektuellen und sozio-ökonomischen Rationalisierungsprozeß, - aber er meinte auch, dieser Prozeß führe die Menschen in ein stahlhartes Gehäuse der Disziplinierung und des Zwangs."

Michael Sukale: Max Weber - Leidenschaft und Disziplin. Leben, Werk und Zeitgenossen, Tübingen 2002, S. XIV.

 

Biografie

21.04.1864

Geburt in Erfurt als Sohn von Max Weber (protestantischer Politiker und Jurist) und Helene, geb. Fallenstein

1882-1886

Studium Jura, Nationalökonomie, Philosophie und Geschichte in Heidelberg, Berlin, Straßburg und Göttingen.

1883

Wehrdienst

1889

Juristische Promotion magna cum laude an der Universität Berlin: "Entwickelung des Solidarhaftsprinzips und des Sondervermögens der offenen Handelsgesellschaft aus den Haushalts- und Gewerbegemeinschaften in den italienischen Städten"

1892

Habilitation für Römisches, Deutsches und Handelsrecht an der Universität Berlin bei August Meitzen mit dem Thema: "Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht"

1893

Heirat mit Marianne Schnitger (Frauenrechtlerin und Soziologin)

1893-1894

Außerordentlicher Professor der Nationalökonomie in Berlin

1894-1897

Ordentlicher Professor der Nationalökonomie in Freiburg i. Br.

1897

Ordentlicher Professor der Nationalökonomie in Heidelberg

1898

Physische Erkrankung, Aufgabe der Lehrtätigkeit, Reisen in Europa und den USA

1904ff.

Herausgabe des "Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik"

1909

Gründung der "Deutschen Gesellschaft für Soziologie", zeitweise Mitglied des Vorstandes

1911

Beginn der Arbeit an seinem Hauptwerk "Wirtschaft und Gesellschaft"

1914-1915

Dienst als Offizier in Heidelberg

1918

Mitbegründer der "Deutschen Demokratischen Partei (DDP), probeweise Lehrtätigkeit in Wien

1919

Ordentlicher Professor der Nationalökonomie an der Universität München

14.06.1920

Tod in München

 

Werke (Auswahl)

1891

Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht, Stuttgart 1891 (Tübingen 1988)

1892

Die Lage der Landarbeiter im ostelbischen Deutschland, Leipzig 1892 (Tübingen 1986)

1904

Die "Objektivität" sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis, in: Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik 19 (1904), S. 22-87

1904

Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus I. Das Problem, in: Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik 20 (1904), S. 1-54

1905

Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus II. Die Berufsidee des asketischen Protestantismus, in: Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik 21 (1905), S. 1-110

1916-1919

Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen, in: Archiv für Sozialwissenschaften und Sozialpolitik 41-46 (1915-1919), 41 (1916): Einleitung/Der Konfuzianismus I/II, S. 1-87
Der Konfuzianismus III/IV (Tübingen 1998)

1919

Wissenschaft als Beruf, München/Leipzig 1919 (Berlin 1996)

1919

Politik als Beruf, München/Leipzig 1919 (Stuttgart 1997)

1920-1921

Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, 3 Bde., Tübingen 1920-1921 (Tübingen 1988)

1922

Wirtschaft und Gesellschaft, Tübingen 1922 (Tübingen 2002)

1922

Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1922 (Tübingen 1988)

1923

Wirtschaftgeschichte. Abriß der universalen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, München/Leipzig 1923

1924

Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 4 Bde., Tübingen 1924 (Tübingen 1988)

1924

Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik, 4 Bde., Tübingen 1924

1968

Die protestantische Ethik. Eine Aufsatzsammlung, hg. von Johannes Winckelmann, Frankfurt a. M. 1968 (Tübingen 1988)

 

Sekundärliteratur

Bendix, Reinhard: Max Weber - Das Werk. Darstellung, Analyse, Ergebnisse München 1964.

Breuer, Stefan: Bürokratie und Charisma. Zur politischen Soziologie Max Webers, Darmstadt 1994.

Choi, Ho-Keun: Max Weber und der Historismus: Max Webers Verhältnis zur historischen Schule der Nationalökonomie und zu den zeitgenössischen deutschen Historikern, Waltrop 2000.

Eliaeson, Sven: Max Weber's Methodologies. Interpretation and Critique, Cambridge 2002.

Fügen, Hans-Norbert: Max Weber, Reinbek 1995.

Gane, Nicholas: Max Weber and Postmodern Theory. Rationalization versus Re-enchantment, Basingstoke 2002.

Gephardt, Werner: Handeln und Kultur. Vielfalt und Einheit der Kulturwissenschaft im Werk Max Webers, Frankfurt a.M. 1998.

Giddens, Anthony: Capitalismo e teoria sociale. Marx, Durkheim e Max Weber, Mailand 1979.

Giesing, Benedikt: Religion und Gemeinschaftsbildung. Max Webers kulturvergleichende Theorie, Opladen 2002.

Goldman, Harvey: Max Weber in German History and Political Thought, in: Journal of Modern History 62 (1990), S. 346-352.

Goldman, Harvey: Politics, Death, and the Devil. Self and Power in Max Weber and Thomas Mann, Berkeley u. a. 1992.

Heins, Volker: Max Weber zur Einführung. Hamburg 1997.

Hennis, Wilhelm: Max Weber: Essays in Reconstruction, London/Boston 1988.

Hennis, Wilhelm: Max Weber und Thukydides : Nachträge zur Biographie des Werkes , Tübingen 2003.

Hermes, Siegfried: Soziales Handeln und Struktur der Herrschaft. Max Webers verstehende historische Soziologie am Beispiel des Patrimonialismus, Berlin 2003.

Horowitz, Asher/Terry Maley (Hgg.): The Barbarism of Reason. Max Weber and the Twilight of Enlightenment, Toronto/Buffalo 1994.

Hübinger, Gangolf: Max Weber und die historische Kulturwissenschaft, in: Notker Hammerstein (Hg.): Deutsche Geschichtswissenschaft um 1900, Stuttgart 1988, S. 269-281.

Hübinger, Gangolf: Staatstheorie und Politik als Wissenschaft im Kaiserreich. Georg Jellinek, Otto Hintze, Max Weber, Stuttgart 1988.

Jaeger, Friedrich: Bürgerliche Modernisierungskrise und historische Sinnbildung. Kulturgeschichte bei Droysen, Burckhardt und Max Weber, Göttingen 1994.

Jaspers, Karl: Max Weber. Politiker, Forscher, Philosoph. München 1958.

Kalberg, Stephen: Einführung in die historisch-vergleichende Soziologie Max Webers, Wiesbaden 2001.

Käsler, Dirk: Max Weber. Eine Einführung in Leben, Werk und Wirkung, Frankfurt a. M. 1998.

Kelly, Duncan : The State of the Political. Conceptions of Politics and the State of the Thought of Max Weber, Carl Schmitt and Franz Neumann, Oxford 2003.

Kocka, Jürgen (Hg.): Max Weber. Der Historiker (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 73), Göttingen 1993.

Lascoumes, Pierre: Actualité de Max Weber pour la sociologie du droit, Paris 1995.

Lehmann, Hartmut (Hg.): Max Webers Religionssoziologie in interkultureller Perspektive, Göttingen 2003.

Meier, Christian (Hg.): Die okzidentale Stadt nach Max Weber. Zum Problem der Zugehörigkeit in Antike und Mittelalter, München 1994.

Momigliano, Arnoldo: Two Types of Universal History. The Cases of E.A. Freeman and Max Weber, in: Journal of Modern History 58 (1986), S. 235-245.

Mommsen, Wolfgang J.: Max Weber und die deutsche Politik, 1890-1920, Tübingen 1959.

Mommsen, Wolfgang J./Jürgen Osterhammel (Hgg.): Max Weber and his Contemporaries, Boston/London 1987

Mommsen, Wolfgang J.: The Political and Social Theory of Max Weber. Collected Essays, Oxford 1989.

Norkus, Zenonas: Max Weber und Rational Choice, Marburg 2001.

Parkin, Frank: Max Weber, London 2 2002.

Roth, Günther/Wolfgang Schluchter: Max Weber`s Vision of History: Ethics and Methods, Berkeley 1979.

Schöllgen, Gregor: Max Weber, München 1998.

Simson, Uwe: Protestantismus und Entwicklung: Was erklärt die Weber -These? : zum 80. Todestag von Max Weber am 14. Juni 2000, Berlin 2000.

Sukale, Michael: Max Weber. Leidenschaft und Disziplin: Leben, Werk und Zeitgenossen, Tübingen 2002.

Takebayashi, Shiro: Die Entstehung der Kapitalismustheorie in der Gründungsphase der deutschen Soziologie. Von der historischen Nationalökonomie zur historischen Soziologie Werner Sombarts und Max Webers, Berlin 2003.

Weber, Marianne: Max Weber. Ein Lebensbild, Tübingen 1926.

 

Links

a) Quellen

 

Ausgewählte Schriften

http://opus.kobv.de/ubp/volltexte/2005/559/html/

Ausgewählte Schriften (u.a. die protestantische Ethik) zum Download als zip-Datei oder im rtf-Format.
Anbieter: Universität Potsdam

 

Inhaltsverzeichnisse

http://www.mohr.de/soziologie/editionen-textausgaben/max-weber-gesamtausgabe-mwg.html

Eine Sammlung der Inhaltsverzeichnisse der Werke Webers.
Anbieter: Mohr Siebeck Verlag

 

Textsammlung

http://web.archive.org/web/20070205195823/http://www.sociosite.net/topics/weber.php

Ausgewählte Texte und Beiträge von und über Max Weber.
Anbieter: Universität von Amsterdam

 

b) Sekundärinformationen

 

Max Weber Kolleg

http://www.uni-erfurt.de/max-weber-kolleg/

Einrichtung zur Unterrichtung von Doktoranden und Habilitanden.
Anbieter: Universität Erfurt

 

Kurzlebenslauf

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/WeberMax/

Kurzer Lebenslauf in tabellarischer Form.
Anbieter: Deutsches Historisches Museum

 

Kurzinformation

http://cepa.newschool.edu/het/profiles/weber.htm

Informationen über die Person Max Webers, sein Werk, sowie eine Linksammlung.
Anbieter: New School University , New York

 

Kompaktinfos

http://www.utoledo.edu/~ddavis/weber.htm

Kompakte Infos in englischer Sprache.
Anbieter: University of Toledo

 

Biografie und Biografie

http://rcswww.urz.tu-dresden.de/~pr140583/Biographie/M.-Weber-Biogr.html

Sehr umfangreiche Bio- und Bibliographie zu Max Weber.
Anbieter: Technische Universität, Dresden

 

Leben und Werk

http://www.faculty.rsu.edu/~felwell/Theorists/Weber/Whome.htm

Informationen in englischer Sprache zu Werken und Schlüsselbegriffen
Anbieter: Frank W. Elwell, Roger State University , Claremore , Oklahoma

 

Essay

http://www.criticism.com/md/weber1.html

Aufsatz über die Objektivität Max Webers in der Soziologie in Englischer Sprache.
Anbieter: Steve Hoenisch

 

Lexikonartikel

http://www.kfunigraz.ac.at/sozwww/agsoe/lexikon/klassiker/weber/49bio.htm

Umfangreiche Informationen über den Soziologen Norbert Elias.
Anbieter: Projekt "Klassiker der Soziologie" der Karl-Franzens-Universität in Graz

 

Florian Kiuntke, Alexander Lassas 

23.09.2003

 



Erstellt: 10.03.2006

Zuletzt geändert: 07.08.2013


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