Themen

Eckart Conze, Ulrich Lappenküper, Guido Müller

Einleitung

aus: Eckart Conze, Ulrich Lappenküper, Guido Müller (Hrsg.): Geschichte der internationalen Beziehungen. Erneuerung und Erweiterung einer historischen Disziplin, Köln/Weimar/Wien 2004

Die deutsche Geschichtswissenschaft ist in Bewegung geraten. In vielen Bereichen werden zum Teil jahrzehntelang gültige Prämissen hinterfragt, Paradigmen verändern sich. Das gilt nicht nur für die viel zitierte "kulturgeschichtliche Herausforderung der Sozialgeschichte",[1] sondern auch für die Geschichte der internationalen Beziehungen. Diese, verstanden als historische Teildisziplin, ist zum einen nicht unberührt geblieben von den Entwicklungen in der Geschichtswissenschaft insgesamt. So spielen gesellschaftliche Faktoren und kulturelle Dimensionen heute in der Geschichte der internationalen Beziehungen eine weitaus größere Rolle als noch vor wenigen Jahren.[2]
Aber auch räumlich-geographisch haben sich ihr Gegenstandsbereich und ihr Erkenntnisinteresse insbesondere ins Außereuropäische erweitert. Ein kürzlich erschienener Band "Internationale Geschichte" spiegelt diese Erweiterung wider: eine Erweiterung im Hinblick auf die thematischen Interessen der Teildisziplin, eine Erweiterung aber auch im Hinblick auf theoretische Prämissen und methodische Herangehensweisen.[3]

Es ist aber zum anderen auch grundsätzlich das Interesse an der Geschichte der internationalen Beziehungen seit einigen Jahren wieder im Wachsen begriffen, was nicht zuletzt auf wirkungsmächtige internationale Entwicklungen zurückzuführen ist: vom Ende des Kalten Kriegs und dem Zusammenbruch der Sowjetunion[4] über das Voranschreiten europäischer Integrationsprozesse bis zu jener Vielzahl von Entwicklungen und Trends, die wir - nicht sehr klar, aber doch im Bewusstsein ihrer Bedeutung - mit der Chiffre "Globalisierung" bezeichnen.[5]

Zwar indizieren diese Prozesse auch ein neues Interesse an Politik beziehungsweise an dem, was man heute wieder gern das "Politische" nennt.[6] Dennoch ist der Bedeutungsgewinn der Geschichte der internationalen Beziehungen nicht gleichzusetzen mit einer einfachen Rückkehr oder Renaissance der traditionellen Politik- oder Diplomatiegeschichte. Denn die Geschichte der internationalen Politik markiert nur ein Feld der Geschichte der internationalen Beziehungen. Der Staat bleibt zwar gewiss bis auf weiteres definierendes Element und ein entscheidender Akteur im internationalen System und in den internationalen Beziehungen, und zwischenstaatliche Beziehungen bedürfen daher fraglos weiterhin auch der historischen Analyse.[7] Doch die Dynamik des Wandels ist unverkennbar. Die gleichzeitige Überwölbung und Aushöhlung des klassischen Nationalstaats und seines inneren wie äußeren Souveränitätsanspruchs stellt ein kaum zu bestreitendes Signum unserer Zeit dar. Mehr denn je ist es daher notwendig, in der historischen Analyse internationaler Beziehungen nach den von Pierre Renouvin und Jean-Baptiste Duroselle so genannten forces profondes[8] zu fragen, nach jenen Tiefenstrukturen wie Raum und Geographie, Demographie, ökonomischen und finanziellen Entwicklungen, sozialem Wandel oder Ideengebäuden und Ideologien. Aber auch die Institutionen internationaler Beziehungen haben sich verändert. Neue internationale beziehungsweise international handelnde Akteure, internationale Unternehmen oder Nichtregierungsorganisationen beispielsweise, sind auf die Bühne getreten und stehen neben traditionellen Akteuren wie dem Staat beziehungsweise staatlichen Repräsentanten, die schon immer die Aufmerksamkeit der Geschichtswissenschaft gefunden haben. Und gewandelt und erweitert haben sich schließlich auch Strukturen und Ausformung internationaler Beziehungen. Oder besser: Verändert hat sich unsere Wahrnehmung dessen, was wir den internationalen Beziehungen zurechnen und unter diesem Rubrum analysieren. Dazu gehören nicht zuletzt Migrationsbewegungen,[9] Formen des Kulturtransfers wie beispielsweise Prozesse von Amerikanisierung oder "Westernisierung"[10] oder transnationale Gesellschaftsbeziehungen.[11]

Man muss nun gar nicht darüber streiten, wie es Politologen seit einigen Jahren mit großer Lust tun, ob es sich bei unserer Welt um eine Staatenwelt, eine Gesellschaftswelt oder eine Weltgesellschaft handelt.[12] Viel wichtiger erscheint für den Historiker die Frage nach den Gründen, den Verläufen und den Ausprägungen jener Veränderungsprozesse, die heute so sichtbar und greifbar werden. In diesem Kontext freilich liegt ein zentrales Erkenntnisinteresse gerade auch für die Geschichtswissenschaft und hier insbesondere für die historische Teildisziplin der Geschichte der internationalen Beziehungen. Denn zum einen ist, ganz allgemein, die Analyse historischen Wandels eine genuine und grundlegende Aufgabe der Geschichtswissenschaft, und das schließt den Wandel der internationalen Ordnung und der internationalen Beziehungen selbstverständlich ein. Dieser Wandel aber setzte nicht erst an der Schwelle der Gegenwart ein. Internationale Ordnung und internationales System sind in ihrer Geschichte nie fixe und statische Größen gewesen, sondern sie waren stets historischem Wandel unterworfen.[13] Hier liegt die inhaltliche Herausforderung, ja die Forschungsagenda der Geschichte der internationalen Beziehungen. Zugleich aber hat sich ein solchermaßen interessiertes Fach der methodischen und theoretischen Grundlagen seiner Forschung zu vergewissern. Das heißt in unserem Kontext vor allem, die Frage zu stellen nach denjenigen methodischen Herangehensweisen und denjenigen theoretischen Prämissen, die am besten geeignet sind, die tief greifenden und unbestreitbaren Prozesse des Wandels und der Transformation in den internationalen Beziehungen analytisch zu fassen und zu untersuchen.

Vor dieser doppelten Herausforderung sah sich eine Tagung, die im Frühjahr 2002 im Adam-Stegerwald-Haus in Königswinter bei Bonn stattfand und deren Beiträge und Ergebnisse der vorliegende Band zu dokumentieren versucht. Die Konferenz sollte eine Bestandsaufnahme und zugleich eine Standortbestimmung der Geschichte der internationalen Beziehungen in Deutschland sein. Sie wollte danach fragen, was die fundamentalen und noch lange nicht abgeschlossenen Veränderungen der internationalen Ordnung der letzten Jahrzehnte, was die Prozesse der Internationalisierung, Transnationalisierung und Globalisierung für die wissenschaftliche Erforschung der Geschichte der internationalen Beziehungen bedeuten. Sie wollte aber darüber hinaus auch Überlegungen anstellen darüber, wie die Geschichtswissenschaft diesen tiefen Veränderungen theoretisch und methodisch begegnen kann, wie sich also das Fach selbst entwickelt hat und noch weiter entwickeln muss, um der Dynamik des Wandels analytisch gerecht werden zu können. So sehr dabei auch vergleichsweise gegenwartsnahe Entwicklungen den Hintergrund bilden für eine Diskussion über Gegenstandsbereich, Theorie und Methode einer Geschichte der internationalen Beziehungen, so wenig konzentrieren sich die Beiträge des Bandes auf diese gegenwartsnahen Entwicklungen. Vielmehr versuchen sie, Impulse zu geben auch für die Beschäftigung mit der Geschichte der internationalen Beziehungen gegenwartsfernerer Epochen. Dem liegt nicht zuletzt die Einschätzung zu Grunde, dass gerade auch aus gegenwartsfernerer Perspektive wichtige Impulse für eher zeithistorische Forschungen zu erwarten sind. Dafür gibt es in der Geschichtswissenschaft genügend Beispiele.[14]

Dieser Band ist Teil eines Reflexionsprozesses. Deshalb wird er nicht nur Fragen beantworten, sondern auch neue Fragen aufwerfen. Perspektivisch ist dieser Reflexionsprozess künftig unbedingt in interdisziplinäre Diskussionszusammenhänge zu integrieren. Denn auch und gerade aus dem Austausch mit anderen an internationalen Beziehungen interessierten Fächern (u. a. Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaften oder Völkerrecht) lassen sich Perspektiven und thematische Horizonte entwickeln für die geschichtswissenschaftliche Erforschung internationaler Beziehungen. Freilich bedarf es, um den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen, zunächst der intradisziplinären Selbstverständigung und Standortbestimmung. Ferner bedarf auch der Dialog mit Historikern der internationalen Beziehungen aus anderen Ländern durchaus der Intensivierung. Die Internationale Geschichte sollte sich internationalisieren, sie muss sich aus dem Käfig der Nationalzentriertheit befreien.[15] Aber auch hier sollte man den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun. Insofern spiegelt dieser Band zunächst den Versuch, Vertreter unterschiedlicher Ansätze und durchaus unterschiedlicher Provenienz und thematischer Orientierung innerhalb der deutschen Geschichtswissenschaft in einen reflexiven, kritischen, durchaus auch selbstkritischen, und konstruktiven Dialog zu bringen. Referenzpunkt und Reflexionshorizont der einzelnen Beiträge ist dabei stets die Frage nach den Möglichkeiten und Perspektiven einer Geschichte der internationalen Beziehungen angesichts fachlicher Herausforderungen und politischer und gesellschaftlicher Veränderungen.

Schon den einzelnen Vorträgen der Tagung lag ein Fragenkatalog zu Grunde, eine Art roter Faden, der die Referate strukturieren helfen und aufeinander beziehen sollte. Dieser Fragehorizont lässt sich auch als Leseraster dieser Bestandsaufnahme nutzen, und er ist durchaus auch als ein Orientierungspunkt in der sich weiter entfaltenden Debatte über eine sich erneuernde und erweiternde Geschichte der internationalen Beziehungen gedacht. Fünf Themenblöcke mit jeweils zwei Beiträgen, einem "Impulsreferat" und einem "Fallreferat", bestimmen die Grobgliederung des Bandes, und schon diese fünf thematischen Blöcke werfen ein Licht auf den in vollem Gange befindlichen Erweiterungsprozess des Faches. Es geht um Staat und Politik in der Geschichte der internationalen Beziehungen (Eckart Conze und Ulrich Lappenküper), um die globale Perspektive (Wolfram Kaiser und Niels P. Petersson), um internationale Wirtschaftsbeziehungen (Hubert Zimmermann und Guido Thiemeyer), um Kulturtransfer und internationale Beziehungen (Johannes Paulmann und Jessica Gienow-Hecht] sowie um internationale Gesellschaftsbeziehungen (Guido Müller und Marita Krauss). Ein Essay von Hartmut Kaelble diskutiert selbstkritisch nicht nur die Distanz der deutschen Sozialgeschichte zu der Geschichte der internationalen Beziehungen und ihre Schwierigkeiten mit der Internationalität, sondern er verweist auch auf wichtige Ansätze sozialhistorischer Internationalisierung und entwirft Perspektiven für deren weitere Entwicklung, nicht zuletzt im Zeichen der Transnationalität. Aber nicht nur in Kaelbles Beitrag geht es um Transnationalität und transnationale Beziehungen. Diese Begriffe sind zwar nicht neu.[16] Doch auch sie verweisen auf den Gestalt- und Strukturwandel internationaler Beziehungen, die eben nicht länger nur durch Inter-Nationalität charakterisiert sind und zwischen mehr oder weniger autonom gesetzten Nationalstaaten, Nationalgesellschaften, Nationalökonomien oder Nationalkulturen stattfinden, sondern die die Grenzen des Nationalen in immer stärkerem Maße transzendieren und auch nicht mehr nur die Nation beziehungsweise den nationalen Staat als primären Bezugspunkt haben.

Der von den Herausgebern entwickelte Fragehorizont wurde von den Autorinnen und Autoren in durchaus unterschiedlicher Weise aufgegriffen, und Ziel des Fragehorizonts war es ja auch nicht, die Aufsätze in ein Prokrustesbett disziplinärer Einheitlichkeit zu zwingen. Im Gegenteil: Die Beiträge spiegeln den Pluralismus der Zugriffe und Ansätze und die Vielfalt des sich erneuernden Faches in Deutschland wider und dokumentieren damit einmal mehr, in welch starkem Maße die Erneuerung der Disziplin eine Erweiterung ist. Diesen Prozess zu greifen und ihn sichtbar werden zu lassen, darum vor allem geht es dem Band. Es geht ihm nicht darum, etwa in Form eines Hand- oder Lehrbuchs einen systematischen, vereinheitlichenden oder gar kanonisierenden Überblick über die Disziplin in Deutschland zu geben. Nichtsdestoweniger kann dieser Band, trotz aller Unterschiede und Gegensätze im Einzelnen, die wesentlichen Richtungen und das thematische Spektrum des Faches präsentieren.

In impulsgebender Absicht unternehmen es die jeweils ersten Aufsätze der einzelnen Themenblöcke, den Gegenstandsbereich sowie die methodischen und theoretischen Horizonte des jeweiligen Forschungsfelds zu skizzieren beziehungsweise zumindest zentrale Aspekte zu benennen. Das schließt Versuche der Theoriebildung oder Theorieweiterentwicklung von Fall zu Fall ebenso ein wie die Überprüfung etwa des Werts sozialwissenschaftlicher Theorieangebote für den Historiker der internationalen Beziehungen. Weil diese Beiträge auch Perspektiven und Forschungsagenden entwickeln, legen sie gleichzeitig Forschungslücken oder Entwicklungsdefizite offen. Deutlich zeigen alle Aufsätze, wie sehr sich mittlerweile die Disziplin in Deutschland von der traditionellen Politikgeschichte entfernt hat, sich in andere thematische Felder vorarbeitet oder Verbindungen knüpft zu anderen historischen Teildisziplinen beziehungsweise Fächern jenseits der Geschichtswissenschaft. Dies sowie die in dem Band vorgeschlagene Weitung des Politikbegriffs mag - auch bei der Lektüre dieses Buches - den Eindruck erwecken, die Geschichte der internationalen Politik, nicht zuletzt als Außen- und Regierungspolitik, oder die Erforschung von Staatensystemen spiele in der Geschichte der internationalen Beziehungen keine wichtige Rolle mehr. Doch dies ist mitnichten der Fall und soll an keiner Stelle vertreten werden.

Im Anschluss an die Impulsbeiträge geht es den Fall- oder Beispielstudien darum zu verdeutlichen, wie man sich konkret in historisch-empirischer Analyse dem jeweiligen Themenfeld zuwenden kann. Das meint nun nicht schlicht eine empirische, nachvollziehende Ausarbeitung der methodischen oder theoretischen Prämissen oder deren Unterfütterung mit Quellen, sondern es zielt auf die konkretisierende Anwendung von theoretischen und methodischen Ansätzen an unterschiedlichen Untersuchungsgegenständen. Damit liefern selbstverständlich auch diese Aufsätze theoretische und methodische Impulse, und sie verleihen überdies der Bestandsaufnahme wie auch der Entwicklung von Perspektiven Bodenhaftung - im besten Sinne des Wortes. Nicht zuletzt demonstrieren sie klar das Potential bestimmter Themenfelder für die Weiterentwicklung, ja Innovation des Faches, die sich eben stets auch aus seinen Gegenständen speist und speisen muss und nicht nur aus den Konjunkturen der Theoriebildung.

Vor dem Hintergrund eines weithin postulierten und ja auch durchaus greifbaren Bedeutungsverlusts des Staates (als Territorialstaat) sowie eines fundamentalen Gestaltwandels von Staatlichkeit verbindet alle Beiträge - nicht nur die in Teil I des Bandes - die Frage, welche Rolle der Staat als Institution und als Akteur als Bezugsgröße in ihrem jeweiligen Feld spielt. Das schließt auch die Frage nach dem Ort und der Relevanz individuellen Handelns und individueller Akteure in den internationalen Beziehungen ein. Angesichts eines Politikverständnisses, das sich immer stärker vom Staat und von staatlichem Handeln löst,[17] begegnet die Frage nach der Bedeutung von Politik in den internationalen Beziehungen nicht nur in jenen Beiträgen, die ganz bewusst die These eines Abschieds von Staat und Politik mit einem Fragezeichen versehen. Solche Fragen machen deutlich, in welch starkem Maße der Prozess der Selbstvergewisserung des Faches - als Teil und Grundlage seiner Erneuerung - von den Entwicklungen des nationalen fachlichen Diskurses überwölbt ist, wie sehr er sich an nationalen Diskussionszusammenhängen orientiert. Dies gilt etwa im Hinblick auf die Debatten über "moderne Politikgeschichte", über "Politikgeschichte in der Erweiterung", über das gesellschaftsgeschichtliche Paradigma und seine Herausforderung, wenn nicht Überwindung im Zeichen der "kulturalistischen Wende". Insofern ist dieser Band Teil des deutschen geschichtswissenschaftlichen Diskurses, der noch immer spürbar ein nationalhistorischer Diskurs ist. Aber es werden doch auch internationale Debatten und Fachentwicklungen aufgenommen und reflektiert, sei es im transatlantisch-amerikabezogenen Kontext,[18] sei es mit Blick auf die französische Geschichtswissenschaft.[19]

Gegenstandsbezogen werden in diesem Band die Grenzen zur Geschichte anderer Welträume - Asiens oder Afrikas etwa - vorsichtig, aber bewusst überschritten, und gleichzeitig werden existierende Grenzziehungen problematisiert und damit relativiert. So spiegeln die Beiträge den Willen, die Geschichte der internationalen Beziehungen räumlich und gegenstandsbezogen zu erweitern, den historiographischen Eurozentrismus zu überwinden, ohne sie indes zu enteuropäisieren oder die Geschichte des euro-atlantischen Raumes zu marginalisieren.

Die Autorinnen und Autoren fragen ferner nach Möglichkeiten der Periodisierung und der Zäsurensetzung innerhalb des jeweiligen Feldes. Wie weit tragen überkommene, oftmals aus der Geschichte der internationalen Politik gewonnene zeitliche Einteilungen? So sehr es beispielsweise ein Anliegen der Herausgeber ist, die Geschichte der internationalen Beziehungen in der Frühen Neuzeit systematisch in die Forschungsagenden des Faches zu integrieren und, nicht zuletzt mit Blick auf das internationale System und seine Entwicklung, die Zäsur der Jahre um 1800 zu relativieren, so wenig soll dadurch einer Einheit der Epoche das Wort geredet werden, wie sie beispielsweise durch die viel zitierte Rede vom "Westfälischen System" beschworen wird, das in der Folge des Dreißigjährigen Krieges Gestalt angenommen habe und sich erst jetzt, seit dem Ende des 20. Jahrhunderts aufzulösen beginne.[20] Aber immerhin löst sich eine solche Sichtweise, die den Territorialstaat ins Zentrum rückt, von jenem nations- und nationalstaatszentrierten Analyserahmen, der insbesondere die internationale Politik stets mit dem Blick des 19. Jahrhunderts untersuchte und das 19. Jahrhundert gleichsam zur analytischen Zentral- oder Referenzepoche der Geschichte der internationalen Beziehungen erhob.

Diese Problematik verweist auf die weiterreichende Fragestellung, ob und inwiefern bestimmte Theorien oder Methoden, Zugangsweisen, Forschungsansätze oder Deutungsangebote an bestimmte Zeiträume oder Epochen wie die Frühe Neuzeit, das 19./20. Jahrhundert, die Zeitgeschichte oder den Kalten Krieg gebunden sind. Und wann schließlich beginnt die Geschichte der internationalen Beziehungen? Markiert die Herausbildung eines territorial strukturierten Staatensystems am Ende des Mittelalters den Anfang? Dafür spricht aus politik- und insbesondere systemhistorischer Sicht manches. Doch andere Kategorien führen zu anderen zeitlichen Grenzziehungen. Zwar behandeln die vorliegenden Beiträge die Möglichkeit internationaler Beziehungen in Antike und Mittelalter nicht, aber das soll das Fach nicht zur ausschließlichen Domäne von Neuzeithistorikern erklären. Im Gegenteil: Hier stellt sich eine Frage, die für die Geschichtswissenschaft insgesamt bedeutsam ist und entsprechender Zuwendung bedarf. Wenn bestimmte Theorien, Methoden oder Forschungsansätze gebunden sind an bestimmte Zeiträume und nur für bestimmte Zeiten fruchtbar sind, dann gilt das doch genauso im Blick auf geographisch, politisch, sozial oder kulturell bestimmte Räume. In diesen Kontext gehört nicht zuletzt die bereits erwähnte Frage nach der Bedeutung und Wirkung des nationalen Paradigmas.

So wenig dieser Band umfassend die interdisziplinären Verbindungen und Verknüpfungsmöglichkeiten der Geschichte der internationalen Beziehungen ausleuchten kann und so wenig er systematisch den Nutzen von Theorieangeboten anderer Disziplinen behandeln und bewerten kann, so sehr taucht dieser Aspekt einer konstruktiven Interdisziplinarität in den einzelnen Beiträgen immer wieder auf. So beziehen sich die Aufsätze beispielsweise auf die Anthropologie, die Ethnologie, die Politikwissenschaft, die Soziologie oder auch die Musikwissenschaft und demonstrieren damit immerhin die Möglichkeiten und auch die Fortschritte angewandter Interdisziplinarität, die sich leicht auf andere Fächer, von der Religionswissenschaft über die Psychologie bis hin zur Kommunikationswissenschaft, erweitern ließe. Doch nicht nur die Potentiale der Interdisziplinarität werden erkennbar, sondern auch die Möglichkeiten - und Grenzen - intradisziplinärer Zusammenarbeit. Zwar will sich die Geschichte der internationalen Beziehungen durchaus selbstbewusst von anderen historischen Teildisziplinen abgrenzen. Aber wo liegen diese Grenzen, wie durchlässig sind sie, und wo ergeben sich dennoch Möglichkeiten der Vernetzung und des Austauschs? Die Beispiele, die hierfür gegeben werden, stammen unter anderem aus der Universalgeschichte, den Subdisziplinen der außereuropäischen Geschichte, der vergleichenden Geschichte oder der Militärgeschichte.

Der cultural turn in der Geschichtswissenschaft der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts spiegelt sich deutlich in einer Reihe von Aufsätzen. Insofern ist der Band selbst schon wieder ein Stück Geschichte der Geschichtswissenschaft. Doch greifen manche Beiträge auch weiter zurück, indem sie versuchen, ihren Gegenstandsbereich historiographiegeschichtlich zu verorten und ihn damit zu historisieren. Gefragt wird nach der Herausbildung und Entwicklung von Themenbereichen, von Erkenntnisinteressen, von theoretischen und methodischen Zugriffen, nach ihrem Wandel und ihren Konjunkturen. Fachimmanente Einflussfaktoren werden dabei ebenso erörtert wie Impulse aus anderen Fächern und - natürlich - die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen und Abhängigkeiten historischen Fragens.

Vor diesem Hintergrund fragt in Teil I des Bandes (Staat und Politik in der Geschichte der internationalen Beziehungen) Eckart Conze, was die Dynamik des historischen Wandels von Staat, Staatlichkeit und Staatensystem für die Geschichte der internationalen Beziehungen und, vor allem, für die Geschichte der internationalen Politik bedeutet und wie dieser Dynamik methodisch und thematisch Rechnung zu tragen ist. Ohne den Staat als Analysekategorie und Ordnungsform des Politischen zu verwerfen, löst Conze den Politikbegriff aus seiner Staats- und Regierungsfixierung und versucht ihn damit für die Erforschung des politischen Prozesses in modernen Gesellschaften nutzbar zu machen. Am Beispiel der deutsch-französischen Verständigung, nicht nur der bilateralen politischen Beziehungen, zwischen 1949 und 1963 zeigt Ulrich Lappenküper die zentrale Bedeutung von Außenpolitik und außenpolitischem Handeln als Regierungshandeln. Er demonstriert für diese Phase und diese Thematik klar den ausschlaggebenden Primat von Außenpolitik und Regierungshandeln, die erst den Raum schufen für wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Annäherungsprozesse.

In Teil II (Die globale Perspektive) fordert Wolfram Kaiser eine Erweiterung des Themenkanons der internationalen Geschichte und plädiert - in Abgrenzung von Weltsystemansätzen oder Ansätzen des Zivilisationsvergleichs - für eine transnationale Beziehungsgeschichte als Zentralelement einer erneuerten Weltgeschichte. Diese habe vor allem vier Themenfelder zu beackern, die der Aufsatz entfaltet: die Globalisierung politischer Kommunikation, den Beitrag interkultureller Kontakte zum Kulturtransfer von Ideen und institutionellen Arrangements, die Entterritorialisierung transnationaler Beziehungen und die wachsende Institutionalisierung globaler Politik in internationalen Organisationen. Der Aufsatz von Niels P. Petersson bietet weit mehr als nur eine anschauliche Fallstudie dazu. Der Beitrag führt in eine "Welt des (Un-)Rechts" und beleuchtet das Problem der Verrechtlichung internationaler Wirtschaftsbeziehungen vor dem Ersten Weltkrieg. Theoretisch und methodisch fundiert, untersucht Petersson mit Blick auf europäische Wirtschaftsaktivitäten in China die Frage, welche Mechanismen, Akteure und Probleme bei der Etablierung internationaler - und zunehmend globaler - wirtschaftlicher und wirtschaftsrechtlicher Normen eine Rolle spielten.

Hubert Zimmermann plädiert im Eingangsbeitrag zu Teil III (Internationale Wirtschaftsbeziehungen) zunächst ganz allgemein für eine stärkere Berücksichtigung und analytische Integration von ökonomischen, aber auch finanziell-monetären Zusammenhängen durch die Geschichte der internationalen Beziehungen. Er verweist vor diesem Hintergrund auf den Nutzen von Theorieangeboten aus der Politikwissenschaft und insbesondere der Politischen Ökonomie. Außerdem entfaltet er Ansätze einer integrativen Geschichte internationaler Wirtschaftsbeziehungen, als deren zentralen Referenzpunkt er das Machtproblem identifiziert. Guido Thiemeyer nimmt diesen Impuls auf und lenkt den Blick auf die Verknüpfung von Außenpolitik und internationaler Finanz- und Währungspolitik im Kontext des deutsch-französischen Krieges und der Reichsgründung von 1870/71. Er weist nach, dass die Bildung des deutschen Nationalstaats das europäische Staatensystem nicht nur außenpolitisch veränderte, sondern gleichzeitig auch, angesichts des kausalen Zusammenhangs mit der Verbreitung des internationalen Goldstandards, wirtschafts- und finanzpolitisch neu strukturiert hat.

Mit Hilfe eines anthropologischen und eines ideengeschichtlichen Zugangs unternimmt Johannes Paulmann in Teil IV des Bandes (Kulturtransfer und internationale Beziehungen) den Versuch, transnationale Kulturbeziehungen sowohl als Grenzüberschreitungen als auch als Grenzräume in ihrem historischen Prozesscharakter zu beschreiben. Seine Überlegungen können vor allem die historische Erforschung von Kulturtransfer bereichern und voranbringen, weil sie Möglichkeiten entwickeln, transnationale Handlungsfelder, ihre Binnenstrukturen und die Triebkräfte transnationaler Akteure und ihres Handelns zu untersuchen und darzustellen. Jessica Gienow-Hecht interpretiert in ihrem Aufsatz die Pflege der klassischen Musik als zentrale Dimension einer dauerhaften emotionalen Wahlverwandtschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Amerika. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis an die Schwelle der Gegenwart sieht sie diese Wahlverwandtschaft als eine eigenständige und eigengewichtige Ebene der internationalen, in diesem Falle der deutsch-amerikanischen Beziehungen, neben dem politisch-diplomatischen oder dem wirtschaftlichen Verhältnis.

Am Beginn von Teil V (Internationale Gesellschaftsbeziehungen) erkundet Guido Müller, wie sich die Herausbildung einer "Gesellschaftswelt" in den theoretischen und methodischen Ansätzen, aber auch in der Themenwahl von Historikern der internationalen Beziehungen widerspiegelt. Müller argumentiert sodann vor allem, dass mit einer höheren Sensibilität für soziale Verhältnisse, für soziale Strukturen und die soziale Gebundenheit von Akteuren in den internationalen Beziehungen ein höherer Grad an historischer Komplexität erfasst werden kann, da soziale Faktoren stets in intensiver Wechselwirkung mit kulturellen Präferenzen, emotionalen Strukturen oder politischem Entscheidungshandeln stehen, und gerade Letzteres folgt bekanntlich nicht immer nur rationalen Kriterien oder Sachzwängen des Staatensystems und der außenpolitischen Notwendigkeit. Der soziale Raum sei zunehmend auch international und das Internationale zunehmend auch sozial bestimmt. Marita Krauss versucht vor diesem Hintergrund, Themen und Fragen der Migrationsgeschichte auf die Geschichte der internationalen Beziehungen zu orientieren. Sie fragt dabei nicht zuletzt, ob nicht die Migrationsforschung einen Schlüssel biete zu einer durch staatliche Grenzen hindurch funktionierenden Gesellschaftsgeschichte, die in vielen sozio-ökonomischen Einzelbereichen, vor allem aber im Bewusstsein der Individuen ganz neue - transnationale - Raumkonstellationen entstehen lasse.

Hartmut Kaelble schließlich liefert keine Zusammenfassung der Konferenzergebnisse, sondern er beschäftigt sich in seinem Essay (Teil VI) mit der Internationalisierung und Transnationalisierung der deutschen Geschichtswissenschaft in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Dabei entwickelt er nicht nur Perspektiven intensiverer Forschungskooperation zwischen Sozialhistorikern und Historikern der internationalen Beziehungen, sondern er richtet seinen Blick auch - in gewisser Weise von außen - auf die Entwicklung der Geschichte der internationalen Beziehungen in Deutschland seit etwa 1970. Kaelbles Beitrag ist daher nicht zuletzt auch ein ermutigendes Anzeichen dafür, dass die Dialogunfähigkeit und -unwilligkeit, die das Verhältnis von Sozialhistorikern und Historikern der internationalen Beziehungen in Deutschland lange Zeit kennzeichnete, vorbei ist, dass man nicht mehr nur gegeneinander oder, schlimmer noch, aneinander vorbei redet, sondern miteinander. Diesen Prozess kommunikativer Annäherung zu dokumentieren und voranzutreiben, war auch ein Ziel der Tagung in Königswinter. Die Lektüre dieses Bandes und seiner Aufsätze mag zeigen, ob dieser Anspruch eingelöst werden konnte.

Die Herausgeber haben vielfachen Dank abzustatten. Dieser Dank gilt zunächst den Autorinnen und Autoren des Bandes sowie allen Teilnehmern der Konferenz in Königswinter im Frühjahr 2002. Von den zum Teil kontroversen, immer jedoch konstruktiven Diskussionen in Königswinter haben die einzelnen Beiträge sowie der Band insgesamt sehr profitiert. Zu danken ist auch der Fritz Thyssen Stiftung (Köln), die sowohl die Tagung selbst als auch die Publikation dieses Bandes großzügig unterstützt hat. Ein Dank geht schließlich an Antje Robrecht, Katja Seidel und Jan Ole Wiechmann vom Seminar für Neuere Geschichte der Philipps-Universität Marburg, für ihr Engagement bei der Redaktion und der Druckvorbereitung des Bandes. Die Verantwortung für alle Fehler und Unvollkommenheiten liegt selbstverständlich bei den Herausgebern.

Anmerkungen:

[1] Vgl. dazu Wolfgang HARDTWIG (Hrsg.), Wege zur Kulturgeschichte, Göttingen 1997; Thomas MERGEL/Thomas WELSKOPP (Hrsg.), Geschichte zwischen Kultur und Gesellschaft. Beiträge zur Theoriedebatte, München 1997; oder Ute DANIEL, Kompendium Kulturgeschichte. Theorie, Praxis, Schlüsselwörter, Frankfurt a. M. 2001.

[2] Zur "kulturgeschichtlichen Herausforderung der Geschichte der internationalen Beziehungen" vgl. neuerdings die exemplarischen Beiträge in: Jessica GIENOW-HECHT/Frank SCHUMACHER (Hrsg.), Culture and International History, New York 2003; s. auch Ursula LEHMKUHL, Diplomatiegeschichte als internationale Kulturgeschichte: Theoretische Ansätze und empirische Forschung zwischen Historischer Kulturwissenschaft und Soziologischem Institutionalismus, in: GG 27 (2001), S. 394-423. Zu den Entwicklungen und Veränderungen in der Geschichte der internationalen Beziehungen s. allgemein: Friedrich KIEßLING, Der "Dialog der Taubstummen" ist vorbei. Neue Ansätze in der Geschichte der internationalen Beziehungen des 19. und 20. Jahrhunderts, in: HZ 275 (2002), S. 651-680. Stärker auf die Zeitgeschichte bezogen, ja zum Teil geradezu aktualistisch: Michael GEHLER, Zeitgeschichte im dynamischen Mehrebenensystem. Zwischen Regionalisierung, Nationalstaat, Europäisierung, internationaler Arena und Globalisierung, Bochum 2001.

[3] Wilfried LOTH/Jürgen OSTERHAMMEL (Hrsg.), Internationale Geschichte. Themen - Ergebnisse - Aussichten, München 2000; zur Hinwendung ins Außereuropäische s. auch verschiedene Aufsätze in: Jürgen OSTERHAMMEL, Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats. Studien zu Beziehungsgeschichte und Zivilisationsvergleich, Göttingen 2001.

[4] Dazu schon früh und durchaus selbstkritisch: Jürgen KOCKA, Überraschung und Erklärung. Was die Umbrüche von 1989/90 für die Gesellschaftsgeschichte bedeuten könnten, in: Manfred HETTLING u. a. (Hrsg.), Was ist Gesellschaftsgeschichte? Positionen, Themen, Analysen, München 1991, S. 11-21.

[5] Aus der Fülle der deutschsprachigen Literatur dazu nur zwei Verweise: Ulrich BECK, Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus - Antworten auf Globalisierung, Frankfurt a. M. 1997; als geschichtswissenschaftliche Einführung in die Thematik jetzt Jürgen OSTERHAMMEL/Niels P. PETERSSON, Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen, München 2003.

[6] Anknüpfend an Carl SCHMITT, Der Begriff des Politischen (1932), Berlin 1991, oder Dolf STERNBERGER, Begriff des Politischen. Der Friede als der Grund und das Merkmal und die Norm des Politischen, Frankfurt a. M. 1961, s. u. a. Charles S. MAIER (Hrsg.), Changing Boundaries of the Political. Essays on the Evolving Balance between the State and Society, Public and Private in Europe, Cambridge 1987; Ulrich BECK, Die Erfindung des Politischen. Zu einer Theorie reflexiver Modernisierung, Frankfurt a. M. 1993; oder Elisabeth ANSELM u. a. (Hrsg.), Die Neue Ordnung des Politischen. Die Herausforderungen der Demokratie am Beginn des 21. Jahrhunderts, Frankfurt a. M. 1999. Im geschichtswissenschaftlichen Kontext vgl. auch: Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte (Sonderforschungsbereich 1831, Einrichtungsantrag), Bielefeld 2000.

[7] Vgl. dazu den Beitrag von Eckart Conze in diesem Band.

[8] Pierre Renouvin/Jean-Baptiste DuroselleÕhistoire des relations internationales, Paris 1964 u.ö.

[9] Vgl. dazu den Beitrag von Marita Krauss in diesem Band oder auch Klaus J. Bade, Europa in Bewegung. Migration vom späten 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart, München 2000.

[10] Dazu allgemein: Johannes PAULMANN, Internationaler Vergleich und interkultureller Transfer. Zwei Forschungsansätze zur europäischen Geschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts, in: HZ 267 (1998), S. 649-685, sowie auch sein Beitrag in diesem Band. Einführend zu den Problemkreisen vom Amerikanisierung und "Westernisierung": Anselm DOERING-MANTEUFFEL, Wie westlich sind die Deutschen? Amerikanisierung und Westernisierung im 20. Jahrhundert, Göttingen 1999, oder Philipp GASSERT, Amerikanismus, Antiamerikanismus, Amerikanisierung. Neue Literatur zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte des amerikanischen Einflusses in Deutschland und Europa, in: AfS 39 (1999), S. 531-561.

[11] Vgl. dazu den Beitrag von Guido Müller in diesem Band, oder auch Andreas WIRZ, Für eine transnationale Gesellschaftsgeschichte, in: GG 27 (2001), S. 489-498.

[12] Dazu beispielsweise Ernst-Otto CZEMPIEL, Weltpolitik im Umbruch. Das internationale System nach dem Ende des Ost-West-Konflikts, München 21993, S. 105-132; oder konträr Werner LINK, Die Neuordnung der Weltpolitik. Grundprobleme globaler Politik an der Schwelle zum 21. Jahrhundert, München 1998.

[13] Zum gegenwärtigen Stand der Diskussion über Staatensystem/internationales System und Systemgeschichte vgl. Peter KRÜGER (Hrsg.), Das europäische Staatensystem im Wandel. Strukturelle Bedingungen und bewegende Kräfte seit der Frühen Neuzeit, München 1996; sowie DERS./Paul W. SCHROEDER (Hrsg.), "The Transformation of European Politics, 1763-1848". Episode or Model in Modern History? Münster 2002. Vgl. im Übrigen auch aus politikwissenschaftlicher Sicht - und ohne Barrieren zur Geschichtswissenschaft: Jens SIEGELBERG/Klaus SCHLICHTE (Hrsg.), Strukturwandel internationaler Beziehungen. Zum Verhältnis von Staat und internationalem System seit dem Westfälischen Frieden, Wiesbaden 2000.

[14] Nicht zuletzt die Historische Anthropologie, die ihre Fragestellungen und Interessendefinitionen ganz überwiegend an und aus der Geschichte der Frühen Neuzeit entwickelte. Vgl. Richard VAN DÜLMEN, Historische Anthropologie. Entwicklung, Probleme, Aufgaben, Köln u. a. _2001.

[15] Vgl. Jürgen OSTERHAMMEL, Internationale Geschichte, Globalisierung und die Pluralität der Kulturen, in: DERS./LOTH (Hrsg.), Internationale Geschichte, S. 387-408; DERS., Geschichtswissenschaft jenseits des Nationalstaats; oder Eckart CONZE, Nationale Vergangenheit und globale Zukunft. Deutsche Geschichtswissenschaft und die Herausforderung der Globalisierung, in: Jörg BABEROWSKI u. a., Geschichte ist immer Gegenwart. Vier Thesen zur Zeitgeschichte, Stuttgart/München 2001, S. 43-65.

[16] Vgl. beispielsweise schon früh Karl KAISER, Transnationale Politik. Zu einer Theorie der multinationalen Politik, in: Ernst-Otto CZEMPIEL (Hrsg.), Die anachronistische Souveränität. Zum Verhältnis von Innen- und Außenpolitik, PVS-Sonderheft 1, Köln/Opladen 1969. Als Überblick s. auch: Ursula LEHMKUHL, Transnationale Politik, in: DIES., Theorien Internationaler Politik. Einführung und Texte, München/Wien 1996, S. 223-254.

[17] Vgl. Ute FREVERT, Neue Politikgeschichte, in: Joachim EIBACH/Günther LOTTES (Hrsg.), Kompaß der Geschichtswissenschaften, Göttingen 2002, S. 152-164.

[18] Als gelungenes Modell transatlantischer Theorie- und Methodenreflexion am konkreten Beispiel und internationaler fachlicher Standortbestimmung im Bereich der Geschichte der internationalen Beziehungen vgl. GIENOW-HECHT/SCHUMACHER (Hrsg.), Culture and International History.

[19] Vgl. den Beitrag von Hartmut Kaelble in diesem Band, der beispielsweise die Anstöße aufnimmt von Michael WERNER/BŽnŽdicte ZIMMERMANN, Vergleich, Transfer, Verflechtung. Der Ansatz der Histoire croisŽe und die Herausforderung des Transnationalen, in: GG 28 (2002), S. 607-636.

[20] Zur Kritik an der Verwendung des Begriffs "Westfälisches System" vgl. Heinz DUCHHARDT, "Westphalian System". Zur Problematik einer Denkfigur, in: HZ 269 (1999), S. 305-315.

 

Empfohlene Zitierweise

Conze, Eckart/Lappenküper, Ulrich/Müller, Guido: Geschichte der internationalen Beziehungen. Erneuerung und Erweiterung einer historischen Disziplin (2004), in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/67zjz/

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Erstellt: 21.02.2006

Zuletzt geändert: 21.02.2006


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