Herzog

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Urs Herzog

Anna Morgin. Hinrichtung und Erlösung einer barocken Malefiz-Persohn

Zur Bußpredigt des Clemens von Burghausen OFM Cap (1693-1732)

Veröffentlicht in: Rottenburger Jahrbuch fuer Kirchengeschichte 20 (2001), S. 155-173.

Amici.
Dvm Nos Calcatis Pede
Svblevate Ore. [1]

I.

Anfangs und unvermittelt im ersten Satz des epochalen Simplicissimus Teutsch ist von dieser unserer Zeit zu lesen, der Zeit also des späteren 17. Jahrhunderts, von welcher man glaubt, daß es die letzte seye [2]: die biblisch verheißene Endzeit mit dem nahen Ende aller Tage und, unter Furcht und Zittern, die Zeit des anbrechenden Jüngsten Gerichts. Grimmelshausen drückt sich mit Grund hier vorsichtig aus, wie er diesen "Glauben" andernorts entsprechend eine lose "Einbildung" [3] nennt. Es heißt da, im Satyrischen Pilgram, dem Erstling des Dichters, vom schwachen menschlichen Geschlecht, welches allem Ansehen nach uff der Naige geht [4]. Dem "Ansehen", vielleicht nur dem Anschein nach. Prokop von Templin OFM Cap, ein Prediger und Predigtschriftsteller von seltenen Graden, notabene einer der ersten, durchaus gewitzten Leser des "simplicianischen" Romans von 1669[5], er spricht im Jahre 1670 nicht anders vom Ende oder Abend der Welt [6] als einer bloßen Vermutung, die es im Lichte theologischer und geistlicher Unterscheidung zu prüfen gilt.

Solche Kritik ist an die zahlreichen eschatologischen Aussagen der Schrift verwiesen, an visionär gefaßte Worte, Bilder und Szenerien, die zu einer fest umrissenen oder gar schlüssigen Vorstellung sich kaum verbinden lassen. Es ist, mit dem Apostel zu reden, eine "schwere Zeit" (2 Tim 3,1), die kommen wird. "Zeichen und Wunder" (signa et prodigia, signa et portenta), auch teuflisch "trügerische" (Mk 13,22; 2 Thess 2,9), sollen erscheinen; ein Aeon der Kämpfe, Spaltungen und äußersten Prüfungen zeichnet sich ab. Auch werden der Parusie, dem Tag der Wiederkehr des Herrn in Herrlichkeit (Mk 13,24-27), kosmische Katastrophen voraufgehen: Dies irae, dies illa / Solvet saeclum in favilla [...].

Das Jahr 1670 war gleich ungezählten anderen Datierungen vorher und danach der falsche Termin. Die Gelehrten lassen trotzdem von ihren Rechenkünsten nicht ab. Allerdings nicht bloß sie (und mit ihnen Narren und Scharlatane aller Art), bereits die Jünger haben sich diesbezüglich Gedanken gemacht und dem Herrn die Frage gestellt: "Wann wird das geschehen" (Mk 13,4). Der Meister, der Sohn Gottes selber, ist überfragt. Denn "jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater" (Mk 13,32). Alles Entscheidende bleibt mithin ganz dem Vater überlassen, "die Stunde des Kreuzes und der Verfolgung, die Stunde der großen Entscheidungen, die Stunde des Erscheinens in Herrlichkeit" [7].

An diesen Bescheid wird - in Geduld, Gebet [8] und Wachsamkeit: "Seht euch also vor, und bleibt wachsam" (Mk 13,33) - durch alle Jahrhunderte auch die Kirche sich halten müssen, die "Zeichen der Zeit" unablässig vor Augen. Und die Nacht, durch die sie geführt wird, mag noch so tief sein, auch zutiefst verstörend wie zu Beginn der Neuzeit und zumal jetzt im 17. Jahrhundert, in jetzigen, sagt Grimmelshausen bei Gelegenheit, elenden und vielleicht letzten Zeiten [9] - zu diesen letsten lieblosen Zeiten [10], heißt das in Zürich - nicht anders als den Jüngern werden auch der Kirche unbeirrte Geduld und Wachsamkeit abverlangt, je von neuem, gegen alle Angst und drohende Verzweiflung.

Ein Prediger des Spätbarock wendet sich so an seine Gemeinde:

Andächtige Zuhörer. hat einsmals die Catholische allein seeligmachende Kirch, samt dem Heil. Römischen Reich in einem gefährlichen Zustand geschwebt und gelebt, so liegts gewißlich jetziger Zeit gantz in letzten Zügen, und scheint warhafftig der Römische Adler wolle seine sonst so hohe tragende Schwing-Federn verlieren, wolle sich nunmehr zum endlichen Untergang neigen, und scheint der Jüngste Tag stehe schon vor der Thür und klopffe an, ich will zwar hierinn keinen Propheten abgeben; aber wann ich die Wort Christi JEsu der ewigen Warheit selbsten was genauer bey mir erwege Lucae am 21. von dem annahenden Jüngsten Tag, so kan ich mir kein andere Gedancken machen, als die Welt werde bald zu Grunde gehen [...] [11].

So sehr auch der Gedanke sich aufdrängt, er bleibt nicht der letzte. Indem er sich die "Prophetie" untersagt, schöpft der Prediger aus der geschichtlich-heilsgeschichtlichen Erinnerung doch Hoffnung und weiß Trost für die Gläubigen. Punkt für Punkt hat er die drohenden "Zeichen der Zeit" ihnen vorgestellt und fährt nun fort:

Seynd das nicht, Andächtige, Anzeiger genug und Vorlauffer deß bald darauf folgenden Jüngsten Tags? Aber allweil ihr noch eure Leffzen regen, euer Zung bewegen, und mit dem Mund ein Englisches Ave sprechen könt, thut doch nicht verzagen, massen vor meiner, nemlich vor dreyhundert Jahren, eben dieses von der Cantzel abgedonnert der Heil. Vincentius Ferrerius, Dominicaner Ordens, und zwar nit ohne Ursach, dann in dem ersten Anfang seines heiligen Ordens sein Heil. Patriarch Dominicus in Verzuckung deß Geists gesehen, daß der erzürnte GOtt die sündige Welt mit dem Untergang wolte straffen, wie er dann die verirrte und dazumahl in Sünden verwirrte Welt-Kugel in Händen gehabt, selbige zu zertrümmern, wann Maria die allzeit barmhertzigste Jungfrau nicht hätte einen mütterlichen Fußfall gethan, und vor die gantze sündige Welt gebetten, welches sie dann alles leichtlich erhalten [12].

Endzeit und Gericht sind im Geheimnis des Glaubens Teil und Vollendung der Heilsgeschichte, letzte Offenbarung also der Gnade. Letztlich ist aller Schrecken umfangen von jener göttlichen Barmherzigkeit, an der die Gottesmutter als "Mater misericordiae" teilhat. Die Wendung vom "lieben jüngsten Tag" [13], die sich in den Schriften des Prokop von Templin gerne findet, ist darum ebenso schön wie richtig. Das mindert die Drohung nicht. Im Gegenteil, jede Verkündigung, die dem Sünder so oder anders sie meint ersparen zu können, hält dem zwingenden Ernst ihres Auftrags von oben nicht stand und wird zum Verrat am Zeichen des Johannes mit seiner Forderung nach "Umkehr und Taufe zur Vergebung der Sünden" (Mk 1,4).

Ob die Welt es hören mag oder nicht (opportune, importune, 2 Tim 4), in der Kirche ist "mit lehren, predigen und schreiben" [14], mit jedem möglichen Mittel der Verkündigung, vom künftigen Gerichtstag zu reden. Auch und gerade in "schwerer Zeit" hat die Predigt den Sünder aufzuwecken und ihn in diesem geistlichen Sinne des Wortes wachzuhalten auf dem Weg der Umkehr (conversio) und der Buße. Die Sünder sind aufzuschrecken, doch niemals in panische Angst zu versetzen; daran besteht zu Zeiten des großen Krieges und jeder nur erdenklichen Not kein Mangel. Keinesfalls ist jene seelische Verstörung und falsche Angst zu erregen, die mit sechs, vielleicht sieben Jahren Christina von Schweden beim Vortrag ihres eigenen Königlichen Hofpredigers erlitten hat: "Der Prediger schilderte diese Endkatastrophe höchst lebendig und erfüllte mich mit solchem Schrecken, daß ich meine letzte Stunde gekommen glaubte" [15]. Das Gegenteil ist nicht weniger fatal und wird von Predigern, Satirikern und andern besorgten "Wächtern über das Menschenleben" sehr viel häufiger konstatiert. Das Volk wird apathisch und läßt jede Warnung und bald jedes Zeichen zwischen Himmel und Erde - Cometen, Straffen, Plagen, Zerstörungen, Schwerdter, Krieg, Pest, Hunger, Zerschleiffungen, Ruin unnd Untergang [16] - auf sich beruhen. Was thun wir, empört sich ein Zeitgenosse anläßlich des Kometen von 1652:

Ach thäten wir nur, was die Heyden gethan! Aber nein, wir achten es nicht, es gilt kein Zeichen mehr, heut redet man darvon, morgen ist es schon widerumb auß, und fangen wirs an zu gewohnen, dörffen wol sagen? Ha! Was ist es wol, es ist nichts newes, man hat noch öffter Cometen gesehen, und Erdbidem empfunden, ich muß geschehen lassen, kann nicht wehren. Siehe, so verstockt seyn wir! Wann wir nur zuessen und zutrincken, und sonst unsern Lust und Ruhe haben, so lassen wir den Himmel brennen, und Erde zittern, gedencken nicht, daß es unserthalben geschehe; da wir doch GOtt dancken solten, daß ER uns also [sc. mit] Zeichen warnet, und nichts ungefehr uberfället [17].

Was bleibt in dieser Lage dem Bußprediger zu tun?

Wie ist jhnen denn zuhelffen. Peters Engel muß kommen, mit Fäusten darein schlagen, die offne Höll muß man jhnen zeigen, unnd wird dennoch nit allezeit kräfftig gnug seyn sie von jhrem süssen Sündenschlaff zu erwecken, unnd von jhrem schlimmen Leben abzuschröcken! [18]

Wo der Schlaf der Sünde herrscht, versinkt die Endzeit fern in Nirgendshausen. Niemand kehrt um, keiner wendet sich in Buße zum Besseren.

Der Jesuit Franz Höger, Domprediger in Landshut, gibt seiner Gemeinde einmal zu bedenken, wie das göttliche Gericht über alle Jahrhunderte hin auf sich warten ließ und alle scharfsinnige Erforschung der Zeit, deß Tags, der Stund deß letzten Gerichts [19] illusorisch wurde. Trotzdem und völlig paradox setzt Höger keine Pause danach ganz anders neu ein mit der folgenden Feststellung:

kein Jahrhundert ist vergangen, in welchem man nit sagen kan, daß der jüngste Tag, der Tag deß letzten Gerichts, denen damals lebenden Menschen nit schon ankommen seye. Ich sage: deß letzten Gerichts, und verstehe das allgemeine und grosse Gericht, nit nur das sonderbare auf alle Menschen wartende Gericht. Man verstehe mich wohl, dann ich rede tieff. Der letzte Tag eines jeden Menschen ist der Anfang seines letzten Gerichts, welches bey einem früher, bey dem anderen spätter anfanget, jedoch gewüß anfanget an dem Tag seines Todts [20].

Diese Wendung des Blicks ist alt und keineswegs ein Concetto der modischen Art. Bereits Hieronymus und Augustinus haben so, existentiell ad hominem argumentiert. Hieronymus mit diesen Worten: "wie an jenem großen Tag deß Gerichts allen widerfahren wird, daß wird schon erfüllet, ehe-vor es geschicht, an dem Tag des Todts. Ist also der jüngste Tag jenes großen Gerichts der letzte Lebens-Tag eines jeden Menschen" [21].

Für jeden einzelnen Gläubigen ist unausgesetzt die Endzeit angebrochen, höchste Zeit zur Bekehrung: Wendezeit. Das zuvor wie von außen und weither drohend anstehende Gericht ist schlagartig in die empfindlichste Nähe versetzt. Doch ineins, das ist die überschwängliche Hoffnung, die mit der Umkehr - im Sakrament von Buße und Beichte - dem Sünder gegeben ist, ineins mit der verschärften Drohung ist die Freiheit von Sünde, Schuld und Strafe ihm näher denn je, gleichsam mit Händen, mit den "Händen des Herzens" zu greifen. Die Theologie spricht daher im Sinne des Paulus-Wortes 1 Kor 11,31 ("Gingen wir mit uns selbst ins Gericht, dann würden wir nicht gerichtet") vom Bußsakrament als einem tribunal poenitentiae [22], einem Beicht-Gericht. Tiberius von Kaiserstuhl OFM Cap formuliert in einer Predigt von 1723 das kostbare kirchliche Lehrstuck so: Und also wann wir hier auff diser Welt mit dem Göttlichen und künfftigen Richter durch eine wahre Buß in dem Gericht der Beicht alles richtig machen, haben wir gar kein Gericht in der andern Welt zu förchten, dann das H. Sacrament der Buß wird von den Herren Theologis genandt und außgesprochen: Sacramentum reconciliationis post lapsum, das Sacrament der Versöhnung nach dem Fall [23].

II.

Theologisch ist die Umkehr des Sünders (conversio) zunächst und zuletzt nicht so sehr ein Finden seiner selbst, "Selbstfindung", als vielmehr die rettende Rückkehr oder doch die neue Hinwendung zur Kirche (conversio ad Ecclesiam) [24]. Dieser Rückkehr, und ihr immer längst voraus, entspricht die Kirche in der Bußpredigt: beginnend mit dem Ruf des Täufers, mit seiner Predigt und der Taufe am Jordan. Die ganze spätere kirchliche Bußpredigt sucht dem Gleichnis vom verlorenen Schaf gemäß alles und jedes, was verloren ging und anders nicht zu retten wäre, endlich heimzuholen. Zeiten besonderer Not und innerer Gefährdung sind darum im Laufe der Kirchengeschichte immer auch hohe Zeiten der Bußpredigt, ausgeprägt in unterschiedlichen Formen der Kritik, der Schelte oder Drohung. Es sind, beispielsweise im 13. Jahrhundert ([...] her vater, nim der sêle war. diu werlt ist gar an triuwen bar) [25], mit der Volks- und Völkermission des Franziskaners Berthold von Regensburg, Reden, die keine Direktheit oder Härte, aber auch keinerlei falschen Widerspruch scheuen. Und entsprechend wiederum im spätmittelalterlichen Italien, dem päpstlichen Rom bereits näher, die Bußverkündigung des Bernhardin von Siena, des Johannes von Capistrano, schließlich, von Feuer und Flammen vollends verzehrt, das Fanal des Dominikaners Savonarola.

Die Kanzel ist nur eines, aber wohl das vorzüglichste Medium, dessen sich die Kirche in den liturgischen Tagen und bei entsprechenden Anläßen der Buße bedient. Das einzige ist sie keineswegs. Und soll die Bußpredigt nach ihrer inneren Gestalt angemessen betrachtet werden, so ist dies nur denkbar im Blick zugleich auf die damalige Buß- und Passionsfrömmigkeit, die sich beide, wie stark auch und ungehemmt ins Barocke stilisiert, alter und ältester kirchlicher Tradition und Folklore verdanken. Der Predigt stehen geistliche Erzählung, Legende und Mirakel nahe. An die musikalischen Formen der Messe, des Buß-, Psalm- und Andachtsliedes ist zu erinnern, ans geistliche Drama und Spiel (Passions- und Osterspiel), an Wallfahrt, Prozession, Kreuzweg und sicher nicht zuletzt an die reichste Malerei und Plastik in Kirchen und Klöstern, an die hohe Kunst wie auch ans kleine volksfromme Andachtsbild des 17. und 18. Jahrhunderts. Bei jeder Gelegenheit soll, wer Buße tut, von den Mysterien der Passio Domini sich "entzücken" lassen. In einem der ersten "mirantisch"-geistlichen Gesänge gibt Laurentius von Schnüffis OFM Cap der büßenden Seele (Clorinda), die sich um den Geliebten (Daphnis) am Kreuz schmerzlich verzehrt, diese folgende Klage auf (unter dem Titel: Clorinda beweinet ihre Sünd, und fühlet alsgemach die Süßigkeit des Himmlischen Trosts):

Von dem Weynen
Will ich nimmer lassen ab,
Biß ich meinen
Daphnis gantz versöhnet hab:
Will erträncken
In den Thränen meine Sünd',
So versencken,

Daß auch GOtt sie nicht mehr find' [26].

 

Die Bußpredigt des deutschen Barock verbindet sich bis heute nahezu ausschließlich mit dem Namen des Augustinereremiten Abraham a Sancta Clara, des Inhabers der Kaiserlichen Hofkanzel in Wien. Dem famosen Pater Abraham, Schillers "prächtigem Original", der theologischen Substanz nach deutlich überlegen, teilt eine Reihe von Predigern das Los der schieren Vergessenheit mit fast der gesamten barocken Predigtliteratur [27]. Einer von ihnen, einer aus dem mit Kanzeltalenten damals gesegneten Kapuzinerorden, ist Clemens von Burghausen. Er vertritt in dieser Arbeit die katholische Bußpredigt der Zeit.

Pater Clemens, mit bürgerlichem Namen Harderer, wurde am 12. Dezember 1693 im oberbayerischen Burghausen [28] geboren, trat 1709 in Erding [29] dem Orden bei und starb, nachdem er im reformierten Regensburg während Jahren die Kanzel des Frauenstifts Niedermünster betreut hatte, bereits im Jahre 1732 [30]. In dieser Kürze und Kargheit ist es der Umriß eines monastisch eingezogenen Priester- und Predigerlebens, aufgeopfert im tagtäglichen, rastlosen Dienst an der Verkündigung der Frohbotschaft.

Die Predigten im Niedermünster, dem Hoch-Adelichen Gefürsteten Reichs-Stifft, sollen, wie sehr auch dem alten Ideal franziskanischer Einfalt verpflichtet, aus allen Ständen, selbst aus fürstlichen und protestantischen Kreisen großen Zulauf gefunden haben. Der erste von fünf gewichtigen Foliobänden, fünf vollständigen Sonn- und Feiertagszyklen, ist noch zu Lebzeiten des Autors erschienen. Der Titel der Ausgabe steht programmatisch für deren Geist: Seraphisch- Buß- und Lobanstimmendes Wald-Lerchlein [31]. Die kleine, unscheinbare Lerche (lat. Alauda) [32] symbolisiert den niederen, quasi "ländlichen" Stil der Rede, eine rhetorisch und homiletisch bescheidene Wald-Music, die den Predigern auf dem Lande und weniger der jetzigen gelehrten und delicaten Welt der Städte oder gar des Hofes nützen möchte. Der Leser hat nicht die längst modischen hohen Concepten und stilistisch hochtrabenden Sprachkünste zu erwarten. Diese Predigt hat bei aller franziskanischen Einfalt der nötigen "Belustigung" (delectatio) des Publikums nicht abgeschworen; sie will bloß - mit alt- und neuen Geschichten bekräfftiget, mit Antiquitäten und Gleichnussen unterspicket, mit anmüthigen Betrachtungen beseelet - die unvermischte Wahrheit, die "reine Wahrheit" des Evangeliums und einzig sie herausstellen. Es geht ihm nicht um irgendeine höhere fromme Unterhaltung, mit Paulus (1 Kor 2,2) ist dieser Prediger entschlossen, nichts anders zu wissen, als JEsum Christum, den Gecreutzigten. Diese Zielsetzung des Cantzel-Gesprächs, wie Clemens gerne auch sagt, entspricht weitgehend dem Tenor der franziskanischen Homiletik der Zeit. Das Eigene und Unverwechselbare ist hier der Geist einer warmen, tiefen "Herzlichkeit", einer augustinisch-franziskanischen Theologie des Hertzens als des Innersten des Menschen. Inspiriert von seinem Heil. Vatter Franciscus, hat Clemens vor, im Ganzen und in jeder Predigt mit Geist-flammenden Worten die Hertzen [33] zu durchdringen. Sein Herz möchte reden, damit das Kanzelwort widerum zum Hertzen tringet. Clemens schließt seinen Vortrag jeweils mit einem Hertzens-Gespräch. Beim Hörer soll zuletzt eine wunderliche Gemüths-Bewegung in dem Hertzen bewirkt werden [34].

Es ist historisch verbürgt, wie der regierende Fürst von Thurn und Taxis bei gegebenem Anlaß allen Theaterbetrieb am Regensburger Hof einstellen ließ. Anlaß und Begründung der überraschenden Maßnahme: weilen der erzörnte Gott mit seinen Gerichten in der Nachbarschaft sowohl, als auch entlegenen Orthen gewaltig rumoret [35]. Von höchster Stelle war damit Buße befohlen, auf den städtischen Kanzeln war "Donner-Wetter" zu gewärtigen. Wörtlich so lautet denn auch der erste Titel und Predig-Satz des Seraphischen Wald-Lerchleins: Geistliches Donner-Wetter. Als Motto dient dem Prediger die Stelle Offb 4,5 (Es giengen von dem Thron Blitzen, und Stimmen, und Donner). Dem Kommentar des Cornelius a Lapide zufolge sind mit diesem Bild der Geheimen Offenbarung die Predigten der Kirche gemeint, Bußpredigten, die zum Herzen des Sünders notfalls auch mit Gewalt vordringen werden:

Durch die Blitz wird entworffen die Krafft und Nachtruck des Göttlichen Worts. Die Donner stellen vor die Antrohungen der Höll, des Gerichts und Zorn GOttes. Nun dann ist mein hertzlicher Wunsch, daß sothane Blitz und Donner, verstehe das Göttliche Wort, all meinen Zuhöreren das Lebendige treffe, und gleich denen feurigen Donner-Keulen ihr Marck und Bein durchtringe, alle unordentliche Gemüths-Regungen zu lauter Aschen zu verbrennen [36].

Ist die Macht des Bösen übergroß und der Widerstand des Sünders hart wie Stein, bleibt dem Prediger nur mehr das scharfe und schmerzhafte Wort. Mit Prokop von Templin zu reden: [...] habe mans nur den Predigern nicht vor übel, wann sie bißweilen scharff seyn; die lose Welt stehet zu diesen jetzigen unsern leidigen Zeiten in solchen ›terminis‹, daß man nicht scharff gnug seyn kan! [37] Entsprechend erbittet Clemens vom Herrn eine Donner-Stimm, die das Hertz durchtringe, und die harte Felsen der verstockten Sünder zerknirsche [38]. Ist einer zur Predigt von Bekehrung und Buße bestellt und in prophetischem Gehorsam dazu verpflichtet, bedarf er auf seiner Kanzel ebenso der Härte wie der Milde und wird anders nicht ans Lebendige gehen oder je gar zum Innersten durchtringen. Diese Kunst - in der Clemens als ein Meister zu studieren ist - läßt sich mit Worten aus seiner eigenen Eingangs-Predig am besten umschreiben: Ein wahrer Buß-Prediger [39] wird, mit Christlicher Lieb, und von himmlischen Flammen entzündet, das Herz des Sünders nicht nur ziehen, sondern gar heraus reißen: er wird dich nicht nur bewegen, sondern gantz einen anderen Menschen aus dir machen, er wird dir das Gewissen rühren, und einen Heil. Angel in dir lassen [40].

Dem ersten Band des Wald-Lerchleins ist ein Anhang von vierzehn Fasten-Exemplen, Oder Geschicht-Predigen beigegeben, das sind, in Jahrhunderte alter Tradition, Predigten, die mittels geschichtlicher und legendenhafter Ereignisse (casus, exemplum, miraculum) einprägsamer und heylsamer unterweisen möchten. Im Untertitel ist die Rede von Wundervollen Begebenheiten, Nutz- und heylsamen Sitten-Lehren, Haß- und Liebswürdigen Lebens-Thaten [41]. Das vierzehnte, abschließende (und letztlich liebswürdige) Exempel, eine mehr als spektakuläre barocke Hexenverbrennung, trägt die Überschrift:

Anna Morgin, eine gefangene Weibs-Persohn aus der Stadt Villingen, wolte sich selber entleiben, jedoch aus Vorbitt Mariae erhalten, zur Buß verleitet, nimmet endlich durch den Schwerdtstreich ein seeliges Ende.

Der Fall, den sich Clemens in dieser Bußpredigt zum Vorwurf nimmt, hat im Sommer des Jahres 1641 stattgefunden; Schauplatz war Villingen. Geometrisch akkurat geordnet nach dem hochmittelalterlichen Modell der Zähringer, "mit regelmäßigen Gassen und Häusern", mit sakralen Bauwerken hinlänglich gesegnet, liegt die Stadt im vorderösterreichischen Breisgau. Wenn man mitten auf dem Markte steht, kann man nach allen Thoren sehen [42]. 1640/41 wich diese Transparenz der Dinge plötzlich der größten Verwirrung. Es kam in einer einzigen, nie dagewesenen Sturmflut wegen des Lasters der Hexerei zu 24 Hinrichtungen [43].

Nicht das Leben, wohl aber das Sterben der Anna Morgin ist, seiner besonderen Seeligkeit wegen, urkundlich detailliert bezeugt [44]. Nur die letzten Lebensjahre der jungen Witwe schlagen sich, nach schwerer Folterung, in einem Katalog der gängigsten Hexen-Topoi schriftlich nieder. Anna, Mutter von drei Töchtern, hat sich vor sieben Jahren mit dem Teufel eingelassen, hat nicht mehr gebetet, Gott, der allerseligsten Gottesmutter und allen Heiligen abgeschworen, ist mit ihrem argen Buhler, dem "Cäsperlin", zu Tanz gelaufen, hat Wolfsgestalt angenommen, Wetter- und andern Schadenzauber verübt (Pferde beschädigt) und einmal auch das Heiligste Altarssakrament geschändet. Mithin und summa facti, eine ausgemachte Hexe und unchristlichste Malefiz-Persohn, deren ungesäumte Verurteilung zum Tod durchs Feuer einem Hochlöblichen Magistrat der Stadt kaum strittig sein konnte.

Soweit der normale gerichtliche Ablauf. Anna erwartet im Gefängnis, Stüblein geheißen, den schandvollen Gang zum Tod. Doch plötzlich, kurz einmal unbeobachtet, gelingt es ihr, sich mit dem Messer des Wächters die Kehle zu durchschneiden. Sie wird für tot gehalten. Und wie auch die übliche Nadelprobe und eine ärztliche Untersuchung zu keinem anderen Befund führen, fassen die Herren im Rate abermals Beschluß und ordnen an, der Leichnam sei auf dem Richtplatz vor der Stadt dem Feuer zu übergeben. Der Scharfrichter waltet seines Amtes so, daß Anna, zuvor aus dem zweiten Stock des Rathauses fallengelassen, in einer Weise zur "Wallstatt" gekarrt und dort auf den Scheiterhaufen geschleift wird, daß darob auch ein Toter aufwachen müßte. Noch immer ist nicht das geringste Lebenszeichen zu beobachten. Erst, als die Flammen den schweren Klotz zu verzehren beginnen, die Haare lichterloh brennen, schreckt Anna aus dem tiefen Koma auf, fängt an zu jammern und schreien. Diese am Vormittag des 1. Juni des Jahres 1641 zu Villingen sich ereignete unerhörte Begebenheit ist der jähe Umschlag, mit dem keiner mehr gerechnet hat. Jetzt liegt der Leib auf dem Scheiterhaufen, wo wird die Seele seyn? Clemens gibt in der Schilderung des Falles der Drastik der ihm vorliegenden Akten an Härte und Genauigkeit nichts nach:

Höret Wunder, die Seel ist noch in ihren Leib; dann sobald der vermeynte Todten-Cörper die Hitz des Feuers empfunden, fangt er an sich zu bewegen, und Hertz-beweglich aufzuschreyen: O wehe! O wehe! Weltzet sich auch so lang, biß er von dem Scheiterhauffen auf den Boden herunter gekuglet, blieb aber auf der Erden ligen ohne Lebens-Zeichen wie Stock und Block. Des Nachrichters seine Knecht ziehen ihn mit Stricken wieder hinauf, wormit ihr Halß, und Füß gebunden waren, schüren noch besser das Feuer an, und damit der Cörper nicht wieder herab falle, legen sie etliche Scheiter auf den todten Leichnam, solchen gleichsam nieder zu schweren, und drucken ihn mit Feuer-Hacken fest unter das Holtz hinein: Der Leichnam aber fanget sich wiederum zu bewegen an, baumet sich auf, schreyet mit erhebter Stimm: JEsus Maria! Bearbeitet sich so lang, biß sie wiederum von dem Scheiterhauffen herunter gefallen gleichsam gantz feurig, und brinnend; Anerwogen das Haar auf dem Kopff schon abgebrunnen, das Angesicht aber an der rechten Seiten samt dem Hals, und oberen Theil des Leibs gantz besängt, wie auch die Kleider an Leib guten theils waren verbrunnen, also, daß es entsetzlich war sie anzusehen [45].

Anna, die elende [d.h. verlassene] Tröpffin, erfährt spontane Hilfe aus dem Kreis der Umstehenden. Für einen Augenblick erhellt christliches Mitleyden die finstere Szene. In seiner Not verlangt das Opfer zunächst nichts als den Tod: "schlagt mir zuerst den Kopf ab, dann verbrennt mich" [46]. (Clemens übergeht diesen Schrei in seiner Predigt.) Doch ist der Scharfrichter zu diesem Schwertstreich nicht befugt. Anna möchte gerne beichten. Bis der Priester aus der Stadt herbeigeeilt kommt, beten ein paar fromme Seelen mit ihr. Sie wollen auch wissen, warum Anna an Gottes Barmherzigkeit verzweifelt sei und sich selber habe umbringen wollen. Der Teufel habe ihr dies eingegeben, ihr auch das Messer gereicht, die Hand zusammengedrückt und so das Messer gegen den Hals geführt; sie selber, gibt Anna zu bedenken, hätte nach der Folter und der weitern Tortur dazu nie die Kraft gehabt. Allerdings, das gesteht sie betont, sie habe dem Teufel doch auch darzu gewilliget [47]. (Diese Schilderung wird sie vor Priestern noch zweimal wiederholen und auf der vorigen Antwort [48] bleiben.) Endlich schafft es die Ärmste, dem Stadtpfarrer in aller Form zu beichten und losgesprochen zu werden. Anna wünscht auch zu kommunizieren. Da der Pfarrer die Hostie nicht bei sich hat, bittet sie, anderntags, am Sonntag, in der Stadt die heilige Kommunion zu empfangen (bittet, man möchte ihr dise letzte Lieb nit versagen). Danach will sie am Montag von Hertzen gern sterben [49]. Doch darüber zu entscheiden ist am städtischen Magistrat, der dem Wunsch der Malefikantin nach langen Stunden stattgeben wird. Es verzoge sich fernere Verordnung biß 7. Uhr in die Nacht [50]. In der Zwischenzeit spricht Anna mit dem Geistlichen, noch immer auf dem Richtplatz. Jetzt erst beginnt die Nadel (Glufe), die nach dem Stechen in Waaden, Zähen und Füß [51] in ihrem Fuße steckengeblieben war, zu schmerzen. Sie wird vom Scharfrichter entfernt. Der Pfarrer vermag sich die stundenlange totale Unempfindlichkeit nicht zu erklären. Anna weiß nur und gibt damit erst die unerhörteste Begebenheit im Ganzen preis:

es seye ihr gar nichts bewust von Glufen-Stechen, noch hinunter stürtzen, wohl aber seye sie gestellet worden vor dem Richter-Stul GOttes durch einen Engel, allwo ihr Christus JEsus in Beyseyn der unbefleckten Jungfrauen Mariä ihr Unbußfertigkeit hart verwisen, und daß sie ihre begangene Laster sonderbar die Hexerey niemals gebeichtet, da ihr doch leichtlichen hätte können geholffen werden, sintemahlen sie noch nit lang darinn gesteckt, jedoch friste er ihr noch das Leben, solle widerum in ihren vorigen Leib kehren, ihre Sünden bereuen, beichten und büßen. Und sothane hohe Gnad widerfahre ihr aus Vorbitt der übergebenedeytisten Himmels-Königin Mariä, dero Heil. Rosenkrantz sie fleißig gebettet hatte [52].

Hier folgen drei rührende Anordnungen zum Dank an die Gottesmutter, die Erlöserin von ewiger Verdammnuß [53]. Annas Beichtvater möge doch bitte dafür sorgen, daß ihre Töchter, drey Mägdlein, als welche den Rosenkrantz schon betten können [54], in die hiesige Marianische Kongregation aufgenommen werden. Und ebenfalls zum Zeichen des Dankes möchten im nächsten Herbst ein halb Pfund Wax nach Maria Einsiedeln und weitere anderhalb Pfund davon der Bruderschaft im Villinger Münster gespendet werden [55].

Mit dem Beschluß des Rates kehrt Anna in ihr Gefängnuß und Stüblein zurück, wird mit Wärme und etwas Essens zimlich erquicket [56] und verbringt die kurze Nacht auf den Sonntag leidlich, ja gar wol, meint ihr Wächter. Nur kann sie kaum mehr sprechen. Bereits um 4 Uhr früh ist der Geistliche zur Stelle. Er läßt Anna von neuem beichten, dann auch kommunizieren; ebenso wird für gut erkennet, daß man ihr darreiche die heiligste Weeg-Zöhrung. Dies alles geschieht öffentlich vor Zeugen, in Beyseyn nit weniger Persohnen, darunter auch zwey Raths-Verwandten [57]. Später, da der Malefiz-Persohn gegen Abend die Red wieder kommen, nötigt sie der Geistliche, in Gegenwart der Wächter, der Stadtknechte und weiterer Hörer den gesamten Bericht über die Vorladung zum göttlichen Gericht (wie sie von dem Engel seye Christo praesentieret, und vorgestellet worden [...]) [58] wörtlich zu wiederholen. Diese Kundgebung wird, um GOtt noch einmahl die Ehr zu geben, am Montag ein weiteres Mal stattfinden:

Eben dises hat sie bekräfftiget, da ihr den dritten Junij der Sentenz und End-Urtheil gefället worden, daß sie durch das Schwerdt von dem Leben zum Todt hingericht, und der Leib auf einen Scheiter-Hauffen verbrennt werden solte [59].

Mit der Hinrichtung durchs Schwert ist das End-Urtheil in gnädiger Weise entschärft. - Ihren letzten Gang zum Richtplatz draußen vor dem Riettor geht Anna gantz demüthig, spricht unterwegs mit exemplarischer Geduld und Frömmigkeit die Gebete des Priesters nach und ist standhafft biß in den Todt,

neigt das Haupt unter das Schwerdt, und überkamme hoffentlich durch den zeitlichen Todt das unsterbliche Leben. Der Cörper ward auf dem Scheiter-Hauffen zu Aschen verbrennt [60].

Mehrere Jahrzehnte danach beschließt Clemens in seiner Fastenpredigt die Erzählung der so seltzsamen Begebenheit [61] gemäß der kirchlich-offiziellen Intention. Die Vertreter der Kirche sehen in dieser offensichtlich ein Mirakel (Miracul) [62]. Auf dessen traditionelle Form hin ist das autentische [63] Protokoll stilisiert und leicht bereinigt; mit dem mehrmaligen Zeugnis aus Annas Mund wird bereits für die dem hohen Gnadenereignis gebührende Öffentlichkeit und Überlieferung (traditio) gesorgt [64].

Die vorliegende Kanzelrede ist keine Hexen-Predigt im Sinn und Geist jener während des 16. und 17. Jahrhunderts grassierenden Traktate, Schriften und Flugblätter gegen das Hexenwesen. Clemens, der selber an der möglichen Existenz von Hexen, Hexern, Zauber-Kunst und Zaubers-Leuthen allerdings nicht zweifelt - was auch Friedrich von Spee nicht getan hat -, streift das Thema anfangs fast beiläufig. Um so etwas wie eine "Revision" des Falles kann ihm nicht zu tun sein. Der damaligen Anklage gegen die Witwe Anna Morgin folgend spricht er vom (biblisch bezeugten) Laster der Hexerei und bestimmt als deren Hauptursachen Müßiggang (otium) [65] und Unkeuschheit, geile Lieb [66], die erste Staffel übrigens zur Verbindung der Hexe mit dem Teufel. Auch Anna ist durch ihre Fleisch-Gelüsten in dises entsetzliche Schand-Leben der Hexerey gesuncken, und allbereit versuncken [67]. Dagegen fällt auf, daß in der längeren Überschrift der Predigt der Begriff der Hexe vermieden wird, wie die arme und ellende Sünderin denn auch immer wieder mit Zuneigung, Mitgefühl und Wärme angesprochen wird: unsere Anna, sagt Clemens, die ärmste elende Tröpffin. [...] O unglückseeliger Stand eines Sünders der in Verzweifflung sincket! Ach arme Sünderin! was hast gethan [...] [68]. Der Prediger versteht es auch, solche Gebärden herzlich teilnehmender Seelsorge mit der dumpfen Sprache und der Begrifflichkeit von Recht und spätbarocker Gerichtsbarkeit zu konfrontieren: Die Sach wird abermahl dem Hochlöbl. Magistrat berichtet, und verzoge sich fernere Verordnung biß 7. Uhr in die Nacht, sodann die gnädige Verwilligung erfolget, diese Malefiz-Persohn widerum in die Stadt zu führen [69].

Die Gemeinde soll dieses Mitgefühl als compassio mit der Sünderin nicht nur spüren oder davon sich bloß anrühren lassen. Es ist unsere Anna, deren Seelenheil in der Predigt bedacht und behertzigt wird. Diese Vergegenwärtigung im Innern verdankt sich, falls sie denn entsteht, nicht dem geistlichen "Sprachspiel" der Predigt, vielmehr ist sie mystisch fundiert im Geheimnis der "Communio sanctorum (atque peccatorum)", die über die hiesige Zeit hinweg alle und alles verbindet und bindet [70]. Auch die Verstorbenen, zumal sie mit ihrer Sünde und abzugeltenden Schuld: die armen Seelen, Clemens nennt sie einmal die abgeleibten Christglaubigen Seelen [71], von denen die alte Theologie gesprochen hat, denen im kirchlichen Gedenken (memoria) Andachten, Gebete, Almosen, Messen und Predigten ganz besonders gegolten haben, sie sind ins Heilsganze für immer eingeschlossen, bis ans Ende der Tage. Auch darum geht es dem Prediger, wenn er der Gemeinde das Leiden und selig Ende der armen, ellenden Anna Morgin so sehr ans Herz legen möchte.

Clemens beschwört mit Worten und Bildern des Alten Testaments die Gefahr des höllischen Löwen, der hinter jeder Todt-Sünd lauert. Glaub nur das nit, daß der böse Feind mit ihm vil schertzen lasse, er stellet sich zwar Lämmel-fromm, trauest ihm aber zu vil, so wirst sehen, daß er seye ein Löw, und auf der Welt Tag und Nacht herum gehe, zu suchen, wen er verschlucke. Unsere Anna hat dieses nur zu wohl erfahren [72]. Wie sehr die Sünderin, unsere Anna, es an Vorsicht auch hat fehlen lassen, hier rückt sie halbwegs ein ins Bild des geschlagenen, geschlachteten Lammes. Jetzt, fährt Clemens unmittelbar fort, jetzt liegt der Leib auf den Scheiter-Hauffen, wo wird die Seel seyn? Höret Wunder, die Seel ist noch in ihrem Leib [...] [73]. Hier, heute (anheunt), jetzt - das liturgische Präsens des geschichtlichen Ereignisses, des Mirakels vom Sommer 1641, forciert den sprachlichen Ausdruck bis an die Grenze. Unsere heutige Anna, kann es von der in wunderbarer Weise Geretteten heißen; daß aber unsere heutige Anna aus dem Rachen des höllischen Löwens ist entrissen worden, ware ein Wunder der Allmacht Mariä in Ansehung des H. Rosenkrantz [74].

Solche unbedingte Vergegenwärtigung mit allen sprachlichen, akustischen und optischen Mitteln der barocken und spätbarocken Kanzel vergleicht sich - bei einiger, niemals indezenter Annäherung an die Bühne, hier der Tragoedi [75] mit ihrer Rhetorik und ausgepichten Regie der Emotionen - in nichts dem niederen Mimus von Jahrmarkt und Schaustellung zu dieser Zeit. Vor allem aber ist an die älteren, im Ursprung ignatianischen Praktiken der Gesellschaft Jesu zu denken, an die "Anwendung der Sinne" (applicatio sensuum), aller menschlichen Sinne, in der geistlichen Betrachtung - exemplarisch bis ins 18. Jahrhundert die Höllen-Schau oder die Besinnung über zwei Banner im Exerzitienbuch des Heiligen Ignatius - und, näher noch, an deren Anverwandlung in den katechetischen und schuldramatischen Übungen des Ordens. Bild und Szene steigern die Rede, während seinerseits das Wort der Predigt das Bild beziehungsweise die Bilder der Hinrichtung dramatisiert, akzentuiert und Schritt für Schritt theologisch auslegt. Der Ingreß der Predigt spielt kurz mit dem Effekt des Vorhangs, der vor der Bühne sich plötzlich hebt:

WAs siehe ich anheunt? was höre ich? Höll thue dich auf! ich höre brüllen unter der Erden grimmige Löwen: rugierunt leones. Ich siehe einen aufgerichten feurigen Thron: Thronus ejus flammae ignis. Darauf sitzet nit ein Fürst des Friedens, nit ein Salomon, so verdollmetschet wird pacificus friedsam, sondern Princeps tenebrarum, der Fürst der Finsternuß, der höllische Lucifer. [...] Unter disen Löwen, wer kan sicher seyn? Es brüllet der hoffärtige Lucifer: Quasi leo in spelunca sua. Wie der Löw in seiner Höhlen. Es grißgrammet der Geld-Teufel Mammon sicut leo paratus ad praedam, wie ein Löw der begierig des Raubs ist. Es blecket seine Zähn der Fleisch-Teufel Asmodaeus: sicut leo rapiens & rugiens wie ein Raubgieriger brüllender Löw. Es wüten, und toben alle böse Geister in der Höll [76].

Darob erschrickt der Hörer nicht; er soll aufmerken, innen erwachen, doch keineswegs erzittern wie in den berüchtigten, von der schwedischen Königin perhorreszierten rohen Gerichts- und Höllen-Predigten. Aber getröst Christliches Volck! [77] Und sogleich spricht jene hertzliches Schonung mit, die im Ordensnamen dieses Predigers und Seelsorgers wie natürlich mitgegeben scheint. Geistliches Donner-Wetters? Vielleicht ein wenig und immer eines in menschenfreundlichen Massen, gütig temperiert. Clemens kommt so mit einem Psalmwort als einer guten Vertröstung vom Eingang zum Hauptteil:

dGOtt sandt seine Barmhertzigkeit und Wahrheit, und erlöset meine Seel von denen jungen Löwen. Durch was aber erzeiget GOtt meistentheils seine unermessene Barmhertzigkeit? Antwort durch Mariam: Durch dise O Sünder! Conculcabis leonem, & draconem, wirst du zertretten den Löwen, und den Drachens [78].

dGOtt sandt seine Barmhertzigkeit und Wahrheit (misit Deus misericordiam suam et veritatem suam, Ps 56,4). Ignatius von Loyola hat der geistlichen Betrachtung als Vorbereitung die "Zurichtung des Schauplatzes" (compositio loci) [79] aufgetragen. Ganz ähnlich stellt Clemens hier den Gläubigen mit dem Blick des Herzens vor den ersten und letzten Horizont, ausgespannt zwischen zwei feindlichen Thronen: hier dem Thron Satans, dem Ort der Verzweifflungs (desperatio), dort dem Thron Gottes, dem Ort des Friedens und der grund-gütigen Barmhertzigkeit Gottes [80] (gratia). Der Mensch hat zu wählen zwischen der einen und der andern Herrschaft. Mit der ellenden Anna droht ihm der ewige Tod (O unglückseeliger Stand eines Sünders der in Verzweifflung sincket!) [81]; anders ist ihm im Sakrament der Buße ewiges Leben versprochen. So predigt Clemens zur Fastenzeit Umkehr und Buße, indem er in der Einfalt und Klarheit des Katechismus deren Theologie lehrt und, am Beispiel und Mirakel der Anna Morgin, ineins die Gnadenlehre der Kirche in Erinnerung ruft. Unter teuflischem Einfluß hat Anna sich selbst ermorden wollen. Jetzt liegt sie da in ihrem Blute, scheinbar leblos. Clemens trägt von der Kanzel jeweils einen in sich möglichst geschlossenen Abschnitt des Villinger Protokolls von 1641 vor und läßt dann, auf diese Einzelszene, seine Deutung folgen. So alterniert die Predigt zwischen Geschicht (historia) und Lehre (moralitas). Dem Menschen, der keine Rettung mehr sieht und zu verzweifeln droht, wird tröstlich entgegengehalten:

Keiner soll verzweiffeln, ob er schon zu End des Lebens wird bekehret zur Buß; gestalten GOTT einen jeglichen Menschen wird urtheilen nach Beschaffenheit seines Ends, nit aber nach dem vergangnen Leben, ob du schon die verstrichne Lebens-Zeit gottloß hast zu gebracht, so kanst du doch den Schaden deiner Seelen ersetzen, wann du auf das wenigist anjetzto zu GOtt ruffest, wo nicht mit der Zung, dencke doch in deinem Hertzen zu GOtt, und erwecke eine vollkommene Reu, daß du beleydiget hast einen so grund-gütigen GOtt; dann auch in jenen Augenblick, zu welchen die Seel schon will ausfahren, und gleichsam auf der Zungen liget, verachtet die grund-gütige Barmhertzigkeit GOttes keine Buß, und ist nit zu spath, wofern es nur aus einem reumüthigen Hertzen herrühret [82].

Nichts und kein Teufel schließt einen Menschen von der Gnade Gottes aus, wenn er nur ein wahre vollkommene Reu erwecken [83] und sein Leben bessern will. Indessen ist Anna auf dem Scheiterhaufen, der eben angezündet wurde. Da die Spannung am größten ist, kehrt sich der Prediger zur Gemeinde, klagt und fleht gleichsam händeringend: O wolte GOtt! wolte GOtt! daß ihrer nit mehr dergleichen in unsern Vatterland zu finden wären, die villeicht in gleichen Laster begriffen, von der Höll nit weiter seynd als ein Spann [...] [84]. An der Gnade zu verzweifeln ist in der tiefsten Sündennot die eine Gefahr; eine andere ist es, die Macht des Bösen zu unterschätzen, und endlich die frevelhafte Verwegenheit, mit ihr spielen und schertzen zu wollen. O Blindheit jener Welt-Kinder, die mit dem leidigen Teufel (davor uns GOtt behüte) in Gemeinschafft tretten, ihre unsterbliche Seel ihme verhandlen um ein schnöden Leibs-Wollust, um ein Händel voll Geld, um einen kurtzen Genuß der irdischen Ehren [85]. Und nun wieder auf dem Richtplatz. Anna ist aus dem Scheintod zurück, Zuschauer nehmen sich ihrer liebevoll an, bis schließlich der Priester eintrifft. Anna bekennt, daß wohl der Teufel das mörderische Messer geführt, sie selbst aber diesem auch zugestimmt habe, bewußt und freyen Willens. Clemens greift hier mitten ins Geschehen ein. Das Thema - die katholische Lehre vom freien Willen - ist ihm zu wichtig. In nuce ist es, samt Märlein, eine eigene Predigt, zu der sich der Theologe und Katechet gerne hinreißen läßt. Gegen teuflische Anfechtungen ist unablässig, im freien Willen unerbittlich zu kämpfen. Clemens (jetzt in der "wilden" Sprache der Wüstenväter):

wann dir begegnet der Löw, verstehe Rach und Zorn, schlag ihn zur Erd, unterdruck deinen Zorn durch die Sanfftmut, erlege den zotteten Bären dein gumpendes Fleisch durch Fasten und Arbeit. Bey dir stehet es O Sünder! ob du einwilligen wollest, oder nit. Aber ich wende mich wiederum zu der Richtstatt anzudeuten der elenden Malefiz-Persohn die Ankunfft des frommen Seelsorgers und Pfarrherrn [86].

Anna findet mit der Heil. Beicht, die sie im Feuerschein ihrer Hinrichtung ablegt, und einzig dank Göttlicher Barmhertzigkeit zurück in die Kirche. Staunend verläßt Clemens das Ereignis mit dem Schriftwort: wahrhafftig willst O JEsu! den Todt des Sünders nit, sondern vilmehr, daß er sich bekehre und lebe [87]. Kurz vor Einbruch der Nacht wird Anna in die Stadt zurückgebracht und ist auch darin, obzwar gefangen, daheim wie früher nie. Clemens:

Herzu O Christliche Seel! herzu, sage an, hast du wohl eine dergleichen Geschicht jemahl vernohmen? daß Daniel unter den Löwen sicher verbliben, das war ein Wunder der Allmacht GOttes: Conclusit ora leonum, welcher denen Löwen den Rachen gesperret; daß aber unser heutige Anna aus dem Rachen des höllischen Löwens ist entrissen worden, ware ein Wunder der Allmacht Mariä in Ansehung des H. Rosenkrantz [88].

Das ist ohne Abstrich der ganze Überschwang barocker Marienverehrung und darin als voller Nachklang noch immer das fast unbegrenzte Vertrauen der mittelalterlichen Legende in die heilende, beschirmende und rettende Macht der Gottesmutter, verehrt an zahllosen Gnadenorten, bezeugt in Tausenden von Wundern und Mirakeln. Vor allem im Tode ist Maria die Fürbitterin und advocata der Sünder wie eh und je [89].

Clemens war sehr wohl bekannt, daß seine Predigten im Regensburger Niedermünster auch von Andersgläubigen (Glaubens-Gegnern) besucht wurden. Bei Gelegenheit hat er sich über diese seine Statisten (von "ratio status" abgeleitet) [90] mit einigem Witz nicht unversöhnlich mokiert. Sie in ihrer lutherischen Auffassung aber offener zu provozieren als hier - mit dem Begriff der "Allmacht Mariä" - scheint nicht leicht möglich. Hatte denn nicht Luther der Theologie wie der Frömmigkeit des Mittelalters vorgeworfen, sie beide stellten den göttlichen Sohn und einzigen Erlöser der Mutter hintan und teilten zutiefst unzulässig und in eitel Abgöttereys Christus das Amt des Richters (stockmeisters) und der strafenden Gerechtigkeit zu und suchten die Gnade einzig bei der Gottesmutter Maria! [91] Als wäre der gravierende Vorwurf des Reformators niemals gemacht und von der nachtridentinischen Kirche mit Differenzierungen und Korrekturen auch nicht beantwortet worden, zögert Clemens nicht und konfrontiert beinahe die "Allmacht Mariä" mit der "Allmacht Gottes" und tituliert die Gottesmutter statt als Miterlöserin (corredemptrix) als "Erlöserin". Auf dem Höhepunkt der Rede geht ganz kurz ein frommer Eifer mit dem Prediger durch und setzt sich über die gewohnte theologische Präzision hinweg.

Das kleine Exempel, das die große Gnadenmacht Mariens veranschaulicht, ist auch nicht von hohem und subtilem Geschmack, nichts für literarische "Zärtlinge", eine Kleinigkeit bloß, franziskanisch handfest und in der populären Art eines "Rollwagenbüchleins". Die Anekdote spielt in Köln:

Der Prophet nennet den bösen Geist eine Schlang wegen der Arglistigkeit, und einen Löwen wegen der Grausamkeit: Maria aber zerquetschet der Schlangen das Haupt, und sperret dem Löwen seinen Rachen. Mit was? mit ihrem Schutz-Mantel, nit anderst, als wie jener Burgermeister zu Cöllen Namens Herman Grün, welchen zween Thum-Herrn (wie Meigerius aus Cuspiniano schreibet) weiß nit aus was Ursach zu einem hungerigen Löwen eingesperrt: er aber wicklete den Mantel umb den lincken Armb, fahrt dem Löwen darmit in den Rachen, mit der rechten zucket er seinen Dolchen, durchstosset dem Löwen die Brust, und erleget ihn. Gleicher gestalten wicklet gleichsam die mildseeligiste Mutter ihren Schutz-Mantel um den Armb, und versetzet dem höllischen Löwen einen gewaltigen Stoß [92].

Das Miracul von Villingen steht in dieser Fasten-Bußpredigt zentral. Es weiß von der glücklichen Bewahrung einer schweren Malefikantin und armen, frommen Seele vor der ewigen Verdammung, von der wunderbaren, so heißt es im Titel der Predigt, Vorbitt Mariä beim göttlichen Gericht. Im Grund, das Ganze hoch übergreifend, ist es darum auch eine Marienpredigt, eine Lob-Red auf die Gottesmutter, die Clemens einer geneigten geistlichen Leserschaft übergibt.

III.

Am Ende des vierten Buches macht Simplicissimus, mit einer Menge puren Goldes auf dem Leib, in Villingen Station. Daß just zu seinem Eintreffen das Stadttor sich auftut, hält er durchaus zutreffend vor ein glücklich Omen [93]. Drinnen findet sich ein militärischer Kommandant, mit dem sich reden läßt, und bald darauf im Wirtshaus - Hertzbruder, der längst entbehrte liebste Freund. Wie der Samariter im biblischen Gleichnis übt Simplicissimus an dem bettelarmen Kranken Barmherzigkeit und gibt ihn in allerbeste Pflege, also daß es ihm an seinem Leib wol zu statten kam, gestalten es sich an allen Wunden täglich mit ihm besserte [94]. Danach, zu Beginn des fünften Buches, pilgern die beiden über Schaffhausen und Zürich nach Einsiedeln, Simplicissimus mehr der Kurzweil und notorischen curiositas halber, Hertzbruder aber aus großer Dankbarkeit (ex voto) für die Hilfe der Gottesmutter in seinen höchsten Nöthen [95]. Es ist ein alter Weg der Frömmigkeit, den die zwei Freunde von Villingen nach Einsiedeln gehen.

Anna Morgin stiftet der allerseeligisten Jungfrau zu ungleichen Teilen Kerzenwachs in die hiesige Rosenkranzbruderschaft und gen Einsidlen. So ist es der fromme gute Brauch in Villingen. Die Stadt ist während des 30jährigen Krieges zwar nie gefallen, doch in den Jahren 1633/34 dreimal mit entsetzlicher vnd gleichsam höllischer Fury vnd Grimmigkeit belagert worden. Sie blieb verschont auß sonderbaren Beystand, und Mütterlichen Gnadenschutz Mariae zu Einsidlen [96].

Das Einsiedler Mirakelbuch von 1654 (Von den Wunderwercken, so bey Anrufung V. L. Frawen zu Einsidlen geschehen) notiert eingehend, daß Bürgerschaft und Rat von Villingen in ihrer bedrängten Zeit der allergnädigsten Schirmbfrawen Mariae eine öffentliche Prozession und herrliche Siegzeichen [97] versprochen und entrichtet hätten. Johann Ludwig Ungelehrt, ein Franziskanerpater, verewigte die marianische Waffenhilfe literarisch, mit Versen wie diesen:

Zu ihr [sc. Maria] seind wir geflohen.
Mit herzen und mit Gmüth,
So offt der Feind thät tröwen.
Hat alzeit uns behüt.
Für uns hat sie gestriten.
Im Feld und in der Statt,
Blib alzeit in der mitten.
Wann wir ein Noth geliden,
Den Feind vertreiben thät [98].

 

Im kriegerischen 17. Jahrhundert rückt die Gottesmutter auf zur "Feldobristin" und "Generalissima" aller katholischen Heere, zur "Siegerin in allen Schlachten Gottes". Seit dem Sieg von Lepanto am 7. Oktober 1571, dem Tag der bruderschaftlichen Umgänge in Rom,[99] ist sie bevorzugt die "Maria vom Siege". Dieser martialisch-triumphalistische Ton prägt stellenweise auch noch die "Lob-Predig" des Clemens von Burghausen. Maria kämpft mit sämtlichen ihren Waffen der Gnade, mit ihrem Schutzmantel, mit Skapulier, Psalter und Rosenkranz. Mariens Kron von 12 Sternen endlich seynd niemand anderer, als das Marianische Kriegsheer, die Brüder und Schwestern des allerheil. Rosenkrantzes [100]. Das Ave-Gebet ist der Hölle seit Jahrhunderten ein Schrecken, der bloße Name Maria eine himmlische Waffe ohnegleichen. Die Jungfrau Maria ist, so zitiert Clemens den Heiligen Bonaventura, erschröcklich als wie ein starckes Kriegs-Heer, daß bey Aussprechung ihres heiligisten Nahmens die höllische Geister alsobald anfangen zu zitteren, und kein Ruhe noch Platz mehr haben [101].

Clemens stellt ans Ende der Predigt eine Szene des lebenslangen geistlichen Streites, ein letztes Bild der christlichen Psychomachie zwischen Sünde und Gnade. Im Glauben des Psalmisten (Ne tradas bestiis animas confitentes tibi, Ps 73,19) vertraut er darauf, daß die mild-seeligste Mutter Maria ihn und jeden Gläubigen der höllischen Besti niemals werde zum Opfer fallen lassen. Notfalls möchte ihn doch ihr so weiter und breiter Schutzmantel wappnen: deinen Himmel-blauen Schutz-Mantel will ich wicklen um meinen Arm, hiemit dem höllischen Löwen seinen Rachen spören, ihm bieten den Trutz, du aber O Maria! biet mir den Schutz. Amen [102].

Das Marienbild des Clemens von Burghausen trägt "in tempore belli" Züge des geistlich-kirchlichen Heroismus und ist doch im Innenraum von Gebet und Kontemplation verhalten: das Bild von diskreter Liebe, von kindlich frommem Vertrauen und mütterlicher Zuneigung. Das abschließende kleine Hertz-Gespräch, mit dem er die Mild-seeligste gleichsam halblaut und a parte anspricht, ist heiter und von jenem serenen höheren Geist, der in der kirchlichen Malerei (den Putten mit ihren Scherzi), auch in der Musik dieser späten Jahrzehnte so oft zauberhaft anmüthig wie von ganz anderswo her mitspielt. Am rechten Rand der Seite findet sich hier in sehr winzigen Lettern das Stichwort anmüthige Empfelung in den Mütterlichen Schutz Mariä. Eine Bitte und Empfehlung ist es, daß auch der höllische brüllende Löw einen Augenblick lang möchte schweigen und lauschen:

Freylich ja weis ich nur gar zu wohl, daß dein Göttlicher Sohn mein HErr und GOtt, mein Erlöser seye, doch aber ist er zugleich auch ein Richter, mithin getraue ich mir nit ihm unter das Angesicht zu tretten, sonderen mache es wie ein Mutter-Söhnlein, welches, wann es den Vatter erzürnet sihet, suchet es die Zuflucht bey der Mutter [103].

Anmerkungen

[1] Inschrift der Grabplatte über den Gebeinen der Priester (RR. Sacerdotum sepulcra) im Kirchenschiff von San Pietro, Biasca TI. Abbildung in: Isidoro Marcionetti, L'antica pieve di Biasca, Lugano 1979, Tav. 12 (pag. 63).

[2] Hans Jacob von Grimmelshausen, Werke I.1, Simplicissimus Teutsch, hg. v. Dieter Breuer (Bibliothek deutscher Klassiker 44), Frankfurt a.M. 1989, 17.

[3] Hans Jacob von Grimmelshausen, Satyrischer Pilgram, hg. v. Wolfgang Bender, Tübingen 1970, 25.

[4] Ebd., 112.

[5] Vgl. Urs Herzog, Der Roman auf der Kanzel. Prokop von Templin (um 1608-1680), ein erster Leser von Grimmelshausens "Simplicissimus", in: Simpliciana VI/VII, 1985, 99-110.

[6] Prokop von Templin OFM Cap, Funerale, Das ist: Hundert und Funffzig Todten- oder Leich-Predigen. Opusc. II (Funerale Dominicale), Salzburg 1670, 107a.

[7] Adrienne von Speyr, Markus. Betrachtungen für eine Gemeinschaft, hg. v. Hans Urs von Balthasar (Gesammelte Werke III), Einsiedeln 1971, 601.

[8] Ebd., 603.

[9] Hans Jacob von Grimmelshausen, Das wunderbarliche Vogelnest, hg. v. Rolf Tarot, Tübingen 1970, 149.

[10] Hanß Rudolff Simler, Vermahnungs-Segen [...]. Abscheid Von der Christlichen Gemeind zum Frauen-Münster, Zürich 1692, 12.

[11] Placidus Urtlauff OSB, Rosa Mystica [...]. Das ist: Funffzig-Blättrige Geistliche Rosen: Oder Funffzig Lob-Reden, Zur Glori und Ehr der allzeit unbefleckten Jungfrauen und Mutter GOTTES Mariae, Nürnberg 1706, 81a.

[12] Ebd., 81b.

[13] Eine fast stehende Wendung lautet: [...] biß an den lieben jüngsten Tag.

[14] So die beliebte triadische Formel für die kirchliche Verkündigung in Schulen, Predigten und Druckschriften.

[15] Christina von Schweden, Memoiren. Aphorismen, übers. v. Anni Carlsson (Die Fundgrube 28), München 1967, 85.

[16] Prokop von Templin, Magdalenale, in: Lignum Vitae III (Opusculum X2), München 1666, 440b.

[17] Christoph Schorer, zit. nach: Michael Bischoff, Himmelszeichen. Eine bildreiche Kunde von Aberglauben und Ängsten (Delphi 1030), Nördlingen 1986, 87.

[18] Prokop von Templin, Magdalenale (wie Anm. 16), 442b.

[19] Franz Höger SJ, Das Evangelium, Denen Armen und Reichen geprediget, München 1724, 333a.

[20] Ebd., 333af.

[21] Ebd., 333bf.

[22] Vgl. Matthaeus Stoz SJ, Tribunal Poenitentiae, Dillingen 21689.

[23] Tiberius von Kayserstuell OFM Cap, Heilreiche Teuch Zur Geistlichen Schaafschwemme, Kempten 1723, 59.

[24] Vgl. Paul Aubin, Le problème de la "conversion", Paris 1963.

[25] Zit. nach Berthold von Regensburg, Vier Predigten. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg. v. Werner Röcke, Stuttgart 1983, 242.

[26] Laurentius von Schnüffis, Gedichte. Eine Auswahl, hg. v. Urs Herzog, Stuttgart 1972, 18.

[27] Vgl. Urs Herzog, Geistliche Wohlredenheit. Die katholische Barockpredigt, München 1991, 9-15.

[28] Johann Hübner, Reales Staats-Zeitungs- und Conversations-Lexikon, Leipzig 1782, Sp. 435: Burckhausen, Stadt am Fluß Salza, welcher nicht weit davon in den Jnn fällt, in Oberbayern, nebst einem auf einem Berge gelegenen alten festen Schloß, 13 Meilen von München. Im Kriege 1742 ward sie von den Österreichern sehr mitgenommen. Sie kam durch den teschner Frieden 1779 an Österreich.

[29] Ebd., Sp. 840: Erding, Ärding, nahrhaftes Städtgen und Amt in Niederbayern, am Flüßgen Sempt, darinn die Grafen von Preysing ein schönes Palais haben. Dieses Amt ist den Rittern von St. Georgiiorden zu ihrem Unterhalt angewiesen, und da herum wächst das beste Korn im Lande.

[30] Das Datum ist umstritten. Vgl. Elfriede Moser-Rath, Predigtmärlein der Barockzeit. Exempel, Sage, Schwank und Fabel in geistlichen Quellen des oberdeutschen Raumes, Berlin 1964, 412. - Bezüglich der konfessionellen und kulturellen Bedingungen in Regensburg vgl. Rudolf Reiser, Adeliges Stadtleben im Barockzeitalter. Internationales Gesandtenleben auf dem Immerwährenden Reichstag zu Regensburg. Ein Beitrag zur Kultur- und Gesellschaftsgeschichte der Barockzeit (Miscellanea Bavarica Monacensia 17), München 1969, 135-145.

[31] Vgl. Katalog gedruckter deutschsprachiger katholischer Predigtsammlungen, Bd. II, hg. v. Werner Welzig, Wien 1987, 682. Der letzte, fünfte Band der Sammlung trägt den neuen Titel "Seraphisches Jäger-Horn" (1740). Clemens von Burghausen hat auch an Übersetzungen aus dem Italienischen (Bonaventura von Recineto, Casini) ins Lateinische gearbeitet.

[32] Beliebt ist die geistlich-eytymologische Deutung der Lerche seit dem Mittelalter. Abraham a Sancta Clara deutet so (und wird deswegen von Martin Heidegger gelobt werden): Diese seynd mir andächtige Vögel! Österreich führet in seinem uralten Land-Schild fünff Lerchen, die man ohne das "à laude Alaudas", oder Lob-Vögerl nennet; Auff, auff derowegen ihr Österreichische Lerchen, folgt diesen Vögeln nach, und thut ebenfalls einen schuldigen Tribut der Heil. Jungfrauen und Martyrin Catharinae ablegen (Geistlicher Kramer-Laden, Voller Apostolischen Wahren, und Wahrheiten, Würzburg 1710, 339). - Vgl. auch Verena Doebele-Flügel, Die Lerche. Motivgeschichtliche Untersuchungen zur deutschen Literatur, insbesondere zur deutschen Lyrik, Berlin 1977.

[33] Clemens von Burghausen, in der unpag. "Vorred" zum seraphischen "Wald-Lerchlein" I, Murnau, Burghausen, Regensburg 1732. Clemens bezieht sich dabei auf den Heiligen Bonaventura.

[34] Ebd.

[35] Zit. b. Reiser, Adeliges Stadtleben (wie Anm. 30), 138.

[36] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein I, Augsburg 21734, 2a. Im folgenden wird nach dieser zweiten Ausgabe zitiert.

[37] Prokop von Templin OFM Cap, Quadragesimale et Passionale (Septua-Sexa-Quinquagesimale), Salzburg 1666, 211a. Es handelt sich in diesem ersten Teil um die letzte (25.) Predigt mit dem Titel "Was ihnen die Leut für Prediger wünschen sollen" (204b-212b). Clemens hat sich von dieser programmatischen Rede (seines "Lehrers") bei seiner Eingangspredigt vom "Geistlichen Donner-Wetter" deutlich inspirieren lassen.

[38] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 3b.

[39] Ebd., 5b.

[40] Ebd., 6b.

[41] Zur Historien- beziehungsweise Exempel-Predigt vgl. Herzog, Geistliche Wohlredenheit (wie Anm. 27), 37-58. Auch Ders., Die Predigt, in: Prosakunst ohne Erzählen. Die Gattungen der nicht-fiktionalen Kunstprosa, hg. v. Klaus Weissenberger, Tübingen 1985, 145-167.

[42] Zit. nach Hübner, Conversations-Lexikon (wie Anm. 28), Sp. 2703.

[43] Vgl. Annelore Walz, Geschichte der Hexenverfolgung in Villingen, in: Villingen und Schwenningen. Geschichte und Kultur, hg. v. der Stadt Villingen-Schwenningen aus Anlaß des Jubiläums 1000 Jahre Münz-, Markt- und Zollrecht Villingen im Jahre 1999 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs und der Städtischen Museen 15), Villingen-Schwenningen 1998, 195-201, 196: "Diese Verfolgungswelle fällt aus dem Muster der südwestdeutschen Hexenverfolgung heraus, die 1630 ihren Höhepunkt bereits überschritten hatte. Die direkte Kriegsbedrohung in den Jahren nach 1632 hatte in der Regel dazu beigetragen, Hexenverfolgungen zu behindern oder ganz zu unterbinden, so daß die südwestdeutsche Prozesswelle mit der Ausweitung des Krieges auf die Region in den meisten Fällen abbrach."

[44] Vgl. Christian Roder, Ein merkwürdiger Hexenprozeß in Villingen 1641, in: Schriften des Vereins für die Geschichte der Baar 9, 1896, 79-88.

[45] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 98bf.

[46] Roder, Hexenprozeß (wie Anm. 44), 84.

[47] Ebd.

[48] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 100b.

[49] Ebd., 100a.

[50] Ebd.

[51] Ebd., 100b. Es galt damals als ein medizinisches Signum mortis, wenn sich von der Fußsohle her Gefühllosigkeit ausbreitete.

[52] Ebd., 100b.

[53] Ebd., 100b, marg.

[54] Ebd., 100b.

[55] Anna Morgin ist drum Mitbesitzerin der gemeinen Imben in Villingen (ebd.).

[56] Ebd., 101af. Doch berichtet der Wächter auch: Allein habe sie grosse Schwachheiten und Mattigkeit erlitten, doch je schwächer der Leib, desto stärcker seye dero Geist, und Beständigkeit (101b).

[57] Ebd., 101b.

[58] Ebd.

[59] Ebd.

[60] Ebd., 102a.

[61] Ebd.

[62] Vgl. F. Wagner, Art. Miracula, Mirakel, in: LexMA 6, 1993, 656-659. - Hardo Hilg, Art. Marienmirakelsammlungen, in: VL 6, 21986, 19-42. - Rebekka Habermas, Wunder, Wunderliches, Wunderbares. Zur Profanierung eines Deutungsmusters in der Frühen Neuzeit, in: Armut, Liebe, Ehre. Studien zur historischen Kulturforschung, hg. v. Richard van Dülmen, Frankfurt a.M. 1988, 38-66.

[63] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 102a, marg.: Autentische und bewährte Zeugschaft der gantzen Geschich. (Villingen 16. Juni 1641). Roder, Hexenprozeß (wie Anm. 44), 88, hält dagegen eine Datierung auf den 16. Juli 1641 für richtig.

[64] Eine gleichzeitige Quelle für die Hinrichtung der Anna Morgin stellt das Tagebuch des Abtes Michael Gaisser OSB dar. Hier ist der merkwürdig analoge Fall der hingerichteten Anna Constanzer, der Gattin eines langjährigen Villinger Ratsherrn, berichtet. Vgl. Walz, Hexenverfolgung (wie Anm. 43), 198. Michael Gaisser in seinem Tagebuch: "Wieder ereignet sich ein denkwürdiger Vorfall. Es war die Frau eines Bürgers aus dem Ratsherrenstande des Verbrechens der Hexerei verdächtig, wegen dessen, wie bekannt war, zwei Schwestern von ihr gefänglich eingezogen waren. Diese versuchte der Teufel durch lästige Einflüsterungen (Anfechtungen) dazu, an sich gewaltsam Hand anzulegen. Während sie sich so in grösster Gefahr befand, führte die hl. Jungfrau sie in das Heil zurück, indem sie sie mahnte, daß der so sich beigebrachte Tod verdammenswert sei, sie solle den durch öffentlichen Spruch ihr zuzudiktierenden (Tod) abwarten, wodurch sie ihr Verbrechen büssen und das ewige Leben verdienen könne. Sie erbat nun Erlaubnis von ihrem Manne, eröffnete ihr Vergehen freiwillig dem Magistrat, verrät die Versuchung und bietet sich der Bestrafung dar. Daraufhin wird sie verhaftet. Dies ist so geschehen, wie alles (Einzelne) an dem betreffenden Tage vermerkt ist" (Tagebuch des Abt Michael Gaisser der Benediktinerabtei St. Georg zu Villingen 1595-1655, hg. v. Stadtarchiv Villingen-Schwenningen, Villingen-Schwenningen 21984, Bd. 2, 850f.). Wenige Wochen vor Anna Morgin wurde die Frau am 24. Mai 1641 hingerichtet.

[65] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 96b.

[66] Auch "üppige Geilheit" genannt. Denn bekanntlich: Man hat niemahl gehört, daß ein keusch-liebende Jungfrau seye ein Hex gewesen (ebd., 96a).

[67] Ebd., 96b.

[68] Ebd., 97a.

[69] Ebd., 100af.

[70] Zur Communio peccatorum Adrienne von Speyr, Ignatiana, hg. v. Hans Urs von Balthasar (Die Nachlasswerke XI), Einsiedeln 1974, 420: "[...] so darf man nicht vergessen, dass alle Sünde sozial ist: einmal, dass man zu jeder Sünde fähig wäre, und dann, dass man an den Sünden der anderen nicht unbeteiligt ist." Vgl. auch Ders., Markus (wie Anm. 7), 651.

[71] Clemens von Burghausen, im Titel des Anhangs zu "Wald-Lerchlein" I, Murnau, Burghausen, Stadtamhof 1732: Zusatz für die arme Seelen in dem Fegfeuer. Erste Seelen-Octav, Beweg-Ursachen deren abgeleibten Christglaubigen Seelen beyzuspringen.

[72] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 98b.

[73] Ebd.

[74] Ebd., 101a.

[75] Vgl. ebd., 11a.

[76] Ebd., 95af.

[77] Ebd., 95b.

[78] Ebd., 96a.

[79] Beispielsweise am Vierten Tag ("Besinnung über zwei Banner"), Nr. 138: "Zurichtung des Schauplatzes. Hier ein grosses Heerlager in der Gegend von Jerusalem sehen, wo der oberste Befehlshaber der Guten, Christus Unser Herr, weilt; ein anderes Heerlager in der Gegend von Babylon, wo der Häuptling der Feinde, Luzifer, sich befindet" (Ignatius von Loyola, übertragen v. Hans Urs von Balthasar, Einsiedeln 51965, Sigillum 1, 39).

[80] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 97a.

[81] Ebd.

[82] Ebd. Clemens folgt hier einem Wort des Isidor von Sevilla (vgl. 97a, marg.).

[83] Ebd., 97a.

[84] Ebd. 98a.

[85] Ebd.

[86] Ebd., 99b.

[87] Ebd., 100a.

[88] Ebd., 100bf.

[89] Dazu grundlegend Erhard Dorn, Der sündige Heilige in der Legende des Mittelalters (Medium Aevum 10), München 1967. - Beatrice Kälin, Maria, muter der barmherzekeit. Die Sünder und die Frommen in den Marienlegenden des Alten Passionals (Deutsche Literatur von den Anfängen bis 1700 17), Bern 1993.

[90] Clemens von Burghausen, im "Zusatz für die armen Seelen in dem Fegfeuer" (wie Anm. 36), 11b. Zum Begriff vgl. Michael Behnen, "Arcana - Haec Sunt Ratio Status". Ragion di Stato und Staatsräson. Probleme und Perspektiven (1589-1651), in: ZHF 14, 1987, 129-195.

[91] Vgl. Walter Delius, Geschichte der Marienverehrung, München/Basel 1963, 195-229.

[92] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 101a.

[93] Grimmelshausen, Werke I.1 (wie Anm. 2), 437.

[94] Ebd., 443.- Zum zentralen, durchgehenden Motiv der Barmherzigkeit vgl. Urs Herzog, Barmherzigkeit - die im Roman "verborgene Theologie". Zu Grimmelshausens "Simplicissimus", in: Argenis 1, 1977, 257-277.

[95] Grimmelshausen, Werke I.1 (wie Anm. 2), 447.

[96] Conradus Hunger, Unser liebe Fraw zu Einsidlen. Das ist: Kurtze Chronica, oder Geschichtbuch von dem Ursprung der Uhralten Weltberühmten, und von dem HErren Christo selbsten geweyhten unser lieben Frawen Capellen [...], Luzern 1654, 496.

[97] Ebd., 497.

[98] Zit. nach Michael Hütt, "Wie ein beschlossener Garten". Villinger Stadtansichten vom 16. bis zum 18. Jahrhundert, in: Villingen und Schwenningen. Geschichte und Kultur (wie Anm. 43), 233-266, 246.

[99] Vgl. Klaus Schreiner, Maria. Jungfrau, Mutter, Herrscherin, München 1994, 395f.

[100] Petrus Paulus Rosenberger OESA, Zodiacus-Marianus. Das ist Marianische Lob-Reden, Augsburg/ Dillingen 1698, 459.

[101] Clemens von Burghausen, Wald-Lerchlein (wie Anm. 36), 101a.

[102] Ebd., 102b.

[103] Ebd.

Empfohlene Zitierweise

Herzog, Urs: Anna Morgin. Hinrichtung und Erlösung einer barocken Malefiz-Persohn. Zur Bußpredigt des Clemens von Burghausen OFM Cap (1693-1732), in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/hg/

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Erstellt: 31.01.2006

Zuletzt geändert: 31.01.2006


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