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Pictorius, Georg

Wolfgang Augustyn

14. August.2009

* um 1500 in Villingen, Arzt, Philologe und Verfasser medizinisch-pharmazeutischer, geographischer, naturkundlicher sowie dämonologischer Werke, † 1569 [PND 100070043]

1. Lebenslauf

Georg Pictorius wurde wohl 1500 als Georg (Jörg) Maler in Villingen im Schwarzwald geboren und stammte aus der seit dem frühen 15. Jahrhundert in Villingen nachweisbaren Villinger Familie Göderscher (auch Gödischer oder Gödescher). Häufig nannte man Angehörige dieser Familie nach dem von ihnen ausgeübten Handwerk Maler, ein Name, den Pictorius bei seiner Immatrikulation in Freiburg latinisierte. Möglicherweise hatte er in seiner Heimatstadt die seit 1498 von Franziskanern betreute Lateinschule besucht, bevor er 1519 in Freiburg das wohl bis 1524 dauernde Studium der Artes liberales begann. Nach seiner erfolglosen Bewerbung für das Amt des Rektors an der Lateinschule in Schlettstadt im Sommer 1525 übernahm er 1529 die Leitung der Freiburger Lateinschule. Diese Tätigkeit, die er bis 1535 ausübte, sicherte ihm ein regelmäßiges Einkommen und ermöglichte es ihm, 1529/1530 das Studium der Medizin zu beginnen, das er 1535 mit der Promotion in Freiburg abschloss. Nach einjähriger Lehrtätigkeit in der Fakultät und einer fehlgeschlagenen Bewerbung um eine ordentliche Professur in Freiburg 1536 praktizierte er mehrere Jahre als Arzt in der Umgebung Freiburgs. Seit 1540 war er in Ensisheim im Dienst der vorderösterreichischen Regierung. Seine bis 1567 nachweisbare Tätigkeit als „archiater“ des Landvogts, der Regenten und Räte der Regierung in Ensisheim mit ihren Familien, zeitweilig wohl auch als Stadtarzt von Ensisheim, ließ ihm offenbar genügend Zeit für vielfältige wissenschaftliche und publizistische Arbeiten, an denen er bis ins hohe Alter arbeitete.

2. Werke

Pictorius verfasste insgesamt mehr als vierzig gedruckte Werke zu philologischen, medizinischen, diätetischen, pharmazeutischen, botanischen und zoologischen Themen sowie zu solchen aus dem Bereich der Magie. Die medizinischen Schriften des Georg Pictorius fanden zu Lebzeiten des Autors und auch später immer wieder aufmerksame Leser, auch sein Werk zur Geomantie. Weniger Interesse fanden seine philologischen Werke. Am bekanntesten wurde er mit seinem in zwei Auflagen erschienenen Werk über die Dämonen und die zu ihrer Bekämpfung möglichen Mittel: „De illorum daemonum […] epitome“ (Basel 1563; Basel 1571). Es fand große Verbreitung und machte seinen Verfasser weithin bekannt, da es wohl ohne dessen Wissen als Anhang der Gesamtausgabe der Werke des Agrippa von Nettesheim beigegeben wurde (Lyon nach 1563; London 1655, 1665, 1772, 1783 u. ö.).

3. Die Stellungnahme zur Hexenverbrennung

Pictorius veröffentlichte in seinem Werk als eine von drei Abhandlungen auch eine Stellungnahme zur Frage, ob Hexen verbrannt werden sollten (,An sagae punienda … ‘). Er widersprach darin der Ansicht des Augustinus, dass Hexen sich mit Dämonen nicht so vereinigten, dass sie Nachkommen hätten, sondern schloss sich der Ansicht eines „Marcus Cherrhonesus” an, wonach Dämonen überaus fruchtbar seien und Geschlechtsteile und fruchtbaren Samen besäßen. Dies führe zu Nachkommen, die zwar keine Ähnlichkeit mit menschlichen Kindern hätten, sondern fast affenartige Missgeburten seien. Der weiteren Verbreitung von Hexen könne nur Einhalt geboten werden könne, wenn diese verbrannt würden. Und selbst, wenn man der Ansicht des Augustinus zuneige, sei es doch immer noch besser, die Hexen zu verbrennen, weil nur so ihre Zahl gering gehalten werden könne. Durch die Beachtung der Werke des Agrippa von Nettesheim wurde auch die kleine Schrift des Pictorius rezipiert: Johann Weyer (Wierus, Wier, 1515/18–1588) widersprach in der vierten Auflage seines Buchs ,De praestigiis daemonum‘ (Basel 1568, S. 642–644; in der fünften Auflage Basel 1577, S. 762–764) ausdrücklich den von Pictorius geäußerten Ansichten und kritisierte auch Jacques Gohory (Leo Suavius, 1520–1576), der sich angeblich auf Pictorius berufen habe. Kürz (1895) bezweifelte, dass es sich bei der Stellungnahme des Pictorius um mehr als eine “rhetorische Stilprobe” gehandelt habe, die mit einem “ernst gemeinten Urteil” des Pictorius nichts zu tun habe (Kürz 1895, S. 36).

Quellen

Georg Pictorius, Pantopolion, Continens Omnivm fermè quadrupedum, auium, piscium, serpentum, radicum, herbarum, seminum, fructuum, aromatum, metallorum, & gemmarum naturas, carmine Elegiaco, per D. Georgivm Pictorivm Villinganum, conscriptum. Vna Cvm Eivsdem De Apibvs, Cera, Melle, et alijs quae ex istis conficiuntur, breuißima methodo, ex optimis authoribus collecta. Praeterea De Daemonum, qui sub Lunari collimitio uersantur, ortu ... miraculis, & quibus medijs in fugam compellantur, Isagoge, eodem authore: Quibus accedit Eivsdem De Speciebvs Magiae Ceremonialis, quam Goetiam uocant, Epitome, ET An Sagae, uel mulieres quas expiatrices nominamus, cremari debeant, resolutio, Basel 1563 [VD16 P 2702], (Digitalisierte Ausgabe der Bayerischen Staatsbibliothek; urn:nbn:de:bvb:12-bsb00033122-1).

Georg Pictorius, Conuiualium apprimè utilium,Li-||bri X. dé[que] Ebrietate Lu-||sus quidam.|| Item,|| DE SVBLVNARIVM DAE||monum ortu, natura, illusionibus etc. et quo=||modo pellendi sint Isagoge. Vnà cum Epitome de || Magiae caeremonialis seu Goetiae speciebus. Quibus || annexa est Resolutio, Vtrum Sagae ignis || mulcta damnandae sint.|| Praeterea,|| DE PHARMACANDI || comprobata ratione libri II. per Theodo||ricum Vlsenium Med. carmine conscripti,|| & per eũdem D.Pictorium Scho-||lijs illustrati.|| His accedit quoq; || Q.SERENI SAMONICI LI-||bellus de omnium morborum cura, metrica oratione || conscriptus, et eiusdem D.Pictorij com-||mentarijs explanatus.||, Basel 1571 [VD 2715].

Literatur

Ernst Georg Kürz, Georgius Pictorius von Villingen, ein Arzt des 16. Jahrhunderts und seine Wissenschaft, Freiburg i.Br. / Leipzig 1895.

Lynn Thorndike, A history of magic and experimental science, New York 1941. Bd. 6, S. 399-406.

Veit Tillmann Wertz, Georgius Pictorius (1500-1569/73): Leben – Werk – Wirkung, Diss. rer. nat., Universität Heidelberg 2005; geringfügig verändert als Buch erschienen: Tillmann Wertz, Georg Pictorius (1500-1569/73). Leben und Werk eines oberrheinischen Humanisten, Heidelberg 2006 (Studien und Quellen zur Kulturgeschichte der frühen Neuzeit, Bd. 4), hier S. 146-150 und 224-231.

Wolfgang Augustyn, Georg Pictorius und sein Handbuch zur Mythologie: ,Theologia mythologica‘ (Freiburg 1532) und ,Apotheseos (!) tam exterarum gentium … libri tres‘ (Basel 1568), in: Wolfgang Augustyn / Eckard Leuschner (Hg.), Kunst und Humanismus. Festschrift für Gosbert Schüßler, Passau 2007, S. 209–246.

Empfohlene Zitierweise

Augustyn, Wolfgang: Pictorius, Georg. Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/45zsw/

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Erstellt: 13.08.2009

Zuletzt geändert: 02.09.2009

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