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Meder, David

Rolf Schulte

21.01.03

*1545 in Osterfeld bei Naumburg, + 1616 in Nebra an der Unstrut;

lutherisch-protestantischer Pastor und Generalsuperintendent, Vertreter der Hexenverfolgung.

1. Leben und Tätigkeiten

David Meder wurde 1545 in Osterfeld im Stift Naumburg geboren, besuchte Schulen in Osterfeld, Zeitz und Naumburg und studierte danach Theologie an der Universität Leipzig. Im Anschluss an eine Reise durch Franken berief man ihn als Diakon nach Ansbach. 1577 zog er in den Südwesten des Alten Reiches: Er übernahm in der Grafschaft Hohenlohe beziehungsweise in der Stadt Öhringen die Funktion eines Generalsuperintendenten für Kirchen und Schulen sowie die eines Stiftspredigers. Unter seiner Mitwirkung entstand auch eine eigene Kirchenordnung für Hohenlohe.1595 ging Meder nach Naumburg zurück und wechselte 1604 in die nicht weit entfernte sächsische Stadt Nebra, wo er am 7. 3. 1616 als Pastor starb. Meder war verheiratet. Während seiner gesamten Tätigkeit bis in hohe Alter äußerte er sich in schriftlicher Form zu zahlreichen Fragen und ließ sein Urteil über die geistige Strömung der Rosenkreuzer, seine Standpunkte zu katechetischen Fragen und seine Leichen- wie Bußpredigen veröffentlichen.

2. Die "Acht Hexenpredigten"

Der Lutheraner beschloss anlässlich der gespalteten Ansichten über Hexenprozesse in der Bevölkerung und dem Gewissensdruck von Richtern in Hohenlohe, die in diesen Verfahren urteilten, die öffentliche Meinung durch eine Serie von Predigten zu beeinflussen. Er ließ seine acht in Naumburg gehaltenen Hexenpredigten 1605 und erneut in zweiter Auflage 1615 als Buch drucken. Das Werk umfasst 238 Seiten und war dem kursächsischen und als streng religiös bekannten Kanzler Bernhard von Pölnitz gewidmet. Wie bei der Veröffentlichung von anderen zeitgenössischen Predigten ist damit zu rechnen, dass Meder seine mündlichen gehaltenen Ansprachen im Schriftlichen überarbeitete und ergänzte.

Der lutherische Theologe hält in diesem Werk mit Verweis auf das Alte Testament, die Kirchenväter und Luther die Existenz von Hexen auf der Welt für unzweifelhaft erwiesen Meder greift leidenschaftlich alle Skeptiker von Hexenverfolgungen an und stellt sie selbst in die Nähe von Hexerei, denn der Zweifler (oder die Zweiflerin) "... ist entweder ein Narr oder grober unverständiger Mensch oder selbst ein Hexenmann und Hexenweib."(S. 15 v). Als Ausfluss dieses gegenüber allen anderen Sünden hervorragenden Kapitalverbrechens sieht er die in seinen Augen überall zahlreich auftretenden Schädigungen an: Hexen mordeten und verursachten Krankheiten bei Menschen oder Vieh, seien für Diebstahl und den Mangel an Feldfrüchten, auch für die Impotenz von Männern verantwortlich. Grundlage dieser destruktiven Tätigkeit sei ein Teufelspakt, der die Hexen wirkmächtig mache. Schadenszauber und Teufelbündnis verstießen gegen fast alle Zehn Gebote. Der Übertritt in die Teufelsgemeinschaft werde durch eine allerdings nicht so deutlich beschriebene Teufelsbuhlschaft ergänzt, deren Ablauf und Inhalt er aber "züchtiger Ohren halben"(S. 54) nicht genauer beschreiben wollte. Auch den Hexensabbat hält Meder für eine Realität. Sexuelle Orgien und ekstatische Zustände fehlen allerdings in der Schilderung eines angeblichen Hexenkonventes des protestantischen Predigers. Stattdessen weist er dieser Zusammenkunft von Hexen und Hexenmeistern Planungsfunktionen zu. Er räumt allerdings auch ein, dass Geständnisse von Hexenflügen und Sabbatsbesuchen der Angeklagten in Hexenprozessen ebenso nur ein Phantasieprodukt sein könnten. Hier zeigt sich erneut, dass Meder sich in der protestantischen wie katholischen Debatte gut auskannte und sich wie andere Autoren in der Frage der Realität eines Hexensabbats unsicher zeigte.

Mit Nachdruck betont der Geistliche, dass Hexerei geschlechtsindifferent sei und wendet sich damit auch unmittelbar gegen den Verfolgungsgegner und Arzt Johann Weyer. Frauen wie Männer übten diese destruktive Tätigkeit aus: "In summa, wir sollen wissen, so bald einer oder eine, ein Hexenmann oder Hexenweib worden, so bald sind sie auch Vergiffter und Verderber der guten Creaturen Gottes, weil ihnen der Teufel keine Ruhe lesset, sie müssen Schaden thun, solte es auch ihren eigenen Ehegenossen, Kindern Gesinde, Befreundeten oderViehe geschehn, ja, man sagt bestendig: Es müsse alle Tage eine Unhulde schaden thun, solte sie auch nur ein Hafen oder Topff zerbrechen"(S. 27 v). Selbst Jugendliche und Kinder seien in der Hexensekte zu finden. Meder begründet seine Auffassung nicht nur theoretisch, sondern auch mit Hinweis auf konkrete Prozesse, die während seiner Zeit als Superintendent in Hohenlohe stattfanden. Kursächsische, naumburgische oder thüringische Verfahren werden bemerkenswerterweise nicht erwähnt.

Ursache der Zunahme von Hexerei ist seiner Meinung nach ein sich verschlechternder Zustand der Menschheit durch wachsende Sündhaftigkeit, in der sich viele ehemals Gläubige dem Teufel ergeben hätten. Verstärkt werde diese schwere Krise durch die Angriffe von Katholiken, Muslimen und Reformierten auf die wahre (und damit lutherische) Christenheit.

Nachdem er ausführlich die Verbrechen der Hexen und Zauberer darstellt hat, ruft der protestantische Geistliche die Obrigkeiten zum ernsthaften Vorgehen gegen Delinquenten unter Einschluss von Todesurteilen auf.

Trotz seines Überzeugungsdrangs fordert Meder aber nur eine gemäßigte Hexenverfolgung und kritisiert sogar exzessive Maßnahmen. Die dem Teufel verfallenen Menschen könnte man möglicherweise für Gott zurückgewinnen, wirft Meder in die Hexendebatte ein. Deswegen sollten alle, die einen Teufelspakt ohne Schadensfolge eingegangen seien, auch nur mit Buße bestraft werden. Immerhin widerspricht hier der vormalige Eiferer den Regelungen der von lutherischen Juristen verfassten kursächsischen Konstitutionen von 1572, die ein solches Vergehen für todesstrafwürdig erklärten. Er verwirft den Grundsatz der Todesstrafe bei vermeintlich überführter Hexerei und kritisiert einen zu strengen Einsatz der Folter. Besagungen von bereits justifizierten Personen billigt der Lutheraner nur einen geringen Wert zu. Zudem lehnt er die Wasserprobe ab und sieht nur in den Aussagen angesehener Christen oder einem nicht erzwungenen Geständnis ein akzeptables Beweismittel.

Die scheinbare Widersprüchlichkeit in der Hexenlehre Meders erklärt sich aus der Wirkung der providentialistischen Lehre innerhalb des Luthertums auf den Autor. Beeinflusst durch die württembergische Schule des Protestantismus des Johann Brenz sah Meder das Anwachsen von Hexerei als Handlungen innerhalb der göttlicher Vorsorge und damit innerhalb Gottes Erlaubnis an: Die Menschen sollten durch das Wirken des Teufels und seiner Agenten im Rahmen des göttlichen Willens gewarnt und zur Einkehr und Umkehr veranlasst werden. Die Hexen waren in dieser Sichtweise zwar als Komplizinnen und Komplizen des Bösen schuldig, aber in ihrem Handeln jedoch nicht unabhängig operierend gewesen. Die Möglichkeiten der Hexen waren dieser Meinung nach schrecklich, aber aus der Sicht eines Monotheismus in einer Welt, in der nur Gott regieren könne, doch beschränkt. Hexenverfolgung durfte daher nicht übertrieben werden. Meders Denkart blieb auch auf einer anderen Ebene dieser providentialistischen Richtung verhaftet. Weil Theologen dieser Schule die Wirklichkeit von Wetterzauber ablehnten, blieben auch Meders Aussagen zu diesem für Zeitgenossen wichtigen Thema widersprüchlich. Auf der einen Seite zählt er die Vernichtung von Ernten durch Sturm und Hagel zum Werk der Hexen, auf der anderen Seite lehnt er eine solche Auffassung ab.

Die zweimalige Auflage der 'Acht Hexenpredigten' Meders zeugen von einer nicht geringen Rezeption seiner Gedanken. In der protestantischen Hexendebatte spielte er eine Rolle, war aber kein mit hoher Autorität versehener Meinungsbildner.

Quellen:

Meder, David: Acht Hexenpredigten. Darinnen von des Teuffels Mordkindern, der Hexen, Unholden, Zauberischen, Drachenleuten, Milchdieben etc. erschrecklichem Abfalle, Lastern und Übelthaten, dadurch die göttliche Majestät gelestert, und Menschen und Viehe verderblichen Schaden zugefüget. Bericht, was vermöge heiliger Göttlicher Schrifft menniglich davon halten. Auch von Beruffs wegen darbey thun solle, Leipzig 1605

Literatur:

Midelfort, H.C. Erik: Witch hunting in Southwestern Germany 1562-1684: The social and intellectual foundations, Stanford 1972, S. 48-50.

Speziell zum Hexenbild Meders:

Schulte , Rolf: Hexenmeister. Die Verfolgung von Männern im Rahmen der Hexenverfolgung 1530-1730, 2. Auflage, Frankfurt u.a. 2001, S.150-152.

 

Siehe auch folgende Artikel:

Kurtrier - Hexenverfolgungen von Walter Rummel

 

Empfohlene Zitierweise

Schulte, Rolf: Meder, David. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/45zs9/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 09.06.2006

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