Personen

  / historicum.net / Themen / Hexenforschung / Lexikon / Personen

Laymann, Paul

12.07.00

* 1575 in Arzl b. Innsbruck + 13.11.1635 in Konstanz (Pest)

Jesuit und Moraltheologe; Beichtvater von Kaiser Ferdinand II.

Nach dem Studium der Rechte in Ingolstadt entschloß sich Laymann 1594, im Alter von 19 Jahren, Jesuit zu werden. Nach dem Noviziat war er zwei Jahre am Jesuitengymnasium in Dillingen tätig, bevor er 1603 seine Studien beendete, zum Priester geweiht wurde und in Ingolstadt Philosophie zu lehren begann. Zwischen 1609 und 1625 lehrte er Moraltheologie in München, bevor er den Lehrstuhl für Kirchenrecht in Dillingen erhielt. Von dort mußte er allerdings 1632 vor den Schweden fliehen.

Laymann gilt als einer der bedeutendsten Moraltheologen seiner Zeit; aus seiner Feder stammte u.a. die fünfbändige, 1625 erschienene "Theologia Moralis", in der sich er nicht zuletzt kritisch zur Hexelehre des Martin Delrio äußerte..

Obwohl sich die Jesuiten in Dillingen den Hexenprozessen gegenüber offenbar weitgehend zurückhielten, galt Paul Laymann neben Gregor von Valencia als einer der Verfolgungsapologeten. Unter dem Einfluß seines Ordensbruders Adam Tanner begann Laymann im Laufe der Zeit jedoch seine Meinung zu ändern und schließlich eine eher gemäßigte Auffassung zu vertreten. Seiner Ansicht nach reichte eine Anzeige beispielsweise nicht zur Verurteilung einer Person aus, des weiteren warnte er vor der Anwendung der Folter. Im Zweifel sei die mildere Strafe zu wählen. Schließlich warnte er auch davor, allzu eifrig gegen die Hexen vorzugehen, da sonst ganze Landstriche entvölkert würden.

Paul Laymann wurde auch die 1628 erschienene Schrift "Processus iuridicus contra sages et veneficos" zugeschrieben, die hauptsächlich die Folter behandelte. Der Hexenforscher Bernhard Duhr hat allerdings nachzuweisen versucht , daß diese Schrift nicht Laymann zugewiesen werden könne. (B.H.)

Literatur

Heinrich Bacht, Art. Paul Laymann, in: NDB 14 (1985), S. 6

Bernhard Duhr, Paul Laymann und Hexenprozesse: in Zeitschrift für kath. Theologie 23 (1899), S. 733-43; 24 (1900), S. 585-592; 25 (1901), S. 166-168;

Friedrich Zoepfl, Hexenwahn und Hexenverfolgung in Dillingen, in: Zeitschrift für Bayer. LG 27 (1964), S. 235-244.

 

Empfohlene Zitierweise

Laymann, Paul. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/45zry/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 15.02.2006

Index


Lesezeichen / Weitersagen

FacebookTwitterGoogle+XingLinkedInDeliciousDiggPinterestE-Mail