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Gregor IX.

Peter Dinzelbacher

(Übersetzung von Johannes Peisker)

03.Januar 2011

Gregor IX. (* um 1167 in Anagni; † 22.8.1241 in Rom) war Papst von 1227 bis zu seinem Tode, Verfasser der Vox in Rama und Initiator der Gesetzessammlung Liber extra, wichtigen Dokumenten der Häresiebekämpfung.

Kurzbiografie

Hugo, Graf von Segni, studierte wahrscheinlich Kirchenrecht in Paris und war ein Verwandter von Papst Innozenz III. Dieser ernannte ihn 1198 zum Kaplan der Römischen Kurie und acht Jahre später zum Kardinalbischof von Ostia. Als päpstlicher Legat und Prediger führte ihn Missionen in viele Regionen Italiens und Deutschlands. Nach dem Tod von Honorius III., dessen wichtigster Berater Hugo gewesen war, wählten die Kardinäle ihn zum Papst (1227). Die Hauptprobleme seiner Herrschaft waren einerseits mehrere Aufstände der Römer gegen die päpstliche Herrschaft und andererseits die feindlichen Beziehungen mit dem Kaiser, dem deutschen König Friedrich II. von Staufen. Diese beruhten – vor allem in Italien – vornehmlich auf der Frage, welche der beiden Mächte die christliche Welt beherrschen sollte. Obwohl Gregor Friedrich zweimal exkommunizierte, wurde der Konflikt nicht entschieden, da der Papst 1241 während eines Aufmarsches kaiserlicher Truppen vor Rom starb.

Häresieverfolgung

Innerhalb der Kirche favorisierte Gregor besonders die Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner. Daher kanonisierte er ihre Gründe und förderte ihre Missionstätigkeit. Er unterstützte ebenfalls Kreuzzüge sowohl nach Palästina und ins Baltikum, als auch – mit mehr Erfolg – gegen die Stedinger, eine Gemeinschaft freier Bauern, die vom Bremer Bischof, der sie unter seinen Gehorsam zwingen wollte, zu Häretikern erklärt worden waren. In der in dieser Sache 1233 veröffentlichten Bulle Vox in Rama beschreibt der Papst einige der abscheulichen Praktiken der bäuerlichen Teufelsanbeter, etwa das Küssen des Anus eines schwarzen Katers, Initiationsorgien mit sexueller Promiskuität und Inzest, Schändung des Abendmahls, etc. – Stereotype, die wieder und wieder als für Häretiker und Hexen typische Sünden angeführt werden sollten.

Im Jahr 1231 übernahm Gregor die strengen Gesetze gegen Häretiker von seinem Feind Friedrich und begann die Suche nach Häretikern in seiner eigenen Diözese Rom. Mehrere Personen wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Indem er Kopien der relevanten Anweisungen an alle Erzbischöfe und Fürsten in Europa versandte, animierte er sie, eine ähnliche Mission durchzuführen. Da er den dominikanischen Ordensbrüdern befahl, das Amt päpstlicher Inquisitoren zu übernehmen, geriet er selbstverständlich in Konflikt mit den Bischöfen, deren Kompetenzrechte er in diesem Bereich begrenzte. Als er die dominikanischen Prioren von Paris dazu einlud, Inquisitoren für alle Teile Frankreichs einzusetzen (1233), musste er diese Anweisung bald widerrufen, da sie die entschiedene Opposition der Bischöfe dieser Gebiete hervorrief. Allerdings war er erfolgreich, im Languedoc ein ständiges Tribunal dominikanischer Inquisitoren zu etablieren, dessen Aufgabe es war, die restlichen der nach den Albigenserkreuzzügen noch existierenden Katharer zu beseitigen. Als Gesetzgeber ließ Gregor den gelehrten spanischen Dominikaner Raimund von Penyafort einen Band Dekretalien (d. h. päpstliche Dekrete) sammeln, um seine Autorität zu stärken (1230/34). Es wurde Liber Extra betitelt und der Papst sandte es für den Lehrgebrauch an die Universität Bologna. Kapitel X 5, 7, benannt De Hereticis, beinhaltet die juristische Basis für die Verfolgung von Häretikern, einen Text, der bis 1917 ein gültiger Teil des katholischen Kirchenrechts bleiben sollte. Mit diesen Maßnahmen schuf Gregor die Grundlage für jene Institution, die als Heilige Inquisition bekannt werden sollte, auch wenn er selbst lediglich an vorübergehende Handlungen gegen akute Probleme dachte.

Die bekanntesten aktiven Inquisitoren während Gregors Herrschaft waren Konrad von Marburg und Robert le Bourge. Ersterer, ein Weltgeistlicher und Beichtvater der berühmten Heiligen Elisabeth von Thüringen, ließ hunderte angeblicher Häretiker in Deutschland verbrennen, bis er den Fehler beging, sogar gegen Mitglieder des Hochadels vorzugehen, die ihn darauf 1233 ermorden ließen. Gregor war zutiefst bestürzt, als er von Konrads ‚Märtyrertod‘ erfuhr, obwohl er seine irreguläre und willkürliche Vorgehensweise nicht billigte. Le Bourge dagegen, selbst ein ehemaliger Katharer, ging in Nordfrankreich in nicht weniger fanatischer Manier gegen abweichende Christen vor. Er genoss den besonderen Schutz des französischen Königs Ludwig IX., genannt Ludwig der Heilige. Dennoch wurde allgemein vermutet, dass er Zauber wirken konnte, mit denen er Aussagen erzwang. Um 1241 wurde er abgesetzt, allerdings sind keine Details über die Umstände, die ihn beim König in Ungnade brachten, bekannt.

Literatur

Pietro Balan, Storia di Gregorio IX e dei suoi tempi, Modena 1872/73.

Steven Dafoe, Unholy worship? The myth of the Baphomet, Templar, Freemason connection, Belleville 1998.

Ludwig Förg, Die Ketzerverfolgung in Deutschland unter Gregor IX., Berlin 1932.

Ferdinand Gregorovius.

John Guernelli, Chiesa e stato nel pensiero di Gregorio IX, Rom 1969.

Johannes Haller, Das Papsttum, Idee und Wirklichkeit IV, Reinbek 1965.

Stephan Kuttner, Studies in the History of Medieval Canon Law X-XII, Aldershott Variorum 1990.

Horace Kinder Mann, The Lives of the Popes in the Early Middle Ages XIII. London 1925, S. 165-441.

Salvatore Sibilia, Gregorio IX, Mailand 1961.

William T. Walsh, Characters of the Inquisition, New York 1940.

Empfohlene Zitierweise

Dinzelbacher, Peter: Gregor IX. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/45zpz/

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Erstellt: 28.07.2011

Zuletzt geändert: 28.07.2011

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