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Scherer, Georg

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1. April 2008

* 1540 in Schwaz (Tirol), Jesuit, Hofprediger in Wien, † 1605

Kurzbiografie

Der aus der Bergbaustadt Schwaz stammende Scherer siedelte bald nach Wien über, trat 1559 in den Jesuitenorden ein und lernte dort Petrus Canisius kennen. Nach dem Studium an der Universität Wien und der Erlangung des Magistergrads (Philosophie) 1564, wurde er zum Priester geweiht, als Prediger und später Hofprediger in Wien und Graz tätig. In dieser Funktion wirkte Scherer als einer der führenden Köpfen der Gegenreformation, der in seinen Schriften intensive polemische Attacken gegen Luther (Bettlermantel) und den Protestantismus sowie einzelne lutherische Prediger und Gelehrte (bspw. Jacob Heerbrand), aber auch gegen die Täufer und gegen den Islam focht. Scherer selbst zeichnete sich durch eine fundamentalistische, sittenstrenge Härte aus, die selbst innerhalb des Jesuitenordnens gelegentlich zu Konflikten führte.

1600 wechselte er auf Wunsch Kaiser Rudolfs nach Linz, wo er 1605 – inmitten einer Predigt gegen die Hexen – einen Schlaganfall erlitt und kurz darauf verstarb.

Seine Predigten und Postillen sowie einige Abhandlungen und Traktate wurden abgesehen von Einzeldrucken in einer vierbändigen Gesamtausgabe herausgegeben und widmeten sich vor allem konfessionellen und seelsorgerischen Themen, die sich durch eine scharfe Polemik und einen intensiv moralisierenden Ton auszeichnen. Insgesamt griff Scherer alle wichtigen sittlich-moralischen Themenfelder seiner Zeit auf, lies sich über Frauenbilder, Zinsnahme, ethischen Kritikpunkten der Stände und die Überordnung des geistlichen Standes über den weltlichen aus. Intensiv wirkte Scherer zudem auf eine Professionalisierung des Predigeramtes hin und entwarf in 29 Predigten den Pfad zum richtigen Glauben, der in Form von zur Himmelspforte führenden Sprossen versinnbildlicht, über viele Etappen zum Seelenheil führen würde.

Mit der Hexenverfolgung kam Georg Scherer vor allem durch den Fall des von angeblich 12.652 Teufeln besessenen Mädchens Anna Schlutterbauer aus Mank in Berührung, deren seelsorgerische (und exorzistische?) Betreuung er teilweise übernahm. Für das Elend des Mädchens wurde die Großmutter des Kindes, Else Plainacher („Die Hexe von Wien“), verantwortlich gemacht, die am 27. September 1583 den Scheiterhaufen erlitt. Interessanter Weise spielten in diesem Fall genau solche konfessionellen Konflikte eine wichtige Rolle für die Hexereiverdächtigungen, die auch Scherers Gesamtwerk auszeichneten. Scherer predigte im Vorfeld der Verurteilung in der St. Barbarakapelle im Wiener Kolleg „Von der Historien einer Jungfrawen, die mit einer Legion Teuffel besessen gewesen“. Die Predigt wiederholte er auf Verlangen der Stadtbürgerschaft im Wiener Stephansdom vor einer riesigen Menschenmasse, die anschließend die Folterung der Plainacherin forderte. Im Gegensatz zu anderen Ordensbrüdern wie etwa Adam Tanner oder Paul Laymann bzw. später Friedrich Spee, schlug Scherer einen äußerst scharfen, die Hexenverfolgung kompromisslos befürwortenden Ton an.

Insgesamt wandte sich Scherer intensiv gegen volksmagische Gebräuche, namentlich das Schatzgraben, geißelte aber auch die gelehrten Formen von Magie. Intensiv argumentierte er etwa gegen einen unstatthaften Gebrauch astrologischer Fähigkeiten zur Wahrsagerei.

Ausgaben vor 1800

Christliche Erinnerung // Bey der Historien von // jüngst beschehener Erledigung einer // Junckfrawen / die mit zwoelfftausent/sechs//hundert / zwey vnd fünfftzig Teufel // besessen, Ingolstadt (Sartorius) 1584.

Christliche Erinnerung bey der Historien von jüngst geschehener Erledigung einer Jungfrauen die mit zwölftausendt sechshundert zwey und fünfzig Teufeln besessen gewesen, in: Georg Scherers von Schwatz der Societet IESV Theologi anderer Theil, Kloster Bruck 1600, S. 189–206; München (Hainrich) 1613.

Literatur

Franz M. Eybl, Gebrauchsfunktionen barocker Predigtliteratur. Studien zur katholischen Predigtsammlung am Beispiel lateinischer und deutscher Übersetzungen des Pierre de Besse, Wien 1982.

Bernhard Duhr, Die Stellung der Jesuiten bei den deutschen Hexenprozessen, Köln 1900.

Anita Lackenberger, Ein teuflisches Werk. Die Torturen der Hexe von Wien, Folterprotokoll 1583, Linz 1988.

Gottfried Miereau, Das publizistische Werk von Georg Scherer S.J., Wien 1968.

Paul Müller, Ein Prediger wider die Zeit. Georg Scherer. Ein Beirtrag zur Predigt und Polemik der Gegenreformation, Wien / Leipzig 1933.

Empfohlene Zitierweise

Moeller, Katrin: Scherer, Georg. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jdztt/

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Erstellt: 13.06.2008

Zuletzt geändert: 13.06.2008

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