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Hexen von Aberdeen

Peter G. Maxwell-Stuart

(Übersetzung von Johannes Peisker)

9. September.2013

(english version ↓)

Aberdeen ist eine Hafen- und Universitätsstadt an der Nordostküste Schottlands. Ihre gräflichen Aufzeichnungen über Hexerei gehen zurück aufdas 16. Jahrhundert als sich über einen langen Zeitraum viele Menschen in die Hexerei hineinsteigerten.Im Februar und März 1597 wurden Janet Wishart, ihr Mann John Leis, ihr Sohn Thomas, ihre drei Töchter und einer derer Ehemänner angeklagt, verschiedene Formen der Magie in hauptsächlich bösartiger Absicht zu praktizieren. Sterbende Hühner, erkrankende Kühe und Menschen, beängstigende Geräusche in einem Haus, unerklärliche Angriffe eines Hundes, plötzliche Stürme und das Vermögen, die Zukunft vorauszusagen sind nur einige der allein Janet Wishart zugeschriebenen Phänomene und Schadenszauber. Thomas hatte Kontakt mit einem Elf – einst wies er seine Geliebte an, diesen bezüglich ihrer gemeinsamen Zukunft zu konsultieren. Überdies war er angeblich fähig, aus seiner Gefängniszelle heraus seiner Schwestern, Violet, bei einem Zauber anzuleiten. Dieser machte es notwendig, dass sie gewisse Teile eines am am Stadtgalgen hängengelassenen Hingerichteten entfernte. Janet wurde von einer Jury in 18 der 31 gegen sie vorgebrachten Anklagepunkte für schuldig befunden und zusammen mit Thomas hingerichtet. Der Rest der Familie wurde aus der Stadt verbannt. Zu dieser Zeit bedeutet Hexenhinrichtung in Schottland, dass sie garrotiert, ihre Leichen verbrannt und ihr Besitz vom Staat konfisziert wurde.

Eine Anzahl anderer Frauen aus verschiedenen Dörfern circa 20 Meilen südöstlich von Aberdeen wurde ungefähr zur gleichen Zeit verhaftet. Ihnen warf man vor, am Abend vor Allerheiligen (Halloween) an einem Hexentreffen teilgenommen zu haben, wo sie mit dem Teufel tanzten. Laut anderer Anklagen töteten sie allein durch Berührung Pferde, vernichteten Rinder, machten Menschen krank und entzweiten Ehen, indem sie die Liebe eines Partners auf magische Weise auf eine andere Person lenkten. Andrew Man, ein Mann aus dieser Gruppe, behauptete mit der Elfenkönigin eine sexuelle Beziehung gehabt und mehrere Kinder mit ihr gezeugt zu haben, obwohl er diese danach nie wieder sah. Er beschrieb die Elfenmenschen als den Menschen ähnlich und sich auch menschlich kleidend. Sie waren energischer als Menschen, sagte er, und ihre Tische waren stets mit Essen und Trinken beladen. Wann immer es ihnen beliebte, spielten sie Musik und tanzten. Ihre Kerzen und Schwerter waren in Wirklichkeit Gegenstände aus Gras und Stroh. Die Elfenkönigin, fügte er hinzu, übertrug ihm die Gabe der Wahrsagung und die Fähigkeit, beinahe jede Krankheit zu heilen. Er hatte – obwohl anscheinend nicht von ihr – einen „Christsonday“ genannten Geisterdiener, der ihm die Naturgeheimnisse erklärte und Weissagungen über die Zukunft machte. Andrew wurde am 20. Januar 1598 vor Gericht gestellt und von einer Jury in neun (oder vielleicht zehn) der 15 gegen ihn gerichteten Anklagepunkte für schuldig befunden. Er wurde ebenfalls hingerichtet.

Zwei weitere Hexen, vor Gericht gestellt im März und April 1597, könnten sowohl Mord als auch Magie ausgeübt haben, da entsprechende Anschuldigungen gegen sie erhoben wurden. Bessie Thom hat mit Sicherheit Elspeth Jacks Ehemann getötet, aber ob sie es absichtlich oder aus Versehen tat, ist nicht unbedingt klar. Gegen Margaret Clerk, die vor ihrer Verhaftung bereits seit 30 Jahren als eine Hexe bekannt war, ist vor einem anderen Gericht ebenfalls wegen Hexerei verhandelt worden. Einem Schuldspruch entkam sie jedoch durch eine Mischung aus Bestechung und Einflussnahme. Allerdings wurde sie in ihrem zweiten Prozess in zehn der 16 gegen sie vorgebrachten Anklagen für schuldig befunden.

Insgesamt wurden in Aberdeen zwischen 1595 und 1598 dreiundzwanzig Frauen und zwei Männer als Hexen hingerichtet. Die Kosten für die lokale Wirtschaft waren bemerkenswert und im Rechnungsbuch des örtlichen Magistrats sind Details enthalten.

Jahr

 

Gegenstand

 

Kosten

1595

 

Vier Teerfässer, Torf, Seil und Pfähle für die Hexenverbrennung

 

£3.0s.0d

1596

 

Vier Teerfässer

 

£1.6s.0d

 

 

Um Menteith [eine angeklagte Hexe] in einem Karren durch die Straßen zu ziehen, sie hatte sich im Gefängnis erhängt

 

£0.10s.0d

 

 

Katharine Gerard, Christian Reid, Janet Gerard für Kohlen, Torf, und ähnliche Artikel

 

£8.2s.0d

 

 

Entgelt für ein Pferd, um John Crichton, festgenommen als Hexer, nach Dunnottar zu bringen

 

£0.3s.4d

 

 

An Alex Reid, Schmied, für zwei Paar Ketten für die Hexen im Kirchturm

 

£1.12s.0d

 

 

An Thomas Dickson, für eine bei der Hinrichtung zerbrochene Hellebarde

 

£1.10s.0d

 

 

An John Justice, für das Brennen der Wange vierer der Hexerei verdächtigter Personen

 

£1.6s.0d

1597

 

An Alexander Home, für die Herstellung von Kannen und Metaleinspannungen für die Hexen

 

£0.16s8d

Der Magistrat erhielt ebenfalls einen Bonus von £47.3s.4d für seine Sorgfalt bei der Verbrennung der Hexen in Aberdeen 1596.

Gelegentlich wird behauptet, diese Vorkommnisse seien durch die Veröffentlichung des Buchs von Jakob VI. über Hexerei Daemonologie (1597) angeregt worden. Dies entspricht jedoch wahrscheinlich nicht den Tatsachen, da die Abhandlung des Königs nach dem Beginn der Verfolgungen in Aberdeen publiziert wurde. Folter ist sicherlich in einigen Fällen angewendet worden, in anderen aber scheint dies unterblieben zu sein. Allerdings gab es in den entscheidenden Jahren zwischen 1596 und 1597 eine heftige Konfrontation zwischen dem König und der calvinistischen Kirche, die um die Herrschaft über das innere und äußere Leben der Menschen rangen. Vielleicht kann man in diesen Konfrontationen wie auch in den lokalen zeitgenössischen Konflikten in Aberdeen Erklärungen finden, warum ein solch bemerkenswerter Ausbruch von Hexenverfolgung zu diesem historischen Zeitpunkt stattfand.

English Version

Aberdeen Witches

Aberdeen is a port and a university town on the north-east coast of Scotland. Its shire records of witchcraft go back to the sixteenth century when several people were caught up in an unusually extensive episode. In February and March 1597, Jane Wishart, her husband John Leis, her son Thomas, her three daughters, and the husband of one of the daughters, were accused of practising various forms of magic, largely with maleficent intention. Hens dying, cows and humans falling sick, frightening noises in a house, inexplicable attacks by a dog, sudden storms, and an ability to foretell the future, are only some of the phenomena and abilities attributed to Jane Wishart alone. Thomas had contact with a fairy – he once advised his mistress to consult it about their future together – and from his prison cell was able to direct one of his sisters, Violet, in a magical operation which necessitated her removing certain parts from the body of an executed criminal who had been left hanging from the town gallows. Janet was convicted by a jury of eighteen of the thirty-one charges against her and executed, along with Thomas. The rest of the family was banished from the town. Execution of witches in Scotland at this time meant that they were garrotted, their dead bodies burned, and their property seized by the state.

A number of other women from several villages about twenty miles south-east of Aberdeen were arrested at about the same time. They were accused of having taken part in a meeting of witches at Hallowe’en in 1596, where they danced with the Devil. Other charges had them killing horses by touch alone, killing cattle, making humans ill, and breaking up marriages by magically transferring one partner’s love to someone other than the spouse. Andrew Man, another of this group, claimed to have had sexual relations with the Queen of the fairies, by whom he had several children, although he never saw them afterwards. He described the fairy people as looking like human beings and dressing in human fashion. They were more vigorous than humans, he said, and their tables were always laden with food and drink. They played music and danced whenever they chose, and their candles and swords were actually pieces of grass and straw. The fairy Queen, he added, conferred upon him the gift of foresight and the ability to cure almost any kind of illness, and he had – though not, apparently, from her – an attendant spirit called ‘Christsonday’ who told him the secrets of Nature and made prophecies about the future. Andrew was tried on 20 January, 1598 and convicted by a jury of nine (or perhaps ten) of the fifteen articles alleged against him. He, too, was executed. Two other witches, tried in March and April 1597, may have been practising murder as well as magic, for this is included in the accusations levelled against them. Bessie Thom certainly killed Elspeth Jack’s husband, but whether she did so deliberately or by accident is not altogether clear. Margaret Clerk, who had already been known as a witch for thirty years before she was arrested, had also been tried for witchcraft in another court, escaping a guilty verdict by a combination of bribery and influence. At her second trial, however, she was found guilty of ten of the sixteen charges brought against her.

Altogether, twenty-three women and two men were executed as witches in Aberdeen between 1595 and 1598. The cost to the local economy was notable and details are contained in the account book of the local Dean of Guild.

Year

Item

Cost

1595

For four tar barrels, pine peat, tow and stakes used in burning witches

£3.0s.0d

1596

Four tar barrels

£1.6s.0d

 

For trailing Menteith [an accused witch] through the streets in a cart, she having hanged herself in prison

£0.10s.0d

 

Katharine Gerard, Christian Reid, Janet Gerard, for coals, peats, and similar articles for coals, peats, and similar articles

£8.2s.0d

 

For hire of a horse to carry John Crichton, who is apprehended as a witch, to Dunnottar

£0.3s.4d

 

To Alex Reid, smith, for two pairs of shackles for the witches in the steeple

£1.12s.0d

 

To Thomas Dickson, for a halberd broken at their execution

£1.10s.0d

 

To John Justice, for burning on the cheek four persons suspected of witchcraft

£1.6s.0d

1597

To Alexander Home, for making jugs, and steeples [metal restraints] for the witches

£0.16s8d

The Dean of Guild also received a bonus of £47.3s.4d for his diligence in burning the witches in Aberdeen in 1596.

It is sometimes said that this episode was stimulated by the appearance of James VI’s book on witchcraft, Daemonologie (1597), but this is unlikely to be true, as the King’s treatise was published after the Aberdeen prosecutions had started. Torture had certainly been used in some instances, but not, it appears, in others. There was, however, during these crucial years 1596 and 1597 a violent confrontation between the King and the Calvinist Kirk [Church] to determine which of them should be the ultimate governor of people’s exterior and interior lives. So one may look here, and in the very local circumstances of Aberdeen at the time, for an explanation of why such a notable outbreak of witch-prosecution occurred at this particular moment.

Empfohlene Zitierweise

Maxwell-Stuart, Peter G.: Hexen von Aberdeen. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jfzmk/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 05.09.2013

Zuletzt geändert: 17.09.2013

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