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Susanne Kleinöder-Strobel

Adam Francisci: "General Instruction von den Truten" (1591)

Biografie

Der 1540 in Jägerndorf in Schlesien geborene Sohn eines Wagners studierte durch die finanzielle Hilfe des Markgrafen Georg Friedrich Theologie in Wittenberg (1559-1564). Ab 1572 bestellte er eine Pfarrstelle in Ansbach, ab 1577 war er Generalsuperintendent in Ansbach. 1590 übernahm er die Leitung der 'Fürstenschule' in Heilsbronn, verstarb aber bereits 1593.

Inhalt seiner Schrift "General Instruction von den Truten" (1591)

Nach einer allgemeinen Einleitung, die eine Verbindung herstellt zwischen dem zunehmenden Hexenwesen und der Endzeiterwartung, wird in einem ersten Teil auf das Hexenwesen eingegangen. Darin wird zunächst die Meinung widerlegt, dass es keine Hexen gebe und das Gegenteil mit Hilfe von Beispielen aus der Heiligen Schrift bewiesen. Die Beschreibung der Vergehen der Hexen im Bund mit dem Teufel gegen Gott und gegen die Menschen schließt sich an, bevor dieser Abschnitt mit einem Aufruf zu Buße und Umkehr zu Christus beendet wird. In einem zweiten Teil wird das schlimmste Verbrechen des Hexenwesens untersucht, der Verstoß gegen das erste Gebot und der Abfall von Gott. Der Pakt der Hexen mit dem Teufel sei das eigentliche verdammungswürdige Verbrechen. Abrundend wird hier auf die Frage der permissio dei eingegangen als Voraussetzung für das Treiben des Satans.

Nach diesen theologischen Ausführungen kommt ein Abschnitt über die Prozessführung, speziell über die Aufgaben der Geistlichen bei einem Prozess. Die Anmerkungen über den sonstigen Prozessverlauf bleiben hingegen sehr allgemein. In einem letzten Punkt wird auf das Strafmaß für das Hexenverbrechen eingegangen. Unter Berufung auf Exodus 18,22 wird für die Todesstrafe plädiert und die weltliche Obrigkeit nachdrücklich darauf hingewiesen, die Schwertgewalt gegen Hexen auszuüben, damit sich der Zorn Gottes nicht auf die Obrigkeit und das ganze Land ergieße.

Kontext der Schrift Franciscis

Ab 1590 kam es zu einem verschärften Kampf gegen das Hexenwesen in den Markgraftümern Ansbach und Kulmbach/Bayreuth, das "teufflische Truttenwerkh" sollte ausgerottet werden. Wohl unter dem Einfluss der zeitgleichen Diskussion im Herzogtum Bayern scharte sich eine Gruppe um den Markgrafen, die eine Gesetzgebungslücke in Sachen Hexenprozess erkannt zu haben glaubte.

Markgraf Georg Friedrich forderte deshalb seine Hofräte auf, über dieses Thema zu beratschlagen. Der Hofrat plädierte klar und eindeutig für eine Bestrafung und ein hartes Vorgehen gegen Zauberei und Hexerei, hielt jedoch die bestehenden Gesetze für ausreichend. Dennoch erhielt wenig später Adam Francisci den Auftrag, eine Schrift in dieser Sache zu verfassen. Aufgrund des hohen Anteils der theologischen Reflexionen in Franciscis Schrift stellt diese aber kein Gesetzgebungswerk gegen Hexerei dar. Francisci grenzt sich auch davon ab, mit seiner Schrift ein Pendant zur bayerischen "General Instuction" verfasst zu haben. Vielmehr stellt sein Werk eine Art 'Meta-Instruktion' dar, auf deren Grundlage man nun ein Gesetzgebungswerk für die Praxis hätte verfassen können, was jedoch aller Wahrscheinlichkeit nicht geschehen ist.

Einordnung und Beurteilung der Schrift Franciscis

  • Franciscis Schrift ist ein Beispiel für die Konfessionalisierung der Hexendiskussion um 1590.

  • Da Francisci betont, dass das eigentliche Verbrechen der Hexen im Bund mit dem Teufel zu sehen ist, ist er ferner ein Beispiel für die Apostasierung des Hexereiverbrechens im Verlauf des 16. Jahrhunderts.

  • In vielen Punkten hat Francisci die Gedanken des "Malleus Maleficarum" aufgenommen. Dafür sprechen zum Beispiel die unkritische Übernahme des kumulativen Hexenbegriffs, die Ähnlichkeiten mit dem für den "Hexenhammer" als signifikant erkannten Gottesbildes oder auch die Forderung nach der Todesstrafe.

  • Dagegen grenzt sich Francisci stark von Johannes Weyer und Johannes Brenz ab. In einem Münchner Regierungsgutachten von 1590 wendet man sich gegen die von beiden verlautbarte Skepsis bezüglich der Fähigkeit des Teufels, einen Schaden überhaupt anrichten zu können und bezeichnet diese Sichtweise als die "der merer teil der Kötzer". Francisci will sich offensichtlich nicht in dieses "evangelische Eck" gestellt sehen, sind doch die Meinungen Weyers und Brenz´ die einzigen der Gegenseite, auf die er überhaupt eingeht.

  • Da sich Francisci als streng lutherisch versteht, ist seine "generalinstruction" auch unter diesem Aspekt zu lesen. Weil Luther jedoch von Francisci nicht als Autorität in Sachen Hexenverfolgung angesehen wird, ist eher von einer allgemeinen Bezugnahme auf Luther auszugehen. Mit Luther stimmt er darin überein, dass Zauberei und Hexerei Werke sind, in denen sich der Mensch gegen Gott stellt. Kein kirchliches Gesetz wird dabei in Frage gestellt, sondern der Wille Gottes. Die Folge dieses Denkens ist eine Kriminalisierung jeglicher Form des Aberglaubens und eine grundsätzliche Befürwortung der Hexenprozesse. Jedoch hat Francisci aufgrund eines kritisch zu beurteilenden Gottes- wie Menschenbildes alle Ansätze Luthers, die gegen eine panische Angst vor den Umtrieben des Teufels und damit gegen eine Hysterie sprachen, bewusst oder unbewusst ignoriert. Im Gegensatz zu Luthers Zwei-Reiche-Lehre, die eine enge Zusammenarbeit zwischen weltlicher Obrigkeit und geistlicher Leitung grundsätzlich ablehnt, fordert Francisci diese immer wieder im Kampf gegen Hexerei und Zauberei und zeigt damit seine Verwurzelung im Denken eines landesherrlichen Kirchenregiments.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich Francisci in die Reihe der absoluten Verfolgungsbefürworter einreihen lässt. Er ist ein Beispiel für die Wiederaufnahme und Fortführung des Gedankenguts des "Hexenhammers", gelesen unter protestantischen Vorzeichen.

Quelle

Franciscis Schrift findet sich im Bamberger Staatsarchiv (Rep. 26c, Nr. 44; neu verzeichnet 1903).

Literatur

Behringer, Wolfgang: Mit dem Feuer vom Leben zum Tod. Hexengesetzgebung in Bayern, München 1988.

Kleinöder-Strobel, Susanne: Die Verfolgung von Zauberei und Hexerei in den fränkischen Markgraftümern im 16. Jahrhundert, Tübingen 2002 (= SuR Neue Reihe, Bd. 20).

(Darin findet sich auch eine vollständige Transkription von Franciscis Schrift)

Empfohlene Zitierweise

Kleinöder-Strobel, Susanne: Francisci, Adam. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jfzpg/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 15.02.2006

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