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Fox, George

Claus Bernet

18. Juni 2008

* Juli 1624 in Drayton-in-the-Clay (heute Fenny Drayton), Quäker, † 30. Januar 1691 in London

Kurzbiografie

George Fox gilt als der Gründer der Quäkerbewegung. Vermutlich am 1. Juli 1624 wurde er in Drayton-in-the-Clay (heute Fenny Drayton) in der Grafschaft Leicester geboren. Er erlernte das Schuhmacherhandwerk und arbeitete als Schaf- und Viehhüter. Während des englischen Bürgerkriegs gehörte Fox zur Gruppe der „Seekers“ (Suchende). Diese hatten sich vom etablierten Kirchentum gelöst und suchten nach einer freieren Form des Christentums ohne dogmatische Festlegungen. Fox verließ seine Heimat und zog umher, gequält von inneren Anfechtungen, Unsicherheiten und Zweifeln. Nach mehreren Offenbarungen überwand Fox 1652 diesen Zustand und vertrat die zentralen religiösen Überzeugungen, die das Quäkertum bis heute kennzeichnen: die Möglichkeit eines unmittelbaren Zugangs zu Gott jenseits von Bibel und Priesterschaft, die Lehre vom „Inneren Licht“, sowie die Gleichrangigkeit in Rechten und Pflichten von Mann und Frau in religiösen Angelegenheiten.

1647 begann Fox öffentlich zu predigen und fand schnell begeisterte Anhänger wie auch erbitterte Gegner. Besonders in Kirchen trat Fox immer wieder auf und klagte Pfarrer wie Gemeindemitglieder wegen ihres Lebenswandels an. Einfache Bauern und Tagelöhner wie auch höchste Regierungsvertreter, wie beispielsweise Oliver Cromwell (1599-1658), wurden von Fox aufgesucht und ermahnt. Seine Ansichten und sein provokatives Verhalten brachten Fox achtmal ins Gefängnis, einmal für fast zwei Jahre. Dazwischen verbrachte er die Zeit mit ausgedehnten Reisen in Westmoreland, Yorkshire und Lancastershire, um seine Botschaft zu verbreiten.

1669 heiratete er Margaret Fell (1614-1702), die Witwe eines Richters aus Swarthmoor Hall, die schnell zur weiblichen Führungspersönlichkeit des frühen Quäkertums aufstieg. 1671/72 reiste Fox zu den karibischen Inseln und nach Nordamerika. 1677 gelangte er, gemeinsam mit William Penn (1644-1718) und George Keith (1638-1716), nach Holland und Norddeutschland, wo die Präsenz der Quäker vor allem den radikalen Pietismus beeinflusste. Die knapp zehnköpfige Gruppe besuchte u.a. Leer, Oldenburg, Delmenhorst, Bremen, Hamburg und Friedrichstadt. Nach England zurückgekehrt, widmete sich Fox dem organisatorischen Aufbau der neuen Glaubensgemeinschaft, die zahlenmäßig trotz schwerster Verfolgungen anwuchs. Versammlungshäuser wurden errichtet, Geschäftsversammlungen (meeting for business) eingerichtet, Regeln für die Mitgliedschaft, für Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle ausgearbeitet. Wegweisend war die Ausarbeitung einer äußeren Organisation für regelmäßige Treffen, die im Prinzip bis heute Bestand hat: Monatsversammlungen auf lokaler Ebene, Vierteljahresversammlungen auf regionaler und Jahresversammlungen auf nationaler Ebene. Auch die soziale Praxis der Quäkergemeinschaft nahm Form an: Gottesdienste wurden in der „Stille“ (ohne Pastoren) gehalten, der Pazifismus und die Eidesverweigerung wurden ebenso zum Charakteristikum der religiösen Gemeinschaft wie der Quäkerhut. 1673 bis 1677 verfasste Fox, zeitweise in Gefangenschaft, sein „Journal“ („Tagebuch“), eine zurückblickend geschriebene Autobiographie. Der Text wurde posthum 1694 durch Thomas Ellwood (1639-1714) veröffentlicht. 1691 verstarb George Fox in London und wurde auf dem dortigen Friedhof Bunhill Fields bestattet.

Ansichten zur Hexerei

„Hexerei“ spielte im Leben von Fox in mehrfacher Hinsicht eine Rolle: zum ersten bei der ihn selbst treffenden Anschuldigung von Hexerei seitens seiner Gegner, zum zweiten bei der Zuweisung magischer Kräfte seitens seiner Freunde und Anhänger, und drittens schließlich bei mehrfach von Fox als Hexen bezeichneten Frauen.

1. Vor allem die Puritaner in Boston, Cambridge (Mass.) und Salem diffamierten die Quäker als „witches“ und „enchanter“, während in England die Anhänger der Staatskirche meist anderslautende Vorwürfe gegen die Quäker erhoben. George Fox wurde seit 1652 mit dem Vorwurf der Hexerei konfrontiert. Die Anschuldigungen stammten, wie Elmer (1996) belegen konnte, nicht aus dem Volke, sondern wurden seitens der herrschenden Kreise kreiert, vornehmlich von Geistlichen, Juristen und Universitätsgelehrten. Fox berichtet auch in seinem Journal, dass ihm der Vorwurf gemacht wurde, ein Zauberer zu sein. Dabei wurde die starke Anziehung, die Fox auf seine Anhänger ausübte, durch Amulette, ein ominöses Quäkerpulver, Getränke mit geheimnisvoller Zusammensetzung u.ä. zu erklären versucht. Häufig wurde auch auf den magischen Blick verwiesen, den Fox gehabt haben soll. Zu den gängigen Klischees gehörte, man könne Fox nicht zum Bluten bringen und er könne nicht im Wasser ertrinken (was durch mündliche Weitergabe von Berichten über sein wagmutiges Durchqueren der Sümpfe zwischen Furness und Lancaster 1652 entstanden sein dürfte). Derartige übermenschliche Zuweisungen sind vermutlich durch das falsche Verständnis der von Fox gepredigten Lehre zu erklären, der Mensch könne die Sünde überwinden und eine „neue Creatur“ annehmen (Perfektionismus).

2. Es fehlte in der Anfangsphase der Quäkerbewegung (bis 1670) nicht an Anhängern, die Fox regelrecht vergötterten (Bailey 1992) und ihm magische Kräfte zuschrieben. Fox soll die Fähigkeit besessen haben, schlagartig den inneren Zustand eines Menschen gegenüber zu erfassen. Ein weiteres übersinnliches Merkmal war die physische Unverletzbarkeit. Von Fox sind eine Vielzahl Berichte erhalten, die ihn als Menschen mit übersinnlichen Kräften ausweisen, als Heiler, Seher oder als Medium. Was andere als „Hexerei“ titulierten, war für Fox Ausdruck der göttlichen Vorsehung, deren Wundercharakter er nie in Frage stellte. In der Generation nach Fox wurden solche Berichte kassiert und zensiert. Vor allem als das englische Quäkertum im Zuge des Quietismus den Weg einer Vernunftreligion einschlug, waren diese Berichte nicht gerne gesehen. Freilich ist das Wissen um Fox als Persönlichkeit mit angeblich übernatürlichen Gaben nie verloren gegangen, sondern lebte subkutan weiter, überlebte die Aufklärung des 18. Jahrhunderts ebenso wie das liberale und postliberale Quäkertum des 19. und 20. Jahrhunderts. Viele der Fox zugeschriebenen „Wunder“, meist physische aber auch psychische Heilungen, seherische Fähigkeiten, körperliche Überkräfte, Unversehrtheit u.a., können im „Book of Miracles“ nachgelesen werden. Diese Schrift von Fox, die nur in Bruchstücken erhalten ist, war selbst den Quäkern derart suspekt, dass sie erst 1948 (Neuauflage 2000) publiziert werden konnte.

3. Die frühen Quäker glaubten, dass ihre Gegner, die nicht ihre Glaubensauffassung vertraten, pauschal dem Antichristen zuzuordnen und zu exkommunizieren seien, wobei sie sich häufig des Vorwurfs von Zauberei oder Hexerei, sprachlich meist mit Hurerei verknüpft, bedienten (Elmer 1996, S. 170). In seinen Schriften, insbesondere in „Trumpet of the Lord“ (1654), wird von Fox häufig „witchcraft and whoredom“ in einem Zug genannt, gemeint ist dabei nicht ausschließlich Hexerei, sondern unmoralisches areligiöses Verhalten im allgemeinen, von beiderlei Geschlechtern. Hexerei war auch für Fox weniger eine physische Manifestation des Bösen als vielmehr eine spirituelle Apostasie. Insbesondere erhob Fox den Vorwurf der Hexerei anläßlich der Wandlung von Wasser in Wein daher weniger gegenüber den gläubigen Gottesdienstbesuchern als vielmehr gegenüber denjenigen, die die religiöse Begründung zu dieser Zeremonie lieferten, also den Gelehrten in Oxford und Cambridge. In der Schrift „Simon the Sorcerer” (1663) befasste sich Fox ausführlich mit dem Zauberer Simon Magnus aus den Apokryphen. Simon versuchte, sich die Gaben Gottes für Geld zu erkaufen, um an göttliche Macht zu gelangen. Bereits das Streben nach Macht ist für Fox schon Hexerei bzw. Zauberei. Mit der Geschichte von Simon warnte Fox besonders vor finanziellen Abgaben an die Kirche, wie sie etwa bei der Teilnahme am Abendmahl oder zur Beichte üblich waren, was jedoch die Quäker ablehnten.

Im Kontext der geforderten Exkommunikation von Hexen war es für die Quäker besonders wichtig, solche nicht in den eigenen Reihen zu dulden. Fox hat mehrmals Frauen, deren Namen er nicht einmal kannte, als „Hexen“ ausfindig gemacht und sie als solche vor Zeugen angesprochen. Von dritter Seite wurde dann bestätigt, dass diese Personen in dem Ruf standen, sich mit Hexerei zu beschäftigen. 1653 unterbrach Fox einmal eine seiner Predigten, da er unter den Zuhörern eine Hexe erkannt haben wollte – die Frau verließ fluchtartig die Menge, was Fox als Bestätigung seiner Zuweisung interpretierte. 1656 sprach er sich in Launceston (Cornwall) gegen die Duldung von Hexen aus. Wenngleich Fox also in der Hexenfrage keinesfalls als Vertreter von Toleranz ins Feld geführt werden kann, so existieren aber auch keine Belege, dass Fox das Töten von Hexen guthieß oder gar forderte: 1657 traf er in Edinburgh auf eine Menschenmenge, die gerade dabei war, eine Frau als Hexe zu verbrennen. Fox warnte die Menge, dass die letzten Tage angebrochen seien und indirekt richtete er sich auch gegen die beabsichtigte Verbrennung.

Ausgaben vor 1800

George Fox, A Declaration of The Ground of Error & Errors, Blasphemy, Blasphemers, and Blasphemies; and the ground of Inchantings and seducing Spirits, and the Doctrine of Devils, the Sons of Sorcerers, and the Seed of the Adulterer, and the Ground of Nicromancy, which doth defile Witches and Wizards. How this is all from the spirit of God in the transgression of it, and all them that draw from the Spirit of God, draw into it; and they that are lead by the spirit of God, are led from it to God, and to the knowledge of the Doctrine of Christ.
London 1657. [Digitale Ausgabe in der Witchcraft Collection der Cornell Universität].

George Fox, The trumpet of the Lord sounded, and his sword drawn, and the separation made between the precious and the vile, and the vineyard of the Lord dressed by his own husbandmen, and the dead trees cut down, and all the mystery of witchcraft discovered in all professions, by them who have come thorow great tribulation, whose garments have been washed in the blood of the lamb, who are accounted as the off-scowring of all things for Christs sake, scornfully called by the world Quakers, London 1654.

George Fox, Old Simon the sorcerer who hath bewitched the whole city of Christendom and to all the cities he hath given out that himself is some great one to whom they have all given heed from the least to the greatest, saying, this man is the great power of God, who deceived the city by his sorcery and witchcrafts, who hath been baptized, also, certain queries to be answered (by) G. F., London 1663. [Digitale Ausgabe bei Early English Books].

George Fox, A testimony for all the masters of ships and seamen to read over, London 1677. [Digitale Edition bei Digital Quaker Collection]

Literatur

R(oger) W(illiams), George Fox digg’d out of his burrowes, or, An offer of disputation on fourteen proposals. made this last summer 1672 (so cal’d) unto G. Fox, then present on Rhode-Island in New England by R. W., Boston 1676.

Amelia Mott Gummere, Witchcraft and Quakerism. A study in social history, Philadelphia 1908.

Richard Bailey, New light on George Fox and early Quakerism. The making and unmaking of a God, San Francisco 1992.

H. Larry Ingle, First among friends. George Fox and the creation of Quakerism. New York 1994.

Sue Friday, Witchcraft and Quaker convincements, Lynn, Massachusetts, 1692, in: Quaker History 84, 2, 1995, S. 89-115.

Peter Elmer, ‚Saints or sorcers’: Quakerism, demonology and the decline of witchcraft in seventeenth-century England, in: Jonathan Barry / Marianne Hester / Gareth Roberts (Hg.), Witchcraft in early modern Europe. Studies in culture and belief, Cambridge 1996, S. 145-179.

George Fox, George Fox’s ‘Book of Miracles’. Edited with an introduction and notes by Henry J. Cadbury, with forewords by Rufus M. Jones, Jim Pym, Paul Anderson, Philadelphia 2000.

Empfohlene Zitierweise

Fox, George. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jfzpf/

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Erstellt: 22.07.2008

Zuletzt geändert: 22.07.2008

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