A-G

Farnworth, Richard

Claus Bernet

18. Juni 2008

* um 1620 in Tickhill, Quäker, † 1666 in London

Kurzbiografie

Richard Farnworth wurde um 1620 in Tickhill (auch Tickhil) bei Balby in Yorkshire geboren. Er erhielt eine für seine Zeit überdurchschnittlich gute schulische Ausbildung. Wie seine Herkunftsfamilie gehörte er zunächst den Puritanern an, wechselte dann zu den Independenten und war schließlich ein Anhänger des Dissenters Robert Browne (1540-1630). 1651 schloss er sich unter Einfluss einer Predigt von George Fox (1624-1691) bei Pendle Hill der Quäkerbewegung an, wenngleich er wesentliche Prinzipien des Quäkertums (Ablehnung der äußeren Sakramente, Frauenpredigt, Perfektionismus, Chiliasmus) schon vorher vertreten hatte. Ab 1652 predigte Farnworth öffentlich, zunächst in den nördlichen Gegenden Englands, später in allen Teilen der Monarchie. Wegen seines missionarischen Eifers wurde er 1655 in Banbury für acht Monate eingesperrt. 1658 heiratete er Mary Stacey. Bereits 1666 verstarb Farnworth an einem Fieber in London, vermutlich in Folge einer Inhaftierung.

Zwischen 1653 und 1665 zählte Farnworth zu den bedeutendsten Predigern der Quäkerbewegung. Knapp fünfzig Traktate zu dogmatischen Fragen des frühen Quäkertums wurden von ihm verfasst. Darunter findet sich auch „Witchcraft cast out from the religious seed and Israel of God“ (1655), die zentrale Schrift seitens der Quäker zum Thema Hexerei. Solche und andere kurze und einprägsam gehaltene Texte wurden vor allem in Versammlungen verlesen und sind als Medium eines öffentlichen Diskurses um Hexerei innerhalb des frühen Quäkertums zu verstehen.

In den überwiegenden Fällen war Hexerei im Kontext des Quäkertums männlich besetzt, etwa in dem des Nicholas Greaton, der 1654 in Tamworth nahe Birmingham der Zauberei angeklagt wurde. Dieser Fall Greaton gibt den Anlass und den Hintergrund von „Witchcraft cast out“ ab. Nur das Vorwort ist von Farnworth unterzeichnet, doch gewöhnlich wird ihm der gesamte Text zugeschrieben. Es handelt sich dabei um eine grundsätzliche Auseinandersetzung mit Hexerei, worin vor allem die Astrologie und das Vorhersagen des menschlichen Schicksals abgelehnt werden. Schlimmer als das Prophezeien an sich wird das Verbreiten von Prophezeiungen bewertet, zumal dann, wenn dafür Geld oder andere Leistungen verlangt wurden. So etwas wie „weiße Magie“ könne es nicht geben, die Traumdeutungen von Joseph oder Saul seien ohne deren eigenes Hinzutun von Gott offenbart worden. Hexen und Zauberern werden in dem Text der ewige Tod, dann wieder ewige Qualen, vorhergesagt, wie auch denjenigen, die ihre Dienste in Anspruch nehmen, es sei denn, sie sagen sich öffentlich von Hexerei los. Schließlich wird von den Quäkern dazu aufgerufen, Hexen umzubringen: „and thou shalt not suffer a witch to live“ (Farnworth 1653, S. 8). Wie und von wem die Vollstreckung auszuführen sei, bleibt unklar.

Ausgaben vor 1800

Richard Farnworth, Gods covenanting with his people, wherewith they are reconciled, and at peace with their maker, who is the light of his people, and causeth them to rejoyce in him with exceeding joy (...). Written from the spirit of the Lord, by one whom the people of the world scornfully call a Quaker, who wisheth grace, mercy, and peace to all that love the Lord Jesus Christ, London 1653.

Richard Farnworth, Witchcraft cast out from the religious seed and Israel of God. And the black art, or, nicromancery inchantments, sorcerers, wizards, lying divination, conjuration, and witchcraft, discovered, with the ground, fruits, and effects thereof, as it is proved to be acted in the mistery of iniquity, by the power of darkness, and witnessed against by Scripture, and declared against also, from, and by them that the world scornfully calleth Quakers (...). As a judgement upon witchcraft, and a deniall, testimony and declaration against witchcraft, from those that the world reproachfully calleth Quakers, London 1655.

Richard Farnworth, The priests ignorance, and contray walkings to the Scriptures, or the practice of the apostles, who were the true ministers of Jesus Christ; together with thirty seven errours of the priests, discovered, London 1655.

Literatur

Geoffrey Fillingham Nuttall, Didactic enthusiasm: Richard Farnworth. In: Ders., Studies in Christian enthusiasm, Wallingford 1948, S. 40-52;

Tam Llewellyn-Edwards, Richard Farnworth of Tickhill, in: The Journal of the Friends Historical Society 56, 3, 1992, 201-209.

Peter Elmer, ‚Saints or sorcers’: Quakerism, demonology and the decline of witchcraft in seventeenth-century England, in: Jonathan Barry, Marianne Hester, Gareth Roberts (Hg.), Witchcraft in early modern Europe. Studies in culture and belief, Cambridge 1996, S. 145-179.

Rosemary Moore, The light in their consciences, early Quakers in Britain, 1646-1666, University Park 2000.

Richard J. Hoare, The Balby seekers and Richard Farnworth, in: Quaker Studies 8, 2, S. 2004, 194-207.

Richard L. Greaves, Farnworth, Richard (c.1630-1666), in: ODNB 19, 2004, S. 79-81.

Empfohlene Zitierweise

Bernet, Claus: Farnworth, Richard. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jfzp8/

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Erstellt: 22.07.2008

Zuletzt geändert: 22.07.2008

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