A-G

Cothmann, Ernst

(von Robert Zagolla)

 

(* 1557 in Lemgo; + 1624 in Rostock; Jurist; Professor in Rostock; Kanzler des Herzogs von Mecklenburg-Güstrow)

Ernst Cothmann studierte in Helmstedt, Marburg und Rostock Rechtswissenschaft und wurde 1584 in Rostock zum Doktor beider Rechte promoviert. 1586 heiratete er Elisabeth Hein, die Tochter des Rostocker Bürgermeisters und früheren Rechtsprofessors Friedrich Hein. Er trat in den Dienst der mecklenburgischen Herzöge und wurde bald herzoglicher Rat, Assessor des Hofgerichts und des Konsistoriums. 1595 erhielt er eine Professur an der Juristenfakultät der Universität Rostock, in deren Rahmen er an der Spruchtätigkeit dieses Kollegiums und damit auch an der Beurteilung von Hexenprozessen beteiligt war. [Vgl. Art. Rostock, Juristenfakultät] Überdies bestanden verwandtschaftliche Beziehungen zu Hermann Cothmann, dem berüchtigten „Hexenbürgermeister“ von Lemgo. [Vgl. Art. Cothmann, Hermann].

Aus den erhaltenen Rostocker Spruchakten ergibt sich, dass Ernst Cothmann vor allem in Hexenprozessen häufig für die Belange der Angeklagten eintrat und Verfahrensfehler der lokalen Gerichte entschieden rügte. Diese Haltung wird auch in seinen gedruckten Konsilien deutlich, in denen er wie andere Rechtsgelehrte seiner Zeit auch in Form von Gutachten strittige Rechtsfragen diskutierte. Er vertrat - explizit gegen die Haltung Jean Bodins - die Ansicht, dass auch in Hexenprozessen das reguläre Prozedere des Strafprozesses einzuhalten sei, und betonte das Recht jedes Angeklagten auf Akteneinsicht und Verteidigung. Cothmann legte an die indizienrechtliche Bewertung von Besagungen strenge Maßstäbe an und verwarf solche Aussagen völlig, die sich auf Äußerungen des Teufels oder das angebliche Erkennen auf dem Hexensabbat bezogen.

Trotz seiner besonnenen Haltung in Verfahrensfragen zweifelte Ernst Cothmann nicht an der Realität des Hexereidelikts, und er war auch kein grundsätzlicher Gegner von Hexenprozessen. Dennoch dürften sowohl seine Gutachtertätigkeit als auch sein publizistisches Wirken insgesamt verfolgungshemmend und mäßigend auf die Gerichtspraxis eingewirkt haben.

Literatur

Lorenz, Sönke: Aktenversendung und Hexenprozess. Dargestellt am Beispiel der Juristenfakultäten Rostock und Greifswald (1570/82-1630), 3 Bde, Frankfurt a. M./ Bern 1982.

Lorenz, Sönke: Ernst Cothmann (1577-1624) aus Lemgo in Westfalen. Ein Iurisconsultus Rostochiensis in Sachen Hexenprozeß, in: Das Andere Wahrnehmen. Beiträge zur europäischen Geschichte. August Nitschke zum 65. Geburtstag gewidmet, hg. v. Martin Kintzinger, Wolfgang Stürner u. Johannes Zahlten, Köln u. a. 1991, S. 437-449.

 

Empfohlene Zitierweise

Zagolla, Robert: Cothmann, Ernst. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jfzop/

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Erstellt: 27.06.2006

Zuletzt geändert: 27.06.2006

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