A-G

Arnd, Josua

von Katrin Moeller

17. April 2008

* 9. September 1626, Güstrow (Mecklenburg), evangelischer Theologe, Hofprediger, Kirchenrat, Professor der Logik in Rostock, Historiker, Bibliothekar, † 5. April 1687

Kurzbiografie

Als Sohn des Güstrower Dompredigers und späteren Superintendenten Samuel Arnd, trat Josua Arnd ganz das Erbe des Vaters an. Nach seiner Tätigkeit als Professor für Geschichte in Wittenberg (1651) und der Logik in Rostock (1654) wurde er im Januar 1658 Hofprediger und Bibliothekar an der Güstrower Schlosskirche, 1662 auch Kirchenrat. Nach heftigen Streitigkeiten innerhalb der Güstrower Regierung wurde er 1669 und 1672 zeitweise suspendiert. Die Auseinandersetzungen betrafen vor allem die Machtbalance zwischen „weltlichen“ und „geistlichen“ Führungskräften innerhalb der Güstrower Regierung. Dort entwickelte der Herzog Gustav Adolf eine auf radikale protestantischer Sittenzucht orientierte Regierungspolitik, in der die „geistlichen“ Kräfte maßgeblich die Tagespolitik mitgestalteten. Konflikthaft entwickelte sich in dieser Hinsicht auch die Ausgestaltung der Superstitionskritik und der Hexenverfolgung, wobei sowohl über die Definition des Hexereiverbrechens wie auch die aus dieser Begriffsbestimmung resultierende Ahndung des Verbrechens intensiv diskutiert wurde. Gerade der geistliche Flügel der Regierung setzte sich aus sehr verschiedenen Motiven heraus für eine mäßigende Verfolgungspolitik ein. Josua Arnds Werk „Tractatus practics de superstitione“ diente als praktischer Leitfaden für die Pastoren, welche die Gemeinden genau visitieren und unterrichten sollten. Arnd verfasste zahlreiche theologische sowie historische Abhandlungen und übersetzte eine Biographie Wallensteins aus dem Italienischen ins Lateinische.

Ausgaben vor 1800

Tractatus practicus de superstitione quatenus vulgo vanam exercet observantiam, vel alias deducit ad magiam, in usum pastorum, verbi ministrorum, Güstrow 1664.

http://www.historicum.net/themen/hexenforschung/links/traktate-und-drucke/arnd/

Literatur

Karl BADER, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt, bei Fürsten, Staaten und Städten, Leipzig 1925.

Rudolf ECKART, Lexikon der niedersächsischen Schriftsteller von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, Zickfeldt 1891.

Christian Gottlieb JÖCHER (Hg.), Allgemeines Gelehrten-Lexicon: darinne die Gelehrten aller Stände vom Anfange der Welt bis auf ietzige Zeit. Nach ihrer Geburt, Leben, Schrifften aus den glaubwürdigsten Scribenten in alphabetischer Ordnung beschrieben werden. Leipzig 1750-1751

Christian Gottlieb JÖCHER, Johann Christoph ADELUNG, Heinrich Wilhelm ROTERMUND, Otto GÜNTHER (Hrsg.), Allgemeines Gelehrten-Lexicon, worin die Schriftsteller aller Stände nach ihren vornehmsten Lebensumständen und Schriften beschrieben werden, Leipzig 1784-1897.

Johann Friedrich JOHANNSEN, Historisch-biographische Nachrichten von ältern und neuern geistlichen Liederdichtern, deren Lieder in dem Schleswig-Holsteinischen, sowohl altem als neuem, Gesangbuche befindlich sind, Schleswig 1802.

Johann Bernhard KREY, Andenken an die Rostockschen Gelehrten aus den drei letzten Jahrhunderten, Rostock 1813-1816.

Katrin Moeller, Das Willkür über Recht ginge. Hexenverfolgung in Mecklenburg im 16. und 17. Jahrhundert, Bielefeld 2007.

Gottfried Lebrecht RICHTER, Allgemeines biographisches Lexikon alter und neuer geistlicher Liederdichter, Leipzig 1804.

Johann Heinrich STEPF, Gallerie aller juridischen Autoren von der ältesten bis auf die jetzige Zeit, Leipzig 1820-1825

Deutsche Biographische Enzyklopädie. hrsg. von Walther KILLY und Rudolf VIERHAUS - München 1995-1999

Empfohlene Zitierweise

Moeller, Katrin: Arnd, Josua. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/jfzn9/

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Erstellt: 21.04.2008

Zuletzt geändert: 20.02.2009

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