Bavarica

Bestandsübersicht Bavarica

Allgemeines

Der Sammelschwerpunkt zur Geschichte und Kultur Bayerns bietet umfangreiche Literatur-, Quellen- und Rechercheangebote zur bayerischen Perspektive des Ersten Weltkriegs und der Novemberrevolution. Unter den Altbeständen ist die Signaturgruppe Bavar. (Bavarica): Alles auf Bayern Bezügliche einschlägig. Im Verhältnis zur Weltkriegssignatur H.un.app. finden sich hier allerdings auch Dubletten. Daneben sind zwei spezielle Altbestandssammlungen im Weltkriegszusammenhang von besonderem Interesse: Die Bibliothek des Geographen Karl Haushofer in den allgemeinen Beständen des Hauses und das Fotoarchiv Heinrich Hoffmann beim Sammelschwerpunkt Karten und Bilder. Darüber hinaus bietet die Bayerische Staatsbibliothek auch eine Reihe digitaler Recherchehilfsmittel und Materialien zu Bayern.

Bibliothek des Karl Haushofer (1869-1946)

Die Bibliothek des Karl Haushofer umfasst insgesamt knapp 2000 bibliographische Einheiten. Karl Ernst Haushofer war ein bayerischer Offizier, Geograph und Geopolitiker. Bereits während seiner militärischen Dienstzeit bereiste er zwischen 1908 und 1910 unter anderem Indien, China und Japan. Er promovierte noch als aktiver Offizier 1913 an der Universität München über das Thema „Der deutsche Anteil an der geographischen Erschließung Japans und des subjapanischen Erdraums und deren Förderung durch den Einfluß von Krieg und Wehrpolitik“. Im Ersten Weltkrieg war Haushofer am Kampfgeschehen der West- und Ostfront beteiligt. 1919 schied er mit dem Charakter eines Generalmajor aus dem Armeedienst aus und verlagerte seinen beruflichen Schwerpunkt an die Universität: 1921 wurde Haushofer Honorarprofessor und 1933 ordentlicher Professor für Geographie in München. Inhaltlich konzentrierte sich seine wissenschaftliche Arbeit auf die Fernostkunde, insbesondere auf Japan und den Pazifikraum. Gleichzeitig gehörte Haushofer zu den Begründern einer deutschen Geopolitik, in welcher der Begriff „Lebensraum“ eine bedeutende Rolle einnahm. Über seinen Schüler Rudolf Heß stand Haushofer in enger Nähe zum Nationalsozialismus, von dem er sich erst während des Zweiten Weltkriegs distanzierte. Als sein Sohn Albrecht Haushofer, bekannt als Verfasser der „Moabiter Sonette“, 1944 als Mitwisser des Hitler-Attentats vom 20. Juli verhaftet und schließlich ermordet wurde, kam auch Karl Haushofer zusammen mit anderen Familienmitgliedern in Lagerhaft. 1946 nahmen Haushofer und seine Frau sich das Leben.


Abb. 1: Karl Haushofer um 1941

Haushofers beruflichen Schwerpunkten entsprechend enthält seine Bibliothek eine Vielzahl an Werken zum Ersten Weltkrieg sowie geographische und geopolitische Literatur. Letztere betrifft überwiegend den asiatischen Raum und wurde von Haushofer teilweise dort erworben. In der Sammlung finden sich darüber hinaus auch einige Karten und Zeitschriften (z.B. Zeitschrift für Geopolitik). In den Büchern sind zahlreiche persönliche Gebrauchsspuren Haushofers erhalten, wie beispielsweise Widmungen, Anstreichungen, Anmerkungen oder auch Einlagen in Form von Zeitungsartikeln, Notizzetteln oder Visitenkarten. Auch wenn es sich vermutlich nicht um die komplette Bibliothek Haushofers handelte, scheint sie dennoch mit seinem Tod im Jahr 1946 abgeschlossen zu sein. Sie kann deshalb als eine Art Hand- und Arbeitsbibliothek Haushofers gelten, die interessante Aufschlüsse zur Arbeitspraxis und zur Person Haushofer gibt.

Im Online-Katalog der Bayerischen Staatsbibliothek können die Bestände der Bibliothek Karl Haushofer recherchiert werden. Mit dem Suchbegriff "bsb provenienz haushofer" lassen sich in der freien Suche alle Titel der Bibliothek anzeigen.

Bayerische Bibliographie

Ein zentrales Instrument für die Literaturrecherche bis auf die Aufsatzebene stellt die Bayerische Bibliographie dar. Online wird sie ab dem Berichtsjahr 1988 erstellt. Es handelt sich um eine kooperative Datenbank, an der sich zwölf bayerische wissenschaftliche Bibliotheken für ihre jeweilige Region beteiligen. Die Bayerische Staatsbibliothek sammelt die Veröffentlichungen mit bayerischem Bezug auch wegen ihres Pflichtexemplarrechts mit größtmöglicher Vollständigkeit. Daher sind die meisten der in der Bayerischen Bibliographie verzeichneten Titel auch an der Bayerischen Staatsbibliothek vorhanden. Sinnvolle Sucheinstiege bietet die Systematik, indem man die Suche dort beispielsweise auf Regionen oder Personen einschränkt. Weitere Ergebnisse sind zu erwarten über die Suche nach einschlägigen Schlagwörtern wie „Weltkrieg 1914-1918“, „Geschichte 1914“ oder „Münchener Räterepublik“. Da aber nicht alle Titel der Bibliographie über Schlagwörter erschlossen sind, lohnt auch eine freie Suche nach „Erster Weltkrieg“ und dergleichen. Teilweise sind die Titel der Bayerischen Bibliographie auch in den Spezialkatalog Erster Weltkrieg und Novemberrevolution integriert.


Abb. 2: Startseite der Bayerischen Bibliographie

Historisches Lexikon Bayerns (HLB)

Beim Historischen Lexikon Bayerns handelt es sich um ein wissenschaftliches Online-Sachlexikon zur Geschichte Bayerns in Trägerschaft der Bayerischen Staatsbibliothek, der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten. Insbesondere der Themenbereich Revolution und Räterepublik ist durch einschlägige Artikel wie „Revolution, 1918/1919“, „Versailler Vertrag, 1919/20“ oder „Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands, 1917-1922“ abgedeckt. In Planung sind außerdem Artikel zu „Räterepublik, 1919“, „Rätebewegung“ und „Rat der Volksbeauftragten, 1919“. Zum Ersten Weltkrieg finden sich beispielsweise Artikel wie „Kriegsschuldfrage, 1918/1919“, „Kriegszustand, 1914-1918/19“ oder „Arbeitslosigkeit (Erster Weltkrieg)“. Angaben zu weiterführender Literatur, Quellen und externe Links runden die Artikel ab.


Abb. 3: Startseite Historisches Lexikon Bayerns

Informationsportal Bayerische Landesbibliothek Online (BLO)

Eine Recherche nach geschichts- und kulturwissenschaftlichen Informationen zu Bayern, welche über Literatur hinausreichen, bietet die Bayerische Landesbibliothek Online (BLO). Sie ist ein Kooperationsprojekt unter der Federführung der Bayerischen Staatsbibliothek. Die BLO bündelt neben der bereits vorgestellten Bayerischen Bibliographie und dem Historischen Lexikon weitere elektronische Angebote zur Geschichte und Kultur Bayerns.

Im Weltkriegs- und Novemberrevolutionskontext ist vor allem eine gezielte Suche in den Einzelangeboten „Zeitungen“, „Zeitschriften“ und besonders der digitalen Quellensammlung „Revolution, Rätegremien und Räterepublik in Bayern, 1918/19“ empfehlenswert. Letztere enthält beispielsweise digitalisierte Flugblätter zur Münchner Räterepublik aus den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek. Die damaligen Bibliothekare haben in vielen Fällen sogar Abwurfort und -datum vermerkt!


Abb. 4: Flugblatt „Münchener Räterepublik 1919“ mit Abwurfdatum

 


Abb 5: Flugblatt „Münchener Räterepublik 1919“ mit Abwurfdatum und Verbreitungsort

 

Daneben ermöglicht das Portal bestandsübergreifende Sucheinstiege über Orts- und Personennamen sowie über eine Systematik mit den einschlägigen Rubriken „1800-1918“, „Revolution und Räterepublik“ und „Weimarer Republik“. Der Zuschnitt der Kategorien deutet bereits auf einen Schwerpunkt der BLO im Bereich der Novemberrevolution und Räterepublik hin. Innerhalb dieses Themenzuschnitts stehen beispielsweise die Protokolle der bayerischen Sozialisierungskommission 1919 digital zur Verfügung sowie aus der Weltkriegszeit die Lagerzeitung französischer Kriegsgefangener in Regensburg „Le pour et le contre“.

Weitere Informationen

Kontaktdaten und Ansprechpartner finden Sie auf den Informationsseiten des Referates Bavarica.



Erstellt: 18.11.2015

Zuletzt geändert: 13.12.2015

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