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Ralf Blank

Die "Battle of the Ruhr" 

Luftangriffe auf das Rheinland und das Ruhrgebiet im Frühjahr und Sommer 1943

 


Abb. 1: Köln, am Morgen des 29. Juni 1943; Stadtarchiv Bochum

Das von den Alliierten geographisch weit gefasste Ruhrgebiet - Köln, Krefeld, Münster oder Aachen galten ebenfalls als "Ruhr area" - war bereits im Ersten Weltkrieg ein erklärtes Hauptziel für strategische Luftkriegsplanungen. 1938 hatte das britische Air Ministry den so genannten Ruhr Plan entwickelt, der Luftangriffe auf Elektro-Kraftwerke an Rhein und Ruhr vorsah, wenn die deutsche Wehrmacht einen Militärschlag gegen Frankreich richten sollte. Doch dieser Plan scheiterte bereits im Winter 1939/1940 an den Realitäten. Gezielte Nachtangriffe auf die ausgewählten Kraftwerke, zum Beispiel in Hamm, Duisburg, Köln, Hagen und Hattingen, wurden als aussichtslos angesehen. Dennoch besaßen Angriffe auf Verkehrsanlagen und Industriebetriebe im Rheinland und Ruhrgebiet nach Aufnahme des strategischen Bombenkriegs gegen das Deutsche Reich im Mai 1940 weiterhin erste Priorität bei den Zielplanungen.

Im Frühjahr und Sommer 1942 unternahm das Bomber Command eine mehrmonatige Angriffsserie auf Großstädte im Rheinland und Ruhrgebiet, vor allem auf Essen, Duisburg und Köln, in zwei Nächten auch auf Dortmund. Vor allem in Köln und Duisburg, deren Lage am Rhein für eine Identifikation aus der Luft günstig war, entstanden schwere Sachschäden und hohe Personenverluste. Die Angriffe auf Essen und Dortmund blieben dagegen  im Verhältnis zum Umfang der gegen diese Städte gerichteten Angriffsoperationen hinter den Erwartungen des Bomber Command zurück. Eine Ursache dafür war die unzureichende Navigations- und Zielmarkierungstechnik, die zu diesem Zeitpunkt noch hinter den Möglichkeiten der Deutschen Luftwaffe zurückstand. Allerdings änderte sich diese Situation zur Jahreswende 1942/43 erheblich.

Im Januar 1943 verfügte das Bomber Command über das neuartige Funkleit- und Zielfindungssystem OBOE, dessen Reichweite das Rhein-Ruhrgebiet abdeckte. Ein eigens gegründeter "Pathfinder"-Verband, die 8. Bomber Group, sollte mit schnellen zweimotorigen "Mosquitos" den viermotorigen Langstreckenbombern vorauszufliegen, um mittels OBOE die Zielpunkte - die sich in der Regel am Rande oder aber in der Mitte der Innenstädte lagen - mit farbigen Markierungsbomben zu kennzeichnen.[1] Von dieser Angriffsmethode versprach sich das Bomber Command eine genauere Durchführung von Flächenangriffen. Zur Jahreswende 1942/1943 flogen einzelne "Mosquitos" und kleinere Verbände von Lancaster-Bombern gezielte Angriffe auf Städte und Industrieanlagen im Rhein-Ruhrgebiet, um dieses neuartige Verfahren zu testen. Duisburg, Düsseldorf und vor allem Essen, aber auch Dortmund und Bochum waren die Ziele dieser Trainingsangriffe.[2]

Doch die verbesserte Navigations- und Radartechnik war nur eine Seite der Modernisierung. Anfang 1943 verfügte das Bomber Command eine große Zahl leistungsfähiger viermotoriger Maschinen der Typen Avro "Lancaster", Handley-Page "Halifax" und "Short Stirling" sowie über eine verbesserte Version der zweimotorigen Armstrong-Vickers "Wellington", die bereits seit 1940 eingesetzt wurde. Mit dieser Luftstreitmacht und der modernen Radartechnologie wagte der britische Bomber Chef Arthur Harris erneut eine umfassende Luftoffensive gegen das Rhein-Ruhrgebiet.Die "Erfolge" der britischen Flächenangriffe auf norditalienische Industriestädte im Sommer und Herbst 1942 ließen Harris und auch den britischen Premier Winston Churchill auf ähnliche Auswirkungen im Ruhrgebiet hoffen.[3]  In Norditalien hatten die Luftangriffe zu einem Stimmungsumschwung gegen die faschistische Regierung geführt. 

Aber auch die US-amerikanischen Alliierten rüsteten auf.[4] Bereits 1941 lagen Ziellisten vor, die unter anderem Verkehrs- und Industrieanlagen in Hamm, Gelsenkirchen, Köln und Essen enthielten. Die seit Frühjahr 1942 auf ostenglischen Flugplätzen stationierte, sich im Aufbau befindliche 8. US-Luftflotte (8th United States Army Air Forces), unternahm im Februar 1943 erste Versuche, um am Tage auch tief in das deutsche Hinterland einzudringen. Nach mehreren erfolglosen Einsätzen griffen am 4. März 1943 insgesamt 16 viermotorige B-17 - Bomber ("Flying Fortresses") den Verschiebebahnhof Hamm an. Dieser Tagangriff auf den größten Rangierbahnhof auf dem europäischen Kontinent bestätigte aus Sicht der amerikanischen Zielplaner das vor allem von Churchill angezweifelte Konzept von "Präzisionsbombardements" am Tag. Dennoch konnte die 8. US-Luftflotte erst am 22. Juni 1943 mit einem Angriff auf die Buna-Industrie der Chemischen Werke des IG-Farben-Konzerns in Marl-Hüls einen größeren "Erfolg" ihrer Strategie verbuchen. Die Amerikaner hielten sich strikt an die der 8. US-Luftflotte auf der Casablanca-Konferenz im Januar 1943 in der damals beschlossenen Combined Bomber Offensive vorgesehenen Rolle. Sie konzentrierten ihre Luftangriffe zunächst auf die deutschen U-Bootwerften und Luftrüstung sowie einzelne Schlüsselindustrien wie Kugellager, synthetischen Treibstoff und Gummi. Für  größere Luftoperationen war die 8. US-Luftflotte im Frühjahr 1943 aber auch kaum gerüstet. 

"Lieber Tommy, fliege weiter, hier wohnen nur die Ruhrarbeiter ..."


Abb. 2: Löscharbeiten im Zentrum von Wuppertal-Barmen, 30.5.1943; StadtA Bochum

Mit einem schweren Angriff auf Essen in der Nacht des 5./6. März 1943 wurde die als "Battle of the Ruhr" bezeichnete Luftoffensive des britischen Bomber Command eröffnet.[5] Die konzentrierten und schweren Bombenangriffe der Briten ließen die Zahl der Todesopfer an Rhein und Ruhr schlagartig ansteigen. Ganze Stadtviertel und dicht bebaute Innenstädte sanken in Schutt und Asche. In Wuppertal kam es bei einem schweren Flächenangriff am 29./30. Mai 1943 erstmalig zu einem als "Feuersturm" umschriebenen Phänomen, dem keine Löschtruppe gewachsen war - über 3.400 Menschen fanden in der bergischen Metropole in dieser Nacht den Tod. Am 28./29. Juni 1943 wurde Köln von einem verheerenden Flächenangriff getroffen, der über 4.500 Todesopfer forderte und schwere Sachschäden im Stadtzentrum bewirkte. 

Mit einem Präzisionsangriff auf die Talsperren im Einzugsgebiet der Ruhr in der Nacht des 16./17. Mai 1943 versuchte das Bomber Command die Wasser- und Stromversorgung für weite Teile des Industriegebiets lahmzulegen.[6] Mehr als 1.500 Menschen starben, über die Hälfte von ihnen waren ausländische Zwangsarbeiter - "Ostarbeiterinnen", als die Wassermassen der zerstörten Möhne-Talsperre das Ruhrtal überschwemmten. Doch die von den Briten beabsichtigte Lahmlegung der Ruhrindustrie erwies sich als ein nur temporärer "Erfolg".[7] Von der Bevölkerung des Rheinlands und im Ruhrgebiet, aber auch in weiter entfernt liegenden Regionen, wurde die britische Luftoffensive mit einer zunehmenden Angst beobachtet, wie einzelne Berichte des Sicherheitsdienstes der SS hervorhoben.[8

Mit Sarkasmus wurde unter der Bevölkerung das Gedicht "Lieber Tommy, fliege weiter, hier wohnen nur die Ruhrarbeiter. Fliege weiter nach Berlin, die haben alle 'ja' geschrien" verbreitet.[9] Zu dieser "Stimmungslage" gesellte sich die für Deutschland ungünstige Entwicklung auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen: erst die Niederlage in Stalingrad im Januar 1943, dann im Sommer des Jahres der Zusammenbruch in Afrika und schließlich die alliierte Landung in Sizilien. Über die bisher propagandistisch genutzten "Erfolge" im U-Bootkrieg konnten die Deutschen nur noch wenig erfahren - die "Schlacht im Atlantik" hatte der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Karl Dönitz nach schweren Verlusten im Mai 1943 abgebrochen. Alliierte Flugblätter verbreitenen die Kunde vom Scheitern des deutschen U-Bootkriegs und der Niederlagen in Afrika und Italien über das gesamte Deutsche Reich. 


Abb. 3: Kundgebung von Goebbels am 18.6.1943 in der Westfalenhalle in Dortmund, Ausschnitt aus einer Wochenschau-Aufnahme

Dennoch war die "Stimmung" in der Bevölkerung höchst wechselhaft; noch vertrauten viele Deutsche "ihrem Führer" Adolf Hitler sowie auf die von Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Joseph Goebbels und vielen Parteifunktionären "vor Ort" verkündeten Endsiegparolen und Vergeltungsversprechen.[10] Die Wirklichkeit sah hingegen anders aus. Die von der nationalsozialistischen Propaganda groß herausgestellten deutschen "Vergeltungsangriffe" auf englische Städte im Frühjahr und Sommer 1943 waren im Vergleich zu den britischen Bombardements kleine Operationen,[11] die zwar zu Sachschäden und örtlich auch hohen Personenverlusten führten, jedoch nicht das Ausmaß der Zerstörung erreichen, die vom britischen Bomber Command im selben Zeitraum gegen Deutschland bewirkt werden konnte. Die im gesamten Jahr 1943 von der Deutschen Luftwaffe über London abgeworfene Abwurfmunition entsprach ziemlich genau dem Bombenabwurfgewicht, das in der Nacht des 23./24. Mai 1943 binnen einer einzigen Stunde vom Bomber Command auf Dortmund abgeworfen wurde. Auf die "Vergeltungswaffen", ungelenkte Raketengeschosse, die einzig als Terrorwaffen gegen Zivilisten dienten, musste die Bevölkerung noch bis in den Juni bzw. Herbst 1944 warten.

Die ständigen Bombardierungen blieben nicht ohne Wirkung. Der SS-Sicherheitsdienstes registrierte seit März 1943 eine "zunehmende Nervosität" in der Bevölkerung. So heißt es in diesem Zusammenhang beispielsweise am 11. März 1943, daß der amerikanische Tagangriff auf Hamm am 4. März 1943, " das Vertrauen der Bevölkerung in die Abwehr erheblich geschwächt" habe. Die Bevölkerung in Westdeutschland "habe das bedrückende Gefühl, daß die Engländer und Amerikaner eine der dortigen Städte nach der anderen auszuradieren entschlossen seien". [12]


Abb. 4: Blick auf den zerstörten Staudamm der Möhnetalsperre, 19.5.1943; Historisches Centrum Hagen

In der Bevölkerung wurde zunehmend auch Kritik an der nationalsozialistischen Berichterstattung über die alliierten Bombenangriffe geäußert. In der Bevölkerung wurde auch die einseitige Presse, in der ausschließlich über die hohen Personenverluste unter "Kindern, Frauen und Greisen" als Folge der als "Mordtaten der Luftgangster" bezeichneten Luftangriffe berichtet werde, jedoch die wirtschaftlichen und industriellen Schäden, die zum Beispiel durch den amerikanischen Tagangriff auf Hamm am 4. März 1943 und beim Angriff auf die Möhne-Talsperre am 16./17. Mai 1943 entstanden, bagetellisiert würden bzw. unerwähnt blieben. Ähnliche Reaktionen gab es vor allem auf gleich lautende Artikel in den Dortmunder Tageszeitungen "Westfälische Landeszeitung - Rote Erde" und "Tremonia" vom 8. und 9. März 1943. Ob die in Millionenauflagen von den britischen Maschinen zeitgleich mit den Luftangriffen über dem westdeutschen Raum abgeworfenen Flugblättern zur Verbreitung von Gerüchten und Nachrichten beitrugen, kann nur vermutet werden.[13]

Bilanz

Die "Battle of the Ruhr" endete mit einem über 1.200 Menschenleben fordernden Flächenangriff auf Remscheid am 30./31. Juli 1943. Zu diesem Zeitpunkt waren längst ganze Stadtviertel der Hansestadt Hamburg während der Operation "Gomorrha" in einem "Feuersturm" untergegangen. In Westdeutschland lagen fast alle Großstädte im Rheinland und Ruhrgebiet in Schutt und Asche. Einzig die Stadt Hagen, die damals rund 150.000 Einwohner zählte, blieb verschont - sie wurde erst am 1. Oktober des Jahres von einem schweren Flächenangriff getroffen. Etwa 15.000 Menschen wurden durch die Bombardierungen getötet, Zehntausende weitere schwer verletzt. Unter den Todesopfern befanden sich auch Tausende alliierte Kriegsgefangene, ausländische Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die den britischen Bomben nahezu schutzlos ausgeliefert waren. Die Polizeipräsidenten und Oberbürgermeister hatten ihnen den Zugang in die Hochbunker und "bombensicheren" Stollen verwehrt. Auf Seite des britischen Bomber Command wurden rund 5.000 Besatzungsmitglieder "vermißt" bzw. getötet. 

Die "Battle of the Ruhr" war die erste Luftoffensive gegen eine wichtige Industrieregion im Deutschen Reich, die schwere und vor allem nachhaltige Rückwirkungen zeigte. Innenpolitisch bewirkten die Bombardierungen im Frühjahr und Sommer 1943 unter anderen auch eine verstärkte Propaganda durch die NSDAP an der "Heimatfront" sowie umfangreiche Evakuierungsmaßnahmen, besonders die Erweitere Kinderlandverschickung. Allerdings zeigten die gewaltigen Sachschäden, die nach den britischen Flächenangriffen entstanden, und die oft Zehntausende von obdachlosen "Ausgebombten", dass alle Planungen und Vorbereitungen der Verwaltung und Partei durch die massiven Bombardements negiert wurden. Die Luftschutzmaßnahmen, vor allem das bereits Anfang 1942 gescheiterte "Führer-Sofortprogramm" zum Bau von "bombensicheren" Hochbunkern, erwiesen sich als völlig unzureichend. 

Auf der anderen Seite wurden die Bautruppen der Organisation Todt (OT) nach der Zerstörung des Staudamms der Möhnetalsperre im Mai 1943 erstmalig innerhalb des Deutschen Reichs fest etabliert. Die OT betrieb nicht nur den bereits im Oktober des Jahres abgeschlossenen Wiederaufbau von Industriebetrieben, sondern war auch mit Aufbau- und Wiederherstellungsarbeiten in "kriegswichtigen" Industriebetrieben beauftragt, beispielsweise ab Juni 1943 in den Buna-Werken Marl-Hüls und ab Oktober 1943 in der für den U-Bootbau und das A 4-Raketenprogramm sehr wichtigen Akkumulatoren Fabrik in Hagen. Ab Sommer 1943 wurde sie in den forcierten Bunker- und Stollenbau sowie in regionalen Projekten zur Untertageverlagerung von Rüstungsfertigungen einbezogen. Unter der häufig besonders brutalen Aufsicht der OT mussten Tausende von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangene arbeiten, die zum Teil in eigenen Lagern untergebracht wurden. 

Doch bereits im Frühjahr 1944 zeigte sich, dass alle nach dem Ende der "Battle of the Ruhr" im Rhein-Ruhrgebiet ergriffenen parteiamtlichen "Aktionen" und staatlich-kommunalen Maßnahmen zum Ausbau des Luftschutzes und zur Vorbereitung auf zukünftige Bombenangriffe nicht über das Stadium der Improvisation gelangt waren. Die britischen Luftangriffe bewirkten auf Grund der sofort einsetzenden Propagandaoffensive der Partei keine nachhaltigen Rückwirkungen auf die "Kriegsmoral" der Bevölkerung, aus wirtschaftlicher und innenpoltischer Sicht war die "Battle of the Ruhr" dennoch eine gravierende Wende an der "Heimatfront", von der sich "Volksgemeinschaft", Wirtschaft, Kommunal- und Staatverwaltung sowie NS-Führung nicht mehr "erholen" sollten. 

Anmerkungen

[1] Zur ‘Pathfinder Group’ siehe Gordon Musgrove: Pathfinder Force, London 1976.

[2] Hierzu z. B. Martin Middlebrook/Christopher Everitt: The Bomber Command War Diaries, Middlesex 1985. S. 338-339.

[3] Vgl. Stephen Harvey: The Italian War Effort and the Strategic Bombing, in: History 228/1985, S. 32 ff. 

[4] Zur Entwicklung der US-amerikanischen Bombenkriegsstrategie siehe etwa Craven, Wesley Frank/Cate, James Lea: The Army Air Force in World War II, vol I-VI, Chicago 1951, hier bes. vol. III.

[5] Zur "Battle of the Ruhr" siehe auch Horst Boog: Strategischer Luftkrieg in Europa und Reichsluftverteidigung 1943-1944, in: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 7 (Das Deutsche Reich in der Defensive), Stuttgart 2001, S. 3-415, hier S. 16-21; Allan J. Levine: The strategic bombing of Germany, 1940-1945, Westport 1992, S. 50-53; Alwyn J. Phillips: The Valley of the Shadow of Death. An account of the Royal Air Force Bomber Command night bombing and minelaying operations including "The Battle of the Ruhr". Chippenham 1991; Cooper, Alan: Air Battle of the Ruhr, Shrewsbury 1992.

[6] Vgl. John Sweetman: The Dams Raid-Epic or Myth? Operation Chastise. London 1982. Eine populäre Darstellung bietet Helmut Euler: Als Deutschlands Dämme brachen. Die Wahrheit über die Bombardierung der Möhne-Eder-Sorpe-Staudämme 1943. Stuttgart 1979. 

[7] Allerdings sollten die wirtschaftlichen Schäden dieses Angriffs auch nicht unterschätzt werden. Die Zerstörung und temporäre Lahmlegung von Wasser- und Elektrizitätswerken im Ruhrtal bewirkten Produktionsausfälle in der Industrie, zum Beispiel auch in Dortmund, aber auch im gesamten östlichen Ruhrgebiet. Bis Juli 1943 konnten diese indirekten Angriffsfolgen weitgehend behoben werden. Die Schadensbeseitigung sowie Präventivmaßnahmen führte jedoch zu einer starken Bindung von Arbeitskräften und Material. Im Gegensatz zu H. Euler, der in seinem in zahlreichen Neuauflagen erschienen Buch die wirtschaftlichen Angriffsfolgen relativiert hat, war der Angriff auf die Möhnetalsperre durchaus als ein "schwerer Schlag" gegen die Industrie zu bewerten, vor allem im östlich und südöstlichen Ruhrgebiet. Im Überschwemmungsgebiet des Ruhrtals wurden zum Beispiel zahlreiche eisenverarbeitende Betriebe getroffen, so dass 45% der gesamtdeutschen Produktion von Ketten (z.B. Ankerketten für die Marinerüstung) für mehre Monate komplett ausfiel; Kriegstagebuch des Rüstungskommandos Dortmund, II. Quartal 1943; Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg, RW 21-14/14.

[8] Heinz Boberach (Hg.): Meldungen aus dem Reich. Die geheimen Lageberichte des Sicherheitsdienstes der SS 1938-1945, Bd. 1-17, Herrsching 1984, Bd. 13, z. B. S. 4944 f. (Meldung Nr. 367 v. 15.3.1943), S. 4983 (Meldung Nr. 369 v. 22.3.1943), S. 5104 f. (Meldung Nr. 375 v. 12.4.1943), S. 5217 (Meldung Nr. 381 v. 6.5.1943). Hervorgehoben werden auch vielfältige Gerüchte über Ankündigungen von Luftangriffen in Flugblättern seitens der Alliierten, aber auch ein gewisser Sarkasmus der Bevölkerung.

[9] Boberach, Meldungen aus dem Reich, Bd. 13, S. 5217 (Meldung Nr. 381 v. 6.5.1943).

[10] Ebd., z.B. S. 5157 ff. (Meldung Nr. 378 v. 22.4.1943): "Das Vertrauen der gesamten Bevölkerung zum Führer sei in allen Gesprächen zum Ausdruck gekommen, wobei viele Volksgenossen in Dankbarkeit hervorhoben, daß der Führer 'das größte Geschenk für das deutsche Volk' sei. Trotz zahlreicher Stimmen des Zweifels nach Stalingrad und vieler Gerüchte ist der allgemeine Glaube an der Führer in der breiten Masse der Bevölkerung ungebrochen. Auch in den von feindlichen Terrorangriffen stark heimgesuchten Städten kam dieses Vertrauen der Bevölkerung immer wieder zum Ausdruck, zwar zurückhaltender, zum Beispiel wenn davon gesprochen wurde, ‘daß man uns nicht böse sein darf, wenn wir trotz aller Liebe zum Führer seinen diesjährigen Geburtstag nicht mit der Freue wie sonst begehen können."

[11] Zu den deutschen "Vergeltungsangriffen" siehe Balke, Ulf: Der Luftkrieg in Europa. Die operativen Einsätze des Kampfgeschwaders 2 im Zweiten Weltkrieg, T. 1 u. 2, Koblenz 1989 [= Beiträge zur Luftkriegsgeschichte 2].

[12] Boberach, Meldungen aus dem Reich, Bd. 13, S. 4927 (Meldung Nr. 366 v. 11.3.1943).

[13] Zum Einsatz von Flugblättern siehe die Editionen von Klaus Kirchner (Hg.): Flugblattpropaganda im 2. Weltkrieg, Bde. 1-12, Erlangen 1977-1995.

 

Kontakt: ralf.blank(at)historisches-centrum.de

 

Empfohlene Zitierweise

Blank, Ralf: Die "Battle of the Ruhr". Luftangriffe auf das Rheinland und das Ruhrgebiet im Frühjahr und Sommer 1943, in: historicum.net, URL: https://www.historicum.net/purl/ioz12n/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 28.03.2006

Zuletzt geändert: 28.03.2006


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