a) Quelle Argula von Grumbach

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Quelle Argula von Grumbach 

 

Quelle: http://luther.hki.uni-koeln.de/luther-cgi/kleioc/0010KlLuther/exec/druckseite/%22Ag+4%7B-%7D+247+i%7B%7DTDI00015.jpg%22.  

Formale Analyse 

1. Titel                    

Wie eyn Erbare Christliche Fraw || myt namen Argula von Grunpach geborenn von Stauff/ || yn Beyern durch yre(n)/ yn Gotlicher schrifft wol gegrundte(n) || Sendtbrieff/ die Hogenschull tzu Jngolstadt/ vmb das sye || eynen Euangelischen Junglink tzu widdsprechung des worts Gottes || betrangt haben/ straffet. 

2. Verfasser                

Grumbach, Argula von 

[Osiander, Andreas (der Ältere), Beiträger] 

3. Druckjahr    

[o.D.] 

4. Druckort 

[o.O.] 

5. Drucker 

[o.A.]            

6. Umfang 

a.) Foliierung: a ij – c 

Eigene Paginierung: [S. 1 - 14]   

VD 16 Zählung: [[10] Bl., 4°] 

7. Provenienz 

Diese Ausgabe der Flugschrift ist bislang nicht in VD 16 digitalisiert. Sie ist jedoch digitalisiert und online zugänglich auf den Internetseiten der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt.  

URL: http://luther.hki.uni-koeln.de/luther-cgi/kleioc/0010KlLuther/exec/druckseite/%22Ag+4%7B-%7D+247+i%7B%7DTDI00015.jpg%22, Abruf 25.07.2008.

8. Nachweise in VD 16 

G 3682 [Nürnberg: Peypus, Friedrich, 1523] 

G 3683 [Nürnberg : Peypus, Friedrich, 1523] 

G 3678 [Breslau: Kaspar Libisch, 1523] 

ZV 19153 [Braunschweig: Dorn, Hans, 1523] 

9. Titelillustration 

Ja 

10. Illustration im Text 

Nein 

Inhaltliche Analyse: 

11. Sprachliche Form 

Prosa 

12. Entstehungskontext    

Diese Flugschrift stellt ihr erstes öffentliches Auftreten im Zuge des Verfahrens gegen Arsacius Seehofer, einem Studenten der theologischen Fakultät der Universität Ingolstadt, dar. Aufgrund dessen öffentlicher Begeisterung für die Schriften Melanchthons und Luthers strengte die Hochschule ein Verfahren wegen Ketzerei an. Seehofer wurde unter Androhung von Folter am 7. September 1523 zu einem demütigenden Widerruf der Irrlehren gezwungen. Hierbei entging er dem Scheiterhaufen nur dank der Intervention seines Vaters, der erreichen konnte, dass das Verfahren lediglich von Herzog Wilhelm IV. von Bayern und der Universität, nicht aber vom bischöflichen Gericht entschieden wurde. 

13. Inhaltsangabe und Struktur des Textes 

Die Illustration auf dem Titelblatt zeigt vermutlich Argula bei der Diskussion ihres Sendbriefes mit dem Kollegium der Universität Ingolstadt. Diese hat de facto nie stattgefunden, da die theologische Fakultät auf das Angebot zum Gespräch nie reagiert hatte. 

Die Vorrede, (o.F.-a2 r, S. 1-2) getragen von der Erwartung nahenden Heils, ist als Aufruf an ihre Gesinnungsgenossen aber auch an jene gerichtet zu verstehen, die sich den reformatorischen Ideen verschließen, ja sie wie die katholische Kirche gewalttätig bekämpfen. Mit dem Hinweis, alleine vom Heiligen Geist zu ihrem Schreiben angetrieben zu sein, bietet sie sich den gelehrten Theologen als Disputationspartnerin an. 

Gleich zu Begin des Sendbriefes greift sie die Professoren der Universität, deren bekanntester Theologe Johannes Eck war, ob ihrer Intoleranz der neuen Lehre gegenüber auf das schärfste an und beklagt, dass Seehofer „[...] mit gefencknus/ vn troung des fewers/ darzugezwungen [...]“ (o.F., S.3) wurde, mit dem Evangelium in der Hand der neuen Lehre abzuschwören. Sie verteidigt die Schriften Luthers und Melanchthons mit den Worten „Was leert dich Luther oder Melanchto anderst/ dan das wort gottes.“ (o.F., S.3)

In ihrem Schreiben kommt eine beachtliche Kenntnis der Heiligen Schrift zum Ausdruck, wobei nur geringe Teile davon als echte Zitate zu werten sind; vielmehr handelt es sich dabei um „Gedächtniszitate oder freie Zusammenfassungen“ [1]

Die Berechtigung, ihre Stimme auch als Frau für Seehofer zu erheben, untermauert sie wortreich mit folgenden biblischen Zitaten: “Jedoch mein geyst ernidertruckt/ vnd mit schwermutigkeyt vnderlassen (zu schreiben)/ vrsach das Paulus sagt i. Thimo. ij. Die weyber sollen schweigen/ vnnd nit reden yn der Kirchen. Nun ich aber yn dießer art keyn man sehe der reden will/ noch darff/ dringt mich der spruch. Wer mich beke[n]t/ wie obangezeigt. Vn nym für mich Ysaia. am; viij. Ich schick yn kinder zu Fürsten/ vn weiber/ oder weibisch werden sie beherschen.“ (o.F., S. 5-6) und „vn Luce. ix. Wer sych meyn schembt vn meiner wort/ des wird ich mich auch scheme so ich kom yn meyner Mayest. ec. Solche wort von Gott selbs geredt seynd mir alzeyt vor meine auge. Dan es werde wedder frawe/ noch man / darinnen aussgeschlossen.“ (o.F., S.3),  

Sie zeigte sich als mit den deutschen Schriften Luthers, „Ist doch warlich vil yn Teutschen zungen außgangen habs gelesen. Mir hat sye Spalatinus alle ym tytel verzeichnet geschickt/“ (b2v, S.11) obwohl sehr gebildet und belesen, sie hatte nie Latein gelernt, gut vertraut. „Ich kann kein Latein/ aber ir kundent teutsch/ yn dießer zung geborn vn erzogen“ (o.F., S.13-14) 

Ihr theologisches Verständnis war ganz den reformatorischen Vorstellungen, dass die Bibel die alleinige Grundlage des Glaubens (sola scriptura) (Glossarlink: sola scriptura) darstelle, verhaftet. „[...] dan got sagt Deute am iiij. du solt nichts zu meyne wort thun noch dauon nemen/“ (o.F., S.6)

Im Folgenden führt sie die 17 Artikel  Seehofers, derer wegen er angeklagt worden war, und seinen Widerruf an und schließt ihren Sendbrief,  indem sie den Ingolstädter Theologen Blindheit vorwirft, da sie nicht nur Christen dazu zwingen dem Wort Gottes und der Heiligen Schrift abzuschwören, sondern auch noch Paulus zu einem Lügner machen wollten. Der Geist, der sich in der Schrift offenbart und  der in uns wirkt, sei Gott selbst. Die Gelehrten zu Ingolstadt [...] wyssen aber nit was sye reden/ zeigen aller welt an/ das sye noch nye gelernet haben was Euangelion sey.“ (o.F., S. 14)

Verfasser: Michael Culk / Birgit Knauf 

 

Anmerkungen

  • [1]

     Silke Halbach, Publizistisches Engagement in der Frühzeit der Reformation. in: Anne Conrad (Hg.), In Christo ist weder Man noch Weyb. Frauen in der Zeit der Reformation und der katholischen Reform. Münster 1999, S. 49 - 68, hier S. 57.

Empfohlene Zitierweise

Culk, Michael/Knauf, Birgit: Argula von Grumbach. Aus: Reformation sozialgeschichtlich, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/6308/

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Erstellt: 30.10.2008

Zuletzt geändert: 14.01.2009