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Zeitleiste: Schweden und Finnland
In Schweden und Finnland (vom frühen Mittelalter bis 1808 Teil Schwedens) verlief die Reformation in einer langen und wechselvollen Geschichte, da die Dezentralisierung der Kirche und deren Selbständigkeit größer war als vergleichsweise in Dänemark-Norwegen. Eine evangelische Bewegung ist nur schwach ausgeprägt. In weiten Teilen der Bevölkerung existiert eine starke Verbundenheit mit der Papstkirche resp. mit der von ihr geprägten Alltagskultur.
1520
Unionskönig Christian II. erwirbt schwedische Krone, im „Stockholmer Blutbad“ (8./9.Nov.) läßt er Unionsgegner hinrichten- Aufruhrbewegung, angeführt von Gustav I. Vasa (Gustav Eriksson), vertreibt die von Christian II. eingesetzte Regierung unter Gustav Trolle aus dem Land.
1523
Gustav Vasa wird schwedischer König, seine persönliche Religiosität steht im Einklang mit einem einfachen Verständnis für die Reformation.
1524
Bruch mit Rom: Papst Clemens VII. weigert sich, die von Gustav neu eingesetzten Bischöfe zu bestätigen. Der König erklärt darauf hin, er wolle sie durch Christus selbst konfirmieren lassen.
1524
Erzdiakon Laurentius Andreä (ca.1470-1552) entwickelt das nationalkirchliche Programm: nicht die Hierarchie, sondern das christliche Volk ist die wahre Kirche und damit auch Besitzer des kirchlichen Eigentums, Bibel als höchste Autorität. Olaus Petri als Prediger in Stockholm
1526
Olaus Petri (1493-1552) veröffentlicht schwedisches NT, seine Verkündigungen geben dem König die religiöse Legitimation für die Beschlagnahmung kirchlicher Güter.
1527
Reichstag zu Västeras:
Burgen der Bischöfe werden geschleift
Bischöfe verlieren ihren Sitz im Reichsrat, Kirche unter dem Schutz und der Kontrolle des Königs
Gottes Wort ist im Reich „rein“ zu predigen - eine Formulierung, die die Auslegung des Evangeliums (der Schrift gemäß) der Freiheit des Einzelnen überlässt
Beginn umfänglicher Eingriffe in das Kirchengut; Buchholz (145) vergleicht die Besitzverhältnisse der Jahre 1521 und 1560: Krone 5,5/28,2; Adel: 21,8/22,4; Kirche: 21,0/0,0; Freibauern: 51,7/49,4
Die katholische Liturgie und Glaubenspraktiken werden beibehalten, nicht zuletzt aus Furcht vor weiteren Aufstandsbewegungen wie sie die schwed. Geschichte zw. 1523 und 1528 kennzeichnen.
Auch in Finnland beginnt die Reformation mit einer umfangreichen Enteignung von Kirchenbesitz.
1528
Der Finne Martin Skytte wird ohne päpstliche Bestätigung zum Bischof von Turku geweiht. Die Bindung an den Hl. Stuhl ist damit gelöst.
1529
Synode von Örebrö (Frage der Zeremonien, Feiertage) – keine den bestehenden Status quo in Frage stellenden Beschlüsse; „Aufstand der Herren von Västergötland“; Ende der Zusammenarbeit des Kgs mit Andreä.
1531
Laurentius Petri (1499-1573), ein Bruder des Olaus, wird durch eine vom Kg einberufene Versammlung hoher kirchlicher Würdenträger zum Erzbischof gewählt.
1536
Synode von Uppsala: Zölibat wird abgeschafft, Klöster der Bettelorden geschlossen, Gottesdienstordnung von Olaus Petri wird Norm
1537
Kultusreform im Bistum Turku: Privat- und Winkelmessen werden abgeschafft, kein Weihwasser, keine Weihe mit Asche und Palmenzweigen, Kirchengesang wird verändert, Messe in schwedischer Sprache, Beschlagnahmung von Kultgegenständen (Monstranzen, Seitenaltäre), Veränderungen der Verwaltung, bischöfliche Ordnung soll durch ein kirchliche Organisation nach Wittenberger Vorbild ersetzt werden. Zehnt wird abgeschafft, der „Staat“ kommt nun für die Gehälter der Pastoren und Verwaltung auf.
1538
stärkerer staatskirchlicher Kurs, der sich mit dem Vorwurf, er wolle die alte bischöfliche Macht wieder aufrichten, selbst gegen den Erzbischof richtet. Aufstand im ganzen südlichen Schweden, von katholischen Priestern unterstützt.
1540/41
Bruch mit Olaus Petri und Laurentius Andreä; Beginn von Visitationen unter der Leitung des Superintendenten Georg Normann, der den Kg in seiner Eigenschaft als summus episcopus repräsentiert.
1541
Bibelübersetzung ins Schwedische (Vasa-Bibel)
1542/43
Dackefehde – „gefährlichste(r) Aufstand, den Gustav Eriksson in seiner Regierungszeit durchzustehen hatte“ (Buchholz, 180); auch (nicht nur) vor dem Hintergrund der kgl. Kirchenpolitik
1543ff.
Bischofsernennungen ausschließlich durch den Kg
1544
Reichtag zu Västerås:
„überflüssiger“ Besitz der Kirche fällt der Krone zu
„der König, alle Räte, der Adel, Bischöfe, Prälaten, die Bürger der Handelsstädte und der Gemeine Mann“ verpflichten sich, „den Glauben, der jetzt angenommen ist, niemals aufzugeben.“ (Buchholz, 185)
Bibel als einzige Norm des Glaubens (1541 brachten die Brüder Petri und Laurentius Andreä die prächtige Vasa Bibel heraus)
um 1544
Michael Agricola, Kanzler des Bischofs Skytte, gibt ABC Buch heraus (Alphabet, Katechismus) und ein Gebetsbuch mit fast 900 Gebeten, wird allg. Gebetsliteratur der Reformation. Martin Luther selbst empfiehlt Agricola in einem Brief als Lehrer für den Königssohn (Original in Latein) (Schwedisch)
1548/49
finnische Übersetzung der Bibel von Agricola: Se Wsi Testamenti (Auszug) (Externer Link: http://www.histdoc.net/historia/agricola.html und http://www.kb.nl/gabriel/treasures/country/Finland/fi05.html )
In Gustav Vasas letzten Jahren herrscht relative Ruhe trotz ständiger Kirchenplünderungen.
1560
Tod Gustavs I. Vasa; „die schwedische Landeskirche (hatte) weder in der Ausformung des Kultes noch der Glaubenslehre oder der Konfession Festigkeit erreicht.“ (Buchholz, 193)
Literatur
Buchholz, Werner, Schweden mit Finnland, in: Matthias Asche/Anton Schindling (Hgg.), Dänemark, Norwegen und Schweden im Zeitalter der Reformation und der Konfessionalisierung. Nordische Königreiche und Konfession 1500 bis 1660, Münster 2003, 107-243.
Grell, Ole Peter (Hrsg.), The scandinavian Reformation, from evangelical movement to institutionalisation of reform, Cambridge 2003, 2. Auflage.
Lindhardt, Paul Georg: Skandinavische Kirchengeschichte seit dem 16. Jahrhundert. Göttingen 1982.
Pratl
Erstellt: 18.05.2006
Zuletzt geändert: 13.06.2006


