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Zeitleiste: Die Reichstage der Reformationszeit
Die Reichstage der Reformationszeit lassen sich in drei Phasen einteilen: 1. die Phase des kaiserlosen Reichstages, der als Puffer zugunsten der Reformation wirkte (bis zum Augsburger Reichstag 1530), 2. eine reichstagslose Phase, kombiniert mit erneuter Abwesenheit des Kaisers (1530/32 – 1541) und 3. die Phase der kaiserlichen Reichstage, die von Karl V. oder seinem Bruder Ferdinand (1541 – 1555) besucht wurden. Zwischen 1541 und 1546 fanden nicht weniger als sieben Reichstage statt, die Dichte der Abfolge ist vergleichbar mit jener der 20er Jahre. Beherrschendes Thema dieser Reichstage ist die Türkengefahr, aber auch die Religionsfrage.
Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Glaubensspaltung in hohem Maße zur Verfestigung des Reichstages, der sich zwar schon in der maximilianischen Ära auszuformen begonnen hatte, sowie zum Zusammenwachsen und zur Verdichtung des Reichsverbandes beigetragen hat.
1521
27. Jänner – 26. Mai; Worms
8. Mai: Im Wormser Edikt wird über Martin Luther und seine Anhänger die Reichsacht verhängt, u.a. werden die Verbreitung und Lektüre v. Luthers Schriften verboten.
1522
27. März – 30. April; Nürnberg
1522/23
18. November 1522 – 9. Februar 1523; Nürnberg
Der Nuntius Papsts Hadrians VI., Francesco Chieregati, ermahnt die Reichsstände nachdrücklich zur Befolgung des Wormser Edikts. Die Forderung der Stände nach einem „freien christlichen Konzil“ wird im Reichsabschied (9. Februar 1523) bestätigt. Prediger sollten sich bis zur Entscheidung durch das Konzil an „das wahre Evangelium nach Lehre und Auslegung der von der christlichen Kirche angenommenen Schrift“ halten.
1524
14. Jänner – 18. April; Nürnberg
Reichstagsabschied: Den Reichsständen wird die Einberufung einer „gemeinen Versammlung Teutscher Nation“ zugestanden, die bis zur Entscheidung eines Konzils eine Lösung des Glaubensstreites in Deutschland herbeiführen sollte. Im Gegenzug dazu verpflichten sich die Reichsstände, das Wormser Edikt, ‚sovil inen muglich’, zu befolgen.
1525/26
Augsburg
Es besteht Unklarheit darüber, ob diese Tagung in Augsburg als Reichstag anzusehen ist. Reichabschied (9. Jänner 1526): Eine Entscheidung in Religionsfragen wird auf den Reichstag zu Speyer vertagt.
1526
25. Juni – 27. August; Speyer
Reichsabschied (27. August): ‚Aufhebung’ des Wormser Edikts; In § 4 des Abschieds versprechen die Reichsstände bis zur Einberufung eines Nationalkonzils ‚für sich also zu leben, zu regieren und zu halten, wie ein jeder solches gegen Gott, und Käyserl. Majestät hoffet und vertraut zu verantworten’. Das Entscheidungsrecht im Glaubensfragen wird faktisch auf die einzelnen Reichsstände verlagert.
1527
April – Mai; Regensburg
1529
15. März – 22. April; Speyer
Protestation und Appellation der Bekenner ‚des wahren Wortes Gottes’
1530
April – September; Augsburg
1532
17. April – 27. Juli; Regensburg
Juli/August: Nürnberger Anstand
1541
5. April – 29. Juli; Regensburg
April: Beginn von Religionsvergleichsverhandlungen unter Vorsitz des Pfälzer Kurfürsten und des kaiserlichen Beraters Granvelle; auf katholischer Seite nehmen die Theologen Eck, Gropper, Pflug daran teil, auf protestantischer Seite Melanchthon, Bucer und Pistorius – die Religionsgespräche scheitern jedoch. Reichsabschied: Verlängerung des Frankfurter Anstandes von 1539 um 18 Monate; im Gegenzug dazu gewähren die protestantischen Stände Türkenhilfe.
1542
29. Dezember 1541/ 8. Februar 1542 – 11. April 1542; Speyer
1542
21. Juli – 28. August; Nürnberg
1543
30. Jänner – 23. April; Nürnberg
1544
20. Februar – 10. Juni; Speyer
Es werden ansehnliche Hilfen gegen Frankreich und für eine Offensive gegen die Osmanen bewilligt - dafür Zugeständnisse: Suspendierung früherer antiprotestantischer Reichsabschiede und –prozesse, Verwendung von säkularisiertem Kirchenvermögen, Nationalkonzil wird in Aussicht gestellt
1545
15. Dezember 1544 – 4. August; Worms
1546
5. Juni – 24.Juli; Regensburg
offizielle Beratungen ergebnislos; Beginn des Schmalkaldischen Krieges (1546/47)
1547/48
1. September 1547- 30. Juni 1548; Augsburg („geharnischter Reichstag“)
Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen besiegt und gefangen genommen (24. April 1547); Übertragung der sächsischen Kurwürde von Ernestinern auf Albertiner (Moritz von Sachsen)
15. Mai 1548: Augsburger Interim
1550/51
26. Juli 1550 – 14. Februar 1551; Augsburg
Anlass: Konzilsfrage (Papst Julius III.), Durchführung des Interims, weitere ‚Befriedung’ des Reichs; Ergebnis: Reichsstände erklärten sich zur Beschickung des Konzils bereit.
Reichsabschied (14. Februar 1551): Interim verlängert
1555
5. Februar – 25. September; Augsburg
24. September: Declaratio Ferdinandea
25. September: Augsburger Religionsfriede
Literatur
Alfred KOHLER, Wohnen und Essen auf den Reichstagen des 16. Jahrhunderts, in: ders./Heinrich LUTZ (Hgg.), Alltag im 16. Jahrhundert. Studien zu Lebensformen in mitteleruopäischen Städten, Wien 1987, S. 222-257.
Armin Kohnle, Reichtag und Reformation, Gütersloh 2001.
Volker Press, Reichstage und Reformation. In: Horst Bartel (Hg.), Martin Luther. Leistung und Erbe, Berlin 1986, S. 202-215.
Horst Rabe, Reich und Glaubensspaltung. Deutschland 1500-1600, München 1989 (=Neue Deutsche Geschichte 4).
Gedruckte Quellen
RTA = Deutsche Reichstagsakten. Jüngere Reihe, hg. durch die Historische Kommission bei der Königlichen (später: Bayerischen) Akademie der Wissenschaften,
Bd.1, Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., bearb. v. A. Kluckshohn, Gotha 1893.
Bd.2, dass., Der Reichstag zu Worms 1521, bearb. v. Adolf Wrede, Gotha 1896.
Bd.3, dass., Der Reichstag zu Nürnberg 1522/23, bearb. v. Adolf Wrede, Gotha 1901.
Bd.4, dass., Der Reichstag zu Nürnberg 1524, bearb. v. Adolf Wrede, Gotha 1905.
Bd.7 1/2, dass., Der Reichstag zu Regensburg 1527. Der Reichstag zu Speyer 1529, bearb. v. Johannes Kühn, Stuttgart 1935.
Bd.8 1/2, dass., Die schwäbischen Bundestage zwischen den Reichstagen zu Speyer 1529 und Augsburg 1530. Die Bereitstellung der Reichshilfe zum Türkenkrieg und zur Rettung Wiens, bearb. v. Wolfgang Steglich, Göttingen 1970-1971.
Bd.10 1-3, Der Reichstag in Regensburg und die Verhandlungen über einen Friedstand mit den Protestanten in Schweinfurt und Nürnberg 1532, bearb. v. Rosemarie Aulinger, Göttingen 1992.
Bd.12, Der Reichstag zu Speyer 1542, bearb. v. Silvia Schweinzer-Burian, München 2003.
Bd.15, Der Speyrer Reichstag von 1544, bearb. v. Erwein Eltz, Göttingen 2001.
Bd.16, Der Reichstag zu Worms 1545, bearb. v. Rosemarie Aulinger, München 2003.
Bd. 17, Der Reichstag zu Regensburg 1546, bearb. v. Rosemarie AULINGER, München 2005.
Moisi
Erstellt: 11.05.2006
Zuletzt geändert: 13.06.2006




