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Ein schoens neuwes Lied von der Schlacht newlich vor Pavia ...“

 

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Bayerische Staatsbibliothek München: Einbl. I, 33 (dort auch die weiteren bibliographischen Angaben) 

 

Das Flugblatt trägt den Titel „Ein schönes neues Lied von der Schlacht neulich vor Pavia geschehen“ und den Zusatztitel ‚In dem neuen Ton von Mailand oder des Wyßbecken Tons oder wie man die sieben Stalbrüder singt‘. Der Verfasser dieser Schrift bleibt nicht anonym, sondern er nennt seinen Namen zum Schluß des Liedes: Erasmus (Ammann). Ebenso beteiligt am Zustandekommen dieses Flugblattes ist Heinrich Vogtherr, der sich für die Illustration der Schlacht verantwortlich zeichnet.  

Ob der Autor des Flugblattes tatsächlich auch ein Augenzeuge der Schlacht von Pavia war, läßt sich schwer eruieren. Tatsache ist, dass viele Chronisten und darunter eben auch Augenzeugen die Schlacht von Pavia sehr detailliert beschrieben haben, doch zum Teil auch widersprüchlich. Es war das Heer Karls V., das die Schlacht gewonnen hat und nicht der Kaiser selbst. Karl V. war nämlich zum Zeitpunkt der Schlacht nicht in Pavia zugegen, sondern er saß in Spanien und befürchtete in Mailand eine Niederlage, da er zahlenmäßig und von der Ausrüstung her seinem Widersacher, dem französischen König Franz I., unterlegen war.  

Franz I. belagerte Pavia erfolglos seit dem Herbst 1524, da die Festung für ihn eine Schlüsselposition in der Lombardei darstellte. Karl V. hatte das Glück, dass seine zahlenmäßig schwächere Armee von äußerst fähigen Generälen befehligt wurde und die spanische Infanterie sowie die deutschen Landsknechte herausragende kriegerische Arbeit leisteten. Die Spitze der Generalität Karls V. bildete der Vizekönig von Neapel, Charles de Lannoy, Fernando Marchese Pescara, der deutsche Landsknechtführer Georg von Frundsberg und der Konnetabel von Frankreich, Karl von Bourbon, der Franz I. den Rücken kehrte und zu Karl V. überlief.  

Was passierte nun am „Tag Mathie“ (entspricht dem 24. Februar 1525; der 25. Geburtstag von Karl V.) in Pavia? 

Nördlich von Pavia lag der Park Mirabello, ein großes, durch Mauern geschütztes Gelände, welches zum Vergnügen und Entspannen der Herzöge von Mailand bestimmt war. Der linke Flügel der französischen Armee stand im Park und man rechnete hier nicht mit einem Angriff der kaiserlichen Truppen. Da dieser linke Flügel demnach aber für das Heer Karls V. entblößt war, bot er eine willkommene Angriffsstelle. Die kaiserlichen Truppen konnten durch zuvor geschlagene Öffnungen in die Mauer unbemerkt in den Park eindringen. Zu spät aufgeschreckt, eröffneten die Franzosen das Feuer aus allen Kanonen. Zusätzlich setzte Franz I. noch im Morgengrauen seine schwere Kavallerie ein. Diese jedoch sah sich bald mit der kaiserlichen Infanterie konfrontiert und der Vorstoß geriet ins Stocken. Die spanischen Kämpfer fügten Roß und Reitern tödliche Wunden zu und es endete im blutigen Nahkampf. Franz I. befand sich zu weit von seiner Infanterie entfernt, die ihm vielleicht noch hätte helfen können. So stand er aber inmitten seiner bereits zum Großteil gefallenen Reiter und lieferte sich mit seinen Gegnern einen aussichtslosen Kampf. Der König wurde zudem in seiner Rüstung erkannt und gefangengenommen. Vizekönig Lannoy  mußte Franz I. in Sicherheit bringen. Der französische König wurde erst in der Lombardei und dann in Neapel gefangengehalten. Im Mai 1525 sollte Franz I. nach Spanien überführt werden und seine Verbündeten wollten ihn auf hoher See mit einem gut ausgerüsteten Geschwader befreien. Franz I. wollte dies zu anfangs auch, verhinderte seine Rettung aber schlußendlich, da er dem Kaiser persönlich begegnen wollte, um bessere Bedingungen für den Friedensschluß zu erzielen. Franz I. war von seiner eigenen Überzeugungskraft beseelt und wartete monatelang darauf, Karl V. zu treffen. Dazu sollte es aber erst im September 1525 kommen. Letztendlich verzichtete Franz I. auf Ansprüche im ewig umkämpften Italien. 

Wie trägt nun der Autor Erasmus in seinem Flugblatt der Schlacht Rechnung? 

Im ersten Drittel der Schrift erzählt er von dem Leid, daß Mailand durch die vielen Kriege bereits erlitten hat. Er beschreibt in weiterer Folge die Aktionen des kaiserlichen Heeres: angefangen von der Formierung der Truppen (des Kaisers Heer sich sammelt da...der Hauff...) bis hin zum Einnehmen der Mauer (Die selbig Nacht gegen den Tag/ gewannen die Mauer als ich euch sag...).

Im Hauptteil berichtet der Verfasser über die Schlacht selbst. Er kommentiert die Moral der Landsknechte und der Schweizer Söldner. Der Erzählstil erfährt im Hauptteil eine Dynamik, man bekommt den Eindruck, als wäre man bei der Schlacht selbst zugegen. Schließlich geht Erasmus auf die Gefangennahme Franz I. ein. Er zollt dem französischen König Respekt, wenn er seinen heroischen Kampf dokumentiert (Graf Niclas kam gesprenget/ dem König stach er seinem Gaul/ noch wehrt er sich und war nicht faul...).

Im letzten Drittel liefert der Autor ein Fazit der Schlacht und berichtet von der Gefangennahme und Tötung vieler Soldaten sowie Fürsten und bittet darum, die Toten in Frieden schlafen zu lassen und zwar wünscht er sich das zu beider Seit.

Im Schlußwort ist von der Dynamik der Schlachtbeschreibung nichts mehr zu spüren. Demütig beschwört er die Zuhörer - deinen Nächsten sollst du lieben.

 

Empfohlene Zitierweise

„Ein schoens neuwes Lied von der Schlacht newlich vor Pavia ...“. Aus: Reformation, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/3701/

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Erstellt: 11.05.2006

Zuletzt geändert: 12.06.2006