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Glossar F 

 

Frankfurter Anstand

(19. April 1539) Im Jänner 1538 war in Nürnberg ein Bund katholischer Fürsten mit den Habsburgern zustande gekommen. Im Gegenzug dazu verstärkten die Schmalkaldener ihre Bündnisverhandlungen mit Dänemark und Frankreich; die Gefahr einer protestantisch-antihabsburgischen Koalition in Europa bewogen die Habsburger zu einer Wendung in ihrer Religionspolitik: der Kaiser und König Ferdinand ließen sich auf einen erneuten und ernsthaften Versuch eines Ausgleichs im Glaubensstreit ein. Voraussetzung dafür war die Festigung und Sicherung eines – wenigstens vorläufigen – Religionsfriedens im Reich, vor allem auch die Abstellung der Reichskammergerichtsprozesse in Religionssachen. Dies wurde am 19. April 1539 im sog. Frankfurter Anstand realisiert: Er beinhaltete einen auf sechs Monate befristeten Religionsfrieden und die Einstellung der Reichskammergerichtsprozesse gegen die evangelischen Stände. Weiters wurden baldige Gespräche zwischen den Religionsparteien vereinbart. Die Dauer des Anstandes sollte auf 15 Monate verlängert werden, falls die Protestanten bereit wären, für diese Zeit weitere Säkularisationen von Kirchengut zu unterlassen und keine neuen Mitglieder in den Schmalkaldischen Bund aufzunehmen. Im Gegenzug dazu wollte der Kaiser darauf hinwirken, dass auch der Nürnberger Bund nicht erweitert würde. Die im Frankfurter Anstand vereinbarten Religionsgespräche begannen im Juni 1540 im elsässischen Hagenau unter dem Vorsitz Kg. Ferdinands, die Verhandlungen scheiterten jedoch. Im Oktober desselben Jahres fanden erneut Religionsgespräche in Worms statt, in denen es gelang, in zentralen theologischen Fragen einen Vergleichsentwurf auszuarbeiten. Jedoch konnten auch die folgenden, den Reichstag zu Regensburg begleitenden Gespräche, die im April 1541 begonnen hatten, nach anfänglichen Erfolgen keine Einigung erzielen. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1d Reichstag und Reformation

Franz I.

geboren am 12. September 1494 in Cognac, gehörte der Valois-Nebenlinie Angoulême an und wurde 1515 nach dem Tod Ludwig XII. König Frankreichs. 1515 eroberte Franz I. das italienische Herzogtum Mailand, unterlag jedoch 1519 dem spanischen König Karl I. (aus ihm wurde Kaiser Karl V.) bei der Wahl zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Der französische König führte bis zu seinem Tod vier eher erfolglose jedoch kostspielige Kriege gegen Karl V., um dessen Hegemonieanspruch in Europa und Vorherrschaft in Italien zu brechen. Dabei schrak der allerkatholischste König auch nicht davor zurück mit dem Feind der Christen, dem osmanischen Sultan Süleyman II. zu kooperieren. Franz I. starb am 31. März 1547 in Rambouillet. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Französisch-osmanische Annäherung, erste

Chaireddin (Chair Ad Din) Barbarossa (Rotbart) (1467-1546), ein islamischer Grieche aus Lesbos und seit 1518 auch osmanischer Herrscher von Algier, wurde 1533 zu einem bedeutenden osmanischen Flottenadmiral, als er von Süleyman I. zum Oberbefehlshaber der türkischen Seestreitkräfte ernannt wurde. Ziel war es, die Kontrolle über die Seeverbindungen im Mittelmeer zu erreichen, allen voran die Kontrolle über die Straße von Sizilien (zwischen Sizilien und Tunesien). Um 1534 kam es zu einer Annäherung zwischen Chaireddin und Franz I., der in der inzwischen zu einer bedeutenden Seemacht im Mittelmeer ausgebauten osmanischen Flotte ein Äquivalent zu der zur kaiserlichen Seite gewechselten genuesischen Flotte sah. Im gleichen Jahr gelang der osmanischen Flotte und Chaireddin Barbarossa mit der Eroberung Tunis‘ ein strategisch bedeutsamer Erfolg. Von Tunis und Algier aus sorgte Chaireddin durch Plünderungszüge für Unsicherheit an den spanischen und italienischen Küsten. Karl V. gelang es jedoch 1535 durch eine Flottenexpedition unter dem Genuesen Andrea Doria Tunis zurückzuerobern. Ein endgültiger Sieg gegen Chaireddin Barbarossa gelang jedoch nicht. Er war in den folgenden Jahren der wichtigster Gegenspieler Karl V. im Mittelmeerraum. Franz I. hatte bereits über Chaireddin Barbarossa vor allem Handelskontakte zu den Osmanen geknüpft, ab 1536 wurde die Annäherung zwischen Franz I. und dem osmanischen Sultan Süleyman I. sogar noch vertieft. Ob es jedoch auch zu einem Bündnis zwischen den beiden Konkurrenten Karls V. kam, wird heute in der Geschichtswissenschaft bezweifelt. Dennoch sicherten sich der französische König und der osmanische Sultan nicht nur lebenslange Freundschaft zu, sondern auch gegenseitige Freizügigkeit in Handel und Schifffahrt, womit Frankreich zum bedeutendsten Handelspartner des Osmanischen Reiches wurde, einer islamischen Macht gegen die Kaiser Karl V. bereit war einen Kreuzzug zu führen. Die osmanisch-französische Freundschaft sollte noch bis in 17.Jahrhundert die europäische Politik bestimmen. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Friede von Cateau-Cambrésis

Der Friede von Cateau-Cambrésis kann als ein Wendepunkt in der Geschichte des offenen Kampfes um die Vormachtstellung Habsburgs und Valois‘ angesehen werden, weil es für die nächsten drei Jahrzehnte zwischen den beiden Mächten zu keiner militärisch ausgetragenen Auseinandersetzung mehr kam. Bedingt wurde dieser Friede sicher auch durch die finanzielle Misere - sowohl der Franzosen als auch der Spanier. Die lange Friedensphase erklärt sich auch daraus, dass sowohl Frankreich als auch Habsburg in den folgenden Jahren durch andere Konflikte gebunden waren. In dem Friedensvertrag verzichtet der französische König Heinrich II. endgültig auf sämtliche Ansprüche in Italien, womit Spanien zur bestimmenden Macht in Italien wurde. Frankreich verzichtete damit auf Mailand und Neapel, Korsika wurde wieder zurückgegeben und das Herzogtum Savoyen-Piemont wurde wieder errichtet. Neben sämtlichen Rechten auf Flandern und Artois verzichtet Heinrich II. auch auf seine Rechte auf die Franche Comté. Die Bistümer Toul, Metz und Verdun bleiben weiterhin in französischen Besitz, darüber hinaus erhält Frankreich das strategisch wichtige Pinerolo und Saluzzo. Entgegen den Ansprüchen Englands, das auch an dem Friedensvertrag beteiligt war, konnte Frankreich gegen eine an England zu leistende Abfindung Calais behalten. Der Friedensvertrag wurde von den Zeitgenossen in Frankreich als eine diplomatische Niederlage empfunden. Rückblickend wurde jedoch in der durch die Heirat Philipps II. mit Elisabeth von Valois, der Tochter Heinrich II., hergestellten dynastischen Verbindung ein wichtiger Erfolg gesehen, da dadurch die für Frankreich gefährliche Verbindung zwischen Spanien und England unterbunden wurde. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Friede von Crépy

Im Frieden von Crépy verzichtet Franz I. auf das Herzogtum Savoyen-Piemont, Karl auf die Bourgogne. Ansonsten wurde der territoriale Status quo wie vor dem Krieg wieder hergestellt, womit der Damenfriede von Cambrai im Wesentlichen wieder bestätigt wurde. Außerdem versprach Franz I., Waffenhilfe gegen die Türken zu leisten. In einem geheimen Zusatzabkommen sicherte Franz I. dem Kaiser zu, die Wiederherstellung der Glaubenseinheit im Reich zu unterstützen. Er versprach, das geplante Konzil zu beschicken und erklärte sich zudem bereit gegen die Protestanten die gleiche Hilfe zu leisten (ca. 10.000 Soldaten und rund 600 Reiter) wie gegen die Türken. Der Herzog von Orleans, einer der Söhne Franz I., sollte mit einer habsburgischen Prinzessin verheiratet werden und das Herzogtum Mailand oder die Niederlande erhalten. Jedoch starb der Herzog vor der Eheschließung und so sollte die italienische Frage unter Heinrich II., dem Nachfolger Franz I., wieder für Konfliktstoff sorgen. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Friede von Madrid

Nach der Gefangennahme Franz I. bei der Schlacht von Pavia (24. Februar 1525) blieb dem französischen König nichts anderes übrig, als in dieser Notlage den durch Kaiser Karl V. oktroyierten Frieden zu akzeptieren. Im Frieden von Madrid vom 14. Januar 1526 musste Franz I. nicht nur Mailand, Genua und Neapel, sondern auch die Bourgogne, das Stammland der Herzöge von Burgund, und die Lehnshoheit über Flandern und Artois abgeben. Um den Frieden umzusetzen, musste der König jedoch nach Frankreich zurückkehren und ließ aus diesem Grund seine zwei Söhne als Geiseln bei Karl V. zurück. Außerdem sicherte Franz I. Karl V. die militärische Unterstützung Frankreichs in einem Krieg gegen das Osmanische Reich zu. Doch kaum in Freiheit widerrief Franz I. den erzwungenen Frieden von Madrid. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 1b habsburgisch-valoischer Machtgegensatz

Friedrich I., König von Dänemark und Norwegen

Friedrich (1471 – 1533) stürzte 1523 mit Hilfe des dänischen Hochadels seinen Neffen Christian II. vom Thron und wurde von 1523 bis 1533 König von Dänemark, ein Jahr danach auch von Norwegen. In seiner Regierungszeit begann die Wittenberger Bewegung in Dänemark Fuß zu fassen. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 4b Dänemark-Norwegen

Friedrich II., König von Dänemark und Norwegen (1534 – 1588)

war von 1559 – 1588 König von Dänemark und Norwegen. Er ließ sich in Kopenhagen krönen und trat zur evangelischen Kirche über. Er war ein Förderer der Schifffahrt und der Wissenschaften. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 4b Dänemark-Norwegen

Fürstenaufstand

Die führenden Vertreter der fürstlichen Opposition gegen Karl V. waren die in den Schmalkaldischen Krieg involvierten Häuser Wettin (Kf Moritz) und Hessen (Ldgf Wilhelm). Im Mai 1551 hatten sich überdies noch Hzg Johann Albrecht von Mecklenburg und Mkgf Johann von Brandenburg-Küstrin mit ihnen verbündet. Moritz, Wilhelm und Johann Albrecht begründen ihre Aktion in einem gedruckten Ausschreiben. Sie werfen dem Kaiser vor, 1) Verträge und Verschreibungen nicht einzuhalten (welche Verträge und Verschreibungen im einzelnen gemeint sind, bleibt im Unbestimmten) und die Geistlichkeit zu vertreiben, 2) Landgraf Philipp entgegen den bei dessen Unterwerfung (Juni 1547) gemachten Zusagen gefangen zu halten und, 3) danach zu streben, ‚viehische Servitut und Dienstbarkeit‘ im Reich zu errichten. Nachdem Kf Moritz, der soeben die Belagerung Magdeburgs erfolgreich beendet hatte und demzufolge noch Söldnertruppen zur Hand hatte, sich – gemeinsam mit Ldgf Wilhelm und im Namen Johann Albrechts -am 15.1.1552 mit dem französischen König im Vertrag von Chambord verbündet hatte, verlief der Kriegszug für die Verbündeten sehr erfolgreich. Im März gelang es, Innsbruck zu erobern. Der Kaiser konnte dabei nur knapp seiner Gefangennahme entgehen und floh nach Villach. Sein Bruder König Ferdinand nahm Verhandlungen mit Kurfürst Moritz auf. Am 1. Mai 1552 wurde nach nicht einmal zweiwöchigen Verhandlungen der Vertrag von Linz verabredet, der weitere Verhandlungen in Passau und einen Waffenstillstand vorsah. Thema: Reformation politikgeschichtlich, 2c Interim und Fürstenaufstand

 



Erstellt: 12.06.2006

Zuletzt geändert: 12.06.2006

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