II. Encyclopédie

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II. Die Encyclopédie - von Ulrike Spindler

3. Zensur in Frankreich 

3.1 Einführung 

Die Zensur war im Frankreich des 18. Jahrhunderts für die Herausgeber und Verleger sowie für die Autoren an der Tagesordnung. Jedes Buch, dass im Ancien Régime veröffentlicht werden sollte, musste die staatliche Zensur durchlaufen. Diese wurde durch die Angestellten der obersten Zensurbehörde, der Direction de la Librairie durchgeführt. Erfüllte ein Werk nicht den Anspruch der Kontrolleure, drohte Verbot oder Verbrennung. Die Hochzeit der Zensur waren die Jahre von der absolutistischen Herrschaft Ludwigs XIV. bis zur Französischen Revolution 1789 statt.

Die Autoren von staats-, kirchen- und gesellschaftskritischen Schriften mussten, wie Diderot, stets mit einer Inhaftierung rechnen, da "[a]mong French government officials, clergy and the general public, the ideal of freedom of the press had little attraction during the Old Regime."[11]

Die Wurzeln der Zensur liegen im Mittelalter: Philip der Kühne ermächtigte im Jahr 1275 die Pariser Universität Sorbonne, die Pariser Buchhändler in regelmäßigen Abständen zu observieren. Innerhalb der Universität lag die Zuständigkeit bei der Theologie. Die Kirche behielt das Zensurrecht auch inne, als der Buchdruck in Frankreich Einzug erhielt. Im 16. Jahrhundert stellten neben der Universität auch der oberste Gerichtshof in Paris die Druckprivilegien aus. 

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts trat schließlich eine Entwicklung ein, in deren Folge der König von Frankreich das alleinige Zensurrecht beanspruchte und dies konsequent durchsetzte. Damit entzog er den Universitäten, dem Klerus und dem Pariser Parlament die Rechtsgrundlage, ihrerseits den Buchmarkt in Frankreich zu kontrollieren. Trotzdem meldeten sich Klerus und Parlament weiterhin zu Wort. 

Ein treffendes Beispiel hierfür stellte Mitte des 18. Jahrhunderts das Buch De l'Esprit von Hélvetius dar. Obwohl das Werk ein privilège générale im Namen des Königs erhalten hatte, intervenierten der Pariser Erzbischof und Vertreter des obersten Gerichtshofs. Schließlich musste Malesherbes, zu dieser Zeit Directeur de la Librairie, der Zensurabteilung im Kanzleramt, die Druckgenehmigung zurückziehen. Um in der Öffentlichkeit ein Exempel zu statuieren, wurden alle Ausgaben verbrannt.

Die Kontrolle des Buchmarktes blieb trotz dieser Versuche, in die Zensurpolitik einzugreifen, in der Hand des französischen Monarchen. Erst am 3. September 1791 wurde die Zensur durch die Erklärung der Menschenrechte im Zuge der Französischen Revolution abgeschafft. 

3.2 Wer übte welche Form von Zensur aus? 

Die Zensur durch die Librairie und die Buchpolizei darf nicht unter einem allgemeinen Begriff zusammengefasst werden. Man unterscheidet vielmehr Vor- und Nachzensur. Die präventive Zensur übernahmen königliche Zensoren, während die Pariser Buchpolizei die Kontrolle bereits veröffentlichter Werke übernahm.

Diese zweistufige Zensursystem verdeutlicht die Bedeutung, die den Schriften im 18. Jahrhundert von staatlicher Seite beigemessen wurde. Die Krone zeigte damit auf, welche Gefahr Pressefreiheit und Verbreitung von aufklärerischem Gedankengut für den absolutistischen Verwaltungsapparat darstellten. Dennoch versuchte vor allem Malesherbes, die Zensurbestimmungen in gewissem Rahmen zu lockern. 

Librairie - Organ der Vorzensur 

Da dem Obersten Gerichtshof in Paris, dem Parlement, im 17. Jahrhundert das Zensurrecht aberkannt worden war, lag die Verantwortung nun nicht mehr bei der Justiz sondern bei der Verwaltung. Diese administrative Aufgabe wurde auf mehrere Organe aufgeteilt. Das Bureau contentieux de la librairie legte Normen fest, innerhalb derer die Zensur zu erfolgen hatte. Außerdem wurden hier strittige Fälle bearbeitet. Die Zensurabteilung unterstand dem Kanzler, der einen Directeur de la Libraire, den obersten Zensor benannte. Die praktische Kontrolle lag jedoch beim Bureau gracieux de la librairie . Hier wurden die Druckvorlagen von den Zensoren gesichtet. Sie wurden durch den Kanzler oder den Siegelbewahrer - meist eine Person - benannt und blieben unabhängig von dessen Amtszeit tätig. Im Gegensatz wechselte aber der Directeur de la librairie mit dem Kanzler bei dessen Amtsaufgabe.

Ihre tägliche Aufgabe bestand aus mehreren Schritten: Die Manuskripte, die eine Druckerlaubnis erhalten sollten, wurden den königlichen Zensoren vorgelegt. Dabei hatte jeder Autor bzw. Verleger das Recht, einen eigenen Korrektor vorzuschlagen. Die Zensoren sahen die Texte Seite für Seite durch und legten ihre Beurteilung dem Directeur de la librairie vor. Die entgültige Entscheidung lag jedoch beim Kanzler, der im Sinne der königlichen Interessen und Politik urteilen musste. Wenn ein Werk ein Druckprivileg erhielt, wurde es in Registern vermerkt und in der Zunftkammer des Buchhandels, der Chambre syndicale öffentlich einsehbar.

Buchpolizei als Organ der Nachzensur 


Abb. 1

Während die Zensur durch das Bureau gracieux de la librairie vor der Drucklegung von statten geht, trat die Buchpolizei, als zweites Organ der Zensur, erst nach der Veröffentlichung eines Werkes in Aktion.

Die Buchpolizei war vom 17. Jahrhundert bis zur Französischen Revolution tätig, unterstand aber seit 1763 der Librairie. Ihre Aufgabe bestand darin, Autoren, Drucker, Verleger und Kolporteure zu überwachen, die sich in der Grauzone zwischen legalem und illegalem Buchmarkt bewegten. Die Inspektoren waren ständig auf der Suche nach Schriften, die ohne legales Druckprivileg zirkulierten. Spürten sie ein verdächtiges Werk auf, konfiszierten sie die Publikation sofort. Nicht selten verhafteten sie den Autor und verboten den weiteren Verkauf und Vertrieb des aufrührerischen Buches. 

Bei ihren regelmäßigen Razzien verhafteten die Buchinspektoren nicht nur Einzeltäter. Sie konnten oft ganze Händlerringe aufdecken, die heimlich Bücher ohne Druckerlaubnis verkauften. Außerdem heuerte die Buchpolizei Spitzel an. Diese Spione kamen teilweise aus den eigenen Reihen der Literaten, die ihre Berufskollegen aus verschiedensten Gründen verrieten. 

Die Delikte, derer sich Buchhändler und Verleger schuldig machen konnten, reichten von Raubkopien bis zu pornografischer, unorthodoxer oder antichristlicher Literatur. 

Die Buchpolizei praktizierte verschiedene Formen von Kontrolle: Zum einen überwachte sie durch materielle Zensur die Vergabe des Materials, das für die Buchproduktion notwendig war. So verteilte sie Druckerpressen, Schrifttypen und Papier, um so die legalen Druckereien zu überblicken und verbotene Druckereien erst gar nicht zu ermöglichen. Aber auch die offiziellen Druckereien wurden in regelmäßigen Abständen untersucht. Wurden bei Razzien verbotene Manuskripte oder gefährliche Drucke entdeckt, mussten die Druckermeister mit harten Strafen rechnen. Diese reichten vom Entzug der Druckzulassung bis hin zu Verhaftung oder gar Verbannung. Nachdem der Buchimport nach Frankreich nur wenigen Städten erlaubt wurde, kontrollierten der Polizeichef und seine Polizeiinspektoren auch diese Zollstädte in regelmäßigen Abständen. Versuchten Schmuggler an illegalen Orten, Büchersendungen nach Frankreich zu importierten, mussten auch sie mit konsequenter Bestrafung rechnen und die Ware wurde konfisziert. Erhielten Privatpersonen Bücherpakete mussten sie diese in den Regierungsbüros ebenfalls auf verbotene Literatur hin untersuchen lassen. 


Abb. 2

Neben der öffentlichen Zensur, gab es auch die Selbstzensur. Im Fall der Encyclopédie setzte der Hauptverleger Le Breton den Rotstift an. Le Breton wollte nach den Krisen, welche die Mitwirkenden durchlebt hatten, keine weiteren Risiken mehr auf sich nehmen. Um weder seine eigene Person, noch seine Investitionen für die Encyclopédie aufs Spiel zu setzen, nahm er eigenhändig Korrekturen an den Texten der letzten zehn Textbände vor. So ließ er Originalmanuskripte Diderots verschwinden. Selbstzensur wurde von den Autoren oder Verlegern vorgenommen, bevor sie die Texte für den üblichen Zensurprozess freigaben.

3.3 Stufenssystem der Druckgenehmigungen 

Die Zensurpolitik Ende des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts schwenkte von der Kontrolle der Druckmaterialien auf eine normative Zensur um. Was jedoch genau zensiert wurde, lag schlussendlich bei den Kontrolleuren. "[Die] (...) sehr allgemeinen Richtlinien eröffneten einen großen Ermessensspielraum bei der Begutachtung der Literatur."[12] Daher bildete sich eine feine Differenzierung der Druckgenehmigungen heraus, die vorrangig auf die tolerante Zensurpolitik Malesherbes zurückzuführen ist.

Privilège général 

Erhielt eine Schrift das Privilège général, hatte der Verleger oder Autor das alleinige Verkaufs- und Druckrecht erworben. Das Privileg war damit Eigentum des Autors oder Verlegers. Außerdem konnte diese Druckerlaubnis weitervererbt werden. Das Siegel garantierte, dass das Werk der Geisteshaltung und Ideologie der französischen Staatsführung entsprach. Das Privileg galt jedoch nur innerhalb des Herrschaftsgebiets des französischen Königs. Dieses Problem verschärfte sich, als Verleger und Autoren ins Ausland gingen, um dort ihre Werke drucken zu lassen, die in Frankreich keine Druckerlaubnis erhalten hätten. Um diese Unterwanderung zu vermeiden, führte man eine zweite Stufe der Druckerlaubnis ein: die sogenannte permission tacite.

Permission tacite 


Abb. 3

1720 durch den damaligen Kanzler d'Aguesseau eingeführt, stellte die permission tacite eine stillschweigende Druckgenehmigung dar. Die ursprüngliche Bezeichnung als Registres des livres d'impresson étrangères, présentés à Monseigneur le Chancellier pour la permission de débiter zeigt die Besonderheit dieser Druckerlaubnis. Indem ein Druckort im Ausland vorgegeben wurde, konnten so auch die Werke registriert werden, die in Frankreich keine Erlaubnis erhalten hatten. Hierunter fielen also anfangs Bücher, die im Ausland produziert, in Frankreich verkauft oder nachgedruckt werden durften. Seit Anfang des 18. Jahrhunderts verteilte die Zensurbehörde diese Erlaubnis auch für solche Bücher, die in Frankreich zwar nicht verboten werden konnten, aber auch kein offizielles privilège général erhalten durften.

Die Gründe hierfür lagen darin, dass die Texte zwar Religion, Staatsautorität oder Moral nicht direkt attackierten, aber trotzdem von der königlichen Meinung abwichen. Mit dem falschen Druckort konnten diese Bücher fortan wie Buchimporte aus dem Ausland behandelt werden. Die Zensurpolitiker, wie Malesherbes, wollten so vermeiden, dass Bücher ohne offizielles Privileg im Untergrund zirkulierten. So konnten auch die letzten zehn Bände der Encyclopédie fertiggestellt werden.

Simple tolérance 

Am äußersten Rand der unstrittigen Grauzone zwischen Legalität und Illegalität stand die sogenannte simple tolérance. Hierbei handelte es sich um keine Druckerlaubnis im engeren Sinne. Simples tolérances wurden auch nicht schriftlich in Registern fixiert, sondern waren mündliche Zusagen des Polizeichefs in Paris. Er ermöglichte so den Buchhändlern und Druckern, ihre Bücher heimlich fertig zu stellen. Im Falle einer Razzia konnten die heimlichen Unternehmer davon ausgehen, dass sie rechtzeitig vom Lieutnant de police gewarnt wurden.


Abb. 4

Der Untergrundbuchmarkt Frankreichs brachte jedoch weitaus mehr Veröffentlichungen zu Tage, die in keine der drei genannten Kategorien fielen. Sprach der Kanzler nach der Vorzensur durch die Librarie ein Verbot aus, wurde dieser Titel auf die sogenannte Liste défendus gesetzt. Dieses Register half wiederum der Buchpolizei bei der Fahndung nach illegalen Büchern. Unabhängig von dieser Liste, stellte die katholische Kirche ihrerseits ein Register verbotener Bücher auf. Untersagte Veröffentlichungen durften fortan unter Androhung der Ächtung nicht mehr verkauft und vertrieben werden. Sie fielen meist dem Feuer zum Opfer. Erst 1966 schaffte die Kirche diesen Index offiziell ab. 

3.4 Auswirkungen der Zensur auf das Projekt 

Die Encyclopédie war von Beginn an, vor allem aber in den Krisenjahren 1752 und 1759, der ständigen Kontrolle durch staatliche Instanzen ausgesetzt. Kritik an dem Wissenskompendium kam aber bekanntlich auch von kirchlicher Seite, vorrangig von den Jesuiten des Journal de Trévoux.

Neben den Beschlüssen des königlichen Hofrats, welche die Fortsetzung und den Verkauf der Encyclopédie zeitweise verboten, mussten auch die Mitarbeiter Angriffe auf ihre Person beklagen. D'Alembert klagte beispielsweise über die "gehässigen, ja schändlichen Sitten, die man gegen uns veröffentlicht und die nicht nur geduldet, sondern geschätzt, ermächtigt (...)" [13] werden. Er bezeichnete die Zensurverfahren als "unerträgliche Inquisitionsverfahren, das man gegen die Enzyklopädie anstrengen will". [14] Während d'Alembert die "unglückselige Arbeit" an der Encyclopédie 1758 beendete und ihm im Laufe der Jahre einige Mitarbeiter gefolgt waren, weigerte sich Diderot dieses zu tun: "Das Werk im Stich lassen, hieße aber, dem Kampf den Rücken kehren und damit gerade das tun, was diese Spitzbuben wollen, die uns verfolgen."

3.5 Malesherbes als Zensor und Protektor der Encyclopédie 

Der französische Reformpolitiker und Staatsmann Malesherbes kam am 6. Dezember 1721 zur Welt und stammte aus einer traditionsreichen Familie. Nachdem er ein Studium der Rechts- und Geschichtswissenschaften erfolgreich abgeschlossen hatte, wurde er bereits in jungen Jahren Conseiller de Parlement in Paris.

Erst 33jährig erhielt er den Posten des Präsidenten des Cour des Aides und wurde Ende 1750 durch seinen Vater Guillaume de Lamoingnon, der kurz zuvor Kanzler geworden war, zum Directeur de la Librairie ernannt. Damit machte der junge Politiker einen Sprung in an die Spitze der obersten Zensurbehörde Frankreichs. Malesherbes behielt dieses Amt bis 1763.


Abb. 5

Unter Chrétien-Guillaume Lamoignon de Malesherbes wurde eine neue Tendenz innerhalb der königlichen Zensurpolitik offensichtlich: Er praktizierte eine zwar weiterhin strenge, aber dennoch flexiblere und aufgeklärtere Literaturkontrolle. Bei der Gewährung der Pressefreiheit ging der Directeur de la Librairie pragmatisch vor. Er definierte klare Prioritäten dessen, was an kritischen Inhalten zu vertreten und was zu unterdrücken sei. Dadurch wollte er die Buchproduktion ankurbeln, aber auch die Literatur schützen, die ansonsten mangels Druckerlaubnis verloren gegangen wäre.

Die Prinzipien Malesherbes ließen keinesfalls Angriffe auf Gott, die französische Monarchie, Moral und Anstand zu. Darüber hinaus neigte er jedoch dazu, den Autoren ein breites Spektrum an Selbstverantwortung zu ermöglichen. Die Öffentlichkeit sollte die Bücher, auch wenn sie kritische Themen behandelten, selbst beurteilen. "Each philosopher, each orator, each man of letters (...) should be considered the advocate of what ought to be heard, even when he avows principles believed to be false. Sometimes it takes centuries to plead causes. The public alone can judge them, an in the end, if sufficiently instructed, it always will have judged well." [15]

Obwohl er als Vertreter der Pressefreiheit galt, beeinträchtigten seine Ansichten, die er 1758/59 im Mémoire sur la librairie sowie dem Mémoire sur la libérte de la presse zusammenfasste, seinen Respekt und seine Wertschätzung des Königs keineswegs. Mit seiner Forderung nach mehr Nachsicht gegenüber politischen Kommentaren beabsichtigte Malesherbes, die öffentliche Meinung anzuregen. Damit wollte er der Politik aus ihrer Starre verhelfen.

Malesherbes vertrat weiterhin die Ansicht, dass die willkürliche Zensur zu minimieren sei. Im Gegenzug sollten aber dann die Grenzen der Zensur umso strikter eingehalten werden, um diese so effektiver zu gestalten. Er plädierte außerdem für die Förderung von Autoren. Durch Auszeichnungen erhoffte sich Malesherbes das Vertrauen von Schriftstellern und Verlegern zurückzugewinnen. Sie sollten so verleitet werden, Literatur hervorzubringen, die wiederum den König und den Klerus zufrieden stellte. 

Die Memoiren, welche Malesherbes an den französischen König richtete, erschienen diesem zu freidenkerisch, woraufhin Malesherbes 1763 aus dem Amt des Directeur de la Libraire entlassen wurde. Er behielt zwar seinen Posten als Präsident der Cour des Aides, kehrte aber erst nach elf Jahren wieder in die Regierungskreise zurück. Seine richtungsweisenden und modernen Ansichten brachten ihm andernorts jedoch viele Sympathien: nämlich in den Kreisen der Literaten.

Durch sein Literaturinteresse war er mit zahlreichen Autoren, auch aus dem Kreise der Enzyklopädisten, befreundet. Malesherbes beschrieb seine Situation wie folgt: "Je suis chargé d'une police qui concerne les gens de lettres, les savants, les auteurs de toute espèce, c'est-à-dire des gens que j'aime et qu'estime, avec qui j'ai toujours désiré de passer ma vie, qui font honneur à leur siècle et à leur patrie.' [16] Diese Aussage erklärt deutlich, warum er als Protektor der Encyclopédie auftrat.

1775 wurde er von König Ludwig XVI. zum Staatsminister unter Finanzminister Turgot berufen. Die Maßnahmen einer Gefängnisreform und sowie die Abschaffung der Lettres de Cachet, der berüchtigten geheimen Haftbefehle, gingen ihm nicht weit genug. So zog sich Malesherbes nach wenigen Monaten wieder aus der Politik zurück.

Fortan setzte er sich für die Zivilrechte von Protestanten und Juden ein. Er verfasste zu diesem Zweck 1785 sein Mémoire sur le mariage des protestants. Zwei Jahre später wurde er für eine zweite Amtszeit als Staatsminister unter Ludwig XIV. berufen, die jedoch nur bis 1788 dauerte. Daraufhin beschäftigte er sich ausführlich mit Literatur und baute allmählich seine eigene Bibliothek aus, die zahlreiche Werke der Untergrundliteratur beinhaltete.

Er erhielt einige Auszeichnungen: Bereits zu Beginn seiner Karriere wurde er in die Akademie der Wissenschaften aufgenommen. Später beriefen ihn auch die Académie des inscriptions und die Académie Francaise als Mitglied.

Im Dezember 1792 trat Malesherbes zum letzten Mal in die Dienste von Ludwig XIV. Vor dem Konvent trug er die Verteidigungsschrift für den angeklagten französischen König vor. Der Monarch wurde jedoch vom Tribunal zum Tode verurteilt. Aufgrund seiner antirevolutionären Aktivitäten wurde ein Jahr später auch über ihn das Todesurteil verhängt. Gemeinsam mit seiner Tochter, seinem Schwiegersohn und seiner Enkelin wurde er am 22. April 1794 durch die Guillotine hingerichtet. 

 

[11] Kafker, F. A.: The Encyclopedists as a group. A collective biography of the authors of the Encyclopédie, Oxford 1996, 87.  

[12] Gersmann, G. und Schoeder, C.: Zensur, Zensoren und Zensierte im Ancien Régime. In: "Unmoralisch an sich ...": Zensur im 18. u. 19. Jh., Wiesbaden 1988, 138-139.

[13] Köhler, E: D'Alembert: Eine Einleitung zur Enzyklopädie von 1751, Hamburg 1955.

[14] Köhler, E: D'Alembert: Eine Einleitung zur Enzyklopädie von 1751, Hamburg 1955.

[15] Zitat Malesherbes nach Raymond Birn in: Darnton, Robert: Revolution in print. The press in France, 1775 - 1800, Berkeley 1989, 58.

[16] Zitat Malesherbes nach Christian Bazin: Malesherbes, la sagesse des lumières, Paris 1995, 107.

 

Empfohlene Zitierweise

Spindler, Ulrike: 3. Zensur in Frankreich. Aus: Madame de Pompadour - Die Encyclopédie, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2929/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006