I. Zeitschriften/Buchmarkt

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I. Der Zeitschriften- und Buchmarkt im Frankreich des 18. Jahrhunderts - von Claus von Wagner

5. Madame de Pompadour und die Literatur 

Madame de Pompadour war mit der Literatur ihrer Zeit in vielerlei Weise verbunden: als Gegenstand, Fördererin oder Leserin. 

Gegenstand der Literatur 

Schon zu Lebzeiten wurde der Mätresse großes Interesse von ihren Zeitgenossen entgegengebracht. Deutlich wird das bei einer Betrachtung der zahlreichen und sich zum Teil völlig widersprechenden Werke, die sich mit dem Leben der berühmten Dame befassen. Das Bild, das Madame de Pompadour in den literarischen Produktionen ihrer Zeitgenossen abgibt, ist nicht immer sehr schmeichelhaft. Fälschungen, Übertreibungen und Schmähschriften beherrschen den Großteil der zeitgenössischen Pompadour-Literatur. Und doch hat sich in der französischen Literatur der 18. Jahrhunderts ein recht konstantes und homogenes Bild der Mätresse gebildet. Der Grund hierfür mag in der Tatsache liegen, dass das Bild von Madame de Pompadour aus wenigen - von Autor zu Autor weitergereichten - Anekdoten und "Kerngeschichten" bestand [36].

Gönnerin 

Einer der Autoren, den Madame de Pompadour unterstützte, war der Schriftsteller Jean François der Marmontel. Laut seiner Darstellung verschaffte ihm die Mätresse, nachdem er von Voltaire nach Paris geholt worden war, eine Stellung als "secrétaire des Bâtiments". Im selben Jahr, 1758, erhielt er das Privileg die wöchentlich erscheinende Zeitschrift Mercure de France zu veröffentlichen. Mit der Herausgabe dieser Hofzeitung konnte er Geld und Ansehen erwerben. Crèbillon dem Jüngeren verhalf Madame de Pompadour ebenfalls zu wirtschaftlichem Aufstieg. 

Auch Männern wie D'Alembert oder Voltaire verschaffte die Bekanntschaft Madame de Pompadours einige Vorteile. Die Marquise hatte Voltaire schon früh zu Aufträgen und Titeln verholfen und machte ihn sogar zum Hofhistoriograph von Frankreich. Aus Madame de Pompadours Briefen an Voltaire spricht Bewunderung für den Querdenker. So schreibt sie: "Sie sind im Schreiben und Denken noch immer der Erste auf der Welt" [37]. Jean-Jacques Rousseau und sein Werk Julie oder Die neue Héloise hielt sie indes für exzentrisch.

Leserin 


Abb. 1

Den Kontakt mit den philosophes, den Freigeistern der Aufklärung, pflegte die Mätresse gerne, und so fanden sich in ihrer Bibliothek neben Werken von Voltaire auch solche von Montesquieu, Diderot oder Holbach. Welche Bücher sie genau gelesen hat, ist nicht bekannt. In einer sehr pädagogisch formulierten Anekdote jedoch berichtet Voltaire, wie Madame de Pompadour geschickt den praktischen Nutzen, der bis dahin verbotenen Enzyklopädie, auch dem König vor Augen führte. So soll sie sich bei Tische unter anderem darüber beklagt haben, nicht zu wissen, woraus das Rouge bestehe, welches sie täglich auftrage. Man ließ die Enzyklopädie herbeischaffen. Bald darauf durfte das Werk dann in ganz Frankreich erscheinen [38].

 

5.1 Weiterführende Literatur 

Weisbrod, Andrea: Von Macht und Mythos der Pompadour, Königstein 2000. 

Pleschinski, Hans (Hg.): Ich werde niemals vergessen, sie zärtlich zu lieben. Die Briefe der Madame de Pompadour, München 1999. 

 

 

[36] Vgl. Weisbrod, Andrea: Von Macht und Mythos der Pompadour, Königstein 2000, 34 f.  

[37] Pleschinski, Hans (Hg.): Ich werde niemals vergessen, sie zärtlich zu lieben. Die Briefe der Madame de Pompadour, München 1999, 316.

[38] Vgl. Pleschinski: Briefe, 150.

 

Empfohlene Zitierweise

Wagner, Claus von: 5. Madame de Pompadour und die Literatur. Aus: Madame de Pompadour - Der Zeitschriften- und Buchmarkt im Frankreich des 18. Jahrhunderts, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2915/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006