I. Zeitschriften/Buchmarkt

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I. Der Zeitschriften- und Buchmarkt im Frankreich des 18. Jahrhunderts - von Claus von Wagner

2. Die Schriftsteller im Ancien Régime
Himmelhoch jauchzend - zum Tode betrübt

2.1 Woher stammt das Wissen über die Schriftsteller? Ein Beispiel 

Ausgerechnet ein Polizeioffizier, genauer gesagt, der Inspecteur de la librairie, der die Literaturproduktion und -distribution in Paris überwachen sollte, trug dazu bei, dass viele der Namen der - meist als Aufrührer verschrieenen - Schriftsteller der Nachwelt erhalten blieben. Sein Name lautete Joseph d'Hémery [10].


Abb. 1

Seine Genauigkeit und seine als "Schreibwut" bezeichnete Ausführlichkeit machen ihn für Historiker zu einem interessanten Chronisten der Zeit. In wöchentlichen Berichten, die mehr den Charakter von Anekdoten und biografischen Skizzen als von trockenen Berichten besaßen, hielt er von 1748 - 1753 das literarische Leben der französischen Hauptstadt fest.

Seine Akten porträtieren die Pariser Intellektuellen um die Mitte des 18. Jahrhunderts, vom Philosophen bis hin zum Schreiberling. Auch wenn man in vielen Fällen mehr über d'Hémerys Einstellung zur Literatur als über den beobachteten Schriftsteller erfährt, sind sie eine fruchtbare Quelle auf der Suche nach "dem Schriftsteller par excellence". 

Zusammen mit den Dienstprotokollen der Pariser Polizeikommissare - einige dieser Kommissare waren enge Mitarbeiter von d'Hémery - und dem Bastille-Archive, welches heute in der Pariser Bibliothèque l'Arsenal gelagert wird, ergibt sich ein zwar nicht lückenloses, aber lebendiges Bild der französischen Schriftsteller im Paris des 18. Jahrhunderts.

2.2 Was bedeutet "Schriftsteller" im 18. Jahrhundert? Begriffsprobleme 

Schriftsteller ist heute ein anerkannter künstlerischer Beruf, mit dem man seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war das nicht so "einfach". Die Strukturen für den Beruf des "Schriftstellers" nach heutigem Verständnis (also eines Literaten, der unabhängig von Gönnern in den literarischen Markt integriert ist und sich ganz seiner Laufbahn widmen kann) waren erst im Entstehen. Auch wenn sich die Verhältnisse um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu wandeln begannen, war doch die Tätigkeit des Schriftstellers, immer noch ein Wagnis, gesellschaftlich wie finanziell. 

Der professionelle Schreiber 

Die Zahl der Schreiber, die den wesentlichen Teil ihrer Gesamteinkünfte mit der Feder verdienten, war insgesamt gesehen so gering wie ihr soziales Ansehen. Zahlreiche Tätigkeiten, die nicht selten die Schreibtätigkeit überwogen, waren die Folge. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts hatten die Schriftsteller allerdings ein nicht gekanntes Prestige erreicht. Bei aller Skepsis begann die französische Gesellschaft, die schreibende Zunft mit anderen Augen zu sehen. Das schlug sich auch in den Werken nieder. Statt aus einer demütigen Haltung heraus schrieben die Autoren nun aus einem Bewusstsein der Stärke und der Überzeugung, ein nützliches und wichtiges Mitglied des Staates geworden zu sein. So begann die Wandlung der ehemaligen schreibenden "Hofnarren" hin zu Identifikations- und Leitfiguren einer Epoche der Aufklärung. 

Wer sich mit dem Schriftsteller im Ancien Régime befasst, muss sich fragen, wer im Rückblick auf das Frankreich des 18. Jahrhunderts überhaupt als "Schriftsteller" bezeichnet werden darf? Jeder, der etwas Schriftliches - sei es Vers, sei es Buch - veröffentlicht hat? Jeder, den man im nachhinein als solchen bezeichnete? Vielleicht gibt das Selbstverständnis der Künstler Anhaltspunkte: Wie sahen die Vertreter der schreibenden Zunft sich selbst? 

Selbsteinschätzungen 

Der Schriftsteller Jean-Jacques Garnier etwa malte in seinem Buch über den Homme des Lettres - französisch für Literat - ein sehr poetisches Bild des Schriftstellers. Dieser sei moralisch untadelig und ein Vorbild für seine Mitmenschen. Voltaire dagegen wollte die wirklichen von den falschen Literaten trennen. Nur derjenige, der sich mit Leib und Seele der Literatur gewidmet, mehrere Bücher geschrieben habe und hochgebildet sei, dürfe sich einen Homme de Lettres nennen. Alle anderen "Gelegenheitsschriftsteller" sollten mit der Bezeichnung auteur vorlieb nehmen [11].

Egal, wie man sie bezeichnet: Eines zeigt sich in diesen Definitionsversuchen ganz deutlich. Die zeitgenössischen Schriftsteller begannen ihre "Zunft" und ihren Status intensiver zu reflektieren. Die steigende Zahl von Schriften über den Schriftsteller belegt dies und weist auf ein steigendes Verlangen nach Selbstbestätigung und Standortbestimmung hin. Dies ist verständlich, insbesondere vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Öffentlichkeit und einer wachsenden Bedeutung der öffentlichen Meinung. Diese war zum Machtfaktor geworden - einem Machtfaktor, an dem die Schriftsteller maßgeblich beteiligt waren [12].

2.3 Kleine und große Schriftsteller 


Abb. 2

Ein Homme de Lettres war der Vorgänger des modernen Intellektuellen. Gebildet und gewandt in Schrift und Wort. Doch reichte das für den Lebensunterhalt? Die Antwort ist nicht zu verallgemeinern. Zu unterschiedlich waren die Lebensweisen der literarischen Akteure dieser Zeit. Voltaire, Jean Jacques Rousseau, Montesquieu und D'Alembert - um nur einige "Große" zu nennen - jeder von ihnen kann als Homme de Lettres bezeichnet werden, und doch sind die Unterschiede leicht zu erkennen.

Während Voltaire von seinem literarischen Talent - in Verbindung mit seinen ökonomischen Fähigkeiten - gut leben konnte, war D'Alembert Zeit seines Lebens weitgehend auf seine Gönnerin Madame Geoffrin angewiesen. Montesquieu hingegen besaß ein Weingut in der Gegend von Bordeaux und hatte zusätzlich das Amt eines Parlamentspräsidenten geerbt. Er musste sich um Geld keine Sorgen machen. Ganz im Gegensatz zu Jean Jacques Rousseau, der sich lange Zeit ebenfalls von adeligen Damen aushalten ließ, und der später - trotz eines kleinen väterlichen Erbes und wachsender Bekanntheit - seinen Unterhalt mit dem Kopieren von Noten verdiente. 

Ein weiteres prominentes Beispiel: Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, bekannt als Schöpfer der Komödie Le mariage du Figaro, begann seine Karriere als Uhrmacherlehrling. Als ihm der Uhrmacher des Königs eine Erfindung abspenstig machen wollte, wehrte er sich mit einer schriftlichen Eingabe an die Académie des Sciences und entlarvte den königlichen Uhrmacher als Betrüger. Immer wieder halfen Beaumarchais seine Pamphlete und Veröffentlichungen sich zu behaupten, das Schreiben des "Figaro" machte ihn sogar berühmt. Leben konnte er von seinem literarischen Schaffen allerdings nicht [13]. Die Herausgabe einer Voltaire-Edition 1779-1786 brachte ihm große Verluste, die er aber mit weiteren Beschäftigungen auszugleichen wusste. Neben einer Tätigkeit als Geheimagent des Königs arbeitete er während der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskriegs als Waffenlieferant.

Vergessene Autoren 

Das Spektrum der "Berufe" der etablierten Schriftsteller reichte also vom Weingutsbesitzer über den Waffenlieferanten bis hin zum Hofdichter. Doch was war mit all jenen unbekannteren Poeten, den armen Autoren, die unter erheblich schwierigeren Existenzbedingungen zu leben und zu schreiben hatten, die keine gesicherte Position in der Gesellschaft bekleideten? Sie waren der Brutalität der Welt des Ancien Régimes ausgesetzt. 


Abb. 3

Überwachung, Verfolgung, Inhaftierung, Verarmung. Viele Selbstzeugnisse von unbekannten Schriftstellern zeigen die missliche Lage der Literaten, die mittellos und Schuldenbeladen ihr Dasein fristeten. Zwischen Ruhm und Abgrund stand oftmals nur der Zufall. Himmelhoch jauchzend - zum Tode betrübt: Jener Satz aus Goethes Egmont trifft wohl auch auf die Situation der Schriftsteller zwischen 1750 und 1789 zu.

2.4 Schriftsteller und Verleger 

Im gleichen Maße, wie die arrivierten Schriftsteller manchmal hymnisch verehrt wurden, wurden die weniger bekannten Literaten von ihren Verlegern an der kurzen Leine gehalten. Man verweigerte ihnen zum Beispiel die Autorenrechte. In seiner Denkschrift "Sur la liberté de la presse" setzt sich Diderot mit dem Problemfeld "Literarisches Eigentum" auseinander. Er schreibt: "Der Autor ist der Herr seines Werkes, oder niemand sonst in der Gesellschaft ist der Herr seines Besitzes" [14].

Die Beziehungen zwischen Autoren und Verlegern gestalteten sich oftmals sehr einseitig zu ungunsten des Künstlers. Auch wenn sich einige große Schriftsteller wie Mirabeau oder Voltaire einiges herausnehmen konnten und ihre Überlegenheit auch weidlich ausnutzten, war der Großteil der Pariser Autoren dennoch "in erniedrigendster Weise mit den Gepflogenheiten des Verlagsgeschäftes konfrontiert" [15].

Not der unbekannten Schriftsteller 

Marmontel, der später selbst zu einem großen Schriftsteller werden sollte, musste das in seiner Jugend am eigenen Leib erfahren: Einen ganzen Winter war er gezwungen, im Bett zu bleiben. Das Geld reichte nicht zum Heizen, und als er als Übersetzer endlich Honorar erhielt, hatte er kein Geld in Händen, sondern lediglich Lebensmittelgutscheine. 

Doch im Gegensatz zu Marmontel konnten sich viele Schriftsteller überhaupt nicht aus der Abhängigkeit von den Verlegern befreien. Zad D'Alembert - um nur einige "Große" zu nennen - jeder von ihnen kann als Homme de Lettres bezeichnet werden, und doch sind die Unterschiede leicht zu erkennen. 

Während Voltaire von seinem literarischen Talent - in Verbindung mit seinen ökonomischen Fähigkeiten - gut leben konnte, war D'Alembert Zeit seines Lebens weitgehend auf seine Gönnerin Madame Geoffrin angewiesen. Montesquieu hingegen besaß ein Weingut in der Gegend von Bordeaux und hatte zusätzlich das Amt eines Parlamentspräsidenten geerbt. Er musste sich um Giese Situation, die er selber niemals erleben musste, im Dictionnaire philosophique mit den Worten: "Der Schriftsteller ist ohne Unterstützung, er gleicht den fliegenden Fischen: erhebt er sich ein wenig, fressen ihn die Vögel, taucht er unter, verschlingen ihn die Fische" [16].

Vom Schreiberling zum Spitzel 

Viele junge Schriftsteller, die ohne finanziellen oder familiären Rückhalt nach Paris gekommen waren sahen, sich gezwungen, niedere Dienste anzunehmen. Gelegenheitsarbeiten, Botengänge und Dienstleistungen aller Art. Mancher wechselte sogar die Fronten - und verdiente sich fortan als Spitzel in Diensten des Inspecteur de la librairie, seinen Lebensunterhalt.


Abb. 4

Eine andere Art und Weise zu Geld zu kommen, war der Journalismus oder das Verfassen von Nouvelles à la main, "Berufe", die bis ins späte 18. Jahrhundert hinein bei den etablierten Schriftstellern einen äußerst schlechten Ruf besaßen. Voltaire etwa bezeichnete Journalisten als "Kanaillen der Literatur" und die Nouvellisten als "Haie, die gierig nach jeder Münze schnappen" [17].

2.5 Förderung der schönen Künste 

Die Untergrundliteratur profitierte von der Not der jungen Schreiberlinge. Verleger verbotener Schriften lockten die unerfahrenen Autoren mit ökonomischen Versprechungen. Wer nicht auf die schiefe Bahn geraten wollte und ohne eigenes Kapital war, musste sich anschicken, möglichst schnell Anschluss an die Etablierten zu schaffen. Seilschaften spinnen, Protektion erreichen, Gönnerschaft erwirken - all das führte zu einem lebhaften Konkurrenzkampf um die Gunst der "Einflussreichen", die ein unbekanntes Talent in den Kreis der Etablierten einführen konnten [18]. Man schrieb Widmungen oder komponierte ganze Oden auf den potentiellen Förderer. Ein Besuch bei einem "großen Aufklärer" war Pflicht. Dabei gab es neben dem privaten auch ein staatliches Mäzenatentum.

Auch Madame de Pompadour betätigte sich eifrig als Förderin der von ihr geschätzten Literaten; Voltaire etwa verdankte ihr seine Stellung als Hofdichter, und auch Crèbillon dem Jüngeren verhalf sie zu einem wirtschaftlichen Aufstieg. Die Einkünfte aus öffentlichen Ämtern, die damit verbunden Pensionen zusammen mit einer Rente, die aus einer Erbschaft stammte, bescherten ihm einen sorglosen Lebensabend. 

Abhängig von der Gunst der Reichen 

Doch manch staatliche Unterstützung war bitter erkauft. Das staatliche Mäzenatentum machte die Förderungswürdigkeit vom "Wohl-Verhalten" des jeweiligen bittstellenden Schriftstellers abhängig. Schrieb er nach Ansicht des Zensors beziehnungsweise königlichen Sekretärs gegen die Krone, verlor er das Prädikat "förderungswürdig" auch wenn man sein Werk ansonsten durchaus zu würdigen gewusst hätte. Oppositionelle Denker hatten auf diesem Wege wenig Chancen [19].


Abb. 5

Eine andere Stufe auf der Treppe des Erfolges in die Höhen der Pariser Literaturszene bildeten die Akademiepreise. Sie brachten den jungen Schriftstellern neben Geld noch viel wichtigere Güter: Bekanntheit und Anerkennung. Schon Jean-Jacques Rousseau hatte 1750 mit seiner Antwort auf die Preisfrage der Akademie in Dijon den Aufstieg in den Olymp der Literaten geschafft. Ähnliches gelang es dem jungen Marmontel, der, erst Anfang 20, zwischen 1744 und 1749 mehrere Preise der Académie des Jeux Floraux in Toulouse gewann. Auch Charmont wurde 23-jährig 1764 von der Académie Française ausgezeichnet.

Der Einstieg in die Schriftstellerei erfolgte dann über eine Veröffentlichung von Beiträgen in den literarischen Journalen oder Sammelwerken. Der für sein Werk Gefährliche Liebschaften berühmt gewordene Pierre Ambroise François Choderlos etwa veröffentlichte lange vor seinem bekannten Roman erste Gedichte im Almanach des Muses. Während diese Veröffentlichung einer Steigerung der Bekanntheit dienen sollten, wurde die Arbeit an einem der vielen Lexikonprojekte des 18. Jahrhunderts (Grand Vocabulaire Français, Dictionnaire dramatique etc.) von den Literaten mehr als Quelle für den Lebensunterhalt gesehen [20].

2.6 Kurzbeschreibungen von Schriftstellern 

Beaumarchais, Pierre Augustin Caron de. Geboren in Paris am 24.1.1732, dort verstorben 18.5.1799. Französischer Bühnenschriftsteller. Mit seinen Komödien "Der Barbier von Sevilla" (1775, von Rossini 1816 vertont) und "Der tolle Tag oder Die Hochzeit des Figaro" (1784, von W.A. Mozart 1786 vertont) äußerte er harsche Kritik am Ancien Régime.

Chamfort, Nicolas de. Hieß eigentlich Sébastien Roch Nicolas. Geboren in Clermont (heute Clermont-Ferrand) am 6.4.1741, gestorben in Paris 13.4.1794. Französischer Schriftsteller, der seine Kritik an der Gesellschaft des Ancien Régime in Form moralischer Aphorismen niederschrieb ("Maximen, Charakterzüge und Anekdoten, herausgegeben 1796).

Crébillon, Claude Prosper Jolyot de. Geboren in Paris am 14.2.1707, dort gestorben am 12.4.1777. Französischer Schriftsteller, verfasste erotisch-psychologische Romane, unter anderem "Das Sopha" (1742).

Laclos, Pierre Ambroise François Choderlos de. Geboren in Amiens am 18.10.1741, gestorben in Tarent am 5.9.1803. Französischer Schriftsteller. Unter Herzog Louis Philippe von Orléans diente er als Offizier und Privatsekretär. Während der Französischen Revolution Jakobiner. Sein Briefroman "Gefährliche Liebschaften" (1782), eine der bedeutendsten zeitgenössischen Darstellungen der korrumpierten aristokratischen Gesellschaft des Ancien Régime, übte durch die Darstellung der Perfektion und Faszination des Bösen großen Einfluss auf die Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts aus.

Lesage, Alain René. Geboren in Sarzeau (Dép. Morbihan) am 8.5.1668, gestorben in Boulogne-sur-Mer am 17.11.1747. Der französische Schriftsteller schrieb Theaterstücke, unter anderem die Komödie "Turcaret" (1709), eine Satire auf das französische System der Steuerverpachtung. Mit den Romanen "Der hinkende Teufel" (1707) und "Gil Blas von Santillana" (4 Bände, 1715-35) führte er den spanischen Schelmenroman in die französische Literatur ein und nutzte ihn zur Kritik an der zeitgenössischen französischen Gesellschaft.

Marivaux, Pierre Carlet Chamblain de. Geboren in Paris am 4.2.1688, dort verstorben am 12.2.1763. Er entwickelte mit seinen psychologisch motivierten Liebeskomödien diese Gattung weiter ("Das Spiel von Liebe und Zufall", 1730; "Die falschen Vertraulichkeiten", 1737). Marivaux wurde zum Hauptvertreter der Empfindsamkeit und zugleich zum Vorläufer des realistisch-analytischen Romans ("Das Leben der Marianne", 1731-42; "Der emporgekommene Landmann", 1734/35).

Marmontel, Jean-François. Geboren in Bort-les-Orgues (Dép. Corrèze) am 11.7.1723, gestorben in Ablonville (bei Saint-Aubin-sur-Gaillon, Dép. Eure) am 31.12.1799. Er war ein bedeutender Vertreter der Aufklärung, schrieb für die Encyclopédie Artikel über Literatur. Daneben verfasset er Tragödien, den philosophischen Roman "Belisar" (1767) und die "Moralischen Erzählungen" (3 Bde., 1761). Seine Memoiren "Leben und Denkwürdigkeiten" (2 Bde., hg. 1800 - 06) gelten als kulturgeschichtliches Dokument.

Mirabeau, Honoré Gabriel Riqueti, Graf von. Geboren in Le Bignon (bei Nemours, Dép. Loiret) am 9.3.1749, gestorben in Paris am 2.4.1791. Wegen seines ausschweifenden Lebenswandels wurde der französische Politiker mehrfach zu Haftstrafen, 1777 sogar zum Tode verurteilt. Er wurde jedoch 1782 begnadigt. Er schrieb nach einer geheimen Mission in Berlin 1786/87 "Über die Preußische Monarchie unter Friedrich der Große" (1788) und "Geheime Geschichte des Berliner Hofes" (1789). Mirabeau war als Publizist gefürchtet. Seine Popularität erreichte er als sein eigener Verteidiger in spektakulären Prozessen und zu Beginn der Französischen Revolution als Vertreter des dritten Standes in den Generalständen.

Prévost d'Exiles, Antoine François, gen. Abbé Prévost. Geboren in Hesdin (Dép. Pas-de-Calais) am 1.4.1697, gestorben in Courteuil (bei Chantilly) am 23.11.1763. Der Schriftsteller war Jesuitenschüler, Soldat und Benediktiner. Nach Erscheinen der ersten vier Bände seiner "Mémoires et aventures d'un homme de qualité" (1728-31) setzte er sich jedoch von dem Orden ab. Der siebte und letzte Band seiner "Mémoires" enthält die "Geschichte der Manon Lescaut und des Ritters Des Grieux". Diese Geschichte gilt als Meisterwerk des psychologischen Romans (Vorlage für Opern von Massenet, 1884 und Puccini, 1893). Neben seinem eigenen Werken übersetzte er die Romane von Samuel Richardson ins Französische. Richardson wird als Schöpfer des empfindsamen, psychologisierenden Briefromans gesehen.

 

[10] Vgl. Darnton, Robert: Das große Katzenmassaker. Streifzüge durch dir französische Kultur vor der Revolution, Wien 1989, 169f.

[11] Vgl. von Stackelberg, Jürgen: Themen der Aufklärung, München 1977.

[12] Vgl. Gersmann, Gudrun: Im Schatten der Bastille. Die Welt der Schriftsteller, Kolporteure und Buchhändler am Vorabend der Französischen Revolution, Stuttgart 1993, 129f.

[13] Vgl. von Stackelberg, Jürgen: Themen der Aufklärung, München 1977, 39.

[14] Diderot, zit. in: Gersmann, Gudrun: Im Schatten der Bastille. Die Welt der Schriftsteller, Kolporteure und Buchhändler am Vorabend der Französischen Revolution, Stuttgart 1993, 133.

[15] Gersmann: Schatten, 135.

[16] Voltaire, zit. in: von Stackelberg, Jürgen: Themen der Aufklärung, München 1977, 45.

[17] Vgl. Gersmann: Schatten, 139.

[18] Vgl. Gersmann, Gudrun: Im Schatten der Bastille. Die Welt der Schriftsteller, Kolporteure und Buchhändler am Vorabend der Französischen Revolution, Stuttgart 1993, 140.

[19] Vgl. Gersmann, Schatten, 142f.

[20] Vgl. Gersmann, Schatten, 143.

 

Empfohlene Zitierweise

Wagner, Claus von: 2. Die Schriftsteller im Ancien Régime. Himmelhoch jauchzend - zum Tode betrübt. Aus: Madame de Pompadour - Der Zeitschriften- und Buchmarkt im Frankreich des 18. Jahrhunderts, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2903/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006