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II. Pompadour in den Künsten - von Inga Reinert
11. Das Bild der frommen Dame
Schon gleich zu Beginn ihres Lebens am Hof versuchte Madame de Pompadour das Bild, das man von ihr in der Öffentlichkeit hatte, durch ihre Porträts zu beeinflussen. Beherrschend ist hier zum einen das Thema der gebildeten Frau, zum anderen aber das der tugendhaften, keuschen Frau. Bereits in den 1750er Jahren wollte Madame de Pompadour, nachdem der König und sie ihr sexuelles Verhältnis beendet hatten, mit dem Thema der Freundschaft in der Bildenden Kunst ihrer Person das Unsittliche ihres vorhergehenden Lebens als Geliebte des Königs nehmen.
Am Ende ihres Lebens liegt der Schwerpunkt in den Porträts der Marquise deutlich auf letzterem Aspekt. Madame de Pompadour ließ sich in einer Weise darstellen, wie sie es in ihrem offiziellen Leben am Hof durch ein nach außen hin frommeres Verhalten bereits vollzogen hatte. Der Maler, der diese letzten Werke für sie schuf, war François Hubert Drouais.
Madame de Pompadour als keusche Priesterin
1763 schuf er im Auftrag für die Marquise ein Porträt, das sie in der historischen Verkleidung einer Vestalin zeigt.
Vestalinnen haben ihren Ursprung in der altrömischen Religion. Es waren sechs jungfräuliche Priesterinnen, die Tempeldienst für die Göttin Vesta verrichteten. Der Dienst bestand vor allen Dingen darin, dass sie das heilige Feuer im Tempel hüteten. Das Feuer war das Herdfeuer des Staates, bei dessen Erlöschen sich Unglück über die Stadt verbreiten würde.[37] Die Vestalinnen hatten so eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe und genossen ein hohes Ansehen im Staat.[38] Sie wohnten in einer klösterlichen Gemeinschaft, und für sie galt ein strenges Keuschheitsgebot, dessen Verletzung mit dem Tode bestraft wurde.[39]Die Darstellung von Frauen als Vestalin war um die Mitte des 18. Jahrhunderts sehr beliebt. Kenntnis vom Kult der Priesterinnen hatte man durch zwei Schriften: Histoire secrète de vestales (Die geheime Geschichte der Vestalinnen), erschienen 1700, die sich auch in der Bibliothek der Marquise befand, und die 1725 erschienene Histoire de vestales, von Abbé Nadal geschrieben.[40] Man hatte dennoch nur wenig Kenntnis darüber, wie die Priesterinnen gekleidet waren. Deswegen hielten die Maler sich bald an einen bestimmten Typus, den der Maler Jean Marc Nattier geschaffen hatte. Auf diese Weise war dem gebildeten Zeitgenossen klar, um welche historische Anspielung es sich handelte. Auch Drouais hielt sich bei seinem Bildnis der Madame de Pompadour an dieses Vorbild.
Besonders wichtiges Erkennungszeichen sind der durchsichtige, mit weißen Streifen versehene Schleier, und der Perlengürtel. Außerdem gibt die Marquise durch das Buch in ihrer Hand, auf dem "Vestales" zu lesen ist, einen deutlichen Hinweis auf die Deutung ihre Verkleidung. Zu ihrer Rechten befindet sich das heilige Feuer auf einem Altar, und in der Nische im Hintergrund ist die Göttin Vesta als Statue dargestellt.[41]
Im Gegensatz zu anderen Verkleidungen, zum Beispiel als Diana, geht es bei diesem Bildnis nicht um Schönheit und Liebreiz der Dargestellten. Drouais Werk vermittelt dagegen den Eindruck von Ernsthaftigkeit. Durch die Darstellung als Vestalin konnte Madame de Pompadour die Botschaft von Keuschheit und Tugendhaftigkeit mit der Rolle als Hüterin des Staates verbinden.
Madame de Pompadour am Stickrahmen
Auch im letzten existierenden Porträt der Madame de Pompadour vermittelt Drouais das Bild einer würdevollen Dame. Es entstand 1763/64, die Aufstellung in einem Saal des Tuilerienschlosses erlebte die Marquise nicht mehr.[42]
Madame de Pompadour ist in ihren Gemächern am Stickrahmen dargestellt. Ab 1756 empfing sie auf diese Art und Weise Hofleute und andere Gäste. In ihrem Erscheinungsbild, mit dem Ansatz eines Doppelkinns und ohne Schminke, vermittelt sie den Eindruck einer frommen, reifen, eher mütterlichen Frau. Wir haben es nicht mehr mit einer galanten, bezaubernd schönen Königsmätresse zu tun.Der Maler verbindet in diesem letzten Bildnis trotzdem noch einmal fast alle der in den vorhergehenden Porträts gezeigten Aspekte. Er erreicht dies durch das Bildinventar: Madame de Pompadour ist umgeben von luxuriösen, fein gearbeiteten Möbeln, die auf ihre hohe Stellung deuten. Des weiteren weisen die Bücher auf ihre Bildung hin, die Laute und die Zeichenmappe auf ihre eigenen künstlerischen Interessen. Dieses in früheren Gemälden dargestellte Bildprogramm ist hier nun kombiniert mit der von ihr seit den 1750er Jahren gesondert propagierten Aussage einer keuschen Freundin des Königs.
[37] Vgl.: Lexikon der Kunst, Bd. 7, München: 1996, 616.
[38] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 99.
[39] Vgl.: Lexikon der Kunst, Bd. 7, München: 1996, 616.
[40] Vgl.: Kathleen Nicholson: The ideology of feminine ‘virtue’: the vestal virgin in French eighteenth-century allegorical portraiture, in: Joanna Woodall: Portraiture. Facing the subject, Manchester 1997, 52-72, 58/59.
[41] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 104/105.
[42] Vgl.: Elise Goodman: The Portraits of Madame de Pompadour. Celebrating the femme savante, Berkeley 2000, 27.
Empfohlene Zitierweise
Reinert, Inga: 11. Das Bild der frommen Dame, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2737/
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Erstellt: 15.03.2006
Zuletzt geändert: 15.03.2006
Unterkapitel
- 01. Madame de Pompadour und die Bildenden Künste
- 02. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste
- 03. Die künstlerischen Tätigkeiten der Madame de Pompadour
- 04. Porträts der Madame de Pompadour
- 05. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour
- 06. Das Thema Freundschaft
- 07. Madame de Pompadour als gebildete Frau
- 08. Die Salonausstellungen
- 09. Bouchers Repräsentationsbildnis
- 10. Die morgendliche Toilette
- 11. Das Bild der frommen Dame




