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II. Pompadour in den Künsten - von Inga Reinert
9. Bouchers Repräsentationsbildnis
Madame de Pompadour bestellte von François Boucher insgesamt neun Porträts, mehr als von jedem anderen Maler. Dies ist insofern ungewöhnlich, als er im Gegensatz zu Künstlern wie Quentin de La Tour oder Jean Marc Nattier, ansonsten nicht für seine Porträts bekannt war und insgesamt nicht sehr viele anfertigte.[27] Madame de Pompadour schrieb sogar einmal selbst zu einem seiner Bildnisse von ihr, dass es zwar sehr vorteilhaft gestaltet sei, es ihr jedoch nicht ähnlich sähe.[28]Eine von Bouchers Qualitäten lag dagegen im Dekorationsfach. So konnte er mit seiner glänzenden Farbigkeit, der detailgetreuen Wiedergabe prunkvoller Gewänder und der Darstellung weiblicher Grazie Abbilder einer unbeschwerten luxuriösen Welt schaffen. Dies machte ihn zum geeigneten Maler des wohl repräsentativsten Porträts der Madame de Pompadour.
Bildbeschreibung
Der hohe Anspruch dieses Bildnisses von 1756 wird bereits durch seine enormen Ausmaße deutlich. Mit 201 x 157 cm ist es das größte erhaltene Porträt der Madame de Pompadour. Des weiteren wird dem Betrachter etwa durch das prächtige Kleid der Marquise und die kostbare Ausstattung ihrer Umgebung schnell klar, dass es sich hier um eine wichtige Persönlichkeit handeln muss.Die Intention der Madame de Pompadour scheint somit eindeutig auf der Demonstration ihrer hohen Position am Hof zu liegen. Durch eine besonders hervorgehobene Aufstellung im Salon von 1757 konnte sie dies zusätzlich einem großen Publikum verdeutlichen. Doch welche Faktoren sind es im Detail, die dem Gemälde seinen repräsentativen Charakter verleihen, und welche reale Situation der Marquise legitimierte den Auftrag für ein solches Bildnis?
Das Bildinventar
Das Porträt enthält verschiedene Elemente, die an ein Staatsporträt erinnern: Es ist eines von den ganzfigurigen Bildnissen der Marquise. Dies ist insofern von Bedeutung, als sich in früheren Zeiten nur Herrscher in voller Körpergröße abbilden lassen konnten. Im 18. Jahrhundert war man diesbezüglich zwar nicht mehr so streng, aber in Kombination mit dem lebensgroßen Format des Gemäldes trägt dieses Merkmal zur Aufwertung der Darstellung bei.
Hinzu kommen die schweren, aus kostbarem Stoff gefertigten Vorhänge, welche die Marquise von links und rechts wie auf einer Bühne einrahmen. Es lassen sich weitere wertvolle Objekte um sie herum erkennen: ein fein gearbeitetes Tischchen aus Rosenholz links von ihr, Seidenkissen und ein großer Spiegel mit vergoldetem Rahmen hinter ihr. In dem Spiegel sieht man einen Bücherschrank mit einer goldenen Uhr und einen Teil der gegenüberliegenden Wandfläche. An dieser Wand ist ein Pilaster (Wandpfeiler) erkennbar, der sich durch die Spiegelung direkt hinter dem Kopf der Marquise befindet. Pilaster und Säulen gelten in der Porträtmalerei als Würdemotiv und kommen so nur in Bildnissen von Männern vor.[29]Die übrigen, wie zufällig im Zimmer verstreuten Gegenstände weisen auf die kulturellen Beschäftigungen der Madame de Pompadour hin. Links auf dem Fußboden eine Zeichenmappe mit Stichen, ein aufgerollter Plan - vielleicht von einem Architekturprojekt - und Musiknoten.
Die Darstellung der Marquise
Betrachtet man die Marquise selbst, fällt ihre sehr entspannte, ja lässige Haltung auf der Chaiselongue auf. Bei offiziellen Porträts findet man eigentlich nur ein aufrechtes Sitzen in einem Sessel oder im Falle von Herrschern auf einem Thron.[30] Die Pose erklärt sich aber durch die dargestellte Situation. Madame de Pompadour war gerade noch mit der Lektüre eines Buches beschäftigt, und Schreibutensilien nebst einem Brief sollen wohl ihre getätigte Korrespondenz veranschaulichen. Sie schaut mit einem zufriedenen, nachdenklichen Blick nach rechts. Die gesamte Situation scheint für ein Ausruhen der Madame de Pompadour nach künstlerischer und geistiger Arbeit zu stehen.
Die Ernennung zur Palastdame
Zieht man bei diesem Bildnis die Parallele zur Biographie der Marquise, bekommt ihre unbeschwerte Körperhaltung eine weitere Dimension. Es ist ziemlich offensichtlich, dass das Porträt in unmittelbarem Zusammenhang mit ihrer Ernennung zur außerordentlichen Hofdame der Königin (dame du palais de la reine) im Februar 1756 steht. Mit dieser Auszeichnung hatte sie den Höhepunkt ihrer "Karriere" erreicht. Sie war die erste Königsmätresse, der ein solches Amt zugewiesen wurde. Damit ging sie auf jeden Fall für den Moment als Siegerin aus dem ständigen Kampf mit ihren Neidern und Feinden am Hof von Versailles hervor. Auch das Eingreifen ihrerseits in politische Angelegenheiten in demselben Jahr wurden durchaus als Erfolg angesehen.[31] Das Porträt stellt infolgedessen eine sehr zufriedene und selbstbewusste Madame de Pompadour dar, die ihre neu erreichte Position stolz präsentieren will.
Doch wie ihre letzten Bildnisse zeigen werden, war dies nicht das letzte strategische Mittel in bildnerischer Form, um ihre Stellung zu verteidigen.
[27] Vgl.: Donald Posner: Mme. de Pompadour as a Patron of the Visual Arts, in: The Art Bulletin, vol. 72 (1990), 74-105, 98.
[28] Vgl.: Elise Goodman: The Portraits of Madame de Pompadour. Celebrating the femme savante, Berkeley 2000, 19.
[29] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 85.
[30] Vgl.: Bernhard Rupprecht: Bouchers Pompadour-Porträt von 1756, in: Karl Möseneder (u.a. Hg.): Aufsätze zur Kunstgeschichte. Festschrift für Hermann Bauer zum 60. Geburtstag, Hildesheim 1991, 274-283, 275.
[31] Vgl.: Bernhard Rupprecht: Bouchers Pompadour-Porträt von 1756, in: Karl Möseneder (u.a. Hg.): Aufsätze zur Kunstgeschichte. Festschrift für Hermann Bauer zum 60. Geburtstag, Hildesheim 1991, 274-283, 274.
Empfohlene Zitierweise
Reinert, Inga: 09. Bouchers Repräsentationsbildnis. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour in den Künsten, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/3373/
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Erstellt: 25.04.2006
Zuletzt geändert: 25.04.2006
Unterkapitel
- 01. Madame de Pompadour und die Bildenden Künste
- 02. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste
- 03. Die künstlerischen Tätigkeiten der Madame de Pompadour
- 04. Porträts der Madame de Pompadour
- 05. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour
- 06. Das Thema Freundschaft
- 07. Madame de Pompadour als gebildete Frau
- 08. Die Salonausstellungen
- 09. Bouchers Repräsentationsbildnis
- 10. Die morgendliche Toilette
- 11. Das Bild der frommen Dame







