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II. Pompadour in den Künsten - von Inga Reinert
7. Madame de Pompadour als gebildete Frau
Sehr häufig versuchte Madame de Pompadour ihr Ansehen am französischen Hof durch Porträts zu steigern, in denen auf ihre Gelehrsamkeit und ihre Rolle als Schirmherrin der Künste verwiesen wurde. Ein erstes eindringliches Beispiel schuf der Maler Maurice Quentin da La Tour mit seinem Pastellporträt der Marquise von 1755.
Madame de Pompadour gab das Werk selbst bereits 1751 in Auftrag. Es fällt also in jene Zeit, in der sie nicht mehr Geliebte des Königs war. Sie musste ihre Rolle an der Seite Ludwigs XV. neu definieren und wollte die Veränderung der Öffentlichkeit auch durch ein Bildnis vermitteln. 1755, im Jahr der Fertigstellung des Porträts, wurde es im Salon ausgestellt und war einem breiten Publikum zugänglich. Aus Berichten von Salonkritikern kann man ablesen, dass es seine beabsichtigte Wirkung nicht verfehlte.
Die Kritiker äußerten sich vor allen Dingen über die Darstellung der Madame de Pompadour als Schutzherrin der Künste und als Philosophin. "Der ehrgeizige Vorstoß in die Welt des Wissens und der Macht"[22] der Marquise wurde aber nicht nur positiv aufgefasst.[23] Um zu begreifen, warum das Porträt eine solche Wirkung hatte, muss man sich die Darstellung genau ansehen.
Das Bildinventar
Die Dinge, welche die Marquise umgeben, weisen entweder auf ihr Mäzenatentum gegenüber Künstlern, Gelehrten und Schriftstellern oder ihre eigene künstlerische Tätigkeit und Bildung hin. Man kann sie fast alle präzise deuten, da sich zum Beispiel die Bücher auf dem Tisch aufgrund ihrer lesbaren Aufschriften genau identifizieren lassen.
Auf ihre Musikalität und ihr Interesse an Musik lassen ein Notenheft in ihren Händen und eine Laute auf dem Sofa im Hintergrund schließen.
Ihr Interesse an der Bildenden Kunst, das bis zur eigenen künstlerischen Tätigkeit ging, wird durch einen blauen Buchband auf dem Tisch hervorgehoben, bei dem es sich um ein Werk über die Kunst des Steinschnitts handelt. Der Maler betont auf diese Weise ihre Förderung dieser Kunstform. Der Stich, der über den Rand des Tisches fällt, und die Mappe zu Füßen der Marquise sollen dagegen ihr eigenes künstlerisches Werk veranschaulichen.
Bei dem linken der vier auf dem Tisch stehenden Bücher handelt es sich um Pastor Fido, einSchäferdrama von Giovanni-Battista Guarini aus dem Jahr 1590. Damit wird schließlich auf ihr Interesse am Theater und ihr schauspielerisches Können hingewiesen, da sie unter anderem auch die Rolle einer Schäferin übernahm.Neben dem Bereich der Künste trifft man aber auch den der Gelehrsamkeit an. In dem Porträt kommt das Bild der Madame de Pompadour als femme savante (der gelehrten Frau) und zugleich der Freundin von Schriftstellern und Philosophen zum Ausdruck . Ein Globus auf dem Tisch weist auf die Geographie hin. Die restlichen Bücher daneben sind Werke von befreundeten Autoren aus Madame de Pompadours Bibliothek: La Henriade von Voltaire , L´Esprit de lois von Montesquieu und der 4. Band der Encyclopédie von Diderot und d´Alembert. Diese Werke waren in ihrer Zeit alle äußerst umstritten. Madame de Pompadour setzte sich trotzdem für sie und ihre Autoren ein. Indem sie sich in ihrem Porträt mit den Bänden abbilden ließ, unterstrich sie zusätzlich Mut und Eigenständigkeit.[24]
In Porträts dieser Zeit kann man zwar durchaus andere Frauen finden, die sich mit einem Buch in der Hand oder einem wissenschaftlichen Instrument abbilden ließen, aber mit dieser Anhäufung von Verweisen auf ihre eigene Kunstfertigkeit, Gelehrsamkeit und Rolle als Mäzenin ist dieses Bildnis der Marquise einzigartig. Salonkritiker meinten damals, dass die Darstellung als femme savante mit solchen Büchern sich für ein Damenbildnis, welches zu allererst anziehend wirken sollte, nicht gehörte.[25]
[22] Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 29.
[23] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 17-29.
[24] Vgl.: Elise Goodman: The Portraits of Madame de Pompadour. Celebrating the femme savante, Berkeley 2000, 133-136.
[25] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 28.
Empfohlene Zitierweise
Reinert, Inga: 07. Madame de Pompadour als gebildete Frau. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour in den Künsten, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2718/
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Erstellt: 15.03.2006
Zuletzt geändert: 15.03.2006
Unterkapitel
- 01. Madame de Pompadour und die Bildenden Künste
- 02. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste
- 03. Die künstlerischen Tätigkeiten der Madame de Pompadour
- 04. Porträts der Madame de Pompadour
- 05. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour
- 06. Das Thema Freundschaft
- 07. Madame de Pompadour als gebildete Frau
- 08. Die Salonausstellungen
- 09. Bouchers Repräsentationsbildnis
- 10. Die morgendliche Toilette
- 11. Das Bild der frommen Dame



