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II. Pompadour in den Künsten - von Inga Reinert
6. Das Thema der Freundschaft
Der Wandel im Verhältnis Madame de Pompadours zum König
Bei den genannten Porträts der Madame de Pompadour in mythologischer oder historischer Verkleidung ging es mehr um eine allgemeine Demonstration ihres hohen Ranges am Hof oder ihrer Liebe zum Theater. Im Gemälde der Sultanin deutete sich jedoch bereits ein enger gefasstes Thema an.
Um das Jahr 1750 beendeten Ludwig XV. und Madame de Pompadour ihre "Liebesaffäre". Ihre Beziehung zueinander beruhte nun nicht mehr auf sexueller Liebe, sondern spielte sich auf einer rein freundschaftlichen Ebene ab. Diese Veränderung schwächte die Stellung der Marquise am Hof jedoch nicht im geringsten. Im Gegenteil, sie gewann an Einfluss und versuchte, ihre Person von der Aura einer Mätresse zu befreien.[19]
Das Thema der Freundschaft als künstlerisches Programm
Diese Absicht verfolgte Madame de Pompadour auch in ihren Aufträgen für künstlerische Werke. Wesentlich deutlicher als im Bild der Sultanin wird dieses Bestreben in Skulpturen der Jahre 1750-1754, mit denen die Marquise ein regelrechtes Programm verfolgte. Die Aufträge drehen sich alle um das Thema der Freundschaft. Madame de Pompadour wollte so ihr verändertes Verhältnis zum König, den Aufstieg von der Mätresse zur Freundin, durch die Kunst nach außen verdeutlichen.Für eine dieser Skulpturen bekam Jean-Baptiste Pigalle 1750 den Auftrag. Die Figur der Amitié (Freundschaft), die Madame de Pompadour selbst darstellt, war für den Park ihres Schlosses in Bellevue vorgesehen. Die Skulptur war für den gebildeten Betrachter der Zeit klar als Personifikation der Freundschaft erkennbar. Es hatte sich ein fester Typus herausgebildet: Eine junge Frau wurde, mit einem schlichten Gewand bekleidet, mit nackter Brust und bloßen Unterarmen, mit locker gebundenem Haar, natürlich und einfach dargestellt. Meist wurde noch, wie bei der Statue der Marquise, der Baumstumpf einer Ulme mit Weinranken hinzugefügt, die für schlechte und gute Zeiten in einer Freundschaft stehen. Die Skulptur der Freundschaft stand im Park von Bellevue ursprünglich unmittelbar gegenüber einer Statue Ludwigs XV., die 1794 zerstört wurde. Madame de Pompadour verschenkte also in einer eindringlichen Geste symbolisch ihr Herz an ihren Freund, den König.[20]Das Programm der Madame de Pompadour war jedoch weitaus umfangreicher, da es sich nicht nur auf diese Statuen oder Gemälde bezog. Sie ließ sich weitere 19 Statuetten aus Porzellan (biscuits) nach Entwürfen von Falconet anfertigen. Diese dienten wohl als Geschenke und sollten ihre Botschaft, die Freundin des Königs zu sein, weitertragen. Außerdem schuf sie selbst Stiche und einige Gemmen, welche die Allegorie der Freundschaft zeigten. Die Gemmen konnte sie gleichzeitig als Stempel für Wachssiegel verwenden.[21]
[19] Vgl.: Katherine K. Gordon: Madame de Pompadour, Pigalle, and the Iconography of Friendship, in: The Art Bulletin, vol. 50 (1968), 248-262, 249.
[20] Vgl.: Katherine K. Gordon: Madame de Pompadour, Pigalle, and the Iconography of Friendship, in: The Art Bulletin, vol. 50 (1968), 248-262, 256.
[21] Vgl.: Donald Posner: Mme. de Pompadour as a Patron of the Visual Arts, in: The Art Bulletin, vol. 72 (1990), 74-105, 77.
Empfohlene Zitierweise
Reinert, Inga: 06. Das Thema Freundschaft. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour in den Künsten, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2713/
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Erstellt: 22.03.2006
Zuletzt geändert: 22.03.2006
Unterkapitel
- 01. Madame de Pompadour und die Bildenden Künste
- 02. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste
- 03. Die künstlerischen Tätigkeiten der Madame de Pompadour
- 04. Porträts der Madame de Pompadour
- 05. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour
- 06. Das Thema Freundschaft
- 07. Madame de Pompadour als gebildete Frau
- 08. Die Salonausstellungen
- 09. Bouchers Repräsentationsbildnis
- 10. Die morgendliche Toilette
- 11. Das Bild der frommen Dame





